Der (wirklich) allerletzte Streich der Olsenbande

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Filmdaten
Deutscher TitelDer (wirklich) allerletzte Streich der Olsenbande
OriginaltitelOlsen-bandens sidste stik
ProduktionslandDänemark
OriginalspracheDänisch
Erscheinungsjahr1998
Länge105 Minuten
Stab
RegieTom Hedegaard, Morten Arnfred
DrehbuchHenning Bahs
ProduktionLars Hermann
MusikBent Fabricius-Bjerre
KameraPeter Klitgaard
SchnittGrete Møldrup
Besetzung
Chronologie

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Die Olsenbande fliegt über alle Berge

Der (wirklich) allerletzte Streich der Olsenbande ist eine dänische Kriminalkomödie aus dem Jahr 1998. Es handelt sich um den vierzehnten Film mit der Olsenbande, der 17 Jahre nach dem ursprünglichen Abschluss der Reihe als endgültig letzter Film gedreht wurde. Während der Dreharbeiten starb sowohl ein Hauptdarsteller, Poul Bundgaard, als auch der Regisseur Tom Hedegaard; der Film wurde dennoch fertiggestellt.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit siebzehn Jahren ist Egon im Institut für theoretische Kriminalität untergebracht, einer psychiatrischen Anstalt für Personen, die als unheilbar kriminell gelten. Nun darf er die Anstalt zum ersten Mal wieder vorübergehend verlassen, um in einer Fernsehtalkshow live über sein Schicksal zu berichten. Diese Sendung verfolgen auch Benny, der nun schwarz für ein Taxiunternehmen arbeitet, und Kjeld, der mittlerweile im Rollstuhl sitzt und in einem Altersheim lebt. Augenblicklich machen die beiden, die Egon all die Jahre lang kein einziges Mal besucht haben, sich zum Fernsehstudio auf, um ihren ehemaligen Bandenchef zu suchen.

Während Egon nach seinem Auftritt verzweifelt die Toilette sucht, findet er sich plötzlich auf dem Hof des Studios wieder. Hier trifft er auf Benny, der ihn überschwänglich begrüßt. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg zu Kjeld, in dessen Zimmer im Altersheim sie sich treffen. Kjeld hat eine Frau kennengelernt, Ruth, mit der er sich eine gemeinsame Wohnung in Málaga kaufen will. Natürlich käme es ihm dabei sehr gelegen, wenn Egon einen neuen Plan hätte und er dadurch an das nötige Kapital käme. Tatsächlich hat Egon während der langen Zeit in der Psychiatrie unzählige Pläne entwickelt, die alle vom Anstaltsleiter konfisziert wurden und sich noch in dessen Tresor befinden. Die Bande macht sich also daran, diesen Tresor zu knacken, um anschließend den größten von Egons Plänen verwirklichen zu können – den Raub der englischen Kronjuwelen.

Doch nicht nur Kjeld und Benny haben Egon im Fernsehen wiedererkannt, sondern auch Oberstaatssekretär Hallandsen aus dem Justizministerium. Dieser hat ein Problem: In Dänemark ist ein Koffer aufgetaucht, der die hochbrisanten Wandenberg-Dokumente enthält. Sofern diese an die Öffentlichkeit geraten sollten, droht der Zusammenbruch der gesamten Weltordnung, da die Dokumente präzise Auskunft über alle großen Skandale der letzten Jahrzehnte geben. Ein erster Versuch Hallandsens, die Dokumente aus dem Zentralarchiv des Außenministeriums, wo sie aufbewahrt werden, mit Hilfe zweier Polizisten unauffällig verschwinden zu lassen, ist bereits gescheitert. Durch die Sendung wird er an Egon Olsen erinnert und glaubt, dass dieser dem Problem gewachsen wäre. Er beauftragt seinen Stellvertreter Holm-Hansen, Egon ausfindig zu machen. Holm-Hansen fragt seinerseits Kriminalkommissar Jensen um Rat, der eigentlich längst pensioniert werden sollte, jedoch wegen eines Computerfehlers seit siebzehn Jahren darauf wartet. Jensen gibt Holm-Hansen den Rat, den letzten noch in Dänemark verbliebenen Franz-Jäger-Tresor des Modells 1944 aufzusuchen, da Egon früher oder später dort auftauchen wird. Wie es der Zufall will, handelt es sich dabei um den Tresor im Institut für theoretische Kriminalität.

Im Institut gelingt es Egon unterdessen, seine Pläne aus dem Tresor zu holen. Auf der Flucht nach draußen begegnet die Bande plötzlich dem Anstaltsleiter, der ihn natürlich sofort wieder festsetzen lassen will. Im letzten Moment erscheint Holm-Hansen und nimmt Egon kraft seines Amtes selbst mit, während Kjeld und Benny unbemerkt fliehen können.

Egon wird zu Hallandsen gebracht, der Egon den Auftrag erteilt, die Wandenberg-Dokumente zu stehlen – natürlich gegen eine angemessene Belohnung. Nachdem ihm zwei Polizisten als Helfer zur Verfügung gestellt wurden, gelingt Egon der Raub der Dokumente innerhalb weniger Minuten. Nachdem Hallandsen die Dokumente erhalten hat, fordert Egon die Übergabe der ihm versprochenen Belohnung – stattdessen wird er in einen Keller des Ministeriums gesperrt, wo er wieder einmal vom Dummen Schwein und dessen Gehilfen Alf beseitigt werden soll. Es gelingt ihm, Kjeld und Benny eine Nachricht zukommen zu lassen, wodurch diese ihn in letzter Minute befreien können.

Hallandsen will den Koffer mit den Dokumenten in der hochmodernen staatlichen Verbrennungsanlage vernichten lassen. Egon will dies verhindern und den Koffer wieder in seinen Besitz bringen, um Hallandsen damit erpressen zu können. Gemeinsam mit Benny und Kjeld kann er – mit Hilfe eines Bootshakens, einer Flasche Flüssigseife und zahlreicher anderer Utensilien – den Dokumentenkoffer tatsächlich wiedererlangen. Hallandsen ist sehr schockiert, als er davon erfährt. Das Dumme Schwein und Alf werden wieder auf Egon angesetzt.

Als die Olsenbande zur Baustelle der Öresundverbindung fahren will, wo der Koffer ordnungsgemäß übergeben werden soll, steigt statt Kjeld plötzlich Ruth ins Auto ein. Sie begründet dies damit, dass es Kjeld nicht gut gehe und sie ihn vertreten werde. Widerwillig erlaubt Egon ihre Anwesenheit.

An der Baustelle angekommen, werden Egon, Benny und Ruth von Alf und dem Dummen Schwein k.o. geschlagen und anschließend in eine Baugrube gebracht, in der sie – einschließlich der Wandenberg-Dokumente und des Koffers mit Egons Plänen – verschüttet werden sollen. Dank Egons Einfallsreichtum können sie sich befreien.

Unterdessen trifft ein anderer alter Bekannter in Dänemark ein – Kjelds Sohn Børge, der mittlerweile als international gesuchter Finanzbetrüger im Ausland lebt. Er erfährt von Kjeld, was geschehen ist, und macht sich anschließend auf die Suche nach Egon, Benny und Ruth. Als er auf der Baustelle ankommt, trifft er mit der gerade glücklich entkommenen Bande zusammen. Während er mit Benny das Wiedersehen feiert, fordert Egon bei Holm-Hansen die Einhaltung seiner Forderungen. Im nächsten Moment muss Egon tatenlos zusehen, wie Ruth und Alf die Koffer mit Egons Plänen und den Wandenberg-Dokumenten auf einen Bauschutt-LKW werfen, wo sie auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Hallandsen wird nach Jütland versetzt und Holm-Hansen zu seinem Nachfolger ernannt, dessen erste Amtshandlung es ist, endlich Kommissar Jensen zu pensionieren.

Am Ende des Films reisen Egon, Benny, Kjeld, Ruth sowie Alf, der ihnen als Butler gefolgt ist, zu Børges Villa in Portugal, um dort einen geruhsamen Lebensabend zu verbringen. Egon will sich an die Ausführung des einzigen Planes machen, der ihm noch geblieben ist – den Diebstahl der Kronjuwelen. Er sucht den Plan vergeblich. Nur der Zuschauer erfährt, dass Børge ihn an sich genommen hat und anscheinend sehr interessiert studiert.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1981 wurde mit Die Olsenbande fliegt über die Planke und Die Olsenbande fliegt über alle Berge eine zweiteilige Geschichte zum Abschluss der 13-jährigen Olsenbandenreihe gedreht. Danach planten die Macher, nie wieder einen Film über die Olsenbande zu drehen. Als 1987 Hauptdarstellerin Kirsten Walther starb, schien ein weiterer Film endgültig in weite Ferne gerückt, da man einen Olsenbandenfilm ohne Walthers Figur der Yvonne nicht für realisierbar glaubte. Dennoch blieb der Wunsch nach einem weiteren Film bei einigen Beteiligten immer vorhanden, besonders Poul Bundgaard setzte sich jahrelang dafür ein.

1996 drehten Sprogøe, Bundgaard und Grunwald für einen dänischen Energieversorger den viereinhalbminütigen Werbefilm Olsen-Bandens spareplan, bei dem Erik Balling, der Stammregisseur der Olsenbande, Regie führte. Ermutigt durch diese Erfahrung, reifte 1997 der Entschluss, einen vierzehnten Olsenbandenfilm zu drehen. Henning Bahs schrieb das Drehbuch, während Balling wegen seines schlechten Gesundheitszustands am Entstehungsprozess des Filmes nicht teilnahm, allerdings als Berater fungierte und einen kurzen Gastauftritt im Film hatte (siehe Anmerkungen). Ende 1997 konnte der MDR als Coproduzent gewonnen werden. Von Seiten des MDR wurde vorgeschlagen, Leipzig als Handlungsort und Uwe Steimle in der Rolle eines sächsischen Kommissars ins Drehbuch aufzunehmen, was von Nordisk Film abgelehnt wurde. Am 20. April 1998 begannen die Dreharbeiten. Zunächst wurden alle Innenszenen in den Studios von Nordisk Film gedreht.

Einen herben Rückschlag erhielt das Projekt am 3. Juni 1998, als Poul Bundgaard im Alter von 75 Jahren starb. Die Arbeiten am Film wurden zunächst unterbrochen, nachdem die Innenaufnahmen fast abgeschlossen waren. Zunächst erwog man, die Dreharbeiten ganz abzubrechen, nach Gesprächen mit Bundgaards Familie entschied man sich, den Film fertigzustellen. Gerade Bundgaard hatte, obwohl er bereits jahrelang schwer krank gewesen war, immer wieder seinen Wunsch nach einem neuen Olsenbandenfilm geäußert.

Es wurde nun nach einem neuen Darsteller gesucht, der Bundgaard bzw. die Figur des Kjeld bei den noch ausstehenden Außenaufnahmen doubeln konnte. Nachdem Probeaufnahmen mit einem Laiendarsteller, der Bundgaard täuschend ähnlich sah, unbefriedigend verlaufen waren, wurde der Schauspieler Tommy Kenter verpflichtet, dem durch komplizierte maskenbildnerische Arbeit das Aussehen Bundgaards verliehen wurde. Er spielte Kjeld während einiger noch ausstehender Szenen, während er aus anderen, wie im Finale auf der Öresundbaustelle, ganz herausgeschrieben und durch Ruth ersetzt wurde. Im Original wurde er durch den bekannten dänischen Schauspieler und Stimmenimitator Kurt Ravn synchronisiert.

Nur wenige Tage vor Abschluss der Dreharbeiten starb am 6. August 1998 auch Regisseur Tom Hedegaard, für die restlichen Drehtage übernahm Morten Arnfred seinen Posten. Die letzte Klappe fiel am 24. August 1998.[1]

Deutsche Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Synchronisation des Films fand im April/Mai 1999 im Synchron- und Tonstudio Leipzig statt. Das Dialogbuch wurde von Wolfgang Woizick verfasst, der bereits für die DEFA-Dialogbücher zweier früher Olsenbandenfilme verantwortlich war und 1970 den Ausdruck „Mächtig gewaltig“ erfunden hatte. Woizick bekam keine deutsche Rohübersetzung der Dialoge zur Verfügung gestellt, sondern lediglich das dänische Originaldrehbuch und eine englische Übersetzung, weshalb die deutsche Fassung einige Übersetzungsfehler enthält.[2]

Egon und Kjeld wurden von ihren bekannten DEFA-Synchronstimmen Karl Heinz Oppel und Erhard Köster gesprochen. Als Ersatz für den bereits 1991 verstorbenen Benny-Standardsprecher Peter Dommisch wurde ohne vorheriges Casting Roland Hemmo verpflichtet, was bei vielen Fans auf Unverständnis stieß.[3] Bert Franzke synchronisierte den Kommissar Jensen als Ersatz für den 1997 verstorbenen Dietmar Richter-Reinick, Matthias Hummitzsch sprach den Kriminalassistenten Holm.

Die deutsche Fassung des Films wurde gegenüber der dänischen um etwa neun Minuten gekürzt, vermutlich um ihn auf das fernsehtauglichere Format von etwa 93 Minuten zu bringen.

Die Veröffentlichung des Films in Deutschland verzögerte sich, da zunächst kein Verleih bereit war, ihn in den deutschen Kinos zu zeigen. Der frühere deutsche Verleih der Olsenbande, Progress, lehnte den Film ab. Schließlich wurde er vom Tübinger Verleih Arsenal übernommen, der ihn am 18. November 1999 ins Kino brachte. Er war fast ausschließlich in Ostdeutschland zu sehen.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Haus, das als Außenkulisse für Børges Villa in Portugal diente, befand sich in Wahrheit im Kopenhagener Vorort Charlottenlund.
  • Mehrere der am Film beteiligten Personen haben Cameo-Auftritte:
    • Die „geistigen Väter“ der Olsenbande, Erik Balling und Henning Bahs, sind in einem Hinterzimmer der Fernsehstudios bei der Arbeit an ihren Schreibmaschinen zu sehen.
    • Kostümbildnerin Lotte Dandanell und Maskenbildnerin Elisabeth Bukkehave haben einen Gastauftritt als Krankenschwestern im Institut für theoretische Kriminalität.
    • Der deutsche Hörfunkjournalist Frank Eberlein, der eine große Olsenbandesammlung besitzt, zwei Bücher über die Filme verfasste und die Arbeiten an diesem Film begleitete, ist ganz kurz als Komapatient im Institut zu sehen.
  • Einer der beiden Polizisten, die zu Beginn des Films die Wandenberg-Dokumente zu stehlen versuchen, wird von Ove Sprogøes Sohn Henning gespielt.
  • Benny Hansen, der kurz als Krankenpfleger zu sehen ist, starb am 27. August 1998.
  • Bjørn Watt-Boolsen starb nur zehn Tage nach der Premiere des Films am 28. Dezember 1998.
  • Mit dem Film Olsenbandens siste stikk wurde in Norwegen im Sommer 1998 fast gleichzeitig eine Neuverfilmung nach der Vorlage dieses Filmes produziert, die zwei Monate später, am 19. Februar 1999, ihre Premiere hatte.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Frank Eberlein/Frank-Burkhard Habel: Die Olsenbande. Das große Buch für Fans, erweiterte Neuausgabe, S. 278
  2. Frank Eberlein/Frank-Burkhard Habel: Die Olsenbande. Das große Buch für Fans. Erweiterte Neuausgabe, Berlin 2000, S. 282
  3. Frank Eberlein/Frank-Burkhard Habel: Die Olsenbande. Das große Buch für Fans. Erweiterte Neuausgabe, Berlin 2000, S. 283