Apenburg

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Apenburg
Wappen von Apenburg
Koordinaten: 52° 42′ 30″ N, 11° 12′ 12″ O
Höhe: 34 m ü. NHN
Fläche: 19,64 km²
Einwohner: 726 (Jan. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 37 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 2009
Postleitzahl: 38486
Vorwahl: 039001
Apenburg (Sachsen-Anhalt)
Apenburg
Apenburg
Lage von Apenburg in Sachsen-Anhalt

Apenburg ist ein Ortsteil des Fleckens Apenburg-Winterfeld im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt (Deutschland).

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das altmärkische Kirchdorf Apenburg liegt nördlich eines von den Flüssen Purnitz und Milde gebildeten Feuchtgebietes. Im Westen erstreckt sich ein kleines Waldgebiet, und nordöstlich liegen landwirtschaftliche Flächen. Der Ort liegt auf halber Strecke zwischen Salzwedel im Norden und Gardelegen im Süden, jedoch ohne direkte Straßenverbindung.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burganlage

Bereits um das Jahr 1000 wird an der Kreuzung der alten Handelsstraßen von Salzwedel nach Klötze sowie von Osterburg nach Beetzendorf eine Burg des Adelsgeschlechtes von Apenborch vermutet, der eine bäuerliche Siedlung zugeordnet war. Die südwestlich des heutigen Ortes lokalisierte Anlage fand 1264 erstmals in historischen Quellen eine Erwähnung.[3] Als 1343 der Markgraf Ludwig gegen Herzog Otto von Braunschweig Krieg führte, wurde die Burg Apenborch und mit ihr wohl auch die Siedlung zerstört. Bereits ein Jahr später erfolgte die Neugründung von Apenburg etwa gleich mit der Burg Apenburg an der heutigen Stelle. Zur gleichen Zeit werden bereits Ratsherren erwähnt, ein Indiz für den Status einer Stadt.[4][5] Mit der Stadtgründung wurde auch mit dem Bau einer Kirche begonnen. 1351 belehnte der Markgraf die Familie von der Schulenburg mit Burg und Stadt. Der Bau der Burg wurde 1363 vollendet. Die Stadt erhielt eine aus Wall, Graben und zwei Toren bestehende Befestigung, die aber zum Ende des Mittelalters bereits wieder verschwunden war. 1402 wurde Apenburg offiziell das Salzwedeler Stadtrecht verliehen. Dieses blieb bis zum Dreißigjährigen Krieg in Kraft, danach wurde der Ort, im Krieg teilweise zerstört, nur noch als Marktflecken bezeichnet. Seine Entwicklung stagnierte in der Folgezeit, und die Zahl der Einwohner, die meist Ackerbürger waren, kam lange Zeit über 200 nicht hinaus.

Fachwerkhäuser in der Vorderstraße

Seit Albrecht dem Bären (1100–1170) unter brandenburgisch-preußischer Landesherrschaft, geriet Apenburg nach der Niederlage Preußens gegen Napoleon I. ab 1806 unter französische Herrschaft im Königreich Westphalen. Damit endete zugleich die Herrschaft der Familie von der Schulenburg über den Ort. Nach dem Wiener Kongress wieder zu Preußen gehörend, wurde der Ort 1818 in den Kreis Salzwedel (Regierungsbezirk Magdeburg) eingegliedert. Die Anfang des 19. Jahrhunderts beginnende Industrialisierung hatte wenig Einfluss auf Apenburg. Neben einer Branntweinbrennerei entstanden lediglich einige kleinere Fabriken und auch der Anschluss an die Eisenbahnlinie Beetzendorf - Kalbe/Milde im Jahre 1899 brachte keine weitere Expansion. 1910 lebten 1182 Menschen in Groß Apenburg.

Im Jahre 1953 entstand die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft vom Typ III, die LPG „Ernst Goldenbaum“, die 1954 mit der LPG „Jenny Marx“ Apenburg-Nord zusammengeschlossen wurde. 1959 wurde die LPG Typ III mit den LPGen Apenburg-Süd und Rittleben zu einer LPG zusammengeschlossen. 1960 wird die LPG Typ I „Alte Burg“ genannt, die danach an die LPG Typ III angeschlossen wurde. Daraus entstand die LPG Tierproduktion, die 1992 in „Agrarproduktion Apenburg eG“ umgewandelt wurde.[6]

Neue Mühle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der heutige Wohnplatz Neue Mühle an der Purnitz im Norden von Apenburg wird 1801 als eine Wassermühle mit einer Feuerstelle und 6 Einwohnern genannt.[7][8] Sie wird als „Olle Mölle“ anno 1300 zum ersten Mal urkundlich erwähnt, kann aber durchaus noch älter sein.[9] Im Jahre 1951 wurde der Fachwerkaufsatz der Westseite der Mühle wegen Baufälligkeit abgebaut. 1958 erlitt der Mühlenbetreiber durch den Einsturz einer Mauer am Wasserfall einen tödlichen Unfall.[10]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Groß Apenburg mit der Landgemeinde Groß Apenburg vereinigt.[11]

Die Gemeinde Apenburg wurde am 1. Juli 1950 durch den Zusammenschluss der Gemeinden Groß Apenburg und Klein Apenburg aus dem Landkreis Salzwedel gebildet. Am 25. Juli 1952 wurde die Gemeinde dem Kreis Klötze zugeordnet.[12]

Im Jahre 1960 wurde Rittleben Ortsteil der Gemeinde.[13]

Im Ortsteilverzeichnis des Landes Sachsen-Anhalt aus dem Jahre 2006 wurden für die damalige Gemeinde Flecken Apenburg die Gemeindeteile (Ortsteile) Flecken Apenburg, Apenburg-Nord und Rittleben aufgeführt.

Apenburg wurde am 1. Juli 2009 in die neue Gemeinde Apenburg-Winterfeld eingegliedert.[14] Die Gemeinde Apenburg führte seit dem 11. Juli 1997 den Zusatz Flecken, der auf den am 1. Juli 2009 neu gebildeten Flecken Apenburg-Winterfeld übertragen wurde. Seit der Eingemeindung ist der Name des Ortsteils Apenburg. Seine Ausdehnung entspricht der ursprünglichen Gemeinde Groß Apenburg. Die Ortsteile der ehemaligen Gemeinde wurden der neuen Gemeinde zugeordnet.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinde Groß Apenburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1722 294 (ohne Frauen)
1730 309
1733 248
Jahr Einwohner
1740 417
1750 362
1770 375
Jahr Einwohner
1774 358
1780 343
1790 406
Jahr Einwohner
1801 462
1818 470
1840 788
Jahr Einwohner
1848 788
1864 1011
1871 971
Jahr Einwohner
1895 1083
1905 1136
1910 1182
Jahr Einwohner
1925 1244
1939 1078
1946 1640

Gut Groß Apenburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1789 12
1798 35
1840 34
Jahr Einwohner
1864 61
1871 5
1885 9
Jahr Einwohner
1895 8
1905 8
1910 41

Gemeinde Apenburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1964 1248
1971 1202
1981 1124
Jahr Einwohner
1993 1032
2006 881
2007 864

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siegelmarke Amtsbezirk Gr. Apenburg aus dem Kaiserreich - Mit Preußenadler statt des späteren Wappens

Blasonierung: „Gespalten von Silber und Blau; vorn ein goldbewehrter, gezungter roter Adler am Spalt, hinten ein nach rechts gewendeter goldener Affenrumpf mit einem roten Halsband mit goldenem Ring.“

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt mehrere landwirtschaftliche und Handwerksbetriebe sowie ein Betonwerk und ein Bauunternehmen in im Ort.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesstraße 71 verläuft vier Kilometer östlich von Apenburg. Seit die Bahnstrecke Hohenwulsch–Wittingen stillgelegt wurde, gibt es keine Bahnanbindung mehr.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche St. Johannis Baptistae[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Kirchengemeinde und Pfarrei Apenburg gehören zum Pfarrbereich Apenburg des Kirchenkreises Salzwedel im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Der ursprüngliche Bau der evangelischen Kirche von Apenburg wurde vermutlich zwischen 1340 und 1372 errichtet, und wurde dem Schutzheiligen Johannes dem Täufer (griechisch baptistae = Täufer) geweiht. Heute besteht die Kirche aus dem ursprünglichen romanischen, rechteckigen Kirchenschiff, das aus Feldsteinen gemauert wurde, und einem Westturm, dessen Untergeschoss ebenfalls aus Feldsteinen besteht, während darüber ein zweigeschossiger Fachwerkaufsatz mit roten Ziegeln errichtet wurde. Die Fachwerkgeschosse wurden 1820 errichtet. Die hohe Turmspitze, 1825 fertiggestellt, ist achtseitig und mit Schiefer gedeckt. Die Fenster des Altarraums sind stichbogig, mit Backsteinen eingefasst und mit zwei- und dreiteiligem Maßwerk verziert. Die Fenster der Seitenwände weisen barocke Stilelement auf.

Romanische Kirche

Der Innenraum des Kirchenschiffs wird von einem flachen Holztonnengewölbe abgeschlossen. An der West- und der Nordseite sind Emporen angebracht. Der von der Patronatsfamilie von der Schulenburg 1372 gestiftete Altar ist nicht mehr vorhanden, wohl aber der von Säulen flankierte Altaraufsatz von 1610 mit dem Altarbild „Der Weinberg des Herrn“. Er ist ebenso wie der achtseitige steinerne Taufstein von 1615 eine Schenkung des Dietrich von der Schulenburg und seiner Frau Catharina geb. von Veltheim. Die hölzerne mehrseitige Kanzel mit die Evangelisten darstellenden Schnitzfiguren und einem kronenförmigen Schalldeckel wurde 1710 hergestellt. Der neubarocke Orgelprospekt von 1915 nimmt die gesamte Breite der Westempore ein. Eingearbeitet ist ein kleines Prospekt aus dem 17. Jahrhundert. Die Orgel wurde von dem hannoverschen Orgelbauer Adolf Wagner in der Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut und besitzt 18 Register und zwei Manuale. Sie wurde letztmals 1947 renoviert, ist aber seit längerem nicht mehr benutzbar. An die Patronatsfamilie von der Schulenburg erinnern in der Kirche ein Epitaph aus Holz von 1715 sowie mehrere Grabplatten aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, darunter die des Werner von der Schulenburg († 1572) mit Relieffigur und Ahnenwappen. Ein Schulenburgwappen trägt auch das im Turm aufgestellte spätgotische Sakramentshaus mit seinem gedrehten Säulenstumpf.

Das Geläut der Kirche besteht aus drei Glocken in den Tönen f – as – b. Die älteste und kleinste Glocke wurde vermutlich in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts aus Bronze gegossen. Zwei Glocken wurden im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen und erst 1958 durch zwei neue gusseiserne Glocken ersetzt. 1964 wurde ein elektrischer Glockenantrieb installiert.

Im benachbarten Klein Apenburg steht eine weitere evangelische Dorfkirche. Zur evangelischen Kirchengemeinde zählen rund 520 Gemeindemitglieder, sie gehört zum Kirchenkreis Salzwedel.

Katholische Kapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1541 wurde in Apenburg die Reformation eingeführt, so dass die Bevölkerung und die Kirche evangelisch wurden. Erst ab 1945 bildete sich, ausgelöst durch den Zuzug von Heimatvertriebenen infolge des Zweiten Weltkriegs, wieder eine katholische Kirchengemeinde in Apenburg. Ab Sommer 1945 fanden in Apenburg katholische Gottesdienste statt, im Saal einer Gaststätte oder in der evangelischen Kirche. 1953 wurde in einem ehemaligen Möbellager eine erste Kapelle eingerichtet, am 20. September 1953 erfolgte ihre Benediktion. 1954 wurde in Apenburg eine Kuratie errichtet, zu der damals rund 600 Katholiken gehörten, und Apenburg bekam einen ortsansässigen Priester. Zuvor gehörte Apenburg zur Pfarrvikarie Beetzendorf. 1956/57 wurde eine neue Kapelle, ebenfalls im ehemaligen Möbellager, eingerichtet, und die erste Kapelle zu einem Gemeindesaal umgebaut. Seit 1957 wohnt kein Priester mehr in Apenburg, von da an wurde die Kapelle von den für Beetzendorf zuständigen Priestern betreut. Heute gehören die Katholiken in Apenburg zur Pfarrei St. Laurentius mit Sitz in Salzwedel.[15]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die aktuellen Einwohnerzahlen. In: Verwaltungsgemeinschaft Beetzendorf-Diesdorf (Hrsg.): Findling: Amtsblatt mit Informationsteil. 10. Jahrgang, Nr. 2. Beetzendorf 3. Februar 2016, S. 15 (PDF; 4,7 MB [abgerufen am 25. Februar 2018]).
  2. Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)
  3. Hermann Krabbo: Regesten der Markgrafen von Brandenburg aus askanischem Hause. Hrsg.: Verein für Geschichte der Mark Brandenburg. 1. Lieferung. Duncker & Humblot, Leipzig 1910, S. 215, Nr. 897 (uni-potsdam.de).
  4. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Hauptteil 1. Hrsg.: Berlin. Band 5, 1845, S. 320–321 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10000983_00332~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  5. Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 50–51.
  6. Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark. Berliner Wissenschafts-Verlag, 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 41–50 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D34FJDwAAQBAJ%26pg%3DPA41~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  7. Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Für Statistiker, Geschäftsmänner, besonders für Kameralisten. Hrsg.: Berlin. 1804, S. 346 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10000737_00374~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  8. Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark. Berliner Wissenschafts-Verlag, 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 1544–1545.
  9. Barbara Wöllmann: Die Geschichte der Neuen Mühle (1). In: Apenburg aktuell. 37. Ausgabe, Dezember 2005/Januar 2006, S. 8–9 (apenburg.de [PDF; abgerufen am 15. April 2018]).
  10. Barbara Wöllmann: Die Geschichte der Neuen Mühle (2). In: Apenburg aktuell. 38. Ausgabe, Februar/März 2006 - auf apenburg.de, S. 6–8 (apenburg.de [PDF; abgerufen am 15. April 2018]).
  11. Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1928, ZDB-ID 3766-7, S. 216.
  12. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, S. 357–363.
  13. Apenburg aktuell, 3. Ausgabe, April/Mai 2000 - auf apenburg.de. Rittleben gestern und heute. S. 8–9 (apenburg.de [PDF; abgerufen am 1. Januar 2018]).
  14. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2009, 2. Liste
  15. Rudolf Joppen: Das erzbischöfliche Kommissariat Magdeburg. Teil 12, St. Benno-Verlag, Leipzig 1990, S. 111–115

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Apenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien