Berger Rücken

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Plastik "Frankfurter Grüngürteltier" auf dem Rundwanderweg des Berger Rückens, Heiligenstock

Der Berger Rücken ist eine geologische Formation, die sich im Nordosten der Stadt Frankfurt am Main erstreckt. Er verbindet die Frankfurter Stadtteile Berkersheim, Seckbach und Bergen bis nach Maintal-Bischofsheim. Teile des Berger Rückens gehören zum Frankfurter Grüngürtel und zum Quellenwanderweg im Frankfurter Grüngürtel.

Frühzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Berger Rücken ist während des Pleistozäns entstanden, indem sich der Main in kalkreiche Schichten aus der Zeit des Tertiär hineinarbeitete und so den heutigen Höhenrücken als Uferhang ausformte. Relikte aus dieser Zeit bilden sowohl das Enkheimer Ried als auch das Seckbacher Ried, die sich beide an den Berger Rücken anschmiegen. Im Tertiär war das Klima erheblich wärmer als heute, Ablagerungen von Meer-, Brack- und Süßwasser schufen die Basis des heutigen geologischen Untergrundes.

Am Berger Rücken wurden unter anderem Baudenkmäler, ein römisches Heiligtum, ein römischer Gutshof, römische Straßen, eine Jupitergigantensäule bei Frankfurt-Seckbach und ein vorzeitliches Tier von der Größe eines Flusspferdes ausgegraben.

Charakterisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Berger Rücken wird aus massivem Kalkstein und hartem Basalt gebildet, letzterer als Ausläufer des Vogelsberges. Die höchste Markierung des Berger Rückens bildet das Wartfeld an dem frühneuzeitlichen Wartturm Berger Warte auf Seckbacher Gemarkung auf 212,4 m ü. NN. Nur wenig weiter nordöstlich befindet sich mit dem Gisisberg auf 202 Metern über NN die zweithöchste Erhebung des Berger Rückens.

Südhang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Südhang des Berger Rückens wärmt sich im Sommer stark auf. Blütenreiche Fettwiesen mit seltenen streng geschützten Pflanzen wie zum Beispiel das Helmknabenkraut (Orchis militaris), ein Meer von Primeln (Primula) und alter Obstbaumbestand haben sich darauf eingestellt und formieren sich zum größten zusammenhängenden Streuobstwiesengebiet Hessens. Dazwischen liegen Wiesen mit Orchideenarten (Orchidaceae), zum Beispiel Händelwurz (Gymnadenia), die im Sommer zur Geltung kommen. Viele Quellen entspringen am Berger Rücken, der Quellenwanderweg im Frankfurter Grüngürtel verbindet sie. Ihre Entstehung ist auf einen schichtartigen Aufbau aus Kiesen, Sanden und Tonen von Ablagerungen zurückzuführen, die Altarme des Mains hinterlassen haben. Der Seckbacher Mühlbach hat ein 5 bis 8 Meter tiefes Tal in den Südhang des Berger Rückens gegraben, der hier besonders steil ist. In dem seit 1968 als Naturschutzgebiet ausgewiesenen 3,28 Hektar großen Mühlbachtal findet sich der Riesenschachtelhalm (Equisetum telmateia), Relikt eines früheren Bachauenwaldes. Es handelt sich um das im ganzen Rhein-Main-Gebiet einzige Vorkommen. An den Hängen des Mühlbachtales wurde im 18. und 19. Jahrhundert Wein angebaut, danach erfolgte eine Umstellung auf Obst. In Seckbach findet sich im Lohrpark des Lohrberges der letzte Weinberg auf Frankfurter Stadtgebiet, der Lohrberger Hang, auch er gen Süden geneigt. Hier wächst der Lohrberger Hang Riesling. Die 1,3 Hektar umfassende Weinlage zählt als kleinstes und östlichstes Weinbaugebiet zum Rheingau.

Nordhang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Selbst der Nordhang des Berger Rückens bietet botanische Besonderheiten. Magerwiesen und Streuobstgebiet fallen sanft zum Vilbeler Wald hin ab, auf die Stadt Bad Vilbel zu. Im Frühjahr duftet es intensiv nach Bärlauch (Allium ursinum). Die fruchtbaren Lößböden werden landwirtschaftlich genutzt. An einigen Stellen sind noch Terrassen mit alten Weinstöcken erhalten geblieben. Bis ins 20. Jahrhundert wurde hier in großem Umfang Wein angebaut. Buchfink (Fringilla coelebs), Grauammer (Emberiza calandra), Kuckuck (Cuculus canorus), Steinkauz (Athene noctua), Nachtigall (Luscinia megarhynchos), Neuntöter (Lanius collurio) und zahlreiche Insektenarten sind hier anzutreffen.

Der Alte Jüdische Friedhof Bergen II ist eine Besichtigung wert, den Schlüssel erhält man bei der Friedhofsverwaltung. Gegenüber dem Parkfriedhof Heiligenstock entdeckt der Betrachter die Lärchenwiese, ein in Frankfurt gänzlich ungewohnter Anblick. Die Lärchen (Larix), eigentlich in den Alpen beheimatet, färben ihre Nadeln im Herbst goldgelb, bevor sie sie, abweichend von anderen Nadelbaumarten, abwerfen.

Das Baumlohhohl ist ein frei stehendes 1,5 Hektar umfassendes Feldgehölz mit Eichen (Quercus), Fichten (Picea), Hainbuchen (Carpinus betulus), Weiden (Salix), Holunder (Sambucus), Schlehen (Prunus spinosa), Birken (Betula) und Hasel (Corylus), das aus einem früheren Hohlweg mit Hecken zu beiden Seiten hervorging. Wild, Vögeln und Kleinsäugern bietet es einen geschützten Unterschlupf.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fauna-Flora-Habitat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Jahr 2004 ist das Gelände um die Leopoldsäule und die Berger Warte bei der EU als Fauna-Flora-Habitat (FFH) eingetragen. Es erstreckt sich entlang des Nordhangs des Berger Rückens und umfasst 29 Hektar.

Ausflugstipps[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berger Warte am mit 212,4 m ü. NN höchsten Punkt des Berger Rückens
Die Leopoldsäule von 1790

Der Lohrberg bietet einen unverbauten Panorama-Ausblick auf das Maintal und die Stadt Frankfurt. Ziele eines Spaziergangs bzw. einer Wanderung können zum Beispiel der Weinberg Lohrberger Hang (1924), das Gartenlokal Lohrbergschänke (1933) mit integriertem Lohrhaus (1763), das ÄppelBistro des MainÄppelHauses oder das Wasserspielbecken des Kinder-Erholungsgartens (1929) auf dem Lohrberg, die historische Berger Warte (1340/1557) mit der benachbarten Leopoldsäule (1790) und der angrenzende Schauplatz der Schlacht bei Bergen, das Naturschutzgebiet Berger Hang, das Naturschutzgebiet Mühlbachtal, die Naturschutzgebiete Seckbacher Ried und Enkheimer Ried, der Huthpark oder das Gelände am Heiligenstock sein.

In der kostenlosen GrünGürtel-Freizeitkarte sind die Fahrrad- und Wanderwege des Frankfurter GrünGürtels eingetragen, die auch über den Berger Rücken führen. Eine weitere kostenlose Wanderkarte beschäftigt sich speziell mit dem Quellenwanderweg innerhalb des Frankfurter Grüngürtels. Beide Karten können über die Stadt Frankfurt kostenlos bezogen werden; die Wanderkarte steht als PDF-Datei auch zum Herunterladen zur Verfügung.

Neben dem Quellenwanderweg wird der Berger Rücken auch durch den Vulkan-Steig (Vater-Bender-Weg) des Vogelsberger Höhen-Clubs erschlossen, einen weiteren Wanderweg. Der Vulkan-Steig ist durch Wegemarkierungen ausgezeichnet, die aus einem Rechteck bestehen, das horizontal in eine oben rote und unten weiße Fläche aufgeteilt ist. Organisierte Wanderungen über den Berger Rücken haben unter anderem der Pfälzerwald-Verein und die Wanderabteilung des Turnvereins Seckbach 1875 durchgeführt.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Berger Rücken lässt sich zu Fuß oder per Fahrrad von verschiedenen Punkten aus erschließen, von Seckbach aus zum Beispiel über den Lohrberg, von Bergen und Bad Vilbel aus über die Vilbeler Landstraße. Bei jeder Variante sind zum Teil erhebliche Steigungen zu überwinden. Mit dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) dient die RMV-Buslinie 551, Haltestelle Berger Warte, als Zubringer. Von dort ist der Zugang relativ ebenerdig. Weitere Optionen sind die RMV-Buslinie 43 bis zur Haltestelle Budge-Heim/Lohrberg oder die Buslinien 30 bzw. 69 bis zur Haltestelle Heiligenstock/Lohrberg.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stadtgewässer. Flüsse, Bäche, Altarme. Herausgegeben vom Umweltamt Frankfurt am Main.
  • Rochelmeyer, Folker: Seckbach und seine Umgebung, Frankfurter Sparkasse von 1822 – Polytechnische Gesellschaft (Hg.), 1972, 84 S., illustriert
  • Rochelmayer, Folker (Chronik): Festschrift 1100 Jahre Seckbach, 880-1980, Festausschuss 1100 Jahre Seckbach e. V. (Hg.), 1980, 151 S., illustriert
  • Heinzberger, Martin / Meyer, Petra / Meyer, Thomas (Bearb.): Entwicklung der Gärten und Grünflächen in Frankfurt am Main, Kleine Schriften, Band 38, Historisches Museum Frankfurt am Main (Hg.), ebenda, 1988
  • Der Lohrpark in Frankfurt am Main – Brandschutz und Stadtgrün, Stadt Frankfurt am Main, Garten- und Friedhofsamt, Dezernat für Umwelt (Hg.), 32 S., ebenda, 1989
  • Dechent, H.-J. / Kramer, H. / Peukert, M. / Redeker, H. / Böffinger, A.: Floristische Beobachtungen aus dem Stadtgebiet Frankfurt am Main, in: Botanik und Naturschutz in Hessen, 5, 1991
  • Kramer, H. / Peukert, M.: Natur und Naturschutz, in: Vision offener Grünräume – Grüngürtel Frankfurt, Koenigs, Tom (Hg.), Campus Verlag, Frankfurt am Main, 1991, 240 S., illustriert, ISBN 3-593-34515-3
  • Sauer, Walter: Seckbacher Geschichte(n), Ein Heimatbuch, Kultur- und Geschichtsverein Seckbach e. V. (Hg.), 2000, 164 S.
  • Der Quellenwanderweg im Frankfurter GrünGürtel, Projektgruppe GrünGürtel, Stadt Frankfurt am Main, Umweltamt (Hg.), ebenda, 2. Auflage, 2002
  • Bolliger, Roland: Weinbau in Seckbach, Kultur- und Geschichtsverein 1954 Frankfurt a. M.-Seckbach e. V. (Hg.), 2005
  • Vollweiter, Rainer: Frischluft für die Wirtschaftswunder-Kapitale, Der Aufbruch der Frankfurter Grünplanung in den 1950er-Jahren, in: Stadt und Grün/Das Gartenamt, Jg. 50, Nr. 6, 2008, S. 847, illustriert, ISSN 0948-9770
  • Die GrünGürtel-Freizeitkarte – mit Regionalpark RheinMain, Stadt Frankfurt am Main, Umweltamt, Stadtvermessungsamt (Hg.), ebenda, 6. Auflage, 2007

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]