Christian Rutishauser

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Christian M. Rutishauser

Christian Rutishauser (* 3. Dezember 1965 in Niederuzwil/Kanton St. Gallen) ist ein Schweizer Jesuit und Judaist, engagiert im christlich-jüdischen Dialog. Seit 31. Juli 2012 ist er amtierender Provinzial.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christian Rutishauser studierte von 1985 bis 1991 Theologie an der Universität Freiburg (Schweiz), mit Freisemester am Institut Catholique in Lyon. Ein Jahr lang arbeitete er während des Studiums in der Pfarrei Wil SG.[1] Nach Abschluss mit dem Lizenziat und dem Pastoraljahr in Engelburg, Bistum St. Gallen trat er 1992 ins Noviziat der Gesellschaft Jesu in Innsbruck ein. Während dieser Zeit bildete er sich weiter in geistlicher Begleitung im Centre Manrèse in Clamart (Paris) und arbeitete als Deutschlehrer in Kolín (Tschechien).

Ab 1994 war er Mitarbeiter und Studentenseelsorger an der Universitätsgemeinde und dem Akademikerhaus Bern, das er von 1996 bis 1998 auch leitete. In den 90er Jahren war er auch Leiter von mehrwöchigen Studienreisen nach Israel/Palästina.

1998 wurde er vom heutigen Kardinal Kurt Koch[1] zum Priester geweiht und begann seine Doktoratsarbeit mit einem Forschungsstudium der Jüdischen Philosophie und des Rabbinischen Judentums an der Hebräischen Universität Jerusalem und der Päpstlichen Universität Ratisbonne in Jerusalem.

Ab 1999 folgten weitere Studien an der Universität Luzern, ein zweimonatiger Forschungsaufenthalt an der Yeshiva University in New York und eine viermonatige Vertretung der wissenschaftlichen Assistenz am Jüdisch-Christlichen Institut der Universität Luzern. 2002 erfolgte der Abschluss des Doktoratsstudiums an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern im Fachbereich Judaistik mit der Dissertation „Halachische Existenz. Theologisch-philosophische Deutung des jüdisch-orthodoxen Daseinsvollzugs in den Schriften von Josef Dov haLevi Soloveitchik“.

Tätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2001–2007 war Christian Rutishauser Bildungsleiter und 2007–2009 Direktor im Lassalle-Haus mit Schwerpunkten in christlicher Spiritualität, jüdisch-christlichem Gespräch und interreligiösem Dialog. Er leitet zahlreiche Exerzitien- und Kontemplationskurse und ist Referent für Spiritualität.

Seit 2002 führt er Lehraufträge für jüdische Studien an der Hochschule für Philosophie in München. Weitere Lehraufträge folgten am Kardinal Bea-Zentrum der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom und an der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg (Schweiz). Seit 2004 ist er Mitglied der Jüdisch/Römisch-katholischen Gesprächskommission der Schweizer Bischofskonferenz und seit 2012 Mitglied der Ökumenekommission II der Deutschen Bischofskonferenz. Seit 2004 ist er Delegationsmitglied des Vatikanischen Sekretariats für die religiösen Beziehung mit dem Judentum bei den regelmässigen Treffen des Interreligious Liaison Committee (ILC).[1]

2006/2007 erfolgte das jesuiteninterne Tertiats- und Weiterbildungsjahr in Boston und New York, USA.

2011 verwirklichte er mit einer kleinen Gruppe das Pilgerprojekt „Zu Fuss nach Jerusalem, spirituell – interreligiös – friedenspolitisch“[2] und pilgerte von der Schweiz bis in die „Heilige Stadt“.

Im Februar 2012 wurde er vom Generaloberen der Gesellschaft Jesu Adolfo Nicolás zum Provinzial der Schweizer Jesuitenprovinz ernannt. Dieses Amt bekleidet er nun seit dem 31. Juli 2012 nach seinem Vorgänger Pierre Emonet.[1]

Seit 2014 gehört er zu den ständigen Beratern des Papstes für die religiösen Beziehungen mit dem Judentum.

Veröffentlichungen (Auszüge)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joseph Ber Soloveitchik: Einführung in sein Denken; Kohlhammer, Stuttgart 2003, ISBN 3-17-018220-X (Judentum und Christentum 14), (Zugleich: Univ., Diss., 2002: Halachische Existenz.)
  • Mystische Wege in den Weltreligionen Eigendruck Lassalle-Haus, Bad Schönbrunn 2003.
  • Porträts grosser Mystiker und Mystikerinnen Eigendruck Lassalle-Haus, Bad Schönbrunn 2005.
  • Impulse für die Zukunft des jüdisch-christlichen Dialogs: Zum 60. Jahrestag der Seelisberger Thesen; Eigendruck Lassalle-Haus, Bad Schönbrunn 2007.
  • Christsein im Angesicht des Judentums. (Ignatianische Impulse Bd. 28) Echter, Würzburg 2008, ISBN 978-3-429-03123-7.
  • Schöpfungsglaube, Naturwissenschaft und Spiritualität im Dialog; Eigendruck Lassalle-Haus, Bad Schönbrunn 2008.
  • Vom Geist ergriffen dem Zeitgeist antworten: Christliche Spiritualität für heute; Matthias-Grünewald, Ostfildern 2011, ISBN 978-3-7867-2869-6
  • Zu Fuss nach Jerusalem: Mein Pilgerweg für Dialog und Frieden; Patmos, Ostfildern 2013, ISBN 978-3-8436-0341-6
  • Vier Pilger - ein Ziel: Zu Fuß nach Jerusalem; (zus. mit Hildegard Aepli, Esther Rüthemann, Franz Mali), Echter, Würzburg 2015, ISBN 978-3-4290-3818-2
  • Ein Jude und ein Jesuit: Im Gespräch über Religion in turbulenter Zeit; (zus. mit Michel Bollag), Matthias-Grünewald, Ostfildern 2015, ISBN 978-3-7867-3045-3
  • Christlichen Glauben denken. Im Dialog mit der jüdischen Tradition, Forum Christen und Juden Bd. 15, LIT, Zürich 2016, ISBN 978-3-643-80223-1
  • Mystische Wege. christlich-integral-interreligiös, (hrsg. zus. mit Michael Hasenauer), Vier-Türme, Münsterschwarzach 2016, ISBN 978-3-7365-0062-4

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Doppelte Konfrontation – Rav Dov Soloveitchiks umstrittenes Modell für den jüdisch-christlichen Dialog; In: Judaica. Jg. 59 Nr. 1 2003, S. 12–23.
  • Christliche Mystik ist Liebesmystik; In: Lamed. Zeitschrift für Kirche und Judentum, Jg. 166 Nr.2 2003, S. 6–9.
  • Offenbarung durch Interpretation; In: Judaica. Jg. 60 Nr.2 2004, S. 118–140.
  • Spiritualität im Kontext – Eine zeitgeschichtliche und religionswissenschaftliche Verortung; In: Samuel Leutwyler, Markus Nägeli (Hrsg.): Spiritualität und Wissenschaft. Zürich 2005, S. 185–196.
  • Mystik, Meditation und Kontemplation als Quellgrund aller Religionen?, In: Heike Radeck (Hrsg.): Als Christ Buddhist? Auf der Suche nach der eigenen Spiritualität; In: Hofgeismarer Protokolle 339. Hofgeismar 2005, S. 73–89.
  • Jewish-Christian Dialogue and the Theology of Religions; In: Studies in Christian-Jewish Relations. Vol. 1 Iss 1 2005–2006, S. 53–66.[3]
  • Vom Religionspluralismus zum Dialog. Interreligiöse Initiativen in der Schweiz; In: Stimmen der Zeit. Jg. 131 Nr. 12 2006, S. 795–808.
  • The 1947 Seelisberg Conference: The Foundation of the Jewish-Christian Dialogue; In: Studies in Christian-Jewish Relations. Vol. 2 Iss. 2 2007, S. 34–53.
  • Aufmerksamkeit, Gehorsam, Freiheit: Für eine spirituelle Leitungskultur in der Kirche; In: Geist und Leben. Jg. 80 Nr. 3 2007, S. 161–170.
  • Geistliche Begleitung; In: Thomas Ruckstuhl, Hildegard Aepli (Hrsg.): Leben im Haus der Kirche. Zum 100-jährigen Bestehen des Salesianums. Freiburg i. U. 2007, S. 71–85.
  • And after the fire a soft murmuring sound… The Abiding Significance of Judaism for Christian Identity; In: Studies in Christian-Jewish Relations. Vol. 2 Iss. 2 2007, S. 140–154.
  • Zen und Christentum. Für einen kompetenten interreligiösen Dialog; In: Geist und Leben. Jg. 81 Nr. 1 2008, S. 9–16.[4]
  • Dialogoffenheit und Verwurzelung. Christliche Spiritualität zwischen Wissen und Erfahrung; In: Herder Korrespondenz. Jg.62 Nr.10 2008, S. 535–538.
  • Christlicher Inkarnationsglaube und interreligiöser Dialog; In: Gregorianum. Vol. 89/4 2008, S. 740–767.
  • Wir sind erst am Anfang. Das Verhältnis zum Judentum ist ein Testfall für die Interpretation des Zweiten Vatikanischen Konzils; In: aufbau. Das jüdische Monatsmagazin. Jg. 75 Nr. 4/2009, S. 28–30.
  • Heiliges Land der Christen – Eretz Israel der Juden. Theologische Reflexionen; In: Jean Ehret, Erwin Möde (Hrsg.): Una Sancta Catholica et Apostolica. Einheit und Anspruch des Katholischen. Freiburg/ Basel/ Wien 2009, S. 304–325.
  • 2009 – ein bewegtes Jahr jüdisch-christlichen Gesprächs; In: „Stimmen der Zeit“ Jg. 134, Nr. 12 2009, S. 807–817.
  • „The Old Unrevoked Covenant“ and „Salvation for All Nations in Christ“ – Catholic Doctrines in Contradictions?; In: Cunningham Philip A./Sievers Joseph/Boys Mary C. et a. (Ed), Christ Jesus and the Jewish People Today. New Explorations of Theological Interrelationships, William B. Eerdmanns Grand Rapids/Cambridge 2011, S. 229–250.
  • Katholische Haltung zum Judentum – Die Lehre der doppelten Schutzherrschaft; In: Delgado Mariano/Leppin Volker/ Neuhold David (Hrsg.); In: „Schwierige Toleranz. Der Umgang mit Andersdenkenden und Andersgläubigen in der Christentumsgeschichte“; Studien zur christlichen Religions- und Kulturgeschichte Bd. 17, Paulus Verlag Freiburg 2012, S. 63–77.
  • Interreligiöse Kompetenz nötig; In: NZZ Nr.299, 24. Dezember 2013, S. 16.
  • The Jewishness of Jesus: Renewing Christian Appreciation, The Third Annual John Paul II. Lecture, Boston College Press, Boston 2014.[5]
  • Röm 9–11. Von Juden und Christen, oder: „O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!“; In: Schweizerische Kirchenzeitung, Jg. 182 Nr. 29–30, Juli 2014, S. 418.
  • Preis dem „Ich-bin-da“; In: Liturgie für Wochentage und besondere Anlässe, Jg. 8 Nr.4/2014, S. 37–39.
  • Religion und Aufklärung heute; In: Stimmen der Zeit, Jg. 139 Nr. 5/2014, S. 303–312.
  • Exerzitienleitung und geistliche Begleitung. Ein spiritueller Übungsweg stellt sich der Professionalisierung; In: Anzeiger für die Seelsorge, Jg. 123 3/2014, S. 32–35.
  • Spiritualität – mehr als ein Modewort; In: Schweizerische Kirchenzeitung, Jg. 182, 23–24/2014, S.347f.
  • Zur Gewalt neigt der Mensch; in: NZZ 9. Januar 2015, S. 19.[6]
  • Christliche Spiritualität und jüdisch-christlicher Dialog; in: Reinhold Boschki/Josef Wohlmuth (Hg.), Nostra Aetate 4. Wendepunkt im Verhältnis von Kirche und Judentum – bleibende Herausforderung für die Theologie, Schöningh Paderborn 2015, S. 49–59.
  • Die Geschichte des jüdisch-christlichen Gesprächs in Grundzügen; in: Jüdisch/römisch-katholische Gesprächskommission der Schweizerischen Bischofskonferenz (Hrsg.), Tag des Judentums. Wegleitung, Freiburg Zürich 2015, S. 93–98.[7]
  • Religion und Spiritualität - Der Lärm der vielen Geister. In: NZZ, 24. Juni 2017, S. 12. Abgerufen am 25. Juni 2017

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Christian Rutishauser neuer Provinzial der Schweizer Jesuiten. , abgerufen am 21. Februar 2013.
  2. Rutishauser, Christian: Zu Fuss nach Jerusalem. 2011, abgerufen am 10. August 2013.
  3. Jewish-Christian Dialogue and the Theology of Religions. Abgerufen am 10. August 2013.
  4. Für einen kompetenten interreligiösen Dialog. Januar 2008, abgerufen am 3. Dezember 2014.
  5. The Jewishness of Jesus: Renewing Christian Appreciation. Januar 2008, abgerufen am 3. Dezember 2014.
  6. Gastkommentar zu «Charlie Hebdo»: Zur Gewalt neigt der Mensch. 9. Januar 2015, abgerufen am 24. Oktober 2015.
  7. Tag des Judentums: Die Geschichte des jüdisch-christlichen Gesprächs in Grundzügen, Jüdisch/Römisch-katholische Gesprächskommission. 9. Januar 2015, abgerufen am 24. Oktober 2015.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]