Durchbruchstal

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Ein Durchbruchstal ist ein geografischer Begriff für ein Tal, dessen Fluss den seinen heutigen Lauf durchquerenden Bergzug (scheinbar) durchbricht. Oft verläuft es senkrecht zum Streichen der Gesteine.

Ursachen der Entstehung von Durchbruchstälern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Meist steht das Gebirge schräg oder quer zur generellen Fließrichtung, und das Gewässer erodiert es im Laufe von Jahrmillionen entlang tektonischer Schwäche- oder Störungslinien. Dem Geologen bietet ein Durchbruchstal durch seine großflächig freigelegten Aufschlüsse interessante Sichten auf die Gesteine und die Verbiegungen ihrer Schichten seit der Gebirgsbildung. Da sich Bergregionen oft bis heute um 1 bis 3 mm pro Jahr heben, tiefen sich manche Flüsse im selben Maß ein. Gerölle und Kiese werden bei Hochwasser in die Becken des Oberlaufs bzw. unterhalb der Durchbrüche abgelagert, während Feinkies und Sand mehrheitlich in den Hauptfluss gelangen. Durch die Materialabführung schneidet sich der Fluss beständig weiter in Richtung zu seiner Quelle hin in den Untergrund ein. Diesen Vorgang bezeichnet man als rückschreitende Erosion.

Obere Donau: Blick vom Knopfmacherfelsen Richtung Beuron
Die Manawatu Gorge auf Neuseeland

Durchbruchstäler werden anhand ihrer Genese unterteilt in:

  • antezedente Durchbruchstäler
  • epigenetische Durchbruchstäler
  • Überlaufdurchbruchstäler.

Antezedentes Durchbruchstal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antezedente Durchbruchstäler sind Täler von Flüssen, deren Laufrichtung schon vor dem Einsetzen der Gebirgshebung feststand. Mit der tektonischen Hebung einhergehend schnitt sich der Fluss in das aufsteigende Gebirge ein statt sein Flussbett zu verlagern. Das Mittelrheintal zwischen Bingen und Koblenz (Oberes Mittelrheintal) ist ein antezedentes Durchbruchstal.

Epigenetisches Durchbruchstal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Epigenetische Durchbruchstäler sind Täler, die ursprünglich auf Lockersedimenten entstanden sind, die einen verschütteten Gebirgs- oder Härtlingsrücken bedeckten. Durch die Tieferlegung der Oberfläche durch fluviale Erosion und Denudation werden diese Rücken freigelegt und somit aus der weniger widerständigen Sedimenthülle befreit. Durch Tiefenerosion, welche die Vertiefung des Flussbettes kennzeichnet, war der Fluss in der Lage, sich in den Härtlingsrücken einzuschneiden und somit das Tal zu formen.

Überlaufdurchbruchstal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überlaufdurchbruchstäler entstehen dadurch, dass sich hinter einer natürlich abgelagerten Schuttmasse (z.B. Bergsturzmasse) Wasser staut und schließlich am niedrigsten Punkt überläuft. Durch das hohe Gefälle wird dieser Überlauf durch rückschreitende Erosion vertieft, wodurch der entstandene Stausee trockengelegt wird. Seesedimente (lakustrine Sedimente) oberhalb eines solchen Durchbruchs bezeugen diese Entstehungsart von Durchbruchstälern.

Bekannte Durchbrüche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Donau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannte Durchbruchstäler im Einzugsbereich der Donau sind z.B.:

Andere Flüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • H. Zepp: Geomorphologie: Grundriß Allgemeine Geographie. 6. Auflage. Schöningh, Paderborn 2014, ISBN 978-3-8252-4030-1.
  • John Grotzinger, Thomas H Jordan, Frank Press, Raymond Siever: Allgemeine Geologie – Einführung in das System Erde. 5. Auflage. Spectrum, Berlin/ Heidelberg 2007, ISBN 978-3-8274-1812-8 (Originaltitel: Understanding earth. Übersetzt von Volker Schweizer).