Catherine Leterrier

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Catherine Leterrier (geboren als Simone Fabius), (* 26. Oktober 1942 in Aix-les-Bains, Savoyen) ist eine französische Kostümbildnerin und ehemalige Modeschöpferin. Seit Beginn der 1970er Jahre hat sie mehr als 60 Film- und Fernsehproduktionen mit Kostümen ausgestattet.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Catherine Leterrier entstammt der bekannten Pariser Antiquitätenhändler-Familie Fabius. Sie ist verheiratet mit dem Regisseur François Leterrier, Mutter des Regisseurs Louis Leterrier, Tochter von André Fabius, Schwester von Laurent Fabius und François Fabius, sowie Tante von Thomas Fabius. Catherine Leterrier studierte Kunstgeschichte an der New Yorker Columbia University und kehrte daraufhin nach Paris zurück. Dort begann sie für die französische Modezeitschrift Marie Claire zu arbeiten.[1] Später studierte sie Modedesign am renommierten Pariser Chambre Syndicale de la Couture. Zu ihren Kommilitonen gehörten unter anderem Yves Saint Laurent und Karl Lagerfeld. Daraufhin arbeitete sie einige Zeit als Modedesignerin für Marken wie Rodier und Lacoste.[1]

Nach der Heirat mit dem französischen Filmregisseur François Leterrier nahm sie dessen Familiennamen an. Sie begann ab Anfang der 1970er Jahre die Filmproduktionen ihres Ehemannes als Kostümbildnerin auszustatten. Durch ihre Arbeit im Textilgeschäft finanziell unabhängig geworden, half sie auch befreundeten Filmemachern wie Andrzej Żuławski (Nachtblende) oder Jean-Paul Rappeneau (Die schönen Wilden) und fand Gefallen an der neuen Tätigkeit.[2] Sie gestaltete in den folgenden Jahrzehnten die Kostüme für heimische Filmproduktionen von unter anderem Philippe de Broca, Claude Lelouch, Louis Malle, Jean-Marie Poiré, Alain Resnais, Jacques Rouffio oder Danièle Thompson. Für die Arbeit an Resnais’ Historiendrama Mélo (1986) erhielt sie ihre erste Nominierung für den César. Erstmals mit Frankreichs nationalen Filmpreis ausgezeichnet wurde Leterrier im Jahr 2000 für Luc Bessons Historienfilm Johanna von Orleans. Sporadisch nahm sie Aufträge für internationale Filmproduktionen wahr, darunter Michael Apteds mehrfach für den Oscar nominierte Filmbiografie Gorillas im Nebel (1988) sowie Robert Altmans Modesatire Prêt-à-Porter (1994) oder Ridley Scotts Liebeskomödie Ein gutes Jahr (2006).

Leterrier, die die Mode von Rei Kawakubo schätzt,[2] sieht eine größere intellektuelle Herausforderung bei der Kreation von Kostümen. „Wenn sie Historienfilme machen, muss man die Zeit neu erschaffen, sie müssen rückwärts gehen, man muss sich vorstellen, was die Figur denkt, tun, was der Regisseur möchte, aber Modedesign hat mit Einkaufen zu tun“, so Leterrier.[1] Wenn sie eine Zeitperiode nachbildet, lässt sie sich von Malern der entsprechenden Epoche inspirieren, da diese ihre Zeit mit einem neuartigen Ansatz und künstlerischer Annäherung bereits ausgelaugt hätten.[2]

Der bisherige Höhepunkt in Leterriers Karriere stellte sich mit Anne Fontaines Spielfilm Coco Chanel – Der Beginn einer Leidenschaft (2008) ein. Für die Filmbiografie, in der Audrey Tautou die Titelrolle der französischen Modeschöpferin übernahm, bildete die französische Kostümbildnerin sowohl die Mode des frühen 19. Jahrhunderts mit Korsetten und großen Hüten ab, als auch den revolutionären, einfach zu tragenden Stil von Coco Chanel. Bei der Arbeit ließ sich Leterrier von Museumsbesuchen, Bildern und Fotografien inspirieren. Sie kreierte Chanels bei Pferderennen getragenen Anzug, ihre Seidenpyjamas und Segelhemden neu und erfuhr Hilfe durch Karl Lagerfeld und das Modehaus Chanel, das Originale für die Dreharbeiten zur Verfügung stellte. Der Lohn war 2010 Leterriers dritter César sowie Nominierungen für den Oscar und den britischen BAFTA Award als beste Kostümdesignerin.

Aus der Ehe mit François Leterrier entstammte der gemeinsame Sohn Louis Leterrier (* 1973), der ebenfalls Filmregisseur ist. Neben der Arbeit im Kino stattete Catherine Leterrier auch Theaterproduktionen und Opern aus. Sie arbeitete mehrfach mit dem Opern- und Theaterregisseur Frédéric Bélier-Garcia (u. a. La Ronde, Don Giovanni und La Cruche cassée) und Pierre Mondy (Même heure l'année prochaine) zusammen. Für ihre Kostüme in Bernard Murats Inszenierung von Georges Feydeaus La Dame de chez Maxim am Pariser Théâtre Marigny erhielt Leterrier 1991 eine Nominierung für den französischen Theaterpreis Molière.[3] Die Arbeit als freie Modeschöpferin hat sie bis auf wenige Tätigkeiten für die französische Kindermarke Bonpoint weitestgehend aufgegeben.[2]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theaterstücke und Opern (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oscar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2010: nominiert in der Kategorie Bestes Kostümdesign für Coco Chanel

British Academy Film Award[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2010: nominiert in der Kategorie Bestes Kostümdesign für Coco Chanel

César[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1987: nominiert in der Kategorie Bestes Kostümdesign für Mélo
  • 1990: nominiert in der Kategorie Bestes Kostümdesign für Die französische Revolution
  • 1994: nominiert in der Kategorie Bestes Kostümdesign für Die Besucher
  • 2000: Bestes Kostümdesign für Jeanne d’Arc
  • 2004: Bestes Szenenbild (gemeinsam mit Jacques Rouxel) und nominiert in der Kategorie Bestes Kostümdesign für Bon voyage
  • 2010: Bestes Kostümdesign für Coco Chanel

Weitere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Costume Designers Guild

  • 2010: nominiert in der Kategorie Bestes Kostümdesign in einem Historienfilm für Coco Chanel

Europäischer Filmpreis

  • 2009: nominiert für den Prix d’Excellence für Coco Chanel

Las Vegas Film Critics Society

  • 2000: nominiert in der Kategorie Bestes Kostümdesign für Jeanne d’Arc

Molière

  • 1991: nominiert in der Kategorie Bestes Kostümdesign für La Dame de chez Maxim

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c vgl. Coco. In: The Irish Times, 25. Juli 2009, S. 12
  2. a b c d vgl. Symonds, Alexandria: Period Pieces bei papermag.com, 29. September 2009 (aufgerufen am 7. März 2010)
  3. vgl. Profil bei angers-nantes-opera.com (französisch; aufgerufen am 7. März 2010)