Cizkrajov

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Cizkrajov
Wappen von Cizkrajov
Cizkrajov (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihočeský kraj
Bezirk: Jindřichův Hradec
Fläche: 2576[1] ha
Geographische Lage: 49° 2′ N, 15° 23′ OKoordinaten: 49° 2′ 15″ N, 15° 22′ 42″ O
Höhe: 477 m n.m.
Einwohner: 542 (1. Jan. 2019)[2]
Postleitzahl: 378 53 – 380 01
Kfz-Kennzeichen: C
Verkehr
Straße: PečStaré Hobzí
Bahnanschluss: Slavonice – Dačice
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 4
Verwaltung
Bürgermeister: Vít Krušina (Stand: 2018)
Adresse: Cizkrajov 55
378 81 Slavonice
Gemeindenummer: 546054
Website: www.cizkrajov.cz

Cizkrajov (deutsch Sitzgras) ist eine Gemeinde mit 542 Einwohnern in Tschechien. Sie liegt acht Kilometer südwestlich von Dačice (deutsch Datschitz) und gehört zum Okres Jindřichův Hradec (deutsch Bezirk Neuhaus).

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cizkrajov befindet sich östlich der Javořická vrchovina im Tal des Bolíkovský potok (Wölkingbach), vier Kilometer oberhalb dessen Einmündung in die Mährische Thaya. Der Ort wird von mehreren Hügeln umgeben; im Westen liegt der Andrejsův kopec (513 m) und um Nordosten der Urbanečský vrch (570 m). Auf dem südlich gelegenen Montserrat (562 m) befindet sich die Montserratkirche. Im Westen wird Cizkrajov von der Eisenbahn SlavoniceDačice umfahren, die nächste Bahnstation liegt bei Dolní Bolíkov.

Nachbarorte sind Peč im Norden, Urbaneč im Nordosten, Vnorovice im Osten, Holešice und Mutná im Südosten, Mutišov im Süden, Rubašov und Vlastkovec im Westen sowie Nová Ves und Dolní Bolíkov im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Siedlung Cucraj entstand wahrscheinlich am Übergang vom 12. zum 13. Jahrhundert um eine Feste. Im Laufe des 13. Jahrhunderts erfolgte die Kolonisation durch deutsche Siedler, die dem Dorf später den Namen Sitzgras gaben. Eine erste Nennung einer Feste Zuzicria erfolgte 1260. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort im Jahre 1301.

Sitzgras war ein Pfarrort, zu dem im 16. und 17. Jahrhundert auch Lipolec, Lidéřovice und Český Rudolec gehörten. 1643 stiftete Bartholomäus von Tannazoll-Zill, der nach seiner Heilung von einer Kriegsverletzung nach Montserrat gepilgert war, eine Kapelle Unserer Lieben Frau von Montserrat auf dem heutigen Berg Montserrat. Da die Kapelle zu einem Wallfahrtsort geworden war, erfolgte zwischen 1712 und 1717 eine Erweiterung zu einem größeren Kirchenbau. Nach ihrer Aufhebung im Zuge der Josephinischen Reformen verfiel das Gotteshaus ab 1785. Zwischen 1856 und 1865 ließ Pfarrer Josef Springer durch Angelo Ritter von Picchioni eine neue Wallfahrtskirche errichten, die am 17. September 1865 durch Bischof Anton Ernst von Schaffgotsch geweiht wurde. 1810 erfolgte in Wölking die Gründung der Wölkinger Eisenhüttenwerke. Während Wölking dadurch an Bedeutung gewann, verlor Sitzgras seit dem 19. Jahrhundert immer mehr von seiner Bedeutung. Dies zeigte sich auch beim Bau der Eisenbahn zwischen Zlabings und Datschitz, die Sitzgras über Wölking umfuhr.

Einer der Nachfolgestaaten Österreich-Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg, 1914–1918, war die Tschechoslowakei, die jene deutschsprachigen Gebiete Böhmens, Mährens und Schlesiens für sich beanspruchte, die seit Ende 1918 als Deutschösterreich galten. Der Vertrag von St. Germain[3] sprach die strittigen Territorien gegen den Willen der Bevölkerung der Tschechoslowakei zu. Damit fiel auch die Ortschaft Sitzgras, deren Bewohner 1910 zu mehr als 99 % der deutschen Sprachgruppe angehörten, an den neuen Staat. In der Zwischenkriegszeit entstehen Autonomiebestrebungen der Deutschen, diese führten zu Spannungen innerhalb der Volksgruppen und zum Münchner Abkommen, das die Abtretung der sudetendeutschen Gebiete an Deutschland regelte. Zwischen 1938 und 1945 gehörte der Ort Sitzgras zum Reichsgau Niederdonau.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, der 19 Opfer unter den Ortsbewohnern forderte, kam die Gemeinde am 8. Mai 1945 wieder zur Tschechoslowakei zurück. Am 9. Juni 1945 wurde Sitzgras, zeitgleich mit den umliegenden Orten, von Tschechen besetzt. Sie nahmen 4 Männer als Geiseln, vertrieben 294 Personen und zuletzt die Geiseln über die Grenze nach Österreich. 46 Personen verblieben im Ort. Das Vermögen der deutschen Ortsbewohner wurde durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert und die katholische Kirche in der kommunistischen Ära enteignet. In Österreich konnten 47 Personen verbleiben, die anderen wurden nach Deutschland weiter transferiert. Zwei Personen wurden in Frankreich und je eine Person in Kanada beziehungsweise Australien ansässig.[4][5]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1880 353 314 39
1890 347 305 42 -
1900 319 274 45
1910 331 324 7
1921 335 245 80 10
1930 342 223 113 6

[6]

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Cizkrajov besteht aus den Ortsteilen Cizkrajov (Sitzgras), Dolní Bolíkov (Wölking), Holešice (Holleschitz) und Mutná (Mutten)[7], die zugleich auch Katastralbezirke bilden.[8]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kirche St. Peter und Paul, zweischiffiger spätgotischer Bau, errichtet im 15. Jahrhundert
  • Wallfahrtskirche Unserer Lieben Frau von Montserrat auf dem Montserrat
  • Statue des hl. Johannes von Nepomuk an der Brücke über den Bolíkovský potok unter der Kirche
  • Statuen des hl. Josef und des hl. Florian auf dem Marktplatz
  • Wassermühle Máchův mlýn am Máchův rybník
  • Reste der Feste Cizkrajov

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Neubistritz (Südböhmen) und das Zlabingser Ländchen von A bis Z. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen/Steige 2008
  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen/Steige 1990, ISBN 3-927498-13-0.
  • Ilse Tielsch-Felzmann: Südmährische Sagen. Verlag Heimatwerk, München 1969.
  • Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden in den Heimatkreisen Neubistritz, Zlabings, Nikolsburg und Znaim. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen/Steige 1992, ISBN 3-927498-16-5.
  • Emilia Hrabovec: Vertreibung und Abschub. Deutsche in Mähren 1945–1947 (= Wiener Osteuropa-Studien. 2). Lang, Frankfurt am Main u. a. 1995, ISBN 3-631-48302-3.
  • Cornelia Znoy: Die Vertreibung der Sudetendeutschen nach Österreich 1945/46. Unter besonderer Berücksichtigung der Bundesländer Wien und Niederösterreich. Wien 1995, (Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, 1995; maschinenschriftlich).
  • Alfred Schickel, Gerald Frodl: Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart (= Geschichte Südmährens. Bd. 3). Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen/Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Cizkrajov – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/546054/Cizkrajov
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2019 (PDF; 0,8 MiB)
  3. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede. St. Germain und die Folgen. 1919–1989. Amalthea, Wien u. a. 1989, ISBN 3-85002-279-X.
  4. Schickel, Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. 2001, S. 327, 339, 573.
  5. Brunhilde Scheuringer: Dreißig Jahre danach. Die Eingliederung der volksdeutschen Flüchtlinge und Vertriebenen in Österreich (= Abhandlungen zu Flüchtlingsfragen. Bd. 13). Braumüller, Wien 1983, ISBN 3-7003-0507-9 (Zugleich: Salzburg, Universität, Habilitations-Schrift, 1982).
  6. Josef Bartoš, Jindřich Schulz, Miloš Trapl: Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960. Band 9: Okresy Znojmo, Moravský Krumlov, Hustopeče, Mikulov. Profil, Ostrava 1984.
  7. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/546054/Obec-Cizkrajov
  8. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/546054/Obec-Cizkrajov