Christine Hohmann-Dennhardt

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Christine Hohmann-Dennhardt (* 30. April 1950 in Leipzig als Christine Dennhardt) ist eine deutsche Juristin und ehemalige Politikerin (SPD); sie war Ministerin in den Kabinetten Eichel I und Eichel II in Hessen. Hohmann-Dennhardt war von 1999 bis Januar 2011 Richterin des Bundesverfassungsgerichts, von 2011 bis 2015 Vorstandsmitglied der Daimler AG und von Januar 2016 bis Januar 2017 Vorstandsmitglied der Volkswagen AG für Integrität und Recht.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christine Hohmann-Dennhardt studierte Rechtswissenschaften an der Universität Tübingen. Nach dem 1975 abgelegten 2. Juristischen Staatsexamen war sie zunächst von 1975 bis 1977 Lehrbeauftragte für Sozialrecht an der Universität Hamburg, sodann von 1977 bis 1981 Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Juristischen Fakultät am Lehrstuhl für Bürgerliches Recht und Arbeitsrecht der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Dort wurde sie auch 1979 mit einer Arbeit über Entscheidungsstrukturen in Unternehmen und Arbeitnehmerinteressen: zur Effektivität der Mitbestimmung bei Betriebsänderungen promoviert. Von 1981 bis 1984 war Hohmann-Dennhardt als Richterin an den Sozialgerichten Frankfurt am Main und Wiesbaden sowie am Hessischen Landessozialgericht tätig, ehe sie 1984 zur Direktorin des Sozialgerichts Wiesbaden ernannt wurde. Diese Funktion bekleidete sie bis 1989. Sie war von 1988 bis 1989 auch stellvertretendes Mitglied am hessischen Landesverfassungsgericht, dem Staatsgerichtshof des Landes Hessen.

In den Jahren von 1989 bis 1991 war sie als Dezernentin der Stadt Frankfurt am Main tätig. Nach der Landtagswahl in Hessen 1991 wurde sie von Hans Eichel als Ministerin für Justiz in das Kabinett Eichel I berufen. Im Kabinett Eichel II war sie von 1995 bis 1999 Ministerin für Wissenschaft und Kunst. Ab Januar 1999 gehörte Hohmann-Dennhardt auf Vorschlag der SPD dem Ersten Senat des Bundesverfassungsgerichts an, ein Amt, das sie bis Januar 2011 ausübte. Beim Bundesverfassungsgericht war sie für das Familienrecht zuständig und bearbeitete Fälle aus dem Personenstands-, Transsexuellen- sowie Betreuungsrecht. Auch Verfahren zum Eltern- und zum Erziehungsgeld fielen in ihr Dezernat.[1]

Sie war 2001 eines der Gründungsmitglieder des Hochschulrates der Universität Karlsruhe (TH).[2] Nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundesverfassungsgericht wurde sie mit Wirkung zum 16. Februar 2011 bis zum 28. Februar 2014 zum ersten weiblichen Vorstandsmitglied der Daimler AG berufen, bei der sie das neu geschaffene Ressort „Integrität und Recht“ übernahm.[3][4] Das Ressort geht auf eine von mehreren Auflagen US-amerikanischer Behörden zurück, einen Vorstand eigens für Compliance einzustellen.[5]

Im Oktober 2015 wurde der Wechsel von Hohmann-Dennhardt in den Vorstand des Volkswagen-Konzerns zum 1. Januar 2016 bekannt, bei dem sie das im Zusammenhang mit dem Abgasskandal neu geschaffene Ressort Integrität und Recht besetzte, um den Skandal aufzuarbeiten.[6][7][8] Dort schied sie bereits zum 31. Januar 2017 wieder aus. Volkswagen teilte mit, man trenne sich „aufgrund unterschiedlicher Auffassung über Verantwortlichkeiten und die künftigen operativen Arbeitsstrukturen in ihrem Ressort“.[9] Sie erhielt eine Abfindung in Höhe von knapp zwei Jahresgehältern, insgesamt 12 bis 15 Millionen Euro und monatliche sofortige Rente von bis zu 8000 Euro.[10] Dies führte zu Kritik in den Medien.[11][12] Der Spiegel thematisierte die Abfindung und weitere Vorfälle bei VW in einem Artikel mit der Überschrift Der Selbstbedienungsladen.[13]

Hohmann-Dennhardt ist mit dem ehemaligen Präsidenten des Hessischen Statistischen Landesamtes, Eckart Hohmann, verheiratet[14] und hat zwei Kinder.[1]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Bundesverfassungsgericht: Bundesverfassungsrichterin Dr. Christine Hohmann-Dennhardt scheidet aus dem Amt. Pressemitteilung Nr. 10/2011 vom 1. Februar 2011. Abgerufen am 2. Februar 2011.
  2. Elisabeth Zuber-Knost: Historische Sitzung: Universitätsrat beginnt Arbeit, UniKaTH 3/2001
  3. Daimler holt erstmals Frau in den Vorstand. Stuttgarter Nachrichten. 16. Februar 2011. Abgerufen am 16. Februar 2011.
  4. Ex-Bundesverfassungsrichterin als erste Frau im Vorstand
  5. Michael Freitag, Martin Noé: Eine Feuerwehrfrau für Daimler In: manager-magazin.de vom 7. Juni 2011.
  6. Pressemeldung der VW AG, abgerufen am 2. Januar 2016
  7. Hohmann-Dennhardt wechselt in den VW-Vorstand, FAZ.net 16. Oktober 2015
  8. SPIEGEL.de 16. Oktober 2015: Abgasaffäre: Daimler-Vorstandsfrau soll bei VW aufräumen
  9. Warum diese Juristin VW so schnell verlässt. FAZ.net. 26. Januar 2017. Abgerufen am 26. Januar 2017.
  10. VW-Ethik-Chefin bekommt bis zu 15 Millionen Euro Abfindung, FAZ.net, 30. Januar 2017
  11. Dirk Birgel: Ethik à la Volkswagen. In: Deutschlandfunk. 4. Februar 2017, abgerufen am 4. Februar 2017.
  12. Max Hägler: Der Zwölf-Millionen-Euro-Fehler. In: Süddeutsche Zeitung vom 1. Februar 2017, S. 4.
  13. Der SelbstbedienungsladenSpiegel Online vom 7. Februar 2017.
  14. Susanne Preuß: Frau Ausgerechnet. In: FAZ.net. 20. Februar 2012, abgerufen am 12. Dezember 2014.
  15. Neue Richterinnen am Bundesverfassungsgericht. Webseite: Der Bundespräsident, Mitteilung vom 2. Februar 2011