Happy End (2017)

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Filmdaten
Originaltitel Happy End
Produktionsland Frankreich, Deutschland, Österreich
Originalsprache Französisch[1]
Erscheinungsjahr 2017
Länge 107 Minuten
Altersfreigabe FSK 12[2]
Stab
Regie Michael Haneke
Drehbuch Michael Haneke
Produktion Margaret Ménégoz,
Olivier Père,
Stefan Arndt,
Veit Heiduschka,
Michael Katz
Kamera Christian Berger
Schnitt Monika Willi
Besetzung

Happy End ist eine französisch-deutsch-österreichische Koproduktion aus dem Jahr 2017. Die Premiere des unter der Regie von Michael Haneke entstandenen Spielfilmes erfolgte am 22. Mai 2017 im Rahmen der 70. Internationalen Filmfestspiele von Cannes, wo der Film in den Wettbewerb um die Goldene Palme eingeladen wurde.[3] In Deutschland erfolgte die Premiere am Filmfest München am 25. Juni 2017.[4] Der Kinostart erfolgte in Österreich am 6. Oktober 2017 und in Deutschland am 12. Oktober 2017.[5][6][7]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film zeigt eine Momentaufnahme einer bürgerlichen europäischen Familie und das Lebensende des alternden Georges, der auf sein Leben zurückblickt. Im Zentrum steht die Bauunternehmerfamilie Laurent aus Calais. Der altersschwache Patriarch Georges ist nach einem Suizidversuch an den Rollstuhl gebunden. Das Familienunternehmen wird von seiner Tochter Anne geführt, nach einem verheerenden Unglück auf einer Baustelle bereitet sie den Verkauf der Firma vor. Georges Sohn Thomas ist Arzt und gerade Vater geworden, außerdem hat er eine Affäre mit einer Musikerin. Seine 13-jährige Tochter aus erster Ehe, Eve, kommt hinter das Doppelleben ihres Vaters. Georges vertraut seiner Enkelin Eve an, dass er seiner Frau beim Sterben behilflich war. Behandelt werden auch die Flüchtlingskrise und das Thema Migration, diese Themen spielen allerdings eine untergeordnete Rolle und sind in den Plot verwoben. So besucht Pierre, der rebellische Sohn von Anne, ein elegantes Dinner seiner Mutter mit afrikanischen Flüchtlingen aus dem Dschungel von Calais.[8]

Produktion und Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Erfolg seines vorangegangenen Films Liebe hatte Haneke ursprünglich einen Film über eine übergewichtige Frau in Amerika drehen wollen. Die Dreharbeiten in den USA wären aber zu teuer gewesen und er fand weder dort, noch in Frankreich oder Deutschland eine geeignete Schauspielerin. An Happy End habe Haneke die erneute Zusammenarbeit mit Liebe-Darsteller Jean-Louis Trintignant gereizt. In einem im September 2016 geführten Interview gab er kurz Auskunft über die Rahmenhandlung: „Er [der Film] spielt in Calais, in einem bürgerlichen Milieu, und die Schicksale der Menschen sind von Migranten und Asyl-Suchenden betroffen – so wie wir alle betroffen sind. Bis das Ganze dann eskaliert.“[9] Ein Jahr zuvor, im September 2015, hatte Haneke mit 3000 weiteren europäischen Filmschaffenden die Online-Petition „For a Thousand Lives: Be Human.“ unterstützt, die die Asylpolitik der Europäischen Union kritisierte.[10][11]

Die Dreharbeiten fanden im Sommer 2016 statt, gedreht wurde unter anderem in Calais und London. Unterstützt wurde der Film vom Österreichischen Filminstitut, dem Filmfonds Wien, der Filmförderungsanstalt, Eurimages und CNC, beteiligt waren der Österreichische, der Bayerische und der Westdeutsche Rundfunk, Canal+, France 3, Arte, Cine+ und ARTE France Cinema. Produziert wurde der Film von Les Films du Losange, Koproduzenten waren X Filme und Wega Film. Für den Ton zeichnete Guillaume Sciama verantwortlich, für das Kostümbild Catherine Leterrier und für das Szenenbild Olivier Radot.[6]

Für Isabelle Huppert war dies nach Die Klavierspielerin (2001), Wolfzeit (2003) und Liebe (2012) die vierte Zusammenarbeit mit Regisseur Michael Haneke. In einem im August 2016 gegebenen Interview kurz nach Ende der Dreharbeiten nannte sie Happy End einen Ensemblefilm und verglich Hanekes neueste Regiearbeit mit seinem Film Code: unbekannt (2000). Happy End enthalte eine Vielzahl an Figuren, so Huppert. „Er [Haneke] nennt es ein Standbild. Es ist ein Porträt einer Familie, und alles was es beinhaltet. Es ist ein sehr rascher Blick auf eine Familie. Es gibt keine Psychologie. Es ist sehr sachlich. Einfach die Fakten.“[12]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Happy End konkurrierte Haneke zum siebenten Mal im Wettbewerb des Filmfestivals von Cannes um die Goldene Palme, die er bereits 2009 für Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte und 2012 für Liebe erhalten hatte. Es war insgesamt der achte Film, den er in Cannes vorstellte.

Der Film wurde beim Sydney Film Festival in den Hauptwettbewerb eingeladen, wo er ab 10. Juni 2017 gezeigt wurde.[13]

Von der FAMA wurde die Produktion als österreichischer Kandidat für den besten fremdsprachigen Film bei der Oscarverleihung 2018 nominiert.[14]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tageszeitung Kurier schrieb, dass der Film nicht die emotionale Wucht von Amour erzielen würde, sondern den Zuseher in etwas leidenschaftsloser Zwiespältigkeit zurücklassen würde. Haneke zersplittere sein Familienalbum in kleine, erzählerische Fragmente und setze sie dann abrupt wieder zusammen. Er beziehe sich dabei auf den eigenen Werkkatalog, eine Art Best of Haneke, mit Anspielungen und Eigenzitaten, die aber nicht weiter getrieben würden.[15] Ähnlich urteilte auch Stefan Grissemann im Nachrichtenmagazin Profil, der den Film als Pastiche aus „bestens abgehangenen Haneke-Sujets“ bezeichnete: Amoral im Umgang mit Unterhaltungselektronik und Kommunikationstechnologie („Benny’s Video“, „Cache“), Todessehnsucht („Der siebente Kontinent“), Sadomasochismus („Die Klavierspielerin“), Sterbehilfe („Amour“) und die täglichen Unzulänglichkeiten einer multiethnischen Gesellschaft („Code inconnu“).[16]

Die Kleine Zeitung befand, dass die wahre Entdeckung Fantine Harduin als 13-jährige Eve Laurent sei: „Wenn diese Eve weint, schnürt sich einem das Herz zu.“[17]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Details - HAPPY END. In: filmfest-muenchen.de. Abgerufen am 6. September 2017.
  2. Freigabebescheinigung für Happy End. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüfnummer: 170980/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  3. „The Screenings Guide - Festival de Cannes“. Zugegriffen 12. Mai 2017. http://www.festival-cannes.com/en/festival/actualites/articles/the-screenings-guide.
  4. Filmfest-Tipp des Tages - Ende gut, alles gut? - Kultur - Süddeutsche.de. Artikel vom 23. Juni 2017, abgerufen am 24. Juni 2017.
  5. Happy End (2017) - Release Info - IMDb. Abgerufen am 13. April 2017.
  6. a b Happy End. Österreichisches Filminstitut, abgerufen am 4. Mai 2017.
  7. Filmfonds Wien: Happy End. Abgerufen am 19. Mai 2017.
  8. Salzburger Nachrichten: Michael Hanekes "Happy End" im Wettbewerb von Cannes. Artikel vom 13. April 2017, abgerufen am 13. April 2017.
  9. "Bis das Ganze dann eskaliert". In: Kurier, 24. September 2016, S. 27.
  10. Lee, Benjamin. „Michael Haneke to Reunite with Isabelle Huppert for Calais-Set Drama“. The Guardian, 30. Dezember 2015, Abschn. Film. https://www.theguardian.com/film/2015/dec/30/michael-haneke-to-reunite-with-isabelle-huppert-for-calais-set-drama.
  11. „FOR A 1000 LIVES: Be Human | Appeal from European Filmmakers“. Zugegriffen 27. April 2017. http://for-a-1000-lives.eu/.
  12. „An acting class with Isabelle Huppert“. Zugegriffen 27. April 2017. http://lwlies.com/articles/isabelle-huppert-mia-hansen-love-michael-haneke/.
  13. Sydney Film Festival: Official Competition. Abgerufen am 17. Mai 2017.
  14. orf.at: Österreich schickt Hanekes „Happy End“ zu Oscars. Artikel vom 6. September 2017, abgerufen am 6. September 2017.
  15. Kurier: Michael Haneke in Cannes: Kein „Happy End“. Artikel vom 21. Mai 2017, abgerufen am 22. Mai 2017.
  16. Profil: Kritik: „Happy End“ von Michael Haneke. Artikel vom 23. Mai 2017, abgerufen am 23. Mai 2017.
  17. Kleine Zeitung: Nur kurzer Applaus und ein paar Buhs für Michael Haneke. Artikel vom 21. Mai 2017, abgerufen am 22. Mai 2017.