Andechs

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Gemeinde Andechs in Oberbayern. Weiteres siehe: Andechs (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Andechs
Andechs
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Andechs hervorgehoben
Koordinaten: 47° 58′ N, 11° 11′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Starnberg
Höhe: 690 m ü. NHN
Fläche: 40,44 km²
Einwohner: 3527 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 87 Einwohner je km²
Postleitzahl: 82346
Vorwahl: 08152
Kfz-Kennzeichen: STA, WOR
Gemeindeschlüssel: 09 1 88 117
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Andechser Straße 16
82346 Andechs
Webpräsenz: www.gemeinde-andechs.de
Bürgermeisterin: Anna Elisabeth Neppel (parteilos)
Lage der Gemeinde Andechs im Landkreis Starnberg
Ammersee Starnberger See Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen Landkreis Fürstenfeldbruck Landkreis Landsberg am Lech Landkreis München Landkreis Weilheim-Schongau München Andechs Berg (Starnberger See) Feldafing Gauting Gilching Herrsching am Ammersee Inning am Ammersee Krailling Pöcking Seefeld (Oberbayern) Starnberg Tutzing Weßling Wörthsee (Gemeinde)Karte
Über dieses Bild

Andechs ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Starnberg und ein Wallfahrtsort. Berühmt ist Andechs für das gleichnamige Benediktinerkloster, das auch dank seines unter der Marke Andechser vermarkteten Bieres seit alters her vielbesucht ist, wie auch durch die Milchprodukte der Andechser Molkerei Scheitz, der größten deutschen Bio-Molkerei.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Andechs liegt auf einem Höhenrücken zwischen dem Ammersee im Westen und dem Starnberger See im Osten. Der Rücken entstand durch Gletscherablagerungen zwischen den beiden Haupt-Gletscherzungen des Isar-Loisach-Gletschers, die für die beiden Zungenbeckenseen verantwortlich war und weist auf seiner Oberfläche Strukturen von Endmoränen auf. Innerhalb des Gemeindegebiets variiert die Geländehöhe um mehr als 200 m, von 533 m ü. NN am Ufer des Ammersees bis zu 740 m ü. NN im Kerschlacher Forst[2].

Der Ort liegt im Zentrum des Fünfseenlandes und ist in die vier Ortsteile Erling, Frieding, Machtlfing und das Gewerbegebiet Rothenfeld untergliedert.

Durch den Ortsteil Erling fließt der Kienbach.

Erling mit Pfarrkirche St. Vitus

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick vom Turm der Wallfahrtskirche (ca. 1968, horizontal gespiegelt)

Andechs war Stammsitz der europaweit bedeutenden Grafen von Andechs und Herzöge von Meranien, die in direkter Linie 1248 ausstarben. Nach einer sagenumwobenen Wiederauffindung des verlorenen Reliquienschatzes der Grafen von Andechs im Jahre 1388 lebte Andechs als Wallfahrtsort wieder auf und erlebte eine neue Blüte. 1455 erfolgte die Klostergründung auf dem Heiligen Berg. Bis zur Säkularisation war das Gebiet ein Teil der geschlossenen Hofmark Erling.

1803 wurde das Kloster aufgelöst. Der Ort Erling unterhalb des Klosters wurde 1818 eine selbstständige politische Gemeinde. 1850 wurde das Kloster Andechs als Pfründe für die Abtei St. Bonifaz (München) unter Ludwig I. von Bayern neu gegründet.

Die Gemeinde Erling wurde am 30. April 1956 amtlich in Erling-Andechs umbenannt.[3]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1976 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Machtlfing in die Gemeinde Erling-Andechs eingegliedert. Am 1. Januar 1978 kam Frieding hinzu. Am 2. Januar 1978, also nur einen Tag später, wurde der Gemeindename Erling-Andechs amtlich in Andechs geändert.[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verlauf der Bevölkerungsentwicklung[5]
Jahr 1840 1900 1939 1970 1987 2003 2008 2012
Einwohner 962 1.327 1.530 1.867 2.682 3.166 3.300 3.386

Versuche zur Chronobiologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem eigens errichteten Bunker im Gemeindegebiet fanden ab 1963 Versuche des Max-Planck-Instituts für Verhaltensphysiologie statt, die für die Chronobiologie richtungsweisend waren. Insgesamt rund 450 Probanden lebten dort – anfangs einzeln, später in Gruppen – ohne Verbindung zur Außenwelt, ohne Uhr und ohne Tageslicht.[6][7] Die Aufenthaltsdauer betrug meist vier Wochen.[6] Zweck war die Erforschung der circadianen Rhythmik (auch „Innere Uhr“) des Menschen, auch im Hinblick auf Erfordernisse der bemannten Raumfahrt, die damals bevorstand. Zu den beteiligten Wissenschaftlern gehörten Jürgen Aschoff und der Niederländer Serge Daan.

Ein Ergebnis war, dass der unsynchronisierte Tagesablauf mit etwa 25 Stunden Periodizität verläuft, etwas länger als der natürliche Tag.[7] Kein Proband musste, anders als zuvor angenommen, psychiatrisch behandelt werden. 1989 endete die Versuchsreihe.[6]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus der Gemeinde Andechs

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sitzverteilung im Gemeinderat:
Jahr CSU SPD Grüne BG gesamt Wahlbeteiligung
2014 6 2 2 6 16 67,6 %
2008 7 2 1 6 16 67,5 %
2002 8 4 0 4 16 71,5 %

BG = Bürgergruppe

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2008 ist Anna Neppel von der Bürgergruppe Frieding amtierende Bürgermeisterin der Gemeinde Andechs. Zuvor hatte der derzeitige Landrat des Landkreises Starnberg, Karl Roth (CSU), das Amt inne.

Gemeindepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Kamnik in Slowenien besteht eine Gemeindepartnerschaft.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kloster Andechs

Liste der Baudenkmäler in Andechs

Die spätgotische Klosterkirche Andechs wurde von 1751 bis 1755 von Johann Baptist Zimmermann im Stile des Rokokos umgestaltet.

Die Carl Orff-Festspiele Andechs, bei denen in den Sommermonaten im Florian-Stadl des Klosters Andechs alljährlich Werke von Carl Orff aufgeführt werden, sind weltweit die bedeutendste Spielstätte, die sich der Pflege der Orffschen Werke verpflichtet hat. Carl Orff liegt auf seinen Wunsch hin in einer Seitenkapelle der Klosterkirche begraben.

Auf dem Gemeindegebiet befinden sich die Überreste der Abschnittsbefestigung Andechs aus dem frühen Mittelalter, heute ein Bodendenkmal.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Andechser Ortsteil Erling ist Sitz der Andechser Molkerei. Im Andechser Gewerbegebiet „Rothenfeld“ sind einige mittelständische Unternehmen (Industrie, Software, Handwerk) angesiedelt. Größter Arbeitgeber der Gemeinde ist das Kloster Andechs mit der eingegliederten Brauerei und der Gastronomie.

Kindergärten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt vier Kindergärten in der Gemeinde:

  • Katholischer Kindergarten St. Elisabeth (Erling)
  • BRK Kinderhaus „Sternschnuppe“ (Frieding)
  • Heilpädagogische Tagesstätte (Erling)
  • Kindergarten der Elterninitiative „Bärenhöhle“ (Erling)

Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Gemeinde Andechs befindet sich die Carl-Orff-Volksschule. Neben dem gewöhnlichen Unterrichtsangebot der Grundschule bietet die Schule auch eine große Auswahl an Musikunterricht an.

Behörden und Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hedwig von Andechs (auch: Hedwig von Schlesien) (1174–1243), Herzogin von Schlesien, Heilige der katholischen Kirche, ist in Andechs geboren.
  • Maurus Friesenegger (1595–1655), Abt im Kloster Andechs von 1640 bis 1655, verfasste ein Tagebuch aus dem Dreißigjährigen Krieg.
  • Georg Queri (1879–1919), bayerischer Heimatdichter und Schriftsteller, ist im Ortsteil Frieding geboren.
  • Carl Orff (1895–1982), Komponist und Musikpädagoge, ist in der Klosterkirche Andechs begraben.
  • Bert Hölldobler (* 1936), Verhaltensforscher, Soziobiologe und Evolutionsökologe ist im Ortsteil Erling geboren.
  • Anselm Bilgri (* 1953) war als Benediktiner Prior im Kloster Andechs.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Topografische Karte TK25 der Bayerischen Vermessungsverwaltung
  3. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 576.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 591.
  5. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung, abgerufen am 12. Juli 2014.
  6. a b c Im Andechser Bunker: Fernab von Sonne und Weltgeschehen. nordbayern.de vom 24. Februar 2010, abgerufen am 22. Oktober 2015
  7. a b Drastische Experimente – Allein im Betongrab. Spiegel Online vom 29. Juli 2013, abgerufen am 22. Oktober 2015

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Andechs – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Andechs – Reiseführer