Bill Browder

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Bill Browder am World Economic Forum in Davos 2011

William Felix „Bill“ Browder (* 23. April 1964 in Chicago) ist der Mitbegründer und CEO der Fondsgesellschaft Hermitage Capital Management. Browder gilt seit 2007 als scharfer Kritiker der Politik des russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Browder ist der Enkel von Earl Browder und der Sohn von Felix Browder. Andrew und William Browder (* 1934, US-amerikanischer Mathematiker) sind seine Onkel. Er ist verheiratet mit Melanie. Ihr gemeinsamer Sohn Joshua Browder wurde bereits in jungen Jahren bekannt mit der Internetplattform DoNotPay. Bill Browder studierte Wirtschaftswissenschaft an der University of Chicago und erlangte an der Stanford Graduate School of Business seinen Master of Business Administration. Später war er bei der Boston Consulting Group und bei Salomon Brothers beschäftigt.

1996 gründete er gemeinsam mit dem Bankier Edmond Safra die Firma Hermitage Capital Management mit Sitz in Guernsey. Die Fondsgesellschaft galt zeitweise als einer der größten westlichen Investoren in Russland und verfügte im Jahr 2005 über Aktiva im Wert von 4 Milliarden US-Dollar.[1] Dabei hatte Browder länger als Andere das Vorgehen Putins gegen Oligarchen verteidigt und war geradezu einer seiner Fürsprecher gewesen.[2]

Im November 2005 wurde Browder auf dem Flughafen Moskau-Scheremetjewo die Wiedereinreise nach Russland verweigert. Seine Analysen, welche die Interessen von Oligarchen benannten, richteten sich gegen die Interessen Putins.[2] 2007 wurden seine Firmen in Russland liquidiert, Browder wurde von Seiten der russischen Behörden Steuerhinterziehung sowie gesetzeswidrige Aneignung von Aktien des Unternehmens Gazprom vorgeworfen. Der Anwalt Sergei Magnitski, der für Browders Firma tätig war und einen mutmasslichen Betrug von Beamten im Umfang von gegen 200 Millionen Euro offen gelegt hatte,[3] wurde im November 2008 verhaftet und verstarb am 16. November 2009 in einem Gefängnis in Moskau unter ungeklärten Umständen. Gemeinsam mit dem toten Magnitski wurde Browder von einem russischen Gericht im Juli 2013 in Abwesenheit wegen Steuerhinterziehung zu neun Jahren Haft verurteilt.[4] Der Versuch der russischen Behörden, Browder auf die internationale Fahndungsliste setzen zu lassen, schlug fehl. Die internationale Polizeiorganisation Interpol erklärte, die Vorwürfe gegen Browder seien politisch motiviert und widersprächen den Regeln von Interpol.[5]

Nach Magnitskis Tod setzte sich Browder dafür ein, dass die verantwortlichen russischen Beamten bestraft werden, er bezeichnet sich als Opfer einer Verschwörung, sowohl von Seiten der russischen Behörden wie auch von kriminellen Gruppen. Die Lobbykampagne Browders, die laut Bundeszentrale für Politische Bildung eine Reihe von überzeugenden Belegen von Korruption in Steuerbehörden und anderen Regierungsstellen vorbrachte, führte in den USA im Jahr 2011 zum Erlass des "Magnitsky Act", durch den 60 russische Beamte mit Einreisesperren belegt wurden, denen auch das Europäische Parlament folgte.[6] Nachdem Browder bis 2005 die Politik Putins ausdrücklich gelobt hatte,[7] warnt er seit 2007 in verschiedenen Veröffentlichungen und Interviews Anleger aus westlichen Ländern davor, in Russland zu investieren.[8] Das von ihm verfasste Buch Red Notice: A True Story of High Finance, Murder, and One Man's Fight for Justice (dt. Ausgabe Red Notice: Wie ich Putins Staatsfeind Nr. 1 wurde) erschien im Februar 2015.[9]

Der Filmemacher Andrei Nekrassow produzierte für den Sender Arte einen Dokumentarfilm zum Tod von Magnitski („Der Fall Magnizki“). In der Dokumentation kam Nekrassow entgegen der Version von Browder zu dem Schluss, dass Browders Unternehmen und ihr Anwalt Magnitski damals nicht vorgehabt hätten, über Korruption aufzuklären. Browder bezeichnete dies als Lüge und drohte gegenüber dem produzierender Sender mit Klagen, woraufhin die Ausstrahlung abgesetzt wurde.[10] Nekrassow kritisierte dies und erklärte, er hätte bei den Dreharbeiten keine Agenda gehabt, die Fakten hätten jedoch keinen anderen Schluss zugelassen als dass es bei dem Fall um Steuerhinterziehung von Hermitage Capital Management ging.[10] Im gleichen Zeitraum erfolgten umfassende propagandistische Aktivitäten durch Russland, u. a. wurde Browder der Spionage verdächtigt und der Vorwurf gemacht, er habe die Ermordung Magnitskis fingiert, um Russland zu diskreditieren.[11]

Am 29. Dezember 2017 verurteilte ein Gericht in Moskau Browder in Abwesenheit zu neun Jahren Lagerhaft. Es sprach ihn und seinen aus Russland emigrierten Geschäftspartner Iwan Tscherkassow des vorsätzlichen Bankrotts und der Steuerhinterziehung für schuldig. Die beiden sollen zudem eine Strafe von 4,2 Milliarden Rubel (60,7 Millionen Euro) bezahlen.[12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der furchtbare Foltertod eines russischen Anwalts, Artikel von Mikhail Fishman, Die Welt vom 28. November 2011
  2. a b An Enemy of the Kremlin Dies in London, The Atlantic, Januar/Februar 2017
  3. Putin accuses British anti-corruption campaigner Browder of three murders, Guardian, 19. November 2017
  4. Schuldspruch gegen toten russischen Whistleblower, Der Tagesspiegel vom 11. Juli 2013
  5. Interpol weist Russland im Fall Browder ab, Tageblatt vom 27. Juli 2013
  6. http://www.bpb.de/internationales/europa/russland/155734/analyse-russlands-reaktion-auf-den-magnitsky-act-und-die-beziehungen-zum-westen
  7. Liebesgrüße aus Moskau, Die Welt vom 1. April 2006
  8. Wie Großinvestor Browder in Russland scheiterte, Wirtschaftswoche vom 26. August 2010
  9. Ankündigung der Buch-Veröffentlichung auf der Webseite des Verlages Simon & Schuster
  10. a b By James Panichi: MEPs dragged into Russia film row. In: politico.eu. 3. Mai 2016, abgerufen am 3. Mai 2016.
  11. European Music Council: EU and US duped on Russia corruption, film-maker claims. In: euobserver.com. Abgerufen am 3. Mai 2016 (englisch): „Nekrasov’s documentary - The Magnitsky Act - Behind the Scenes - does not accuse Browder of tax fraud or espionage.“
  12. Russisches Gericht verurteilt Bill Browder zu Haftstrafe. Spiegel Online, 29. Dezember 2017