August Schlachter

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August Schlachter (* 25. Januar 1901 in Barabein, Landkreis Biberach; † 10. April 1996 in Biberach an der Riß) war ein deutscher Architekt, der in mehreren Konzentrationslagern als Bauleiter tätig war.

Tätigkeiten im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der studierte Bauingenieur Schlachter trat Anfang April 1933 der NSDAP (Mitgliedsnummer 2.339.579) bei.[1] Er wurde schließlich auch Mitglied der SS, bei der er 1944 bis zum SS-Hauptsturmführer befördert wurde (SS-Nr. 128.820).[2] Zunächst war Schlachter als Architekt in Biberach an der Riß tätig, bis er 1939 zum SS-Hauptamt Haushalt und Bauten kam.[2]

Im Rang eines SS-Unterscharführers leitete August Schlachter vom Mai 1940 bis zum November 1941 die SS-Neubauabteilung KL Auschwitz/Oberschlesien, die für den Aufbau des Stammlagers zuständig war.[3] Zu den dort angefertigten Bauplänen gehörte der Umbau des später als Block 11 bezeichneten Gebäudes, in dessen Keller sich Dunkelzellen befanden.[4]

Kurz nachdem Karl Bischoff die Planung eines Kriegsgefangenenlagers, dem späteren KZ Auschwitz-Birkenau, übertragen worden war, schuf dieser im Dezember 1941 die Zentralbauleitung der Waffen-SS und Polizei Auschwitz O/S. Hans Kammler vom SS-Hauptamt Verwaltung und Wirtschaft glaubte, August Schlachter sei den anstehenden größeren Aufgaben nicht gewachsen.[5] Rudolf Höß charakterisierte Schlachter später als „Provinzarchitekt aus Württemberg, ein beschränkter Geist mit wenig Schwung“.[2] Des Weiteren sei dieser ein „guter Kerl,“ dem aber „jede Großzügigkeit“ fehle.[5]

Schlachter wurde Ende 1941 als Bauleiter nach Natzweiler versetzt, um als Chef der Bauleitung der Waffen-SS und Polizei Natzweiler/Elsaß das dortige KZ Natzweiler-Struthof einzurichten. Dort war er bis Dezember 1942 beschäftigt. Anschließend war Schlachter in der Bauinspektion beim Höheren SS- und Polizeiführer Kiew tätig. Ab 1944 wurde er als Chef des Führungsstabs B 12 vom KZ Mittelbau-Dora geführt.[2]

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

August Schlachter galt nach Kriegsende als vermisst; ein Entnazifizierungsverfahren wurde nicht durchgeführt. Schlachter arbeitete zunächst in der Landwirtschaft und ab 1950 als Bauführer. Er trat erst 1954 in Biberach wieder als Architekt auf.

Schlachter wurde im Zuge der Frankfurter Auschwitzprozesse vernommen.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian Gerlach, Christoph Dieckmann: Durchschnittstäter: Handeln und Motivation, Verlag Assoziation, 2000.
  • Christian Rak, Wolfgang Proske: August Schlachter – Der Ofenbauer von Auschwitz. In: Wolfgang Proske: Täter Helfer Trittbrettfahrer. Band 4. NS-Belastete aus Oberschwaben. Kugelberg Verlag, Gerstetten 2015, ISBN 978-3-945893-00-5, S. 211–224
  • Ernst Klee: Auschwitz. Täter, Gehilfen, Opfer und was aus ihnen wurde. Ein Personenlexikon. S. Fischer, Frankfurt am Main 2013, ISBN 978-3-10-039333-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aleksander Lasik: Die Organisationsstruktur des KL Auschwitz, in: Aleksander Lasik, Franciszek Piper, Piotr Setkiewicz, Irena Strzelecka: Auschwitz 1940-1945. Studien zur Geschichte des Konzentrations und Vernichtungslagers Auschwitz., Band I: Aufbau und Struktur des Lagers, Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau, Oświęcim 1999, S. 301
  2. a b c d e Ernst Klee: Auschwitz. Täter, Gehilfen, Opfer und was aus ihnen wurde. Personenlexikon. Frankfurt/M 2013, S. 354f.
  3. Jean-Claude Pressac: Die Krematorien von Auschwitz – Die Technik des Völkermordes. Neuausgabe München/Zürich 1995, ISBN 3-492-12193-4, S. 175.
  4. Robert-Jan van Pelt, Deborah Dwork: Auschwitz – Von 1270 bis heute. Sonderausgabe Büchergilde Gutenberg, o.O. 1999, ISBN 3-7632-4897-8, S. 192 / Anmerkung 19 auf S. 435 belegt die Zuweisung der Mittel am 10. August 1941.
  5. a b Robert-Jan van Pelt, Deborah Dwork: Auschwitz – Von 1270 bis heute. S. 233.