Die Friseuse

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Filmdaten
OriginaltitelDie Friseuse
Die Friseuse.jpg
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr2010
Länge108 Minuten
AltersfreigabeFSK 0[1]
JMK 0[2]
Stab
RegieDoris Dörrie
DrehbuchLaila Stieler
ProduktionUlrich Limmer
MusikLaBrassBanda,
Ivan Hajek,
Coconami
KameraHanno Lentz
SchnittFrank C. Müller,
Inez Regnier
Besetzung

Die Friseuse ist eine deutsche Filmkomödie der Regisseurin Doris Dörrie aus dem Jahr 2010 mit Gabriela Maria Schmeide in der Hauptrolle.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die arbeitssuchende Friseuse Kathi König lebt nach der Trennung von ihrem Ehemann mit Tochter Julia in einer Plattenbausiedlung in Berlin-Marzahn. Als sie über das Jobcenter von einer offenen Stelle in einem Friseursalon im Einkaufszentrum Eastgate Berlin erfährt, scheint sie nach einem telefonischen Kontakt mit der Arbeitgeberin die Stelle schon in der Tasche zu haben. Als sie jedoch im Laden erscheint, macht man ihr klar, dass sie aufgrund ihrer Fettleibigkeit „nicht ästhetisch“ ist und deshalb die Stelle nicht bekommt. Als sie sieht, dass ein Lokal gleich gegenüber dem Friseursalon geschlossen wurde, entscheidet sie sich dort ihren eigenen Friseurbetrieb zu eröffnen. Dabei hat sie jedoch gegen den Widerstand von Behörden, Banken und Berater zu kämpfen. Um das für die Geschäftseröffnung benötigte Geld zu verdienen, zieht sie mit der ebenfalls arbeitslosen Silke als mobiles Friseurteam durch Seniorenheime, bis eine ihrer Kundinnen unter der Trockenhaube stirbt und die Schwarzarbeit auffliegt. Daraufhin hilft Kathi dem Kleinkriminellen Joe, eine Gruppe von Vietnamesen aus Polen einzuschleusen, die sie anschließend in ihrer Wohnung versteckt. Dabei kommen Kathi und der schlanke Vietnamese Tien, der in der DDR studiert hatte, sich näher. Die Annäherungsversuche des gut situierten, aber auch etwas korpulenten Klaus hatte sie zuvor abgewiesen. Ihren Friseurladen muss Kathi aufgrund behördlicher Auflagen und ihrer Erkrankung an Multipler Sklerose wieder schließen, bevor er richtig eröffnet ist. Sie erhält stattdessen eine Anstellung bei einem vietnamesischen Friseur.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hauptdarstellerin Gabriela Maria Schmeide trug für den Film einen Fettanzug, um sie dicker zu machen; daneben wurde bei einigen Szenen, in denen ihr Gesicht nicht zu sehen ist, auch ein Körperdouble eingesetzt.[3] Um die Diskriminierung von Übergewichtigen am eigenen Leib zu erfahren, hatte die Regisseurin Doris Dörrie den Fettanzug auch einmal im normalen Alltag getestet, worauf sie Reaktionen wie „Aus dem Weg, fette Sau“ erlebte.[4]

Mit Die Friseuse verfilmte Doris Dörrie erstmals ein nicht von ihr selbst verfasstes Drehbuch. Die Autorin Laila Stieler ist durch ihre Zusammenarbeit mit dem Regisseur Andreas Dresen bekannt. Vorbild für die Kathi König aus dem Film war die Berliner Friseurin Kathleen Cieplik, auf deren Geschichten einige Szenen aus dem Film basieren.[5]

Die Dreharbeiten fanden vom 28. September bis 5. November 2009 in Berlin und Osinów Dolny (Polen) statt. Die Uraufführung war am 14. Februar 2010 im Friedrichstadtpalast im Rahmen der Berlinale 2010 (außerhalb des Wettbewerbs). Der deutsche Kinostart erfolgte am 18. Februar 2010. Mit über 600.000 Kinobesuchern in Deutschland wurde der Film zum neunterfolgreichsten deutschen Film des Kinojahres 2010.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„'Schaff ick!' ist das Credo von Kathi König, der Heldin dieses Films, in dem davon erzählt wird, wie sie sich auch durch die widrigsten Umstände nicht kleinkriegen lässt. […] Gabriela Maria Schmeide verkörpert sie mit soviel Wärme und Witz, dass diese im besten Sinne des Wortes merkwürdige Person einem auch lange nach dem Film nicht aus dem Sinn geht. […] Mit ihrer permanent guten Laune, die oft ans Manische grenzt, aber (zumindest vom sicheren Abstand des Kinosessels aus) nie auf die Nerven geht, ist sie eine Seelenverwandte der Poppy in Mike Leighs "Happy-Go-Lucky", der wohl auch ein wenig als Modell für diese Komödie gedient hat.“

Wilfried Hippen: Die Tageszeitung[3]

„Die Geschichte ist einerseits unterhaltsam und leicht. Man darf lachen. Dann ist sie auch noch spannend, weil Kathis Leben eine einzige Aneinanderreihung unglücklicher Umstände zu sein scheint. Doch ist der Film in den richtigen Momenten nüchtern und langsam genug, um aufzuzeigen, wie demütigend die Gesellschaft mit Menschen umgeht, die nicht einem idealisierten Bild entsprechen.“

Simone Andrea Mayer - n-tv[6]

„'Die Friseuse' ist eine gelungene Sozialkomödie, die die Menschen versteht, über die sie erzählt. Der Film ist ein Statement. Haus weg, Garten weg, Auto weg und der Mann auch. Das ist die Situation. Doch Kathi, überdies arbeitslos und alleinerziehend, nimmt ihr Schicksal mit erbarmungslosem Optimismus und rettet sich mit Ironie und Wortwitz über die schlechten Zeiten. Sie ist der Prototyp einer fröhlichen Anarchistin. Hier beweist sich die Drehbuchautorin Laila Stieler erneut als gute Beobachterin, die in Sprache und Stil genau weiß, welches Milieu sie gerade entwirft.“

Abini Zöllner: Berliner Zeitung[7]

„Mit 'Die Friseuse' hat Doris Dörrie einen Feelgood-Film über eine sehr dicke Frau gemacht, die sich im Plattenbau wohl fühlt. Ein bizarrer Fall von Autosuggestion. […] In einer Szene, in der ein knallbuntes Friseusen-Ballett seine gewaltig dimensionierten Brüste und Hintern zu alten Discoklängen kreisen lässt, schlägt das Ganze sogar in richtigen Gute-Laune-Terror um. In diesem Moment entstand in meinem Kopf eine bizarre Verschwörungstheorie: Was wäre, fragte ich mich, wenn dieser Film in Wirklichkeit gar nicht von Doris Dörrie ist, sondern von dem auch recht bekannten Filmemacher Andreas Dresen? Dann würde alles plötzlich Sinn ergeben.“

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Deutsche Film- und Medienbewertung verlieh dem Film das Prädikat wertvoll.[9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Die Friseuse. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Februar 2010 (PDF; Prüf­nummer: 121 572 K).
  2. Alterskennzeichnung für Die Friseuse. Jugendmedien­kommission.
  3. a b Wilfried Hippen: Die Dicke von Marzahn. Die Tageszeitung, 18. Februar 2010; abgerufen am 30. Oktober 2016.
  4. Doris Dörries "Die Friseuse": Masse mit Klasse in Stern vom 19. Februar 2010
  5. Wie Kathleen Cieplik aus Berlin in den neuen Film von Doris Dörrie geriet in Berliner Zeitung vom 13. Februar 2010
  6. "Sie sind nicht ästhetisch": "Die "Friseuse" boxt sich durch auf n-tv vom 18. Februar 2010
  7. "Die Friseuse" erzählt eine Geschichte der Selbstbehauptung: Kopf hoch in Berliner Zeitung vom 18. Februar 2010
  8. Tobias Kniebe: Gute-Laune-Terror. Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 2010; abgerufen am 28. Oktober 2016.
  9. FBW-Pressetext der Deutschen Film- und Medienbewertung