Peter Schreier

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Dieser Artikel behandelt den Tenor Peter Schreier. Zum gleichnamigen Lebensmittelchemiker siehe Peter Schreier (Lebensmittelchemiker).
Peter Schreier, 1976

Peter Schreier (* 29. Juli 1935 in Meißen) ist ein deutscher Opernsänger (Tenor) und Dirigent.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgewachsen im sächsischen Gauernitz, wurde Peter Schreier 1943 in die Vorbereitungsklasse des Dresdner Kreuzchores aufgenommen und im Juli 1945 Mitglied des Kreuzchores.[1] Vom Chorleiter Rudolf Mauersberger wurde er als Talent entdeckt. Bereits als Knabenalt machte Peter Schreier auf sich aufmerksam, was Tonaufnahmen aus dieser Zeit dokumentieren. Der Kreuzkantor komponierte für ihn eine Reihe von Solopartien, u. a. das Nocturno, das Vaterunser aus der Geistlichen Sommermusik, das De profundis aus dem Dresdner Requiem und mehrere Volksliedbearbeitungen.

Nach dem Stimmbruch wechselte Schreier in das Stimmfach Tenor. Nach ersten, privaten Studien bei Fritz Polster folgte ein Gesangsstudium an der Dresdner Musikhochschule.1959 debütierte er an der Staatsoper Dresden als Erster Gefangener in Beethovens Fidelio. 1961 wurde er Ensemblemitglied und feierte erste große Erfolge in Mozart-Partien, die auch in der Folge eine zentrale Rolle in seinem Repertoire spielten. 1963 wechselte er an die Berliner Staatsoper. Sein Belmonte (in Mozarts Entführung aus dem Serail) war ein großer Erfolg; internationale Opernhäuser wurden auf ihn aufmerksam.[2]

1966 debütierte Schreier als Junger Seemann in Tristan und Isolde bei den Bayreuther Festspielen.[3] 1967 sang er erstmals bei den Salzburger Festspielen, wo er von nun an 25 Jahre lang gastierte. Es folgten Engagements an der Mailänder Scala, der New Yorker Met und dem Teatro Colón in Buenos Aires.

Schreier erwarb sich insbesondere als Mozartsänger internationale Geltung, aber auch die Gestaltung der Evangelistenpartien der Oratorien Johann Sebastian Bachs machte ihn weltweit bekannt. Sein Repertoire war breit gefächert; neben Oper, Lied und Oratorium, einem seiner Meisterbereiche, wirkte er auch im Operettenfach (etwa als Eisenstein in der Fledermaus). Als Sänger war Peter Schreier letztmals am 22. Dezember 2005 in Prag zu erleben. Danach beendete er seine internationale Gesangskarriere. Bereits seit 1981 arbeitete er als Honorarprofessor und leitet bis heute internationale Meisterklassen für Gesang.

Als Dirigent arbeitete er u. a. mit den Berliner Philharmonikern, den Hamburger Symphonikern, der Staatskapelle Dresden, den Wiener Symphonikern, dem Mozarteum-Orchester Salzburg, dem Gürzenich-Orchester, dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg und dem Los Angeles Philharmonic Orchestra zusammen.

Von 1984 bis 1990 war Schreier Präsident des „Kuratoriums Schauspielhaus Berlin“ (später Konzerthaus Berlin), dem auch Theo Adam angehörte. Er ist Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste.[4]

Schreier lebt in Dresden-Loschwitz, ist verheiratet und hat zwei Söhne, Torsten (* 1958) und Ralf (* 1961), benannt nach dem schwedischen Tenor Torsten Ralf.

Diskografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

als Sänger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

als Dirigent[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Sebastian Bach: Weihnachtsoratorium (Ausschnitte), Staatskapelle Dresden. MC, Eterna-Digital (1985)
  • Johann Sebastian Bach: Johannes-Passion, Staatskapelle Dresden, Newton Classics (Membran) 2011
  • Johann Sebastian Bach: Zwei Hochzeitskantaten, BWV 202 & 210. (Weichet nur, betrübte Schatten / O holder Tag, erwünschte Zeit), Kammerorchester Berlin, Brilliant Classics (ca.2000)
  • Johann Sebastian Bach: Weltliche Kantaten, BWV 204 & 208. (Was mit behagt, ist nur die muntre Jagd / Ich bin in mir vergnügt), Brilliant Classics (ca.2000)

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schreier erhielt unter anderem den Nationalpreis der DDR 1. Klasse (1986) und das Bundesverdienstkreuz. Weiterhin wurde ihm dreimal der Titel Kammersänger verliehen, und er wurde zum Ehrenbürger von Meißen ernannt.

Filmdokumentationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Schreier – Alles hat seine Zeit. 83 Min., Regie und Produktion Heide Blum. D 2006.
  • Peter Schreier – Ein Film von Wolf-Eberhard von Lewinski. 60 Min., Produktion SR, Ausstrahlung im Ersten Programm am 30. April 1978.
  • Peter Schreier singt – Lieder von J. S.Bach, Mozart, Beethoven, Schubert und Brahms. Aufzeichnung eines Liederabends im Sendesaal des SR am 20. November 1977. Am Klavier: Norman Shetler, Regie: Peter Rocholl, Ausstrahlung im Ersten und in den Dritten Programmen der ARD 1978.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gottfried Schmiedel: Peter Schreier für Sie porträtiert. VEB Deutscher Verlag für Musik Leipzig, Leipzig 1976
  • Peter Schreier: Aus meiner Sicht. Gedanken und Erinnerungen, Ostberlin 1983, 207 Seiten
  • Jürgen Helfricht: Peter Schreier – Melodien eines Lebens. Verlag der Kunst Dresden, Husum 2008, ISBN 978-3-86530-109-3
  • Renate Rätz: Schreier, Peter. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 2, Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.
  • Manfred Meier (Bearbeiter), Peter Schreier: Im Rückspiegel : Erinnerungen und Ansichten, aufgezeichnet von Manfred Meier, Wien : Ed. Steinbauer 2005, ISBN 3-902494-04-2.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Album Peter Schreier singt Weihnachtslieder war mit rund 1,4 Millionen Exemplaren der mit Abstand meistverkaufte Tonträger in der Geschichte der DDR.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Peter Schreier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Begegnungen mit Rudolf Mauersberger. Evangelische Verlagsanstalt, Berlin 1977, S. 75
  2. http://www.morgenpost.de/kultur/berlin-kultur/article205687043/Peter-Schreier-der-Evangelist-fuer-Generationen.html, abgerufen am 12. Februar 2016
  3. http://www.klassik-heute.com/4daction/www_interpret_bio?id=11451
  4. http://www.sadk.de/schreier.html
  5. Neues Deutschland, 2. Mai 1984, S. 2
  6. Royal Academy of Music: Ton Koopman awarded Bach Prize (2014)
  7. Mendelssohn-Preis vergeben. In: Saarbrücker Zeitung vom 8. Juli 2011, S. B5
  8. Tillich überreicht Sächsischen Verdienstorden, abgerufen am 1. Juni 2016.