Concardis

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Concardis

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Rechtsform GmbH
Gründung 2003
Sitz Eschborn
Leitung Robert Hoffmann (Geschäftsführer)
Mitarbeiterzahl ca. 1.000 (2018)
Umsatz 495 Millionen € (2016)[1]
Branche Finanzdienstleister (Acquirer)
Website www.concardis.com

Die Concardis GmbH ist ein Finanzdienstleister aus Eschborn. Das Unternehmen ist im bargeldlosen Zahlungsverkehr aktiv und besteht unter diesem Namen seit 2003.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen ging aus der 1982 gegründeten Gesellschaft für Zahlungssysteme (GZS) hervor. In der GZS wurden die Eurocard Deutschland und die Deutsche Eurocheque-Zentrale (DEZ) zusammengeführt, sie agierte gleichzeitig als Issuer, Acquirer und Prozessor. 1997 wurde der Geschäftsbereich Technik und Prozessing von der GZS abgespalten und auf ein neu gegründetes, reines Prozessingunternehmen übertragen. Dieses übernahm den etablierten Firmennamen GZS, während sich das „Stammunternehmen“ in EURO Kartensysteme umbenannte. Nach der Fusion von Europay International und MasterCard International im Jahr 2003 wurde die Marke Eurocard aufgegeben, und im Zuge dessen zum einen das institutsübergreifende Marketing für die neue Marke MasterCard ausgelagert, sowie der gesamte Bereich Acquiring auf die neugegründete Concardis GmbH übertragen. Gesellschafter von Concardis war bis zum Verkauf 2017 die gesamte deutsche Kreditwirtschaft. Die Anteile verteilten sich zu jeweils 39,2 Prozent auf den Sparkassensektor und die Privatbanken; der genossenschaftliche Finanzverbund war mit 19,6 Prozent und der öffentliche Bankensektor mit 2 Prozent an dem Unternehmen beteiligt.

In den vergangenen Jahren hat Concardis begonnen, sich von einem klassischen Kreditkarten-Acquirer zu einem breit aufgestellten Payment-Anbieter zu entwickeln, der Händler und Dienstleister in allen Bereichen des bargeldlosen Bezahlens unterstützt. So hat sich Concardis Anfang 2009 an dem technischen Netzbetreiber cardtech aus Köln beteiligt und diese Anteile im Juni 2015 noch weiter ausgebaut. Im Jahr 2013 gab das Unternehmen bekannt, sich am Netzbetreiber WEAT GmbH zu beteiligen und die Anteile der Total Deutschland an WEAT zu übernehmen. 2014 stieg Concardis als Hauptinvestor bei orderbird ein, einem iPad-Kassenanbieter für die Gastronomie. Die beiden Unternehmen vereinbarten darüber hinaus eine strategische und operative Partnerschaft. Zudem übernahm Concardis im selben Jahr die österreichische REA Card Bargeldlose Zahlungssysteme GmbH, einen Anbieter von stationären und mobilen Kartenterminals, von der REA Card GmbH aus Deutschland. Im Mai 2016 gab Concardis bekannt, auch den technischen Netzbetreiber für kartenbasierten Zahlungsverkehr, die ICP, International Cash Processing GmbH, zu übernehmen. Zudem wurden die Anteile der Cardtech Card & POS Service GmbH auf ca. 70 % erhöht.[2] Im August 2017 steigerte Concardis seinen Anteil an Cardtech auf 100 %.[3]

2016 wickelte Concardis 425 Millionen Transaktionen mit einem Gesamtumsatz von 42,3 Milliarden Euro ab.[4]

Anfang 2017 wurde bekannt, dass die bisherigen Eigentümer beabsichtigen, das Unternehmen für geschätzte EUR 700 Mio. an ein Konsortium von Private Equity-Investoren, bestehend aus Advent und Bain Capital, zu verkaufen.[5] Die Übernahme erfolgte im Januar 2017.[6]

Seit Ende 2017 besteht eine Vertriebskooperation mit China UnionPay.[7] Im April 2017 übernahmen Advent und Bain Capital den Berliner Zahlungsdienstleister Ratepay von der Otto Group, er wurde organisatorisch an Concardis angegliedert.[8]

Im Frühjahr 2018 wurde Robert Hoffmann neuer Geschäftsführer von Concardis.[9]

Anfang Juni 2018 gab Nets die Übernahme von Concardis bekannt.[10] Nets ist ein dänischer Zahlungsdienstleister mit Hauptsitz in Ballerup, Dänemark.[11] Die Übernahme erfolgte per Aktientausch.[12] Die Geschäftsfelder wurden zusammengelegt.[10] Concardis bleibt der Zahlungsdienstleister für Händler und Nets bietet Services für Unternehmen und Banken.[13] Beide Unternehmen behalten ihre Markennamen.[12]

Das neue Unternehmen hat über 3.000 Mitarbeiter,[14] einen Nettoumsatz von 1,3 Milliarden Euro und gut 500 Millionen Euro Betriebsgewinn.[13]

Im August 2019 wurde bekannt, dass Mastercard einen Teil von Nets für fast drei Milliarden Euro übernimmt.[15]

Dienstleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es werden Bezahllösungen für die gängigen Kredit- und Debitkarten, Kartenterminals, alternative Zahlungsmethoden, kontaktlose Zahlverfahren sowie PSP-Services für den stationären Handel, E-Commerce und M-Commerce angeboten. Für Handels- und Dienstleistungsunternehmen werden ebenfalls Lösungen zur Verfügung gestellt. Im Bereich Kreditkarten werden diverse Kreditkarten akzeptiert. Im Debitkarten-Segment ist Concardis ebenfalls aktiv. Darüber hinaus unterstützt das Unternehmen seine Vertragspartner auch bei der Abwicklung von Zahlungen über digitale Wallets wie MasterPass von MasterCard. Ergänzt wird dieses Angebot um multifunktionale EMV-fähige POS-Terminals. 2014 hat Concardis mit Concardis Optipay eine mPOS-Lösung in das Portfolio integriert. Das mobile Kartenterminal ermöglicht es Händlern, Zahlungen mit Debit- oder Kreditkarten über ihr Smartphone abzuwickeln.

Unter dem Namen Concardis Payengine bietet das Unternehmen auch Leistungen als Payment-Service-Provider (PSP) an und kooperiert dazu auch mit Alipay.[16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jahresabschluss 2016, abgerufen am 31. Juli 2018 bei www.unternehmensregister.de
  2. Concardis baut seine Marktposition mit Akquisitionen weiter aus. In: www.concardis.com. 2. Mai 2016, abgerufen am 2. Mai 2016 (at-de).
  3. Concardis: Mehr Glück in Deutschland. In: finews.ch. 24. September 2017, abgerufen am 9. Juli 2018.
  4. Concardis GmbH Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2016 bis zum 31.12.2016. Bundesanzeiger Verlag, 22. Juni 2017, abgerufen am 31. Juli 2018.
  5. FAZ: Finanzinvestoren wollen Kreditkarten-Terminal-Unternehmen kaufen, 5. Januar 2017, abgerufen am 8. Januar 2017
  6. Advent und Bain zahlen 600 Millionen Euro für Concardis. In: FINANCE Magazin. 16. Januar 2017, abgerufen am 7. März 2017.
  7. UnionPay International und Concardis schließen Vertriebskooperation. In: www.pressebox.de, 2. November 2017, abgerufen am 8. November 2017.
  8. Advent und Bain Capital: Otto Group verkauft Ratepay an Finanzinvestoren. (handelsblatt.com [abgerufen am 1. Juli 2018]).
  9. „Eine Konsolidierung unter den Zahlungsdienstleistern ist dringend notwendig“. In: Handelsblatt. 13. Juni 2018, abgerufen am 9. Juli 2018.
  10. a b Ingenico nächster auf Übernahmeradar inmitten von Fintech-Rausch. In: Welt. 29. Juni 2018, abgerufen am 17. Juli 2018.
  11. Hellman & Friedman Is Said Near Deal for Payments Firm Nets. In: Bloomberg.com. 22. September 2017, abgerufen am 17. Juli 2018 (englisch).
  12. a b Zahlungsverkehr: Der SIX-Deal macht Schule. In: finews.ch. 4. Juni 2018, abgerufen am 17. Juli 2018.
  13. a b „Eine Konsolidierung unter den Zahlungsdienstleistern ist dringend notwendig“. In: Handelsblatt. 13. Juni 2018, abgerufen am 17. Juli 2018.
  14. 3 Gründe für den M&A-Boom bei Zahlungsdienstleistern. In: finance-magazin.de. 29. August 2018, abgerufen am 13. September 2018.
  15. Elisabeth Atzler: Mastercard investiert drei Milliarden Euro in den Zahlungsanbieter Nets. In: handelsblatt.com. 6. August 2019, abgerufen am 10. August 2019.
  16. Ein Jahr Alipay in Deutschland: Erwartungen deutlich übertroffen. In: www.pressebox.de, abgerufen am 7. November 2017.