Andrássy (Adelsgeschlecht)

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Die aus dem Szeklerland stammende Familie Andrássy gehörte zu den bedeutendsten Adelsfamilien des Königreichs Ungarn. Im Laufe der Jahrhunderte hat dieses Geschlecht etliche bedeutende Politiker und Militärs hervorgebracht.

Wappen der Andrássys (1766)

Die Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abstammung der Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Andrássys gehörten zu jenen gräflichen Familien, die stetig in der Gesellschaft Ungarns aufstiegen und bedeutende Positionen einnahmen. Der Ursprung der Familie bleibt im Dunkel der Historie verborgen. Der Überlieferung zufolge soll ein gewisser "Andorás" um das Jahr 1000 in Gran als Gefolgsmann des König Stephan des Heiligen gedient haben. Dieser Andorás soll Begründer des Geschlechtes gewesen sein. Nähere Einzelheiten sind unbekannt.

Martin Andrássy und dessen Sohn Peter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die real nachvollziehbare Genealogie der Andrássys beginnt mit Martin (ung. Márton) Andrássy, der 1539 in Siebenbürgen erstmals in der Gefolgschaft des Fráter György zu finden ist. Als nach dessen Ermordung die Stände Siebenbürgens Johann Sigismund zum Fürst von Siebenbürgen wählten, war auch Martin Andrássy anwesend.

Da Fürst Johann Sigismund keinen gesetzlichen Erben hatte, bestimmte er Gáspár Bekes zu seinem Nachfolger. Nach seinem Tod wählte die Ständeversammlung von Siebenbürgen in Weißenburg am 25. Mai 1571 jedoch nicht Bekes, sondern Stephan Báthory zum neuen Fürsten. Martin Andrássys Sohn Peter Andrássy schlug sich jedoch auf die Seite von Gáspár Bekes, der als Gegner von Báthory ebenfalls Ansprüche auf den Fürstentitel erhob. Andrássy kämpfte mit 2000 Reitern an der Seite von Bekes. Am 8. Juli 1575 kam es zur entscheidenden Schlacht bei Kerelőszentpál[1] in welcher Bekes unterlag. Peter Andrássy geriet in Gefangenschaft und wurde beim Siebenbürger Landtag in Klausenburg am 8. August 1575 zum Tode und dem Verlust seiner Güter verurteilt. Es gelang ihm jedoch die Flucht in das Königreich Ungarn. Hier meldete er sich in die Dienste des Kaisers Rudolf II., der ihm am 21. Juli 1578 zum Schlosshauptmann von Krasznahorka und Kastellan von Betler ernannte.

Die Familie in Krasznahorka[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter Andrássy heiratete Sophia (ung. Zsófia) Becz, mit der er zwei Söhne (Matyás und János), sowie zwei Töchter (Kata und Anna) hatte. Der jüngere Sohn János kämpfte 1596 bei der Belagerung von Erlau gegen die Türken[2], dort wurde er so schwer verletzt dass er kurz danach im Alter von 28 Jahren starb. Der ältere Sohn Matyás I. († 1595) war mit Anna Pálffy verheiratet. Aus dieser Ehe entstammt als Erbe der Sohn Mátyás II., der 1642 von Kaiser Ferdinand III. die Güter Krasznahorka und Betlér als Lehen erhielt.

Der Sohn von Matyás II., Miklós I. (Nikolaus)[3] zeichnete sich in den Türkenkriegen aus. Besondere Verdienste erwarb er sich in den Schlachten von Szatmár und Neuhäusel. Für diese Verdienste wurde er von Kaiser Leopold I. im Jahre 1676 zum Baron erhoben. Gleichzeitig wurde er Obergespan des Komitates Gemer.

Miklós I. hatte sechs Söhne. Unter ihnen wurden drei Söhne (István, György und Pál) zu Generälen ernannt.

  • Peter II. (* 7. Dezember 1659 in Preßburg, † 1715 in Wien), Obergespan des Komitates Gemer ∞ Maria Barbara Orlay de Carva († 1726)
  • István I., General[4] ⚭ 1. Erzsébeth Barcsay de Nagybarcsa († 6. Dezember 1685 in Bonchida / Siebenbürgen), ⚭ 2. Zsófia Serédy de Nagyfalu. Er war der Begründer der → Älteren "Betlerer" Andrássy-Linie (ung. "betléri ág")
  • György II. († 1725), Kuruzengeneral ⚭ Mária Szelényi de Felsőszelény. Er war Begrüner der → Jüngeren "Monoki" Andrássy-Linie (ung. "monoki ág")
  • Pál († 3. Februar 1713 in Trentschin), Hauptmann (Kommandant) von Gran ⚭ 1. Maria Amadé de Várkony, ⚭ 2. Gräfin Kristina Balassa de Gyarmat
  • Miklós II., der sog. "Dervisch-General" trat in den Franziskanerorden ein und kämpfte als Oberst an der Seite von Ferenc II. Rákóczi.
  • János
  • und die Töchter Anna, Magdolna, Klára, Borbala und Julia.

Die Ältere "Betlerer" Linie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ältere 'Betlerer[5]' Linie wurde vom General István I. begründet. Aus dieser Linie stammt der Feldmarschall Károly I., ein Enkel des Begründers der Linie, sowie dessen Kinder Károly II., Leopold, Julianna, Rozália und Joseph III. (* Oktober 1762, † 1845[6]). Im Jahre 1779 wurden sie von Kaiserin Maria Theresia in den Grafenstand erhoben.

Totenschild mit Wappen des Grafen Emanuel „Mano“ Andrássy (1821–1891): "COMES EMANUEL ANDRÁSSY DE CSIK-SZENT-KIRÁLY-ET KRASZNA-HORKA" in der Matthiaskirche (Budapest). Das Wappen wurde 1779 mit dem Grafenstand an Karl Freiherr Andrássy von Csikszentkirály und seine Nachkommen verliehen

Joseph III. diente als Oberst im theresianischen Heer und war mit der Gräfin Walburga Csáky de Körösszegh et Adorján (* 3. März 1770 in Preßburg, † 1797 ebd.) verheiratet. Dessen jüngster Sohn Károly III. (* 29. Februar 1792 in Rosenau, † 22. August 1845 in Brüssel) heiratete im Jahre 1819 Etelka Szapáry de Muraszombath (* 26. September 1798, † 10. November 1876 in Szőlőske[7]). Der älteste Sohn Emanuel „Mano“ (* 1821; † 1891) führte die Betlerer Hauptlinie fort, der jüngste Sohn Aladár (* 1827, † 1903) gründete die Nebenlinie 'Homonna' (ung. 'homonnai melékág'), der mittlere Sohn Gyula, einer der bekanntesten Mitglieder des Geschlechtes, gründete die sog. Nebenlinie 'Tőketerebes' (ung. 'tőketerebesi oldalág'). Aus dieser Nebenlinie stammen folgende Nachkommen:

Tivadar Andrássy hatte vier Töchter: Ilona (* 1886, † 1967), Borbála (* 1890, † 1968), Katinka[8] (* 1892, † 1985) und Klára (* 1898, † 1941). Nach dem Tode von Tivadar heiratete seine Witwe ihren Schwager Gyula Andrássy den Jüngeren, der gleichzeitig Vormund ihrer Töchter wurde.

Die Jüngere "Monoker" Linie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die jüngere ("Monoker") Linie[9] wurde von György II., Sohn des Miklós I., begründet.

Dessen älterer Sohn György III.[10] heiratete am 13. Mai 1725 in Nagytapolcsány die Gräfin Anna Mária Berényi de Karancs-Berény (* 3. Juni 1704 in Trentschin), deren drei Kinder János (* 1726), Anton (* 1728(?), † 1799)[11] und István (* 1731, † 22. Februar 1812; Obergespann des Komitates Borsod) wurden von Maria Theresia in den Grafenstand erhoben.

György's II. jüngerer Sohn Peter (* ~ 1700, † 1. März 1745) war ein leidenschaftlicher Militär und Generalleutnant, er wurde am 15. September 1742 zum Generalfeldwachtmeister im Österreichischen Heer ernannt. Peter Andrássy war nicht verheiratet und starb ohne Nachkommen.

Ein bedeutender Vertreter dieser Linie war auch György III. (* 5. Februar 1797 in Kaschau, † 19. Dezember 1872 in Wien), der Sohn des Obergespann des Komitats Borsod István (* 1731, † 1812) und dessen zweiter Ehefrau Maria Festetics de Tolna (* 12. September 1770 in Ödenburg, † 12. November 1828). Am 10. Februar 1834 heiratete er die Gräfin Franziska zu Königsegg-Aulendorf (* 3. Juli 1814 in Aulendorf, † 22. April 1871 in Wien). Aus der Eheverbindung gingen die Kinder Maria, Dionysius, Elisabeth und György hervor. György war kaiserlicher Kämmerer und Geheimrat, er war Mitbegründer der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, die er auch mit großen Geldsummen unterstützte. Bei dem verheerenden Donauhochwasser im Jahre 1838[12] in Pest erwarb er sich große Verdienste. Er wurde am 28. September 1842 zum Obergespan des Komitats Sáros ernannt. Er war ein enger Mitarbeiter des ungarischen Reformers Grafen István Széchenyi.

Bedeutende Vertreter des Adelsgeschlechtes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Adelsgeschlecht der Andrássys hat zahlreiche Persönlichkeiten hervorgebracht, die nicht nur für Ungarn, sondern auch internationale Bedeutung hatten.

Eine Liste der Vertreter dieses Geschlechtes ist auf der Wikipediaseite → Andrássy zu finden.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Straßen und Plätze wurden nach den Andrássys benannt.

Im Jahre 2001 wurde die Andrássy Gyula Deutschsprachige Universität Budapest (kurz: Andrássy Universität Budapest – AUB). Namensgeber der Universität ist der ehemalige Ministerpräsident Ungarn und Außenminister Österreich-Ungarns Graf Gyula Andrássy (* 1823, † 1890). Es handelt sich um eine private Universität mit Sitz in Budapest, der Hauptstadt von Ungarn. Die AUB ist die einzige vollständig deutschsprachige Universität außerhalb des deutschen Sprachraums und wurde nach deutschen Regeln und Kriterien akkreditiert.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kerelőszentpál ist ein Dorf im Tal der Maros etwa 19 km von Neumarkt an der Mieresch entfernt, im ehemaligen Komitat Maros-Torda mit heute etwa 456 Einwohnern (2011).
  2. Den Türken gelang es unter Sultan Mehmed III. die Burg, sowie Stadt einzunehmen. Erlau blieb danach 96 Jahre lang in der Hand des Osmanischen Reiches.
  3. Baron Miklós I. Andrássy de Csíkszentkirály et Krasznahorka (* 1620, † 1686) war in 1. Ehe mit Klara Zichy († 1671) und in 2. Ehe mit Elisabeth Kerekes de Cziffer verheiratet.
  4. István I. Andrássy wird als der "Kneipengeneral" (ung. "kocsmai generális") in den Roman von Maurus Jókai "Die weiße Frau von Leutschau" beschrieben. (ung. A lőcsei fehér asszony, 1885).
  5. Den Namen erhielt dieser Zweig der Familie nach dem gleichnamigen Schloss Betler, wo bereits 1578 Peter I. Andrássy Kastellen war.
  6. Anderen Angaben zufolge, soll er bereits 1834 gestorben sein.
  7. Szőlőske (slow. "Viničky") ist ein kleiner Ort im Bezirk Tőketerebes, im ehemaligen Komitat Semplin mit 505 Einwohnern (2017)
  8. Katinka Andrássy war mit dem Ministerpräsidenten der "Asternrevolution" Mihály Károlyi verheiratet und wurde deshalb auch spöttisch als „die rote Gräfin“ bezeichnet.
  9. Den Namen erhielt diese Linie nach den Namen der gleichnamigen Ortschaft Monok, wo sich dieser Teil der Familie niedergelassen hat.
  10. In zweiter Ehe war er mit Baronesse Anna Mednyánszky de Medne (* 5. September 1707 in Preßburg, † 21. Januar 1762 in Nagybélic) verheiratet. Die Ehe blieb jedoch kinderlos.
  11. Anton Andrássy (* 28. Oktober 1742 in Románfalva, † 12. November 1799 in Rosenau) wurde 1772 in Wien zu Priester geweiht. Am 18. September 1780 wurde er zum Diözesanbischof von Rosenau ernannt.
  12. Das Donau-Hochwasser floss zwischen dem 13. und 18. März 1838 ab. Im Stadtteil Pest stand das Wasser bis zu 2,6 m Höhe in den Straßen. 2281 Häuser stürzten ein und 50 – 60 Tausend Menschen wurden obdachlos. In Pest forderte das Hochwasser über 150 Todesopfer.