Písečné u Slavonic

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Písečné
Wappen von Písečné
Písečné u Slavonic (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihočeský kraj
Bezirk: Jindřichův Hradec
Fläche: 3346[1] ha
Geographische Lage: 48° 57′ N, 15° 27′ OKoordinaten: 48° 57′ 27″ N, 15° 26′ 38″ O
Höhe: 443 m n.m.
Einwohner: 509 (1. Jan. 2018)[2]
Postleitzahl: 378 72 – 378 81
Kfz-Kennzeichen: C
Verkehr
Straße: SlavoniceVratěnín
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 7
Verwaltung
Bürgermeister: Vladimír Macků (Stand: 2018)
Adresse: Písečné 145
378 72 Písečné nad Dyjí
Gemeindenummer: 546917
Website: www.pisecne.cz
Písečné von Süden
Der jüdische Friedhof

Písečné (deutsch Piesling) ist eine Gemeinde in Südwestmähren, Tschechien mit 550 Einwohnern. Sie liegt 13 Kilometer südlich von Dačice (Datschitz) an der Grenze zu Österreich und gehört zum Okres Jindřichův Hradec (Bezirk Neuhaus). Der Ort ist als ein Längsangerdorf angelegt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Písečné befindet sich am rechten Ufer der Mährischen Thaya, bevor der Fluss auf österreichisches Territorium fließt. Am linken Thayaufer verlaufen die Bunkerlinien des Tschechoslowakischen Walls.

Nachbarorte sind Modletice im Norden, Markete im Nordosten, Nové Sady und Županovice im Osten, Ziernreith im Südosten, Unterpertholz im Süden, Neuriegers im Südwesten sowie Václavov im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Besiedlung dürfte im 12/13. Jahrhundert erfolgt sein.[3][4] Erstmals urkundlich erwähnt wurde Písečné im Jahre 1366, als Hermann von Neuhaus das Dorf an Ulrich von Želetava verkaufte. Zwei Jahre später veräußerte dieser den Ort an Záviš von Písečné.

Die Anlage des Ortes und die nordbairische ui- Mundart, welche bis 1945 gesprochen wurde, lassen darauf schließen, dass die Einwohner des Ortes aus der Oberpfalz stammten, worin sie sich von den weiter östlichen gelegenen Gebieten von Znaim und Nikolsburg unterschieden.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts verpfändete Kaiser Sigismund Písečné an Peter von Krokwitz. Christoph Blekta von Audishorn (Blekta z Útěchovic), der 1619 Piesling und Slawathen von Hans Ludwig von Krokwitz erworben hatte, verlor nach der Schlacht am Weißen Berg während der 1. Hälfte des Dreißigjährigen Krieges seinen Besitz, da er zu den aufständischen Adeligen gehörte. 1626 kaufte Hannibal von Schaumburg dessen konfiszierte Güter. Die Matriken des Ortes werden seit 1645 bei Neustift geführt. Nach der Vertreibung der Juden aus Wien und Niederösterreich durch Kaiser Leopold I. am 23. Februar 1670 siedelten sich viele von ihnen in Südwestmähren an. Auch in Piesling entstand um das Jahr 1727 eine jüdische Gemeinde. Die jüdische und die christliche Gemeinde wurden getrennt verwaltet.

Nach weiteren Besitzerwechseln kam Piesling 1730 an die Grafen Collaltino di Collalte, die ihn bis zur Ablösung der Patrimonialherrschaften im Jahre 1848 hielten. 1887 wurde Piesling das Marktrecht verliehen. Die Jahrmärkte waren an den Donnerstagen nach Pauli Bekehrung (25. Januar), nach Georg (23. April), nach Cyrill und Method (5. Juli) und nach Franz von Assisi (4. Oktober). Eine Freiwillige Feuerwehr wurde im Jahre 1898 gegründet. Die Einwohner von Piesling lebten von der Forst-, Vieh- und Landwirtschaft, wobei aufgrund des Klimas und der Bodenbeschaffenheit der weiter östlich wichtige Weinbau keine Rolle spielte. Ebenso erbrachte die Jagd auf Hasen, Rehe, Rebhühner, Fasane und Wildenten reiche Beute. Neben einem bescheidenen Kleingewerbe gab es im Ort eine Brennerei. Im Volkszählungsjahr 1910 gehörten 98 % der Bewohner zur deutschen Sprachgruppe.

1919 wurden die jüdische und die christliche Gemeinde zusammengelegt. Durch die Bodenreformen in den Jahren 1925 und 1927 wurden die Herrschaftsgüter enteignet. Auch kam es in der Zwischenkriegszeit durch Siedler und neu besetzte Beamtenposten zu einem vermehrten Zuzug von Personen tschechischer Nationalität.[5] Im Jahre 1937 wird der Ort an das öffentliche Stromnetz angeschlossen, davor bezog der Ort bereits seit 1913 von einer Mühle den benötigten Strom.

Mit dem Münchner Abkommen wurde Piesling mit 1. Oktober 1938 ein Teil des deutschen Reichsgaus Niederdonau. Während der Zeit des Nationalsozialismus fiel die jüdische Gemeinde dem Holocaust zum Opfer. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam die Gemeinde wieder zur Tschechoslowakei zurück. Am 7. Juni 1945 kamen tschechische Revolutionsgardisten in den Ort, versammelten die deutschen Bürger und vertrieben sie über die Grenze nach Österreich. Zwei Menschen wählten den Freitod, eine Frau und ein Kind wurde getötet. Die in Österreich befindlichen Vertriebenen von Piesling wurden bis auf ca. 21 %, gemäß der Überführungs-Ziele[6] des Potsdamer Abkommens[7], nach Deutschland weiter transferiert. Zwei Personen wanderten nach Kanada aus. [8]

1948 wurde die in schlechtem Zustand befindliche Synagoge abgerissen.[9]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1880 793 714 79 0
1890 871 720 144 7
1900 799 654 145 0
1910 771 753 18 0
1921 732 430 271 31
1930 647 362 263 22

[10]

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Písečné besteht aus den Ortsteilen Chvaletín (Qualitzen), Marketa (Margarethen), Modletice (Mudlau), Nové Sady (Neustift), Písečné (Piesling), Slavětín (Slawathen, 1939–1945: Mittelfeld) und Václavov (Wenzelsdorf)[11], die zugleich auch Katastralbezirke bilden.[12] Zu Písečné gehören außerdem die Einschicht Krokovice (Krokowitzhof) und die Wüstung Červený Mlýn (Rothmühl).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Písečné
  • Jüdischer Friedhof
  • Kapelle St. Katharina, am Dorfplatz
  • Schloss Písečné, vierflügeliger Bau aus dem Jahre 1626, Schloßkapelle (1673)
  • Reste der Feste Krokovice
  • Kirche in Nové Sady[13]

Söhne und Töchter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen/Steige 1990, ISBN 3-927498-13-0, S. 30.
  • Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 332 (Piesling).
  • Gerald Frodl, Walfried Blaschka: Der Kreis Neubistritz (Südböhmen) und das Zlabingser Ländchen von A bis Z. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen/Steige 2008, S. 211 f.
  • Rudolf Hruschka: Bericht für das Sudetendeutsche Archiv München über die wichtigsten Ereignisse in Alt-Hart und Piesling a.d. Thaya vor und nach 1938/39. 1958.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Písečné u Slavonic – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/546917/Pisecne
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2018 (PDF; 421 KiB)
  3. Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens. Beiträge zur Volkskunde Südmährens. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen/Steige 1989, ISBN 3-927498-09-2, S. 10.
  4. Heinz Engels (Hrsg.): Sudetendeutsches Wörterbuch. Band 1. Oldenbourg, München u. a. 1988, ISBN 3-486-54822-0.
  5. Johann Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche. 1918–1938. Nymphenburger Verlagshandlung, München 1967.
  6. Cornelia Znoy: Die Vertreibung der Sudetendeutschen nach Österreich 1945/46. Unter besonderer Berücksichtigung der Bundesländer Wien und Niederösterreich. Wien 1995, (Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, 1995; maschinenschriftlich).
  7. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute (= Heyne-Geschichte. 32). Wilhelm Heyne, München 1979, ISBN 3-453-48060-0.
  8. Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. 2001, S. 332.
  9. Juden in Písečné Website der Gemeinde
  10. Josef Bartoš, Jindřich Schulz, Miloš Trapl: Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960. Band 9: Okresy Znojmo, Moravský Krumlov, Hustopeče, Mikulov. Profil, Ostrava 1984
  11. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/546917/Obec-Pisecne
  12. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/546917/Obec-Pisecne
  13. Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren. 1990, S. 30.