Auctionata

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Auctionata AG
Auctionata Logo new.jpg
Rechtsform AG
Gründung 2012
Sitz Berlin, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung Alexander Zacke, Jan Thiel, Johannes Riedl, Martin Heyne, Susanne Zacke
Mitarbeiter über 300 (2014)[1][Anm. 1]
Umsatz 31,5 Mio. Euro (2014)[1]
Branche Internetauktion
Website auctionata.de

Auctionata ist ein Livestream-Auktionshaus und Versandhändler für Luxusobjekte, Kunst, Antiquitäten und Sammlerstücke mit Sitz in Berlin und New York. Das Unternehmen betreibt laut eigenen Angaben ein Expertennetzwerk von mehr als 300 Experten aus über 40 Ländern, das Auktionsobjekte aus mehr als 100 Kategorien bewertet.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auctionata wurde 2012 von Alexander Zacke und Georg Untersalmberger mit Investorenkapital der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck und der Otto Group in Berlin gegründet.[2]

Im September 2012 ging der Onlineshop von Auctionata online.[3] Im Dezember 2012 fand die erste Auktion statt, die per Live-Stream im Internet übertragen wurde und bei der ein Gesamtumsatz von 345.000 Euro erzielt wurde.[4] Im März 2013 gab das Unternehmen den Abschluss einer weiteren Finanzierungsrunde über 20,2 Millionen US Dollar bekannt.[5] Neuer Investor war das Venture-Capital-Unternehmen Earlybird.[6] Seit Mai 2013 finden auf Auctionata wöchentliche Livestream-Auktionen in den Kategorien Oldtimer, Uhren, Wein, Schmuck, Design, Kunst und Antiquitäten statt.

Vom Mai bis Oktober 2013 ging das Unternehmen eine Reihe von Kooperationen mit verschiedenen Online-Marktplätzen für Luxusprodukte sowie einer Bank ein.[7][8][9] Anfang Dezember 2013 wurde in Kooperation mit einem amerikanischen Unternehmen eine erste Auktion in den USA durchgeführt.[10]

Im März 2015 erhielt Auctionata 42 Millionen Euro in einer weiteren Finanzierungsrunde (Series C). Diese Runde wurde von dem börsennotierten Finanzinvestor MCI Management aus Warschau angeführt.[11] Weitere Investoren waren die Hearst Corporation und Bernard Arnault.[12]

Im Juli 2015 gab das Unternehmen bekannt, im ersten Halbjahr 2015 einen Umsatz von 35,7 Millionen Euro erzielt zu haben, eine 195-prozentige Steigerung gegenüber dem Ergebnis des Vorjahreszeitraums. Nach Unternehmensangaben wurden im selben Zeitraum 123 Auktionen durchgeführt, an denen über 30.000 Bieter aus mehr als 140 Ländern teilnahmen. Nach eigenen Angaben war Auctionata im Juli 2015, gemessen an Umsatz und Mitarbeiterzahl, das größte Auktionshaus Deutschlands.[13]

Live-Auktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auctionata versteigert laut eigenen Angaben ausschließlich live und online, während der Auktionen sind allerdings auch immer Saalbieter anwesend. Für die Gebote, die online abgegeben werden, haben die Gründer von Auctionata, Alexander Zacke und Georg Untersalmberger, ein eigenes Versteigerungsformat entwickelt und zum Patent angemeldet.[14] Dabei werden die Versteigerungsobjekte während der Auktion in einer Studiosituation abgefilmt, wodurch das bisher bei Auktionen notwendige Studium des Kataloges sowie die Anreise zur Besichtigung und Versteigerung der Objekte hinfällig werden sollen. Die Technologie gilt jedoch noch als unerprobt und fehleranfällig.[15]

Im Gegensatz zur weitverbreiteten eBay-Auktion führt Auctionata Versteigerungen im Sinne des § 156 BGB durch, die beim zuständigen Ordnungsamt registriert und von einem Auktionator geleitet werden. Dadurch kommt kein Fernabsatzvertrag zustande.[16] Laut Gründer Alexander Zacke wurde die Technologie der Live-Auktionen in erster Linie entwickelt, um mit den multinationalen Auktionshäusern Christie’s und Sotheby’s in Wettbewerb zu treten.[17]

Die Titelmusik zur wöchentlichen Ausstrahlung der Live-Auktionen stammt von dem Berliner Komponisten Enis Rotthoff.

Versteigerte Objekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 7. Juni 2013 wurde eine Patek Philippe Referenz 2499 Armbanduhr mit Chronometer, Mondphase und ewigem Kalender aus dem Jahr 1953 online versteigert und zu einem Rekordpreis von 470.000 Euro zugeschlagen.[18]

Im Jahr 2012 wurde ein Aquarell von Egon Schiele aus dem Jahr 1916 in einem privaten Nachlass[19] entdeckt und auf eine Million Euro geschätzt. Laut Handelsblatt handelte es sich dabei um eine Sensation für den Kunstmarkt.[20] Gemäß Aussage der Eigentümerin des Bildes wäre dieses beinahe unentdeckt geblieben und „im Altpapier gelandet“.[21] Am 21. Juni 2013 wurde das Bild Liegende Frau online versteigert und für 1,83 Millionen Euro zugeschlagen.

Ebenfalls am 21. Juni 2013 wurde ein Ölgemälde von Carl Moll online versteigert und für 297.000 Euro zugeschlagen. Es handelte sich dabei um den weltweit höchsten, jemals für ein Bild dieses Malers erzielten, Auktionszuschlag.[22][23]

Im Oktober 2013 wurde bekannt, dass Vincent van Goghs Rohrfeder- und Bleistiftzeichnung Die Ebene von La Crau, entstanden im Mai 1888, bei Auctionata in Berlin auf 360.000 Euro geschätzt wurde und am 29. November 2013 versteigert werden sollte. Das Bild stammte aus dem Besitz des Hollywood-Produzenten und Oscar-Preisträgers Harold Hecht. An der „Eigenhändigkeit des Bildes“ bestand laut Frankfurter Allgemeine Zeitung kein Zweifel.[24] Es ist dies das erste Original von Vincent van Gogh, das in Deutschland versteigert wurde.[25]

Am 20. Juni 2015 wurde eine kaiserliche Chinesische Automatenuhr aus dem späten 18. Jahrhundert online versteigert und zu einem Rekordpreis von 3,37 Millionen Euro zugeschlagen. Bei dem Käufer handelte es sich um den Chinesischen Milliardär Liu Yiqian.[26]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Möglicherweise gefälschtes Gemälde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 7. Dezember 2012 wurde das Oskar Kokoschka zugeschriebene Gemälde Rosen II versteigert, dessen Echtheit von der Fondation Oskar Kokoschka angezweifelt wurde. Das Gemälde erzielte bei Auctionata schließlich nur mehr 7.500 Euro, da das Auktionshaus das Negativ-Gutachten der Fondation Oskar Kokoschka trotz der vorliegenden Expertise von Oskar Kokoschka postwendend und ungekürzt veröffentlichte.[27][28]

Nutzung von fremden Markennamen für eigene Werbung in Suchmaschinen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auctionata bemüht sich um eine aggressive Präsenz im Internet und kauft sich auch für bestimmte Schlüsselwörter auf die erste Seite bekannter Suchmaschinen ein. Als Schlüsselwörter fungieren auch die Namen traditionsreicher Auktionshäuser wie Lempertz, Van Ham, Villa Grisebach, Dorotheum, Im Kinsky, Bonhams, Christie’s, Sotheby’s usw.[29]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Website auctionata.de wurde 2012 auf der Konferenz Digital Life Design mit dem Digital Star Award ausgezeichnet.[30]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Im ersten Halbjahr 2015 wurden nach Medienberichten etwa 130 Mitarbeiter entlassen. Vgl.:
    Stefan Kobel: Drastische Maßnahmen bei Auctionata. In: Handelsblatt, 23. April 2015, abgerufen am 12. September 2015;
    Olga Kronsteiner: Groupe Arnault steigt bei Auctionata ein. In: derstandard.at, 13. Mai 2015, abgerufen am 12. September 2015.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Auctionata steigert Umsatz 2014 um 163 Prozent auf 31,5 Mio. Euro / Online-Auktionshaus aus Berlin startet erfolgreich in New York. Pressemitteilung der Auctionata AG, presseportal.de, 18. Februar 2015. Abgerufen am 12. September 2015.
  2. Auctionata setzt mit Holtzbrinck und Otto auf Live-Auktionen. Exciting Commerce, 8. Juni 2012, abgerufen am 17. Februar 2013.
  3. Auctionata bringt schon mal seinen Shop online. Exciting Commerce, 20. August 2012, abgerufen am 17. Februar 2013.
  4. Auctionata freut sich über 345,000 Euro bei der Live-Premiere. Exciting Commerce, 8. Dezember 2012, abgerufen am 17. Februar 2013.
  5. Art Site Auctionata Nabs $20.2 Million in Venture Capital. Blouin Artinfo, 4. April 2013, abgerufen am 17. Februar 2013.
  6. 15,5 Millionen Euro für Online-Kunsthaus Auctionata. In: Berliner Morgenpost. 2. April 2013, abgerufen am 2. April 2013.
  7. Chrono24 und Auctionata schliessen Allianz. In: Focus. 22. Mai 2013, abgerufen am 22. Mai 2013.
  8. Marcus Pfeil: Onlinebörse Auctionata: Zwischen Ebay und Sotheby's. In: Wallstreet Journal. 21. Juni 2013, abgerufen am 12. September 2015.
  9. Kooperation mit Bankhaus Dr. Masel ermoeglicht Einlieferern Vorfinanzierung. In: ots.at. Abgerufen am 25. August 2013.
  10. Presseinfo Rubylane
  11. Auctionata sammelt weitere 42 Millionen Euro ein. Abgerufen am 14. Mai 2015. 
  12. Olga Kronsteiner: Groupe Arnault steigt bei Auctionata ein. In: DerStandard. 13. Mai 2015, abgerufen am 23. Juli 2015.
  13. Love Stevenson: Auctionata ist größtes deutsches Auktionshaus. In: Artcollector, 24. Juli 2015, abgerufen am 11. September 2015.
  14. Computer system for the exchange of messages – WIPO Patent Application WO/2012/159665. SumoBrain.com, 29. November 2012, abgerufen am 17. Februar 2013 (englisch).
  15. Ruckelbilder. Der Tagesspiegel, 15. Dezember 2012, abgerufen am 17. Februar 2013.
  16. Auctionata: Kein Widerrufs- und Rückgaberecht in Auktionen. Trustedwatch.de, abgerufen am 17. Februar 2013.
  17. Auctionata: Disrupting The World’s Great Auction Houses. Forbes.com, abgerufen am 16. April 2013.
  18. Patek Philippe Ref 2499 sells online for a record USD 621,000. In: Handelsblatt.de. Abgerufen am 11. Juni 2013.
  19. Schiele bringt Rekordpreis bei Online-Auktion. In: Welt.de. Abgerufen am 20. Juli 2013.
  20. Auctionata: Sensationeller Schiele-Fund. In: Handelsblatt. 10. März 2013, abgerufen am 23. März 2013.
  21. Auktion: Millionenbild im Altpapier. In: Berliner Zeitung. 6. März 2013, abgerufen am 23. März 2013.
  22. Systembedingtes Ignorieren. In: derstandard.at. Abgerufen am 20. Juli 2013.
  23. Artprice Eintrag für Carl Moll. In: web.artprice.com. Abgerufen am 20. Juli 2013.
  24. Van Gogh Auktion im Internet. In: FAZ. 22. Oktober 2013, abgerufen am 23. Oktober 2013.
  25. Van Gogh kehrt nach Berlin zurück. In: Berliner Zeitung. 22. Oktober 2013, abgerufen am 23. Oktober 2013.
  26. Liu Yiqian set asian art online auction record. In: Blouin Art Info. 25. Juni 2015, abgerufen am 25. Juni 2015.
  27. Olga Kronsteiner: Kalkulierter Aufreger. In: Handelsblatt. 6. Dezember 2012, abgerufen am 17. Februar 2013.
  28. Stefan Koldehoff: Kokoschka selbst soll die Fälschung leidgetan haben. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 15. Dezember 2012, abgerufen am 17. Februar 2013.
  29. Auctionata: Absichtliches Suchmaschinen-Durcheinander. 19. November 2013, abgerufen am 19. November 2013.
  30. Den Kunsthandel online bringen. Focus Online, 23. Januar 2013, abgerufen am 16. Februar 2013.