Craft Beer

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Als Craft beer (auch Craft Bier) werden im Allgemeinen Biere verstanden, die handwerklich von einer unabhängigen tätigen Brauerei erzeugt wurden.[1][2][3] Ihren Ursprung hat die Craft-beer-Bewegung in den Vereinigten Staaten.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit den 1970er Jahren hat sich von Nordamerika aus ein von Hobbybrauern begründete Trend entwickelt, für den die Begriffe craft brewing und craft beer gebräuchlich wurden.[4] Diese Wortwahl geht auf englisch craft, deutsch ‚handwerklich arbeiten‘ zurück.

Es sind von großen Brauereigruppierungen unabhängige Brauereien, die ihre Produkte in bewusster Konkurrenz zu den konventionellen Brauereien als besonders hochwertig bewerben. Die Zahl der Brauereien und Biermarken steigt in den USA seit Jahren.[5] Der US-Brauerverband unterscheidet dabei zwischen Brewpubs, Microbreweries und Regional Craft Breweries.[6] In diesen Kategorien gab es 2015 mehr als 4000 Brauereien in den USA.

Der US-Brauerverband Brewers Association definiert craft brewer (Craft-Brauer) wie folgt:[7]

Small
Klein bedeutet maximal sechs Millionen Barrel Jahresausstoß, das entspricht 9,5 Millionen Hektoliter.
Independent
Höchstens 25 Prozent einer Brauerei dürfen einem Konzern gehören, damit er unabhängig ist.
Traditional
Ein Bier muss größtenteils aus den klassischen Brauzutaten Wasser, Malz, Hopfen und Hefe bestehen, um als traditionell zu gelten.

Gemäß dieser Definition war 2015 etwas mehr als jedes zehnte in den Vereinigten Staaten gezapfte Bier ein Craft beer. Es macht in US-Dollar demnach 14 Prozent des Gesamtbierumsatzes in den USA aus.[8]

Ein entsprechender Markt entwickelt sich auch in Großbritannien als Folge der Kampagne für traditionelle Ales. Die Anzahl der Brauereien in Großbritannien überstieg 2015 erstmals die Anzahl der Brauereien in Deutschland.[9]

Für Craft- und Mikrobrauereien gibt es in den USA, Großbritannien, Deutschland und Italien Brauereianlagenhersteller, die einfache und kostengünstige Anlagen herstellen. Diese Anlagen sind speziell den geringeren Mengen und höheren Qualitätsstandards und Produktionsführungen angepasst.[10]

Craft Bier in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Craft-Bier-Stand auf dem Internationalen Berliner Bierfestival, 2013

In Deutschland zeichnet sich ein Craft-Trend in einigen Regionen ab,[11] allerdings sind in Deutschland traditionell konzernunabhängige Brauereien, wie als Gasthof- oder Hausbrauerei bezeichnete Betriebe, bereits zuvor weiter verbreitet gewesen als in den anderen Erdteilen. Bei einer Jahreserzeugung von weniger als 200.000 Hektolitern werden Brauereien in Deutschland durch eine geringere Biersteuer begünstigt,[12] was auf rund 95 % der Brauereien in Deutschland zutrifft.[13]

Als erster in Deutschland führte Fritz Wülfing 2010 den Begriff Craft Beer mit seinen Fritz-ales ein. Den Namen seiner Biermarke musste er allerdings ändern (heute: AleMania), da sich die Nordmann-Gruppe (Ratsherrn, Störtebeker, Fritz-Getränke-Vertrieb) den Namen Fritz für alle Getränke gesichert hat. Dieser Getränkekonzern versuchte auch, sich die Markenrechte für die Begriffe Craft und Craftbier schützen zu lassen.[14]

Eine klare bzw. präzise Definition für Craft Bier gibt es in Deutschland nicht, da sich der Begriff hier nicht als Wortmarke schützen lässt.[8][1] Zum Craft-Bier-Anbieter wird eine Brauerei nicht durch ein einzelnes Bier, sondern durch die gesamte Philosophie der Brauerei. Anfang 2017 gründete sich aus der deutschen Craft-Szene der Verband Deutscher Kreativbrauer e.V.[15]

Der Markt der Craft-Biere wurde auch von Großbrauereien erkannt. So hat die Bitburger Braugruppe die Marke Craft-Werk geschaffen. Die Radeberger Gruppe gründete als Zweig Die Internationale Brau-Manufacturen GmbH,[10] die 14 Eigenkreationen und 25 Produkte von Partnern anbietet.

Siehe auch: Mikrobrauerei und Brauhaus

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Wülfing, Heike Wülfing: Craft-Bier selber brauen - Revolution der Heimbrauer. edition Lempertz: Bonn 2014, ISBN 978-3-943883-15-2.
  • Sylvia Kopp: Das Craft-Bier Buch. Die neue Braukultur. Bier als neuer Ausdruck von Echtheit und Lebensgefühl. Die Gestalten Verlag: Berlin 2014, ISBN 978-3-89955-534-9.
  • Steve Hindy: The Craft Beer Revolution. How a Band of Microbrewers Is Transforming the World’s Favorite Drink. Palgrave Macmillan: Basingstoke (Hampshire, England) 2010, ISBN 978-1-137-27876-0 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Benedikt Ernst: Craft Beer. In: essen-und-trinken.de, abgerufen am 18. April 2017.
  2. Bier als Kunst: Das versteckt sich hinter Craft Beer. In: Focus Online, 17. April 2015, abgerufen am 18. April 2017.
  3. Craft Beer – Revolution des Biergeschmacks. In: W wie Wissen, ARD, 17. September 2016, abgerufen am 18. April 2017.
  4. Craft Brewer Defined. Informationen zum craft-Brauereiwesen bei der Brewers Association, abgerufen am 23. Mai 2014 (englisch).
  5. Garrett Oliver: The Oxford Companion to Beer. Oxford University Press, New York 2011, ISBN 978-0-19-536713-3, S. 270–271: Eintrag zu Craft brewing (englisch).
  6. Number of Breweries. Daten und Zahlen zu Brauereien in den USA bei der Brewers Association, abgerufen am 23. Mai 2014 (englisch).
  7. Craft Brewer Definition. Brewers Association, abgerufen am 18. April 2017.
  8. a b Nina-Anika Klotz: Craft Beer: Aus Schaum geboren. In: Zeit Online, 28. Oktober 2015, abgerufen am 18. April 2017.
  9. 2015 gab es im Vereinigten Königreich 1424 Brauereien [1], in Deutschland gemäß Statistischem Bundesamt 1388.
  10. a b Konkurrenz in der Bier-Szene belebt den Geschmack. In: VDI nachrichten, 6. November 2015, Nr. 45, S. 12 f.
  11. Mikro-Brauereien machen den „Großen“ Konkurrenz. NDR, 16. März 2015.
  12. Höhe der Biersteuer. Website der Generalzolldirektion, abgerufen am 15. April 2017: „Kleinere Brauereien, deren Gesamtjahreserzeugung weniger als 200.000 Hektoliter beträgt, können ermäßigte Biersteuersätze in Anspruch nehmen. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass sie rechtlich und wirtschaftlich von anderen Brauereien unabhängig sind. Der durch diese Ermäßigung ausgestaltete Schutz kleinerer Brauereien dient als strukturförderndes Element.“
  13. Statistisches Bundesamt, zitiert nach: Statistik Braustätten in Deutschland 2015. Deutscher Brauer-Bund.
  14. Stefan Kreuzberger: Craft Beer aus Bonn. Der deutsche Hopfenrebell. In: Slow Food Magazin 1/2017, S. 33ff
  15. http://mixology.eu/news/verband-deutsche-kreativbrauer-e-v-verein/