Biały Bór

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Biały Bór
Wappen von Biały Bór
Biały Bór (Polen)
Biały Bór
Biały Bór
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Powiat: Szczecinek
Gmina: Biały Bór
Fläche: 12,82 km²
Geographische Lage: 53° 53′ N, 16° 50′ OKoordinaten: 53° 53′ 0″ N, 16° 50′ 0″ O
Höhe: 225 m n.p.m
Einwohner: 2244
(30. Jun. 2014)[1]
Postleitzahl: 78-425
Telefonvorwahl: (+48) 94
Kfz-Kennzeichen: ZSZ
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 20 StargardGdynia
DK 25 BoboliceOleśnica
Schienenweg: PKP-Linie 405: Szczecinek–Słupsk
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 43 Ortschaften
17 Schulzenämter
Fläche: 269,93 km²
Einwohner: 5356
(30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 20 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3215033
Verwaltung (Stand: 2015[2])
Bürgermeister: Paweł Mikołajewski
Adresse: ul. Żymierskiego 10
78-425 Biały Bór
Webpräsenz: www.bialybor.com.pl



Biały Bór [ˈbʲawɨ bur]?/i (deutsch Baldenburg) ist eine Stadt mit Sitz einer Stadt- und Landgemeinde im Powiat Szczecinecki (Kreis Neustettin) in der polnischen Woiwodschaft Westpommern.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Biały Bór liegt in der historischen Landschaft Westpreußen an der Grenze zu Hinterpommern, am Abfall des Baltischen Höhenrückens, etwa dreißig Kilometer nordöstlich von Neustettin (Szczecinek), am Ostrand der Draheimer Seenplatte in der Rinne zwischen dem Labes- und dem Bölzigsee, die durch den Ballfließ verbunden sind, auf 182 Meter Meereshöhe.

Stadt Biały Bór (Baldenburg)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baldenburg in Westpreußen, südlich von Stolp und südwestlich von Rummelsburg in Hinterpommern, auf einer Landkarte von 1908.
Baldenburg südöstlich derr Stadt Bublitz und südwestlich der Stadt Rummelsburg auf einer Landkarte von 1910
St.-Michaels-Kirche (erbaut 1878) im Stadtzentrum
Marienkirche (errichtet 1992–1997).
Haus der Freiwilligen Feuerwehr
Denkmal für den ukrainischen Dichter Taras Schewtschenko, im Hintergrund links eine Höhere Schule.

Der Landstrich, in dem später die Stadt Baldenburg gegründet wurde, gehörte im 12. und 13. Jahrhundert zum Herrschaftsbereich des Fürstenhauses der Samboriden. Nach deren Aussterben kam er im Ergebnis des pommerellischen Erbfolgestreits 1309 an den Deutschen Orden und bildete einen Teil der Komturei Schlochau des Ordensstaates. Die Christianisierung war vermutlich von Polen aus erfolgt, wofür die langdauernde kirchliche Zugehörigkeit zum Erzbistum Gnesen spricht. Vermutlich bestand nahe der späteren Stadt bereits ein slawisches Fischerdorf; überliefert ist ein namenloses Dorf vor der Stadt aber erst in Urkunden von 1410 und 1411. Die Ortschaft wurde in älteren Zeiten Ball de Olde genannt (polnisch Bialenburskie).[3]

Zwischen dem Labes- und dem Bölzigsee überschritt eine alte Handelsstraße, aus der Richtung von Konitz im Südosten kommend, in Richtung der Städte Kolberg und Bublitz den Seepass. Der deutsche Orden sicherte diesen wichtigen Übergang zunächst durch ein sogenanntes Wildhaus.[4] Im letzten Viertel des 14. Jahrhunderts begann der Orden, das Gebiet im Nordwesten seiner Komturei Schlochau zu entwickeln. In diesem Zuge wurden Stadt und Burg Baldenburg angelegt. Die Stadt erhielt 1382 durch den Hochmeister Konrad Zöllner von Rotenstein eine Handfeste (Stadtprivileg). Neue Handfesten wurden bereits 1395 durch den Hochmeister Konrad von Jungingen und 1408 durch den Hochmeister Ulrich von Jungingen ausgestellt. Die Handfesten gaben der Stadt Baldenburg das Stadtrecht nach Kulmer Recht, wiesen der Stadt Land und Fischereirechte zu und gaben ihr Rechte an den umliegenden Wäldern. Die Ordensburg Baldenburg ist erstmals 1383 als bezogen erwähnt. Sie wurde der Sitz eines Pflegers; die ersten namentlich überlieferten Pfleger sind Ulrich von Lichtenberg (1391) und Heinrich Krischwitz (1397). Das südwestlich der Stadt gelegene Dorf Bischofthum wurde 1408 durch den Hochmeister Ulrich von Jungingen dem Pfarrer von Baldenburg als Pfarrbesitz zugewiesen.

1408 wütete ein großer Brand in der Stadt. 1466 wurde der Ort ein Lehen Polens. 1691 erhielten Weber besondere Privilegien, die zu verstärken Ansiedlungen von ihnen führten. Dadurch gab es 1624 53 Tuchmacher in Baldenburg. 1650 wird eine Schule eröffnet. Durch den Krieg gegen Schweden und eine Pestepidemie um 1710 stoppte der Aufschwung des Ortes. Im April 1765 wütete ein Brand in der Stadt und vernichtete 74 Häuser und 20 Scheunen. 1772 lebten 620 Einwohner in der Stadt.

Durch die Erste Teilung Polen-Litauens 1772 wurde das westliche Preußen mit Baldenburg unter Friedrich II. von Preußen mit dem östlichen Teil des Königreichs Preußen in dem Maße wiedervereinigt, wie diese Teile zur Zeit des Deutschordensstaats miteinander verbunden gewesen waren. Von 1818 bis 1919 gehörte Baldenburg zum Landkreis Schlochau in der Provinz Westpreußen.

1875 wurde eine katholische Kirche errichtet. Drei Jahre später wurde die Stadt an das Schienennetz angeschlossen.

Um das Jahr 1930 hatte die Gemarkung der Stadt Baldenburg eine Flächengröße von 46,7 km², und im Stadtgebiet standen zusammen 361 Wohnhäuser an sieben verschiedenen Wohnorten:[5]

  1. Bahnhof Baldenburg
  2. Baldenburg
  3. Erholung
  4. Gramshof
  5. Grünbaum
  6. Hohenstein
  7. Walkmühle

Im Jahr 1925 wurden in der Stadt Baldenburg 2.603 Einwohner gezählt, die auf 81 Haushaltungen verteilt waren.[5] Um 1929 gab es in Baldenburg Kalksandstein- und Sägewerke sowie Böttchereien.[6]

Nach der Annexion des überwiegenden Teils Westpreußens 1920 nach dem Ersten Weltkrieg zum Zweck der Einrichtung des Polnischen Korridors blieb der Kreis Schlochau mit Baldenburg bei Deutschland. Baldenburg gehörte zunächst zur 1922 gebildeten Grenzmark Posen-Westpreußen und kam mit deren Auflösung 1938 zur Provinz Pommern. 1939 lebten in der Stadt etwa 2.300 Menschen.

Während des Zweiten Weltkrieges war die Wehrmacht im Ort stationiert, der später auf Grund seiner Lage zu einem wichtigen Verteidigungspunkt beim Anrücken der Roten Armee wurde. Im Rahmen des Projekts Pommernwall wurden Verteidigungsanlagen im Ort und dessen Umgebung errichtet. Am 26. Januar 1945 wurde der Ort trotzdem von der Roten Armee eingenommen. Etwa 80 Prozent des Ortes waren zerstört.

Bald nach Kriegsende wurde Baldenburg zusammen mit Westpreußen und Hinterpommern von der Sowjetunion unter polnische Verwaltung gestellt. Danach begann die Zuwanderung polnischer und ukrainischer Zivilisten, die sich der Behausungen und Anwesen der eingesessenen deutschen Bevölkerung bemächtigten. Die Familien kamen zunächst vorwiegend aus Gebieten östlich der Curzon-Linie, wo sie völkischen Minderheiten angehört hatten. Die betreffenden Herkunftsgebiete waren nach dem Ersten Weltkrieg im Polnisch-Sowjetischen Krieg (1919–1921) erobert worden und mussten nach Ende des Zweiten Weltkriegs an die Sowjetunion abgegeben werden. Angehörige völkischer Minderheiten waren an ihren Heimatorten von der zuständigen sowjetischen Kommandantur vor die Wahl gestellt worden, entweder eine andere Staatsangehörigkeit zu akzeptieren oder auswandern zu müssen. Die zugewanderten Polen und Ukrainer besetzen die Häuser und Bauernhöfe und verdrängten die Eigentümer. Im Mai 1947 kam der Ausweisungsbefehl für alle verbliebenen Deutschen. Sie wurden in zwei Transporten zu je 400 Personen in Richtung Westen vertrieben.[7]

1957 lebten 1.315 Menschen in Biały Bór, darunter auch viele Ukrainer polnischer Staatsangehörigkeit, die im Rahmen der Aktion Weichsel umgesiedelt worden waren.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1783 815 einschließlich des Magistrats meist Deutsche und Protestanten
(wenige Katholiken, sechs privilegierte Schutzjuden-Familien)[8]
1831 1.185 meist Deutsche und Evangelische[3]
1864 2.124 davon 1.949 Evangelische und 56 Katholiken[9]
1875 2.177 [10]
1890 2.237 davon 38 Katholiken und 83 Juden[10]
1905 2.449 meist Evangelische[11]
1925 2.603 davon 81 Katholiken und 40 Juden[5]
1933 2.396 [10]
1939 2.294 [10], meist Evangelische[4]
1957 1.315

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Biały Bór liegt am Schnittpunkt der Landesstraße 20 von Danzig nach Stargard (Stargard in Pommern) mit der Landesstraße 25 von Bobolice (Bublitz) nach Bydgoszcz (Bromberg) und weiter bis Oleśnica (Oels).

Es besteht Anschluss an die Bahnlinie Szczecinek (Neustettin) – Słupsk (Stolp).

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gmina Biały Bór[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Biały Bór umfasst eine Fläche von 270 km² bei einer Einwohnerzahl von mehr als 5.000. Sie liegt im südlichen Osten der Woiwodschaft Westpommern unmittelbar an der Grenze zur Woiwodschaft Pommern.

Im Norden der Gemeinde erhebt sich mit 239,1 Metern der Burgwallberg als einer der höchsten pommerschen Berge.[12]

In der Gemeinde gelten zwei Postleitzahlen:

  • Drzonowo (Schönau) = 78-421
  • Biały Bór = 78-425.

Im Gemeindegebiet gibt es außer dem Bahnhof in Biały Bór noch die Bahnstation Drzonowo, beide an der Staatsbahnstrecke 405 Piła (Schneidemühl) – Ustka (Stolpmünde) gelegen.

Nachbargemeinden der Gmina Biały Bór sind:

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gmina Biały Bór untergliedert sich in 17 Ortsteile (sołectwo) bei 43 Ortschaften insgesamt:

  • Ortsteile:
  • Biała (Groß Wittfelde)
  • Biały Dwór
  • Bielica (Fernheide)
  • Biskupice (Bischofthum)
  • Brzeźnica (Briesnitz)
  • Dyminek (Demmin)
  • Drzonowo (Schönau)
  • Grabowo (Grabau)
  • Kaliska (Schönberg)
  • Kazimierz (Kasmirshof)
  • Kołtki (Hölkewiese)
  • Przybrda (Ebersfelde)
  • Sępolno Małe (Klein Karzenburg)
  • Sępolno Wielkie (Groß Karzenburg)
  • Stępień (Stepen)
  • Świerszczewo (Schönwalde)
  • Trzebiele (Neufeld)
  • Übrige Ortschaften:
  • Bagniewko (Rohrhof), Białka (Klein Wittfelde), Biskupice-Kolonia, Błogowo, Borzęcino (Borntin), Cieszęcino, Cybulin (Neuhof), Dalkowo (Wiesenberg), Dołgie (Dolgen), Domaradz, Donimierz (Petersberg), Jawory (Flußberg), Kamienna (Hohenstein), Kierzkowo, Koleśnik (Pulvermühl), Kosobudy, Linowo (Linow), Lubisz (Lubschendorf), Miłkowo (Mielenkamp), Miłobądz (Karlshof), Ponikwa (Steinberg), Radzewo, Rosłonki (Rosenhof), Rzyszczewko (Ristenkaten), Stepno und Zduny.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil II: Topographie von Westpreußen, Marienwerder 1789, S. 72–73, Nr. 4.) (online)
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 380–381, Nr. 13.
  • Manfred Vollack, Heinrich Lemke: Der Kreis Schlochau – Ein Buch aus preußisch-pommerscher Heimat. Kiel 1974, ISBN 3-9800051-1-9.
  • Hans Jakob Schmitz: Die Stadt Baldenburg und ihre Geschichte. Schneidemühl 1932, DNB 365685755.
  • August Blanke: Aus vergangenen Tagen des Kreises Schlochau. Schlochau 1936, OCLC 177382843, S. 11–14.
  • Johannes Hinz: Pommern. Wegweiser durch ein unvergessenes Land. Bechtermünz, Augsburg 1996, ISBN 3-86047-181-3.
  • Wolfgang Kessler: Zur Geschichte von Baldenburg, einer Kleinstadt im Grenzraum von Pommern und Westpreußen. Martin-Opitz-Bibliothek, Herne 2008, ISBN 978-3-923371-32-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Biały Bór – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), archiviert vom Original am 7. Dezember 2014, abgerufen am 31. Dezember 2014.
  2. Website der Stadt, Władze Miasta, abgerufen am 21. Januar 2015
  3. a b August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 380-381, Nr. 13.
  4. a b Ernst Bahr: Baldenburg. In: Handbuch der historischen Stätten, Ost- und Westpreußen, Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 7-8.
  5. a b c Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Die Stadt Baldenburg im ehemaligen Kreis Schlochau in Pommern (2011).
  6. Der Große Brockhaus. 5. Auflage, Band 2, Leipzig 1929, S. 241.
  7. Manfred Vollack, Heinrich Lemke: Der Kreis Schlochau – Ein Buch aus preußisch-pommerscher Heimat. Kiel 1974, ISBN 3-9800051-1-9, S. 301.
  8. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil II: Topographie von Westpreußen, Marienwerder 1789, S. 72–73, Nr. 4.)
  9. E. Jacobson: Topographisch-statistisches Handbuch für den Regierungsbezirk Marienwerder, Danzig 1868, S. 126–127, Nr. 9.
  10. a b c d Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte Pommern - Kreis Schlochau (2006).
  11. Meyers Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Zweiter Band, Leipzig und Wien 1906, S. 297.
  12. http://bip.bialybor.com.pl/