Deberndorf

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Deberndorf
Koordinaten: 49° 26′ 26″ N, 10° 47′ 50″ O
Höhe: 364 m
Einwohner: 462 (1987)
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 90556
Vorwahl: 09103

Deberndorf ist ein Ortsteil des Marktes Cadolzburg im mittelfränkischen Landkreis Fürth.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf liegt knapp fünf Kilometer südwestlich von Cadolzburg am Südhang des Dillenbergs. Durch das Ortsgebiet fließt der Deberndorfer Bach, der bei Rütteldorf in den Reichenbach, einen Zufluss der Bibert, mündet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deberndorf wurde wahrscheinlich bereits im 8. Jahrhundert gegründet. Es wird vermutet, dass der Ortsname auf ein slawisches Wort, nämlich das Adjektiv dobrŭ 'schön, passend', oder das Wort Dobrota zurückgeht. In dieser Zeit wurden viele der umliegenden Orte von slawischen Einwanderern gegründet. 1304 wurde Deberndorf erstmals urkundlich erwähnt, als ein Rüdiger, genannt Speiser von Cadolzburg, aus Thebertendorf, Einkünfte an das Kloster Heilsbronn abführte.

Von 1409 bis 1652 war Deberndorf Ausstattungsgut des Klosters Langenzenn und musste den großen und kleinen Zehnt dorthin abführen. 1430 wurde der Ort der Pfarrei Langenzenn zugeteilt und vom burggräflichen Amt Cadolzburg verwaltet. Markgraf Georg der Fromme von Brandenburg-Ansbach veranlasste 1533 die Einführung der Reformation.

Der Nürnberger Patrizier und kaiserliche Rittmeister Sebastian Welser kam 1615 durch Heirat in den Besitz von drei Höfen in Deberndorf. Im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts bildeten sie durch Zusammenschluss ein ländliches Gut. Die meisten Dörfer in der unmittelbaren Umgebung der Alten Veste wurden 1632 im Dreißigjährigen Krieg von den Truppen Tillys bei deren Rückzug zerstört. In Zautendorf wurden 86 Personen aus Deberndorf beigesetzt.

Nachdem der Ansbacher Markgraf Joachim Ernst die Baugenehmigung für die Errichtung eines Bauernhauses bewilligt hatte, beschränkte Welser sich nicht auf das beantragte Gehöft und errichtete ein schlossähnliches Gut. 1647, nach Welsers Tod, ging der Besitz an Lazarus von Neuenburg über. Durch Heirat und Zukauf gelang es ihm, den durch Erbschaft zersplitterten Besitz wieder zu vereinen. 1676 wurde das Gut von Markgraf Johann Friedrich über einen Mittelsmann erworben und zu einer repräsentativen, großen Gutsanlage erweitert. In den nächsten Jahren vergab er es wegen Unrentabilität als Lehen. Oberstleutnant Gottfried von Jahnus erwarb 1697 das Gut und vom Markgrafen zusätzlichen Landbesitz und Privilegien, wie die Dorfgerechtigkeit, das kleine Weidwerk und die Macht zu bauen und aufzurichten.

1712 ging das Gut an den Markgrafen Wilhelm Friedrich zurück. Dieser verlieh es dem Dragonerobristen Ernst Hartmann von Diemar. Baudirektor Leopoldo Retti und Johann David Steingruber bauten das ehemalige welserische Gut zu einer ansehnlichen Schlossanlage aus. Der Tod Diemars 1754 verzögerte die Fertigstellung der Gesamtanlage. Nach kurzer Zeit gab sein Sohn das Erbe an den Markgrafen Karl Wilhelm Friedrich zurück. In der Zwischenzeit wurde die Anlage als Lustschloss geplant und im Jahr 1761 vollendet und eingeweiht. Ab den 1770ern häuften sich die Reparaturen an Schloss und Nebengebäuden. Um aufwändige Unterhaltskosten zu sparen, verpachtete man Brauhaus und Garten. Über mehrere Besitzer gelangte das Schloss an den Wirt und Metzgermeister Johann Adam Horneber. Nach seinem Tod 1870 ließ dessen Gattin das Schloss abbrechen. Der letzte Besitzer der Brauerei war Johann Jakob Dorn; mit der Einstellung des Brauereibetriebes endete die Geschichte des ehemaligen Schlossguts.

Ohne das Schloss verloren viele Deberndorfer ihr Einkommen, da viele als Zimmerleute, Gärtner, Pferdeknechte, Reitknechte oder Diener Beschäftigung gefunden hatten. Die Bevölkerung konzentrierte sich auf Landwirtschaft und Weberei. Die handwerksmäßige Hausweberei wurde durch die Industrialisierung der Weberei zunehmend unrentabel. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und der verstärkten Bautätigkeit in Nürnberg und Fürth verdingten sich viele Deberndorfer in den Steinbrüchen des Dillenberges. Der Sandstein wurde in den Städten für die entstehenden großen Prachtbauten benötigt. Den Sandstein besser abtransportieren zu können war auch ausschlaggebend für die Überlegungen, die Rangaubahn über Deberndorf nach und Seubersdorf in das Biberttal zu verlängern. Die Lokalbahn Aktien-Gesellschaft lehnte das auf Grund der „ungünstigen Terrainverhältnisse“ ab.[1] Nach dem Niedergang des Steinbrechens wurden viele Deberndorfer wieder Kleinbauern.

In den beiden Weltkriegen starben 43 Deberndorfer. Beim Einmarsch der amerikanischen Soldaten 1945 wurden einige Häuser durch Artillerie zerstört. Die Gemeinde Deberndorf wurde im Rahmen der Gebietsreform am 1. Januar 1972 aufgelöst. Der Hauptort mit den Ortsteilen Ballersdorf, Rütteldorf, Vogtsreichenbach und Zautendorf nach Cadolzburg eingemeindet, Hornsegen kam zu Großhabersdorf.[2]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deberndorf mündet die Kreisstraße FÜ24 in die FÜ19, die in Unterschlauersbach in die Rothenburger Straße und in Cadolzburg in die Staatsstraße 2409 mündet. Durch eine Buslinie ist der Ort am Cadolzburger Bahnhof an die Rangaubahn angeschlossen. Einige Busse fahren über Zirndorf und Altenberg nach Fürth. Abends und am Wochenende verkehrt ein Anrufsammeltaxi.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Ramsenthaler: Lokalbahn Nürnberg-Unternbibert-Rügland: Von der Frankenmetropole in den Rangau. H-und-L-Publ.-Souvenirs-Verlag Bleiweis, Schweinfurt 1996, ISBN 3928786482, Seite 3
  2. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 467.