Bahnstrecke Pratau–Torgau

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Pratau–Torgau
Übersichtskarte der Strecke
Übersichtskarte der Strecke
Streckennummer (DB):6830
Kursbuchstrecke (DB):218
Streckenlänge:41,87 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Streckenklasse:CE
Maximale Neigung: 8,9 
Minimaler Radius:200 m
Strecke – geradeaus
von Berlin
Bahnhof, Station
0,00 Pratau
   
nach Halle (Saale)
Haltepunkt, Haltestelle
2,10 Eutzsch
Haltepunkt, Haltestelle
6,20 Rackith (Elbe)
   
8,60 Rackith Süd (früher Bietegast)
   
10,50 Globig
Haltepunkt, Haltestelle
13,90 Trebitz (Elbe)
   
Bw Pretzsch
Bahnhof, Station
18,44 Pretzsch
   
nach Eilenburg
   
22,90 Sachau
   
Landesgrenze Sachsen-Anhalt / Sachsen
   
25,69 Wörblitz
   
nach Prettin (Strategische Bahn)
   
29,63 Dommitzsch
   
32,18 Vogelsang (Kr Torgau)
   
34,63 Elsnig (Elbe)
   
36,40 Neiden
   
39,10 Zinna (früher Welsau)
   
von Guben
Bahnhof, Station
41,87 Torgau
   
nach Halle (Saale)
   
nach Belgern

Die Bahnstrecke Pratau–Torgau ist eine Nebenbahn in Sachsen-Anhalt und Sachsen. Sie zweigt in Pratau von der Hauptbahn Berlin–Halle ab und führt über Pretzsch (Elbe) nach Torgau. Seit 2005 gehört die Strecke pachtweise zum Netz der Deutschen Regionaleisenbahn (DRE).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Strecke Pratau–Pretzsch–Torgau wurde am 15. Juli 1890 durch die Preußische Staatsbahn eröffnet. Am 1. Oktober 1895 ging auch die abzweigende Strecke nach Eilenburg in Betrieb.

1924 wurde die Strecke durch die Deutsche Reichsbahn übernommen.

Bahnhof Dommitzsch (2009)

1997 wurde der Personenverkehr zwischen Pretzsch und Torgau abbestellt. Der Güterverkehr endete dort am 30. November 2000. Am 2. Oktober 2000 wurde die Stilllegung des Abschnitts Pretzsch–Torgau durch das Eisenbahnbundesamt genehmigt. Juristisch vollzogen wurde sie am 15. Dezember 2000.[1]

Im Jahr 2004 entstand durch das Regionale Entwicklungskonzept Dübener Heide das Projekt Dübener-Heide-Bahn. Das Ziel war die Verwirklichung eines saisonalen, touristischen Eisenbahnverkehrs von Lutherstadt Wittenberg über Eilenburg nach Leipzig.

Im April 2005 pachtete die DRE die Strecken Pratau–Torgau und Pretzsch–Eilenburg von DB Netz. Der Bahnhof Pretzsch ist 10. Dezember 2006 Sitz der Zentralen Zugleitstelle[2] und des DRE-Bezirksbetriebes.[3][4]

Im Mai 2007 gab das Land Sachsen-Anhalt bekannt, dass die verbliebenen Regionalbahnen der DB von Lutherstadt Wittenberg nach Bad Schmiedeberg ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2007 nicht mehr bestellt würden. Geplante Erneuerungsarbeiten mit dem Ziel der Anhebung der Streckengeschwindigkeit auf 80 km/h waren damit vorerst obsolet.

Ab dem 10. Dezember 2007 wurde der Reiseverkehr schließlich vom DBV-Förderverein Niederlausitzer Eisenbahn e. V. weiterbetrieben. Werktäglich verkehrten fünf Zugpaare zwischen Lutherstadt Wittenberg und Bad Schmiedeberg. Dieser Verkehr war zunächst bis zum 22. August 2008 befristet. Die Züge wurden nach Abstimmung mit dem Land und dem Landkreis Wittenberg in Verbindung mit der Busverkehrsgesellschaft Vetter eingesetzt.[5] Nachdem der Probebetrieb zu steigenden Fahrgastzahlen führte, hatte das Land Sachsen-Anhalt die Zusage gemacht, den bedarfsorientierten Verkehr mindestens bis Ende 2010 weiter zu finanzieren.[6] Damit war die Bedingung verbunden, das Angebot zu verbessern. Dieser bisher einmalige bedarfsorientierte Ersatzverkehr für Busleistungen auf der Schiene wird als Schmiedeberger Modell bezeichnet.[7]

Bahnhof Pretzsch (Elbe) mit Regiosprinter (2009)

Ab 7. Januar 2009 wurde zusätzlich ein Wochenendverkehr eingerichtet. Dadurch wurde ein Anstieg der Fahrgastzahl von 150 auf 250 sowie eine Verlängerung der Bestellung durch das Land erhofft.[8] Nach einem Unfall an einem unbeschrankten Bahnübergang am 18. Februar 2009 musste für einige Wochen Schienenersatzverkehr eingerichtet werden.[9][10][11]

Zum Beginn des Fahrplans 2009/2010 wurde die schon länger geplante Streckenertüchtigung von der DRE durchgeführt, die eine Reduzierung der Fahrzeit um 15 Minuten erlaubte.[12] Mit Hilfe des Landkreises Wittenberg konnte der Schülerverkehr in die Richtungen Lutherstadt Wittenberg und Bad Schmiedeberg mehrheitlich auf die Schiene verlagert werden, um die Fahrgastzahlen zu erhöhen und damit den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) auf der Strecke mittelfristig zu sichern.[13]

Im Frühjahr 2014 schrieb die Deutsche Regionaleisenbahn den Abschnitt Elsnig–Torgau zur Übernahme aus und kündigte für den Fall, dass es nicht zu einer Übernahme kommt, einen Stilllegungsantrag an.[14]

Der SPNV zwischen Lutherstadt Wittenberg und Bad Schmiedeberg Kurzentrum wurde von der NASA zum Jahresende 2014 trotz 5000 Protestunterschriften[15] wegen knapper Regionalisierungsmittel und zu geringer Nachfrage abbestellt. Allerdings wurde der Verkehr bereits am 19. Dezember 2014 vom Betreiber Vetter GmbH eingestellt und durch Busse ersetzt.[16]

In Kooperation von DB Regio, dem Nahverkehrsservice Sachsen Anhalt und dem Förderverein Berlin-Anhaltische-Eisenbahn in Wittenberg fuhren an den Wochenenden von Ende April bis Ende Oktober 2016 wieder Reisezüge zwischen Lutherstadt Wittenberg und Bad Schmiedeberg Kurzentrum. Da die drei Zugpaare von den Reisenden gut angenommen wurden, sind die Fahrten im Sommer 2017 als Heidebahn (Regionalbahnlinie RB 55) fortgeführt und über Bad Schmiedeberg hinaus bis nach Eilenburg ausgedehnt worden.

Streckenbeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Strecke beginnt in Pratau, einem Ortsteil von Lutherstadt Wittenberg und führt parallel zur Elbe über Pretzsch und Dommitzsch nach Torgau. In Pretzsch zweigt die Bahnstrecke Pretzsch–Eilenburg ab.

Bei Dommitzsch zweigte eine strategische Bahn ab. Dort übte bis 1989 die NVA den pioniermäßigen Eisenbahnbrückenbau über den Fluss – es wurde die Herstellung der Verbindung zur Prettin-Annaburger Kleinbahn geübt.

Fahrzeugeinsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DRE-Schienenbus im Hauptbahnhof Lutherstadt Wittenberg

Der DBV setzte ab 2007 einen Schienenbus der DB-Baureihe VT 98 ein. Ab dem 22. Dezember 2008 wurde er durch einen klimatisierten Regio-Shuttle ersetzt, den die Firma Vetter von Veolia Verkehr Regio Ost anmietete und mit der Aufschrift „Elbe-Heidebahn“ versah. Nach dem Unfall im Jahr 2009 kam ein angemieteter RegioSprinter der Rurtalbahn zum Einsatz. Das Fahrzeug wurde Ende Juni 2011 an den Eigentümer zurückgegeben und durch insgesamt drei DWA LVT/S ersetzt. Davon wurden zwei im Schülerverkehr in Doppeltraktion eingesetzt. Ein Fahrzeug wurde als Reservefahrzeug vorgehalten, um bei einem Fahrzeugausfall nicht wie früher Schienenersatzverkehr einrichten zu müssen.[17]

Der Ausflugsverkehr in den Jahren 2016 und 2017 wurde mit Triebwagen der DB-Baureihe 642 der Elbe-Saale-Bahn durchgeführt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bahnstrecke Pratau–Torgau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Liste der seit 1994 stillgelegten bundeseigenen Strecken im Land Sachsen (Memento vom 28. Januar 2016 im Internet Archive)
  2. Vgl. DRE, Informationen zu DRE-Strecken. 20. November 2008, abgerufen am 23. Dezember 2008.
  3. duebener-heide.de (Memento vom 23. Oktober 2007 im Internet Archive)
  4. aktuelles Streckenverzeichnis der DRE (Memento vom 14. Dezember 2010 im Internet Archive)
  5. Vgl. Bahn-Report, Heft 1/2008, S. 50, Herausgeber: Interessengemeinschaft Schienenverkehr e. V., Rohr, ISSN 0178-4528
  6. Vgl. DRE-Pressemeldung vom 23. Juli 2008, wiedergegeben in: www.eurailpress.de, „DRE: Dübener Heidebahn fährt bis 2010“. Archiviert vom Original am 1. Juni 2009; abgerufen am 13. November 2010.
  7. Vgl. Das Schmiedeberger Modell. Ein Weg für den Streckenerhalt im ländlichen Raum. (PDF; 1,0 MB) Deutscher Bahnkunden-Verband e. V., 19. April 2010, archiviert vom Original am 12. Dezember 2012; abgerufen am 29. Juli 2010.
  8. Ute Otto: Fahrgäste «schweben» jetzt zwischen Elbe und Heide. In: Mitteldeutsche Zeitung.
  9. Dirk Skrzypczak: Glück im Unglück nach Kollision am Bahnübergang. Zug kollidiert bei Rackith mit einem Lkw kollidiert – Schaden im sechsstelligen Euro-Bereich. Mitteldeutsche Zeitung, 18. Februar 2009, abgerufen am 18. Februar 2009.
  10. Markus Wagner: Alter Triebwagen auf schneller Strecke Eisenbahn: Gleise nach Bad Schmiedeberg werden ertüchtigt. Mitteldeutsche Zeitung, 9. Juli 2009, abgerufen am 16. Juli 2009.
  11. Vgl. Bahn-Report, Heft 6/2009, S. 46, Herausgeber: Interessengemeinschaft Schienenverkehr e. V., Rohr, ISSN 0178-4528
  12. Vgl. Reisezeit verkürzt. Ab 14. Dezember können Fahrgäste 15 Minuten sparen. Mitteldeutsche Zeitung, 4. Dezember 2009, abgerufen am 17. Dezember 2009.
  13. Vgl. Jürgen Dannenberg: Eisenbahnstrecke macht den Landkreis Wittenberg attraktiver. In: Deutscher Bahnkunden-Verband e. V. (Hrsg.): Das Schmiedeberger Modell. 2010, S. 8.
  14. (PDF) (Memento vom 7. April 2014 im Internet Archive) auf regionaleisenbahn.de
  15. Petition zum Erhalt der Elbe-Heide-Bahn (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive)
  16. Abschied zwischen Zorn und Trauer. Mitteldeutsche Zeitung, 20. Dezember 2014
  17. Vgl. Bahn-Report, Heft 5/2011, S. 48, Herausgeber: Interessengemeinschaft Schienenverkehr e. V., Rohr