Seubersdorf (Dietenhofen)

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Koordinaten: 49° 25′ 10″ N, 10° 44′ 14″ O

Seubersdorf
Höhe: 367 (363–375) m ü. NHN
Einwohner: 107 (2016)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1970
Postleitzahl: 90599
Vorwahl: 09105
Seubersdorf
Seubersdorf
St. Maria Magdalena
Haus Nr. 1: Schindelbauers-Haus im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim
Haus Nr. 8: Ehemaliges Schulhaus

Seubersdorf ist ein Ortsteil des Marktes Dietenhofen im Landkreis Ansbach in Mittelfranken.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch das Kirchdorf fließt der Schlauersbach, der ein linker Zufluss der Bibert ist, und unmittelbar westlich mündet der Gründleinsgraben als linker Zufluss in den Schlauersbach. Ca. 1 km nördlich des Dorfes erhebt sich der Heidebuck (384 m ü. NN), ca. 0,5 km nordwestlich erhebt sich der Rothberg, dahinter liegen die Waldgebiete Kühtrieb und Kronholz. Ca. 0,5 km südlich liegt das Herpersdorfer Feld, ca. 0,5 km nordöstlich das Trappenfeld.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer Bulle des Papstes Innozenz IV. wurde Seubersdorf 1249 erstmals als Sibroctisdorf (= Dorf eines Sigibrecht) erwähnt. In dieser Urkunde wird bestätigt, dass das Kloster Heilsbronn u. a. auch in diesem Ort Güter rechtmäßig erworben hat.[3] In einer Heilsbronner Urkunde von 1297 wird der Ort Sibrechtsdorf bezeichnet, 1532 als Seuberßdorff, 1803 auch als Seibersdorf. Die oben genannten Urkunde von 1297 gibt darüber Aufschluss, dass dem Kloster bereits zu dieser Zeit die meisten Anwesen unterstanden. Das Patronat der Ortskapelle unterstand jedoch der Würzburger Familie von Tanneberg. Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges besaß das Kloster 10 Höfe, die allesamt während dieses Krieges verödeten.[4]

Am nördlichen Ortsrand liegt die um 1700 errichtete St. Maria-Magdalena-Kirche, eine Filialkirche von der evangelisch-lutherischen St. Andreas-Kirche Dietenhofen. An ihrer Stelle stand zuvor die oben genannte Privatkapelle der Familie Tanneberg, die möglicherweise teilweise für den Bau der Kirche weiter verwendet wurde. Zeitweise war St. Maria Magdalena eine eigenständige Pfarrgemeinde.

1810 kam Seubersdorf an das neue Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde es dem 1811 gebildeten Steuerdistrikt Dietenhofen zugeordnet. 1813 wurde die Ruralgemeinde Seubersdorf gebildet, zu der Herpersdorf, Lentersdorf, Oberschlauersbach und Rothleiten gehörten. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) löste sich Herpersdorf mit Lentersdorf und Rothleiten und bildete eine eigenständige Ruralgemeinde. Die Gemeinde Seubersdorf unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Markt-Erlbach und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Ipsheim.[5] Ab 1862 wurde Seubersdorf von dem Bezirksamt Neustadt an der Aisch (ab 1938: Landkreis Neustadt an der Aisch) und ab 1856 von dem Rentamt Markt-Erlbach (1920–1929: Finanzamt Markt-Erlbach, ab 1929: Finanzamt Fürth) verwaltet. Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1879 beim Landgericht Markt-Erlbach, 1880–1950er Amtsgericht Markt-Erlbach, ab 1950er Amtsgericht Fürth. Die Gemeinde hatte eine Gebietsfläche von 9,145 km².[6]

Am 8. April 1945, dem Weißen Sonntag, ging während der Konfirmationsfeier ein Bombenregen über dem Ort nieder, es wurden 63 Einschläge gezählt. Auf der Hochfläche nördlich des benachbarten Unterschlauersbach befand sich ein Militärflugplatz. Die Schäden waren schnell behoben.

Am 1. Januar 1970, also noch bevor die Gebietsreform in Bayern in Kraft tritt, ließ man sich nach Dietenhofen eingemeinden.[7]

Mit dem Kanalbau wurde 2002 begonnen und im Anschluss eine Dorferneuerung durchgeführt.

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Maria Magdalena: Chorturmkirche, 1705, mit mittelalterlichen Teilen; mit Ausstattung; Friedhof, Ummauerung im Kern spätmittelalterlich, spitzbogiges Tor, mit Grabsteinen.
  • Haus Nr. 1: Eingeschossiges Wohnstallhaus, sog. „Schindelbauers-Haus“, erste Hälfte 18. Jh. Fachwerkbau mit zwei Dachgeschossen. Im Ostgiebel K-Streben, rundbogige Ladeluke. Eine Fledermaus- und zwei Schleppgauben am Satteldach.[8] Abgetragen. Befindet sich als einziges Bauwerk aus dem Gebiet der Gemeinde Dietenhofen im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim.
  • Haus Nr. 8: Ehemaliges Schulhaus auf einer Anhöhe, in unmittelbarer Nähe der evangelisch-lutherischen Pfarrkirche und des Friedhofs, traufständiger dreiachsiger Putzbau mit zwei Geschossen, Eckquaderung und Walmdach, spätklassizistisch, erbaut 1845; Waschhaus; Brunnen mit Pumpe, Brunnenstock erneuert.
  • Haus Nr. 16: Am Stall Inschriftstein an sekundärer Stelle (ursprünglich über der Haustür des Wohnteils): Johann Georg / Weiß 1772, dazwischen Zollernwappen.[9]
  • Haus Nr. 24: Eingeschossiges Wohnstallhaus, Quaderbau, 1852.

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Dietenhofen#Seubersdorf

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinde Seubersdorf

Jahr 1818[10] 1846[11] 1856[12] 1867[13] 1875[14] 1900[15] 1910[16] 1925[17] 1933[18] 1939[18] 1950[19] 1961[6] 1970[20]
Einwohner 223 289 274 271 299 272 310 277 284 272 372 292 291
Wohngebäude 39 46 46 47 55 51 55 55

Ort Seubersdorf

Jahr 1818[10] 1832[21] 1846[11] 1856[12] 1867[13] 1875[14] 1900[15] 1925[17] 1950[19] 1961[6] 1970[20] 1987[22] 2005[23] 2016[1]
Einwohner 110 112 153 142 132 145 123 130 195 143 139 113 115 107
Wohngebäude 20 20 24 24 27 25 26 27 32

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Ort verläuft die die Rothenburger Straße (St 2245), die nach Unterschlauersbach bzw. an Neudorf vorbei nach Oberdachstetten führt. Die Kreisstraße AN 26/FÜ 11 führt nach Kirchfarrnbach.

Kurzzeitig war Seubersdorf im Gespräch als Standort eines Bahnhofs an einer von Cadolzburg über Deberndorf nach Unternbibert verlängerten Rangaubahn. Die Lokalbahn Aktien-Gesellschaft lehnte dies am 1. Februar 1894 auf Grund der „ungünstigen Terrainverhältnisse“ ab. Am 22. Mai 1914 eröffneten die Königlich Bayerische Staats-Eisenbahnen die Bibertbahn über Großhabersdorf und Münchzell nach Dietenhofen.[24]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Seubersdorf (Dietenhofen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b www.dietenhofen.de
  2. Bayern Atlas, Seubersdorf
  3. G. Muck, Bd. 1, S. 65.
  4. G. Muck, Bd. 2, S. 361f.
  5. H. H. Hofmann, S. 205.
  6. a b c Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 808 (Digitalisat).
  7. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 536.
  8. R. Strobel, S. 166.
  9. R. Strobel, S. 167. Mittlerweile abgerissen.
  10. a b Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann meherer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 85 (Digitalisat). Für die Gemeinde Seubersdorf zuzüglich der Einwohner von Oberschlauersbach (S. 69)
  11. a b Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 98 (Digitalisat).
  12. a b Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Brügel’sche Officin, Ansbach 1856, S. 123 (Digitalisat).
  13. a b Joseph Heyberger (Hrsg.): Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabethischem Ortslexikon. Literar.-artist. Anst. der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1062, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  14. a b kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Koenigreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarr-, Schul- u. Postzugehörigkeit. ... mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt, Sp. 1228, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  15. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1235–1236 (Digitalisat).
  16. Gemeindeverzeichnis.de, Bezirksamt Neustadt a.d.Aisch
  17. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1274 (Digitalisat).
  18. a b Verwaltungsgeschichte.de, Landkreis Neustadt a.d.Aisch
  19. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern - Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1101 (Digitalisat).
  20. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 168 (Digitalisat). Gemeinde existierte zum Stichtag der Volkszählung (27. Mai) nicht mehr.
  21. Joseph Anton Eisenmann, Karl Friedrich Hohn (Hrsg.): Topo-geographisch-statistisches Lexicon vom Königreiche Bayern. Band 2: M–Z. Palm und Enke, Erlangen 1832, S. 669 (Digitalisat).
  22. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 325 (Digitalisat).
  23. Statistik der Einwohnerzahlen in den Ortsteilen. (Memento vom 1. August 2012 im Webarchiv archive.is) auf: dietenhofen.de
  24. Peter Ramsenthaler: Lokalbahn Nürnberg- Unternbibert-Rügland: Von der Frankenmetropole in den Rangau. H-und-L-Publ.-Souvenirs-Verlag Bleiweis, Schweinfurt 1996, ISBN 3-928786-48-2, Seite 3