Bruno Eyermann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Bruno Hermann Eyermann (* 26. Februar 1888 in Leipzig; † 30. Dezember 1961 in Hanau) war ein deutscher Bildhauer, Stempelschneider, Medailleur, Grafiker und Maler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bachdenkmal in Weimar
Goethebrunnen in Bad Berka
Porträtmedaillon Gustav Wohlgemuth
Porträtmedaillon Richard Hesse
Steinschale am Eingang des Physikalischen Instituts, Leipzig

Bruno Eyermann erlernte den Beruf eines Graveurs. Neben seiner Erwerbstätigkeit besuchte er von 1905 bis 1908 die Abendschule der Leipziger Kunstakademie, an der er anschließend bis 1913 studierte. Er war Schüler von Adolf Lehnert (Bildhauerei), Georg Schiller (Stempelschnitt) sowie Walter Tiemann, Bruno Héroux und Hans Soltmann (Grafik). An selbiger Kunsthochschule übte er von 1919 bis 1923 eine Lehrtätigkeit in der Abteilung Stempelschnitt und Gravur aus.

Ab 1923 lebte er als freischaffender Künstler in Leipzig. Als 1943 seine Wohnung und das Atelier[1] mitsamt seinen bisherigen künstlerischen Arbeiten den Bomben zum Opfer gefallen waren, verzog er nach Bad Berka. Von 1955 bis 1959 lebte er wieder in seiner Vaterstadt. Zwei Jahre vor seinem Tod übersiedelte er mit seiner Familie nach Hanau.

Kunstschaffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bruno Eyermann hat sich hauptsächlich als Medailleur bekannt gemacht. Er gehörte zu den wenigen Künstlern, die es vermochten, die Prägestempel sofort und ohne plastische Vorlage negativ in den Stahl zu schneiden. Seine Porträtmedaillen zeichnen sich durch hohe physiognomische Treue aus. Sie wurden in Eisen, Bronze, Silber oder Meißner Porzellan ausgefertigt. Daneben schuf er Kleinplastik und Büsten in Bronze, Sandstein, Terrakotta oder Marmor. In der figürlichen Darstellung war seine Formensprache vom Stil der Neuen Sachlichkeit geprägt. Weiterhin schuf er Grab- und Gefallenendenkmäler, Brunnen, Taufsteine und Freiplastik.

Auch als Zeichner und Maler hat er sich betätigt. Aus seiner frühen Schaffenszeit ist die Plakat-Lithographie Tanz Helga Thierbach bekannt. 1911 malte er ein Esszimmer in der Leipziger Windscheidstraße 39 aus.

Ab 1912 war er mit Arbeiten auf Kunstausstellungen im In- und Ausland vertreten. Seine Kunstwerke sind im Besitz zahlreicher staatlicher und städtischer Sammlungen und Museen, unter anderem in Rom, Paris, Wien, Berlin, Dresden, München, Hamburg, Lübeck, Frankfurt am Main, Weimar, Leipzig und Lambarene.

Für die Gestaltung der Fassade der Berliner Staatsoper Unter den Linden erhielt er die Knobelsdorff-Plakette. Zu seinen Schülern zählte sein Schwiegersohn, der Bildhauer und Medailleur Helmut Güldner.

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plastische Arbeiten
  • 1918: Gefallenendenkmal in Altenburg
  • 1920: Stehender weiblicher Akt mit Manteltuch, Bronzeskulptur
  • 1922: Lothar Körner als Holofernes, Marmorbüste
  • 1924: Tischwahrzeichen für die Leoniden, Bronze
  • 1930: Damenporträt, Bronzebüste auf beigen Marmorblock
  • 1931: Richard Hesse, Porträtrelief, Bronze, Südfriedhof Leipzig
  • 1938: Genschenkbronze, Gebr. Heine Tuchhandels AG
  • 1938: Überraschte Badende, Weiblicher Akt, Ausfertigung in Bronze, Böttgersteinzeug
  • 1940: Löwengruppe in Taucha, Lausitzer Granit, Ausführung: Alexander Marby
  • 1950: Johann Sebastian Bach, Bronzebüste, Weimar, Platz der Demokratie
  • 1950: Figur Goethebrunnen, Bronze, Bad Berka
  • 1955: Putto mit Delfin und Vase mit Relief, agra-Park, Markkleeberg, gemeinsam mit Helmut Güldner
  • Schauende, kniender weiblicher Akt, Sandsteinskulptur
  • Ursula mit Blumensträußchen, Bronzeskulptur
  • Thüringer Kunstschmied, Bronzeskulptur
  • Diana mit Reh, Freiplastik, Bronzeskulptur auf Sandsteinsockel
  • Totenmaske Ludwig van Beethoven, Gera, Stadttheater
  • Bachbüste, Marmor
  • Taufbrunnen, Sandstein und Bronze, Pegau, St. Laurentiuskirche
  • Hermann Abendroth, Bronzebüste
Medaillen und Plaketten
  • 1912: Medaille auf das Leipziger Margaretenfest
  • 1912: Medaille auf das Fest am Hofe von Ferrara der Königlichen Akademie für Grafik und Buchkunst Leipzig
  • 1913: Medaille auf den Leipziger Oberbürgermeister Dr. Karl Rothe
  • 1913: Medaille auf Clemens Thieme, den Deutschen Patriotenbund anlässlich der Einweihung des Völkerschlachtdenkmals
  • 1913: Medaille auf Kaiser Wilhelm II. zum 25-jährigen Regierungsjubiläum
  • 1922: Plakette auf Arthur Nikisch
  • 1925: Medaille auf Johann Wolfgang von Goethe zum 150-jährigen Jubiläum der Ankunft Goethes in Weimar, 7. November 1775
  • 1926: Leonidenmedaille auf Heinrich Siber
  • 1927: Medaille auf Albert Friedemann
  • 1927: Leonidenmedaille auf Carl Seffner
  • 1928: Leonidenmedaille auf Bruno Héroux
  • 1929: Leonidenmedaille auf Rudolf Bewer
  • 1930: Leonidenmedaille auf Max Mendheim
  • 1932: Leonidenmedaille auf Wilhelm Sieler
  • 1934: Leonidenmedaille auf Carl Herrmann
  • 1936: Plakette auf Franz Weber
  • 1937: Gedächtnisplakette auf Gustav Wohlgemuth (Ausfertigung auch in Marmor für dessen Grabstein)
  • 1938: Medaille auf Clemens Thieme und 25 Jahre Völkerschlachtdenkmal
  • 1938: Medaille auf Bruno Héroux, 70. Geburtstag
  • 1951: Gedächtnisplakette auf den 100. Todestag von Albert Lortzing
  • 1953: Medaille auf Lucas Cranach, anlässlich dessen 400. Todestages
  • 1955: Medaille auf Arthur Nikisch
  • 1956: 750 Jahre Kunst und Kulturstadt Dresden, Eisenkunstguss
  • 1956: Medaille auf Günther Ramin
  • 1957: Ernst Thälmann Die Toten mahnen – nie wieder Faschismus, Meißner Böttgersteinzeug/Meißner Porzellan/Bronze
  • 1958: Medaille auf Heinrich Zille anlässlich seines 100. Geburtstags
  • 1958: Selbstporträt, Bronzemedaille
  • 1959: Plakette auf Felix Mendelssohn Bartholdy
  • Medaille auf Heinrich Abendroth
  • Medaille auf Franz Konwitschny
  • Reliefbildnisse und Schrifttafeln für die Berliner Staatsoper Unter den Linden
  • 15 Porträts von Medizinern (darunter Hippokrates, Robert Koch, Rudolf Virchow, Ferdinand Sauerbruch) für die Tuberkulose-Heilstätten Bad Berka
Sonstiges
  • 1911: Plakat Tanz Helga Thierbach, Lithografie
  • 1957: Steinschalen für die Portaltreppe des Physikalischen Instituts Leipzig
  • Innenausstattung Festsaal des Kulturpalastes der Leunawerke
  • Porphyrblock mit Lenin-Relief vor der Iskra-Gedenkstätte Leipzig, Russenstraße 48

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lothar Frede: Auf Sachsen-Thüringen bezügliche Schaumünzen von Bruno Eyermann. A. Reichmann & Co, Halle/Saale 1925.
  • Friedrich Schulze: Medaillen von Bruno Eyermann. In: Leipzig. Illustrierte Monatsschrift für Kultur, Wirtschaft und Verkehr. Konkordia, Leipzig, Jahrgang 4 (1927/28), S. 47.
  • W. Stie.: Von Schiller zu Knobelsdorff. Besuch bei dem Leipziger Medailleur Bruno Eyermann. In: Nationalzeitung. Berlin (Ost), Jahrgang 8 (1955), Nr. 184, S. 7.
  • Eyermann, Bruno. In: Hans Vollmer: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Band 2: E–J. E. A. Seemann, Leipzig 1955, S. 64.
  • D. W.: Das Porträt: Bruno Eyermann. In: Kulturspiegel der Messestadt Leipzig. Leipzig, Jahrgang 4, Heft 5 (1957), S. 443f.
  • Museum der bildenden Künste Leipzig (Hrsg.): Ausstellung Bruno Eyermann und Max Schnabel vom 27. Juli bis 24. August 1958. Leipzig 1958.
  • Städtisches Museum Braunschweig (Hrsg.): Bruno Eyermann. Medaillen und Plaketten. Ausstellungskatalog, Braunschweig 1960.
  • Ulf Dräger: Deutsche Kunstmedaillen des 20. Jahrhunderts. Aus der Sammlung des Landesmünzkabinetts Sachsen-Anhalt. Anlässlich der Ausstellung Deutsche Kunstmedaillen des 20. Jahrhunderts aus der Sammlung des Landesmünzkabinetts Sachsen-Anhalt vom 25. Oktober 1996 bis 21. September 1997 in der Staatlichen Galerie Moritzburg Halle. Halle (Saale) 1996.
  • Herwig Guratzsch (Hrsg.): Museum der Bildenden Künste Leipzig. Katalog der Bildwerke. Letter-Stiftung, Köln 1999.
  • Elisabeth Wynhoff: Eyermann, Bruno. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 35, Saur, München u. a. 2002, ISBN 3-598-22775-2, S. 527 f.
  • Klaus Thieme: Bruno Eyermann Medaillen und Plaketten. Edition M & S Münzen & Sammeln, Regenstauf 2016, ISBN 978-3-86646-852-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wohnung und Atelier befanden sich in der Fockestraße 10