Bahnstrecke Zeitz–Camburg

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Koordinaten: 51° 4′ 18″ N, 11° 54′ 46″ O

Zeitz–Osterfeld–Camburg
Strecke der Bahnstrecke Zeitz–Camburg
Streckennummer (DB): 6813
Kursbuchstrecke (DB): 589
Streckenlänge: 37,34 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Maximale Neigung: 25 
Minimaler Radius: 232 m
Strecke – geradeaus
von Leipzig
Bahnhof, Station
0,09 Zeitz 157 m ü. NN
   
nach Probstzella
   
3,74 Kretzschau (ex Bf) 181 m ü. NN
   
8,10 Droyßig (ex Bf) 234 m ü. NN
   
12,68 Weickelsdorf 293 m ü. NN
   
15,09 Waldau b Zeitz 251 m ü. NN
   
17,49 Osterfeld b Zeitz 239 m ü. NN
   
21,19 Utenbach am Berge 169 m ü. NN
   
Grenze Sachsen-Anhalt / Thüringen
   
25,82 Schkölen 233 m ü. NN
   
Grenze Thüringen / Sachsen-Anhalt
   
29,28 Molau
   
31,82 Crauschwitz (Thür) 220 m ü. NN
   
Grenze Sachsen-Anhalt / Thüringen
   
Saale
   
von Bad Kösen/Großheringen
Bahnhof, Station
37,43 Camburg 133 m ü. NN
Strecke – geradeaus
nach Saalfeld
Bahnhof Droyssig
Bahnhof Osterfeld
Bahnhof Waldau
Wasserturm bei Cauerwitz

Die Bahnstrecke Zeitz–Camburg war eine Nebenbahn in Sachsen-Anhalt und Thüringen. Sie verlief von Zeitz an der Elster über Osterfeld nach Camburg an der Saale und bildete damit eine Querverbindung zwischen der Oberen Bahn Leipzig–Zeitz–Gera–Saalfeld und der Saalbahn (GroßheringenCamburgJenaSaalfeld/Saale). Die Strecke hat einen der etwas südlich gelegenen Bahnstrecke von Crossen über Eisenberg nach Porstendorf ähnelnden Charakter und Geschichte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte und Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den Wunsch nach einer Eisenbahnstrecke von Zeitz in westlicher Richtung nach Naumburg oder Großheringen trug die Stadt Zeitz bereits seit 1870 vor. Zunächst war eine Hauptstrecke über Droyßig, Meineweh und Stößen nach Naumburg angedacht, die in Naumburg Anschluss an eine Fortsetzungsstrecke in Richtung Artern haben sollte und für die bereits am 17. September 1870 eine Aktiengesellschaft mit einem Anfangskapital von 1.500.000 Talern gegründet worden war.[1] Dieses Vorhaben wurde vom preußischen Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten, von Itzenplitz, aus wirtschaftlichen Gründen abgelehnt. Stattdessen entstand 1872 auf Initiative der Saale-Unstrut-Eisenbahn-Gesellschaft (S.U.E.G.) eine Planung, nach der die in Bau befindliche Pfefferminzbahn von Straußfurt nach Großheringen über Schkölen, Osterfeld und Droyßig nach Zeitz verlängert werden sollte. Da die Thüringische Eisenbahn-Gesellschaft zeitgleich eine Strecke von Naumburg nach Zeitz beantragt hatte, scheiterte auch dieses Projekt am ministeriellen Einspruch aus Berlin. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der S.U.E.G. verhinderten eine Verwirklichung endgültig und auch der Börsenkrach von 1873 machte weitere Initiativen für die nächsten zehn Jahre unmöglich.[1] Erst ein neuer Vorstoß von 1884, nach dem statt einer Hauptbahn nun eine weniger kostenintensive Sekundärbahn gebaut werden sollte, führte schließlich zur Wiederaufnahme konkreter Vorarbeiten. Aufgrund der topographischen Verhältnisse wurde der geplante Endpunkt der Strecke von Großheringen nach Camburg verlegt, obwohl der preußische Staat geneigt war, die Strecke ausschließlich über sein Territorium führen zu lassen. Die Planung sah jetzt bei 38,5 km Gesamtlänge 12,38 km auf dem Gebiet von Sachsen-Meiningen vor.[1] Überlegungen, die Strecke durch die Saal-Eisenbahn-Gesellschaft bauen zu lassen, scheiterten, da man eine Konzessionierung durch Preußen an eine private Bahngesellschaft, die man später billig aufkaufen wollte, nicht für realistisch hielt.[1] Am 10. Mai 1890 wurde das Gesetz zum Bau der Strecke verabschiedet. Die Bauarbeiten begannen im April 1895.

Der Bau verlief relativ problemlos, wobei an den Endstationen in Camburg und Zeitz teils erhebliche Umbaumaßnahmen nötig waren. Die Auslastung der bestehenden Bahnsteiggleise in Zeitz war so hoch, dass die Strecke in einen separaten „Camburger Bahnhof“ geführt werden musste. Im Vorfeld mussten die Geraer Gleise gekreuzt werden, was zunächst aus Kostengründen niveaugleich ausgeführt wurde. Die insgesamt 37,34 Kilometer lange Strecke wurde auf dem Abschnitt Zeitz–Kretzschau am 1. April (3,65 Kilometer) und auf dem Abschnitt Kretzschau–Camburg am 1. Mai 1897 (33,69 Kilometer) durch die Preußischen Staatseisenbahnen eröffnet und gehörte fortan der Königlichen Eisenbahndirektion Erfurt an.[2]

Im April 1914 wurden die Bahnanlagen in Zeitz komplett neu gestaltet. Dabei wurde ein gemeinsamer Bahnhof eingerichtet und die niveaufreie Einführung der Strecke über die Geraer Hauptbahn hergestellt. Weitere bauliche Veränderungen gab es nicht.

Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptsächlich diente die Strecke lokalen Verkehrsbedürfnissen aller Art, wobei Braunkohlentransporte für die Brikettfabriken entlang der Strecke und Zuckerrübentransporte für die Zuckerfabriken in Camburg und Zeitz die bedeutsamsten waren.[3]:44 Ausgewählte Güterzüge verkehrten weiter nach JenaGöschwitz oder in Mischform nach Großheringen/Naumburg. Im Personenverkehr listen die Fahrpläne bis zum Zweiten Weltkrieg stets vier bis sechs Zugpaare auf. Außer in den Jahren 1902 bis 1905, als ein Zugpaar weiter über die Saalbahn nach Jena verkehrte[1], übernahmen diese nur lokale Aufgaben. Für den Bau der Reichsautobahn Berlin–Nürnberg wurden 1935 Kapazitätserweiterungen in Weickelsdorf vorgenommen, 1940 entstand ein Anschlussgleis für den Stahlbaubetrieb in Kretzschau.

Am 11. April 1945 wurde die Saalebrücke bei Camburg kurz vor dem Einzug der US-Truppen gesprengt, daraufhin aber wieder aufgebaut. Das Streckenstück Molau–Camburg wurde jedoch im Mai 1945 als Reparationsleistung für die Sowjetunion abgebaut. Bis in die sechziger Jahre gab es Personenverkehr zwischen Zeitz und Molau. Am 26. September 1965 wurde die Strecke aber um einige Kilometer auf die Verbindung zwischen Zeitz und Osterfeld verkürzt. Trotz Schließung der Brikettfabrik in Kretzschau wies die Rumpfstrecke in den folgenden Jahren sogar steigende Güterbeförderungszahlen vor allem für die Landwirtschaft auf. Der Personenverkehr konzentrierte sich auf den Berufs- und Schülerverkehr. 1967 bis 1970 wurden die Abschnitte Zeitz–Kretzschau und Droyßig–Weickelsdorf grundlegend erneuert, zugleich wurde ab 1967 im Zugleitbetrieb gefahren.

Stilllegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Güterverkehr wurde zwischen Kretzschau und Osterfeld am 31. Dezember 1994 und zwischen Zeitz und Kretzschau am 1. Januar 1998 eingestellt. Am 30. Mai 1999 fuhr schließlich als letzter Reisezug eine Triebwagengarnitur der Baureihe 772/972 in mintgrün (modernisiertes Ferkeltaxi). 2000 beendete die Stilllegung der Strecke endgültig deren Geschichte. In der Folgezeit wurden sporadisch Forderungen laut, die Strecke, v. a. aufgrund ihres größtenteils sehr guten Zustandes zu reaktivieren. Dies scheiterte jedoch nicht zuletzt am schon von jeher vorhandenen Bus-Parallelverkehr der PVG Burgenlandkreis.

Heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beginn des Radwegs an der Brikettfabrik Herrmannschacht
Brücke der A 9 über die ehem. Bahnstrecke
Wethau-Viadukt bei Utenbach

Anfang des Jahres 2007 wurde bekannt, dass die an der Trasse liegenden Gemeinden sich geeinigt haben, die Trasse in einen Radweg umzuwandeln. Hierzu wurde im Dezember 2008 der Förderverein Rad- und Wanderweg auf der stillgelegten Bahntrasse Zeitz–Camburg e. V. gegründet. Am 6. Juli 2012 wurde der erste Teilabschnitt bei Weickelsdorf eröffnet, seit 19. Mai 2015 ist der Zuckerbahn-Radweg durchgehend von der Brikettfabrik Herrmannschacht in Zeitz bis Schkölen asphaltiert.[4] Der Umbau wurde mit Geldern des europäischen Strukturfonds EFRE kofinanziert.

Umnutzung als Radweg, Stand Februar 2016.
BLAU — als asphaltierter Radweg ausgebauter und beschilderter Teil der Strecke
PINK — zu Fuß wanderbare und bei guter Bereifung auch mit dem Rad befahrbare Abschnitte, unbewaldete Teile weisen teils hohen Grasbewuchs auf
GRÜN — wegen starker Verbuschung und aufgrund sehr losen Schotters derzeit weder für Fußgänger noch für Radfahrer geeignete Streckenteile
BRAUN — Abschnitte auf denen der Bahndamm vor längerer Zeit entfernt und die Fläche wieder in das umliegende Ackerland integriert wurde
GELB — Anschlussstellen der ehemaligen Bahnstrecke, die nicht öffentlich zugänglich sind, Gelände in privatem Besitz

Fahrzeugeinsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brücke am Utenbacher Ortseingang

Die ursprünglich eingesetzten Dampflokomotiven der Reihen G 3, G 4, G 5, T 3 und T 7 wurden im Personen- und Güterverkehr ab 1914 durch die stärkere Baureihe T 15 ersetzt.[3]:51 Gegen Ende der 1920er Jahre folgten die schwereren Lokomotiven der Reihe G 12, die zusammen mit den Baureihen P 8, G 8 und G 10 eingesetzt wurden und für die erstmals der Oberbau verstärkt werden musste.[3]:53 Bis Anfang der 1960er Jahre verblieb der Baureihe 58 (G 12) die Hauptaufgabe, Züge über die Strecke zu befördern. Das 1967 zu einer Lokeinsatzstelle des Bahnbetriebswerkes Leipzig Hbf-West heruntergestufte Bahnbetriebswerk Zeitz führt diese Baureihe noch bis zum 1. Juni 1971.[3]:94 Danach dominierten die Reihen 52, 110, 118 und 172 das Bild. Der letzte planmäßige Dampflokeinsatz datiert auf den 31. Mai 1985, als letztmals 52 8166 nach Osterfeld fuhr.[3]:83 Der Verkehrsrückgang führte ab dem 29. September 1991 zum ausschließlichen Einsatz von Triebwagen der Reihe 172. 1995 übernahm die Karsdorfer Eisenbahngesellschaft den Betrieb mit MAN-Schienenbussen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gunther Wilde, Hans-Jürgen Barteld: Die Nebenbahn Zeitz–Osterfeld–Camburg (= Nebenbahndokumentation. Band 28). Kenning, Nordhorn 1997, ISBN 3-927587-76-1 (96 Seiten).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Zeitz–Camburg railway line – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Werner Drescher: Die Saal-Eisenbahn und ihrer Anschlußbahnen. Transpress, Berlin 1989, ISBN 3-344-00420-4, Kap. 3.4. Die Strecke Zeitz–Camburg, S. 107–113.
  2. Zeitz - Camburg. In: Reichsbahndirektion Erfurt. Abgerufen am 1. August 2012.
  3. a b c d e Gunther Wilde, Hans-Jürgen Barteld: Die Nebenbahn Zeitz–Osterfeld–Camburg. 1997, S. 44 ff.
  4. Tom Zeretzke: Erster Teilabschnitt für Radfahrer freigegeben. In: Rad- und Wanderweg auf der stillgelegten Bahntrasse Zeitz–Camburg. Förderverein Rad- und Wanderweg auf der stillgelegten Bahntrasse zwischen Zeitz und Camburg e. V., 26. Juli 2012, abgerufen am 31. Juli 2012.