Bernhard Kellermann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Bernhard Kellermann auf der Tribüne der Goethetage-Veranstaltung 1949

Bernhard Friedrich Wilhelm Kellermann (* 4. März 1879 in Fürth; † 17. Oktober 1951 in Klein Glienicke bei Potsdam) war ein deutscher Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bernhard Kellermann fotografiert von Marta Wolff (1914)

Bernhard Kellermann, ein Sohn des Fürther Magistratssekretärs Friedrich Kellermann und seiner Frau Margareta Katharina geb. Pfeiffer nahm 1899 an der Technischen Hochschule in München sein Studium auf, später studierte er Germanistik und Malerei. Ab 1904 machte er sich einen Namen als Romanautor, als eines seiner frühen Werke, Yester und Li, außerordentlichen Erfolg erreichte und bis 1939 insgesamt 183 Auflagen erlebte.

Auch der Roman Ingeborg (1906) erreichte 131 Auflagen (bis 1939).

In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg erschienen Romane und Reiseberichte im Anschluss an Reisen in die USA und Japan. Die Reiseberichte Ein Spaziergang in Japan und Sassa yo Yassa. Japanische Tänze erschienen in den Jahren 1910 und 1911. Der Schweizer Maler und Illustrator Karl Walser illustrierte die Bücher. Sein Roman Das Meer von 1910 wurde 1927 von Peter Paul Felner, Sofar-Film-Produktion GmbH, mit Heinrich George, Olga Tschechowa und Simone Vaudry verfilmt, auch bekannt als „Insel der Leidenschaft“ oder „Die Insel der tausend Sünden“. 1913 erschien sein Hauptwerk Der Tunnel. Es war für den Autor und seinen Verlag ein Riesenerfolg: Die Gesamtauflage überschritt eine Million, und das Werk wurde in 25 Sprachen übersetzt. In Russland wurde es bis 1932 immer wieder gedruckt. Das Buch wurde viermal verfilmt: 1915 als Stummfilm von William Wauer, 1933 als deutsch-französische Produktion unter der Regie von Kurt Bernhardt in der deutschen Version mit Paul Hartmann, Olly von Flint, Attila Hörbiger und Gustaf Gründgens und parallel mit Jean Gabin in einer französischen Fassung sowie schließlich 1935 als englische Produktion unter Maurice Elvey (Drehbuch u. a. Curt Siodmak).

Weniger die vorherige impressionistische und lyrische Prosa markierte nun das Werk Kellermanns als vielmehr die gesellschaftskritische und realistische Darstellungsweise. Bernhard Kellermann kannte den Maler Moritz Coschell, der für den S.Fischer Verlag und für das Berliner Tageblatt illustrierte. Coschell fertigte ein großes Porträt von Kellermann an und das bedeutende Gemälde wurde in der Großen Berliner Kunstausstellung im Jahre 1909 gezeigt. Im Ersten Weltkrieg arbeitete Kellermann als Korrespondent des Berliner Tageblatts. Mehrere Kriegsberichte wurden veröffentlicht.

1920 erschien der Roman Der 9. November, der sich kritisch mit dem Verhalten von Soldaten und Offizieren gegenüber der Bevölkerung auseinandersetzte. Ab 1922 folgten zahlreiche Novellen und Erzählungen. 1926 wurde Kellermann Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, Sektion Dichtung. Obwohl er die von Gottfried Benn verlangte Loyalitätserklärung der Sektion zum NS-Staat unterzeichnet hatte, wurde er am 5. Mai 1933 aus der Akademie ausgeschlossen.[1] Der Roman Der 9. November wurde verboten und öffentlich verbrannt. Kellermann emigrierte nicht, er leistete auch keinen Widerstand, sondern schrieb nun Trivialromane.

Nach dem Zusammenbruch der NS-Diktatur gründete Kellermann zusammen mit Johannes R. Becher den Kulturbund. Er wurde Abgeordneter der Volkskammer der DDR sowie Vorsitzender der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft. Für seinen Roman Totentanz erhielt er 1949 den Nationalpreis der DDR, Literatur/Klasse 2. Sein politisch-kulturelles Engagement in der DDR bewog die westdeutschen Buchhändler, seine Bücher aus dem Angebot zu nehmen und ihn zu boykottieren. Sein Name geriet dadurch in Westdeutschland in Vergessenheit. Noch kurz vor seinem Tode 1951 rief er die Schriftsteller beider deutscher Staaten auf, sich für gesamtdeutsche Beratungen einzusetzen.

Bernhard Kellermann wurde auf dem Neuen Friedhof Potsdam beigesetzt. Sein Grab ist noch vorhanden.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kellermann heiratete 1915 die US-Amerikanerin Mabel Giberson (1878–1926). Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er 1939 in Berlin-Charlottenburg Else Michaelis.

Darstellung Kellermanns in der bildenden Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1904: Yester und Li : Geschichte einer Sehnsucht (Roman)[3]
  • 1906: Ingeborg[4]
  • 1909: Der Tor[5]
  • 1910: Das Meer (Roman)[6]
  • 1910: Ein Spaziergang in Japan (Reisebericht, Berlin : Cassirer)[7] aktuelle Ausgabe: MONS Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-946368-22-9)
  • 1911: Sassa yo Yassa. Japanische Tänze[8] aktuelle Ausgabe: MONS Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-946368-21-2)
  • 1913: Der Tunnel (Berlin : S. Fischer)[9], Neuausgabe 2015 bei Ars Vivendi, ISBN 978-3-86913-585-4
  • 1915: Der Krieg im Westen (Kriegsbericht)[10]
  • 1916: Krieg im Argonnerwald (Kriegsbericht)[11]
  • 1920: Der 9. November[12]
  • 1920_ Schwedenklees Erlebnis[13]
  • 1922: Die Heiligen (Novelle)[14]
  • 1925: Die Brüder Schellenberg, unter dem gleichen Titel 1926 verfilmt, Regie: Karl Grune[15]
  • 1925: Die Wiedertäufer von Münster[16]
  • 1928: Auf Persiens Karawanenstraßen, Reisebericht
  • 1929: Der Weg der Götter. Indien, Klein-Tibet, Siam, Reisebericht
  • 1932: Die Stadt Anatol[17], auch verfilmt
  • 1934: Jang-tse-kiang
  • 1935: Lied der Freundschaft
  • 1938: Das blaue Band
  • 1940: Meine Reisen in Asien
  • 1941: Georg Wendlandts Umkehr
  • 1945: Was sollen wir tun? (Aufsatz)
  • 1948: Totentanz (1948)
  • 1948: Wir kommen aus Sowjetrußland (Bericht. Mit einer Vorbemerkung von Jürgen Kuczynski. Reihe Deutsche sehen die Sowjetunion)

Postum erschienen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernhard Kellermann zum Gedenken. Aufsätze, Briefe, Reden 1945–1951 (1952)
  • Eine Nachlese 1906–1951 (1979)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kellermann, Bernhard. In: Kurt Böttcher (Gesamtredaktion): Lexikon deutschsprachiger Schriftsteller von den Anfängen bis zur Gegenwart. VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1974; Band 1, S. 454/455
  • Hans Joachim Alpers, Werner Fuchs, Ronald M. Hahn: Reclams Science-fiction-Führer. Reclam, Stuttgart 1982, ISBN 3-15-010312-6, S. 227 f.
  • Bożena Chołuj: Deutsche Schriftsteller im Banne der Novemberrevolution 1918. Bernhard Kellermann, Lion Feuchtwanger, Ernst Toller, Erich Mühsam, Franz Jung. In: DUV: Literaturwissenschaft. Deutscher Universitats-Verlag, Wiesbaden 1991, ISBN 3-8244-4039-3 (Zugleich Dissertation an der Universität Warschau, 1988).
  • Christa Miloradovic-Weber: Der Erfinderroman 1850–1950. Zur literarischen Verarbeitung der technischen Zivilisation. Konstituierung eines literarischen Genres. In: Zürcher germanistische Studien. Band 15. Lang, Bern / Frankfurt am Main / New York 1989, ISBN 3-261-03995-7.
  • Bernd Noack: Mit Licht und Schatten gepflastert. Elf literarische Erkundungen in Fürth. In: Auf den Spuren der Dichter und Denker durch Franken. Band 5. Schrenk, Gunzenhausen 2007, ISBN 978-3-924270-49-0 (Auf den Spuren von Elia Halevi, Leopold Ullstein, Max Bernstein, Alfred Louis Nathan, Jakob Wassermann, Bernhard Kellermann, Eugen Gürster, Ruth Weiß, Richard Krautheimer, Mary Rosenberg).
  • Barbara Ohm: Bernhard Kellermann. Zum fünfzigsten Todestag des in Fürth geborenen Autors. In: Fürther Heimatblätter. Nr. 51, 2001, S. 97–135.
  • Barbara Ohm: Fürth : Geschichte der Stadt. Jungkunz, Fürth 2007, ISBN 978-3-9808686-1-7 (mit einer ausführlichen Biografie von Bernhard Kellermann).
  • Fritz Reinert: Was uns verbindet, ist das Leiden, das Erbe und das Schicksal Deutschlands. Notizen zu zwei Potsdamer Schriftstellern (1945–1949). In: Deutschland-Archiv. Nr. 32. W. Bertelsmann Verlag, 1999, ISSN 0012-1428, S. 604–613.
  • Uta Schaffers: Konstruktionen der Fremde. Erfahren, verschriftlicht und erlesen am Beispiel Japan. In: Spectrum Literaturwissenschaft. Band 8. de Gruyter, Berlin / New York 2006, ISBN 978-3-11-018862-2 (Zugleich Habilitationsschrift an der Universität Köln, 2005).
  • Klaus Treuheit: Bernhard Kellermann. Der Moralist aus Fürth. In: Bernd Flessner (Hrsg.): Visionäre aus Franken. Sechs phantastische Biographien. Schmidt, Neustadt an der Aisch 2000, ISBN 3-87707-542-8, S. 101–112.
  • Volker Weidermann: Das Buch der verbrannten Bücher. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008, ISBN 978-3-462-03962-7, S. 93–95.
  • Aysche Wesche: Kellermann, Bernhard. In: Lexikon der Science Fiction-Literatur seit 1900. Mit einem Blick auf Osteuropa, herausgegeben von Christoph F. Lorenz, Peter Lang, Frankfurt/Main 2016, ISBN 978-3-631-67236-5, S. 381–384.
  • Gertraude Wilhelm: Kellermann, Bernhard. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 11, Duncker & Humblot, Berlin 1977, ISBN 3-428-00192-3, S. 470 f. (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bernhard Kellermann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 300.
  2. Bernhard Kellermann | Otto Nagel | Bildindex der Kunst & Architektur - Bildindex der Kunst & Architektur - Startseite Bildindex. Abgerufen am 19. Oktober 2022.
  3. Digitalisat der 3. Auflage Berlin : Magazin-Verlag 1905 im Internet Archive
  4. Ingeborg, Digitalisat der Auflage S. Fischer Verlag 1923
  5. Der Tor, Digitalisat der Aufl. 1913, Digitalisat der Auflage S. Fischer Verlag 1922
  6. Digitalisat, Digitalisat der Aufl. 1917 im Internet Archive
  7. Das Meer Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3Dkellermannbernhard.einspazierganginjapan.berlincassirer1910~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D, Digitalisat der 3. Auflage von 1920, Digitalisat der Aufl. 19-23. Tsd. 1922 im Internet Archive
  8. Sassa yo Yassa. Japanische Tänze Digitalisat der Ausgabe 1920http://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3Dkellermannbernhard.sassayoyassajapanischetanze.berlincassirer1920~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3DDigitalisat%20der%20Ausgabe%201920~PUR%3D, Digitalisat der 4. Aufl. 1922
  9. Der Tunnel, Digitalisat der Ausgabe 1913, Digitalisat der Ausgabe 1925 im Internet Archive
  10. Der Krieg im Westen, Digitalisat im Internet Archive
  11. Krieg im Argonnerwald, Digitalisat im Internet Archive
  12. Der 9. November, Digitalisat im Internet Archive
  13. Abdruck des Romans Schwedenklees Erlebnis in Fortsetzungen im Jahr 1920 in Neue Berliner Illustrierte. (hier: erste Fortsetzung)
  14. Die Heiligen, Digitalisat im Internet Archive
  15. Die Brüder Schellenberg, Digitalisat im Internet Archive
  16. Die Wiedertäufer von Münster, Digitalisat im Internet Archive
  17. Digitalisat im Internet Archive