Deberndorf

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Deberndorf
Koordinaten: 49° 26′ 26″ N, 10° 47′ 50″ O
Höhe: 364 m ü. NHN
Einwohner: 738 (2011)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 90556
Vorwahl: 09103
Kriegerdenkmal in Deberndorf

Deberndorf ist ein Ortsteil des Marktes Cadolzburg im mittelfränkischen Landkreis Fürth.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf liegt knapp fünf Kilometer südwestlich von Cadolzburg am Südhang des Dillenbergs. Durch das Ortsgebiet fließt der Deberndorfer Bach, der bei Rütteldorf in den Reichenbach, einen Zufluss der Bibert, mündet.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deberndorf wurde wahrscheinlich bereits im 8. Jahrhundert gegründet. Es wird vermutet, dass der Ortsname auf ein slawisches Wort, nämlich das Adjektiv dobrŭ 'schön, passend', oder das Wort Dobrota zurückgeht. In dieser Zeit wurden viele der umliegenden Orte von slawischen Einwanderern gegründet. 1304 wurde Deberndorf erstmals urkundlich erwähnt, als ein Rüdiger, genannt Speiser von Cadolzburg, aus Thebertendorf, Einkünfte an das Kloster Heilsbronn abführte.

Von 1409 bis 1652 war Deberndorf Ausstattungsgut des Klosters Langenzenn und musste den großen und kleinen Zehnt dorthin abführen. 1430 wurde der Ort der Pfarrei Langenzenn zugeteilt und vom burggräflichen Amt Cadolzburg verwaltet. Markgraf Georg der Fromme von Brandenburg-Ansbach veranlasste 1533 die Einführung der Reformation.

Der Nürnberger Patrizier und kaiserliche Rittmeister Sebastian Welser kam 1615 durch Heirat in den Besitz von drei Höfen in Deberndorf. Im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts bildeten sie durch Zusammenschluss ein ländliches Gut. Die meisten Dörfer in der unmittelbaren Umgebung der Alten Veste wurden 1632 im Dreißigjährigen Krieg von den Truppen Tillys bei deren Rückzug zerstört. In Zautendorf wurden 86 Personen aus Deberndorf beigesetzt.

Nachdem der Ansbacher Markgraf Joachim Ernst die Baugenehmigung für die Errichtung eines Bauernhauses bewilligt hatte, beschränkte Welser sich nicht auf das beantragte Gehöft und errichtete ein schlossähnliches Gut. 1647, nach Welsers Tod, ging der Besitz an Lazarus von Neuenburg über. Durch Heirat und Zukauf gelang es ihm, den durch Erbschaft zersplitterten Besitz wieder zu vereinen. 1676 wurde das Gut von Markgraf Johann Friedrich über einen Mittelsmann erworben und zu einer repräsentativen, großen Gutsanlage erweitert. In den nächsten Jahren vergab er es wegen Unrentabilität als Lehen. Oberstleutnant Gottfried von Jahnus erwarb 1697 das Gut und vom Markgrafen zusätzlichen Landbesitz und Privilegien, wie die Dorfgerechtigkeit, das kleine Weidwerk und die Macht zu bauen und aufzurichten.

1712 ging das Gut an den Markgrafen Wilhelm Friedrich zurück. Dieser verlieh es dem Dragonerobristen Ernst Hartmann von Diemar. Baudirektor Leopoldo Retti und Johann David Steingruber bauten das ehemalige welserische Gut zu einer ansehnlichen Schlossanlage aus. Der Tod Diemars 1754 verzögerte die Fertigstellung der Gesamtanlage. Nach kurzer Zeit gab sein Sohn das Erbe an den Markgrafen Karl Wilhelm Friedrich zurück. In der Zwischenzeit wurde die Anlage als Lustschloss geplant und im Jahr 1761 vollendet und eingeweiht. Ab den 1770ern häuften sich die Reparaturen an Schloss und Nebengebäuden. Um aufwändige Unterhaltskosten zu sparen, verpachtete man Brauhaus und Garten. Über mehrere Besitzer gelangte das Schloss an den Wirt und Metzgermeister Johann Adam Horneber. Nach seinem Tod 1870 ließ dessen Gattin das Schloss abbrechen. Der letzte Besitzer der Brauerei war Johann Jakob Dorn; mit der Einstellung des Brauereibetriebes endete die Geschichte des ehemaligen Schlossguts.

Ohne das Schloss verloren viele Deberndorfer ihr Einkommen, da viele als Zimmerleute, Gärtner, Pferdeknechte, Reitknechte oder Diener Beschäftigung gefunden hatten. Die Bevölkerung konzentrierte sich auf Landwirtschaft und Weberei. Die handwerksmäßige Hausweberei wurde durch die Industrialisierung der Weberei zunehmend unrentabel. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und der verstärkten Bautätigkeit in Nürnberg und Fürth verdingten sich viele Deberndorfer in den Steinbrüchen des Dillenberges. Der Sandstein wurde in den Städten für die entstehenden großen Prachtbauten benötigt. Den Sandstein besser abtransportieren zu können war auch ausschlaggebend für die Überlegungen, die Rangaubahn über Deberndorf nach und Seubersdorf in das Biberttal zu verlängern. Die Lokalbahn Aktien-Gesellschaft lehnte das auf Grund der „ungünstigen Terrainverhältnisse“ ab.[3] Nach dem Niedergang des Steinbrechens wurden viele Deberndorfer wieder Kleinbauern.

In den beiden Weltkriegen starben 43 Deberndorfer. Beim Einmarsch der amerikanischen Soldaten 1945 wurden einige Häuser durch Artillerie zerstört.

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Deberndorfer Hauptstr. 16: Wohnhaus
  • Ehemaliges Schloss

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Cadolzburg#Deberndorf

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinde Deberndorf

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970
Einwohner 556 684 702 729 748 763 770 720 679 649 634 605 605 616 637 634 620 618 583 782 821 766 599 653
Häuser[4] 89 94 120 124 120 121 117 125
Quelle [5] [6] [7] [7] [8] [7] [9] [7] [7] [10] [7] [7] [11] [7] [7] [7] [12] [7] [7] [7] [13] [7] [14] [15]

Ort Deberndorf

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987 002011
Einwohner 207 301 322 363 273 258 255 335 287 355 462 738
Häuser[4] 30 34 54 54 55 53 59 118
Quelle [5] [6] [8] [9] [10] [11] [12] [13] [14] [15] [16] [1]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort ist seit der Reformation protestantisch. Die Einwohner sind nach St. Johannes der Täufer (Zautendorf) gepfarrt, die Einwohner römisch-katholischer Konfession sind nach St. Otto (Cadolzburg) gepfarrt.

Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Deberndorf 27 Haushalte. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Stadtvogteiamt Langenzenn aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das brandenburg-ansbachische Verwalteramt Deberndorf inne. Die einzelnen Anwesen unterstanden unterschiedlichen Grundherren: 26 Anwesen dem Fürstentum Ansbach (Verwalteramt Deberndorf: 25, Klosterverwalteramt Heilsbronn: 1) und 1 Anwesen der Deutschordenskommende Nürnberg.[17]

Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 das Steuerdistrikt Deberndorf gebildet, zu dem die Orte Ballersdorf, Hornsegen, Rütteldorf, Vogtsreichenbach und Zautendorf gehörten. Im selben Jahr wurde die Ruralgemeinde Deberndorf gegründet, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Die Gemeinde unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Cadolzburg und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Cadolzburg.[18] Ab 1862 wurde Deberndorf vom Bezirksamt Fürth verwaltet (1938 in Landkreis Fürth umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1879 beim Landgericht Cadolzburg, seit 1880 liegt sie beim Amtsgericht Cadolzburg. Die Finanzverwaltung wurde 1880 vom Rentamt Fürth (1920 in Finanzamt Fürth umbenannt) übernommen. Die Gemeinde hatte eine Gebietsfläche von 16,628 km².[14]

Am 1. Januar 1972 wurde die Gemeinde Deberndorf im Zuge der Gebietsreform Gebietsreform in Bayern aufgelöst: Hornsegen wurde nach Großhabersdorf eingegliedert, alle übrigen Ortsteile nach Cadolzburg.[19]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kreisstraße FÜ 24 führt nach Keidenzell. Die FÜ 19, führt nach Oberreichenbach bzw. nach Zautendorf. Eine Gemeindeverbindungsstraße führt nach Ballersdorf.

Durch eine Buslinie ist der Ort am Cadolzburger Bahnhof an die Rangaubahn angeschlossen. Einige Busse fahren über Zirndorf und Altenberg nach Fürth. Abends und am Wochenende verkehrt ein Anrufsammeltaxi.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Deberndorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Einwohnerzahl
  2. Deberndorf im BayernAtlas
  3. Peter Ramsenthaler: Lokalbahn Nürnberg-Unternbibert-Rügland: Von der Frankenmetropole in den Rangau. H-und-L-Publ.-Souvenirs-Verlag Bleiweis, Schweinfurt 1996, ISBN 3928786482, Seite 3
  4. a b Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  5. a b Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann meherer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 17 (Digitalisat). Für die Gemeinde Deberndorf zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Ballersdorf (S. 7), Hornsegen (S. 44), Rütteldorf (S. 79), Vogtsreichenbach (S. 98) und Zautendorf (S. 106).
  6. a b Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 65 (Digitalisat).
  7. a b c d e f g h i j k l m n Historisches Gemeindeverzeichnis. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952. In: Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192. München 1953, S. 172, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  8. a b Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1029, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  9. a b kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1195, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  10. a b Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1125 (Digitalisat).
  11. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1193 (Digitalisat).
  12. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1231 (Digitalisat).
  13. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1061 (Digitalisat).
  14. a b c Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 779 (Digitalisat).
  15. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 174 (Digitalisat).
  16. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 336 (Digitalisat).
  17. H. H. Hofmann, S. 108.
  18. H. H. Hofmann, S. 228; Adreß- und statistisches Handbuch für den Rezatkreis im Königreich Baiern. Kanzlei Buchdruckerei, Ansbach 1820, S. 27 (Digitalisat).
  19. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 467.