Die Wolken von Sils Maria

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Filmdaten
Deutscher TitelDie Wolken von Sils Maria
OriginaltitelClouds of Sils Maria
ProduktionslandDeutschland, Frankreich, Schweiz
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr2014
Länge124 Minuten
AltersfreigabeFSK 6[1]
Stab
RegieOlivier Assayas
DrehbuchOlivier Assayas
ProduktionCharles Gillibert
KameraYorick Le Saux
SchnittMarion Monnier
Besetzung

Die Wolken von Sils Maria ist ein Spielfilm von Olivier Assayas (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2014. Die Hauptrollen spielen Juliette Binoche, Kristen Stewart und Chloë Grace Moretz.

Der Film war bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes für die Goldene Palme nominiert. Außerdem war er zum Midnight Sun Film Festival, Filmfest München, Toronto International Film Festival und New York Film Festival eingeladen und wurde mit dem Louis-Delluc-Preis und einem César ausgezeichnet.

Gedreht wurde in Leipzig, Berlin, Südtirol und Sils Maria,[2] der Kinostart in Deutschland war am 18. Dezember 2014.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wolken von Sils Maria handelt von der alternden Schauspielerin Maria Enders, die in jungen Jahren durch ihre Hauptrolle in dem Theaterstück und Film Malojaschlange von Regisseur Wilhelm Melchior berühmt wurde. Das Stück erzählt von zwei Frauen unterschiedlichen Alters namens Helena und Sigrid, die sich in ein kompliziertes Beziehungsgeflecht von erotischer Zuneigung, Abhängigkeit und Selbstbehauptung verwickeln, was schließlich im Selbstmord der älteren Helena endet. Enders, die den Part der jüngeren Sigrid spielte und sich auch zwanzig Jahre später noch stark mit der Figur identifiziert, wird von dem bekannten Jung-Regisseur Klaus Diesterweg angefragt, in einer geplanten Wiederaufnahme nun die Rolle der Helena zu übernehmen. Für ihre damalige Rolle der Sigrid ist das blutjunge Hollywood-Starlet Jo-Ann Ellis vorgesehen, die gerade mit einem Science-Fiction-Film Premiere feiert und darüber hinaus immer wieder die Aufmerksamkeit von Boulevard-Presse und Sozialen Medien auf sich zu ziehen scheint. Enders steht dem Angebot von Diesterweg zunächst ablehnend gegenüber, nimmt es aber schließlich an.

In den Bergen von Sils Maria beginnt sie erste Textproben mit ihrer persönlichen Assistentin und Vertrauten Valentine, die den Part der Sigrid einliest. Enders hadert zunehmend mit dem vermeintlich schwächeren Charakter der Helena und erwägt kurzzeitig, von ihrem Vertrag mit Diesterweg zurückzutreten. Weil dies jedoch nach Einschätzung ihres Anwalts sehr teuer werden würde, entschließt sie sich, das Projekt durchzuziehen und setzt die Textproben mit Valentine in den Schweizer Bergen fort. Die Arbeit an ihrer Figur gestaltet sich für Enders fortlaufend schwierig und zeigt sich als Spiegel ihrer eigenen, konflikthaften Auseinandersetzung mit dem Älterwerden. Valentine, die etwa das Alter des jüngeren Charakters hat und Enders die digitale Welt von Google, Youtube und Sozialen Medien näherzubringen versucht, sieht die Figur der Helena in einem deutlich positiverem Licht als Enders und bietet ihr alternative Auslegungen der Rolle an, worauf sich Enders jedoch nicht einlassen kann. Stattdessen googelt sie Jo-Ann Ellis und scheint zugleich befremdet und angezogen von ihr.

Das enge Verhältnis zwischen Enders und Valentine wird mit den Textproben an dem Theaterstück zunehmend angespannter. Ihre Auseinandersetzung mit der komplizierten Beziehung der beiden Frauenfiguren verstrickt sich mit ihrer eigenen Beziehung zueinander, Realität und Fiktion überlagern sich. Schließlich geraten Enders und Valentine abermals in Streit über die Interpretation einer Szene, dieses Mal über das Ende des Theaterstücks: Während das „Verschwinden der Helena in den Bergen“ für Enders eine eindeutige Metapher für ihren Selbstmord darstellt, sieht Valentine darin ein offenes Ende, welches auch bedeuten kann, dass sie irgendwo anders ein neues Leben beginnt. Als sich beide am nächsten Morgen zu einer Wanderung aufmachen, um die sogenannte Malojaschlange zu sehen, ein seltenes Wetterphänomen nach dem das Theaterstück benannt ist, verschwindet Valentine plötzlich und kehrt auch später nicht zu Enders zurück.

Der letzte Teil des Films setzt kurz vor der Premiere der Malojaschlange in London ein. Wenige Minuten vor ihrem Auftritt empfängt Enders einen jungen Regisseur, der sie für eine neue Rolle gewinnen möchte. Das Projekt beschäftige sich mit dem Fortschritt der Zeit, dem er selbst kritisch gegenüberstehe, verbunden mit dem Gefühl, im falschen Zeitalter geboren zu sein. Es scheint offensichtlich, dass dies sehr viel mit Enders eigenen Fragen an das Leben zu tun haben dürfte. Sie lehnt das Angebot jedoch kurzerhand ab, es sei ihr zu abstrakt. Sie begibt sich zur Bühne und bringt sich in Position für die Anfangsszene des Stücks – rauchend erwartet sie Sigrids Auftritt.

Malojaschlange[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Meteorologisches Herbstphänomen in Maloja: die „Malojaschlange“

Der Titel des Theaterstücks nimmt Bezug auf ein meteorologisches Phänomen, das sich vor allem im Herbst in Maloja im schweizerischen Kanton Graubünden zeigt. Durch Luftausgleichsströmungen ziehen dann Wolken schlangenartig über den Malojapass und hüllen das Tal ein, während darüber die Sonne scheinen kann. Im Film sieht sich Enders in Vorbereitung auf das Stück einen alten Schwarzweißfilm an, der das Wetterphänomen beschreibt. Hierbei handelt es sich um den Dokumentarfilm Das Wolkenphänomen von Maloja von Arnold Fanck aus dem Jahr 1924, der in einer neunminütigen Fassung erhalten ist.

Später im Film machen sich Enders und Valentine selbst auf den Weg, die Malojaschlange zu beobachten. Es ist die Szene, in der Valentine spurlos verschwindet, während Enders im Tal die „Schlechtwetterbotin“[3] erblickt. Dazu heißt es in der Kritik von Jan Schulz-Ojala im Tagesspiegel: „Die Schlange dunkelt das Tal ein, sie legt das Alter über die Jugend, die Gegenwart über das Vergangene, und manchmal verschlingt sie auch eine Filmfigur, löst sie mir nichts dir nichts in ihren eigenen Nebel auf.“[3]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film erhielt bei seiner Premiere in Cannes überwiegend positive Reaktionen. Bei Rotten Tomatoes sind 90 % der Kritiken positiv bei insgesamt 21 Kritiken. Die durchschnittliche Bewertung beträgt 7,6/10.[4] Bei Metacritic erhält der Film einen Metascore von 78/100 bei insgesamt 9 Kritiken.[5]

Zuspruch fanden insbesondere die Darstellungen von Juliette Binoche, Kristen Stewart und Chloë Grace Moretz sowie das Drehbuch. Robbie Collin bemerkte dazu im Telegraph, der Film sei „komplex, bezaubernd und melancholisch“. Binoche spiele mit „Eleganz und melancholischer Würde“, ihre Figur gleite „zwischen Fiktion und Realität“ in einer Weise, die an ihre Rolle in Die Liebesfälscher erinnere. Im Vordergrund stünde jedoch Stewart, die ihre „wohl beste Rolle bisher“ spiele, „scharf und subtil, offensichtlich und plötzlich unnahbar“.[6] Peter Debruge schrieb in der Variety, Die Wolken von Sils Maria sei ein „mehrschichtiger, frauenbestimmter, meta-fiktionaler Film, der alle Beteiligten, insbesondere Kristen Stewart und Chloë Grace Moretz, zu neuen Höhepunkten befördere.“[7]

Für den film-dienst ist der Film ein „ebenso melancholischer wie ironischer Kommentar auf die digitale Moderne“. Die Beziehungen zwischen den Figuren seien dabei „ebenso vielschichtig wie die komplexen (film-)kulturellen Referenzen“.[8] Cinema schrieb, die „intensiven Dialoge zwischen Binoche und Stewart bewegen sich mehr und mehr in einem zwiespältigen Spannungsfeld um einstudierte Textzeilen und reale Konflikte“. Assayas lote die „Grauzone zwischen Person und Rolle“ aus und erschaffe so eine „vielschichtige Charakterstudie vor der kühlen Kulisse des Schweizer Engadins“.[9]

Gerhard Midding von epd Film resümierte, dass „Assayas’ Schauspielerinnenfilm“ eine „filigrane Verbindungen zwischen Stück und Filmhandlung“ knüpfe. Es sei ein Film „für und über Juliette Binoche“, in dem die „nervöse Teilnahme, mit der Assayas einst den inneren Aufruhr von Jugendlichen filmte, [...] längst einer vibrierenden Eleganz gewichen“ sei. „Seine Neugierde“ richte „sich nun darauf, wie sich das Vergehen der Zeit auf seine Charaktere“ auswirke, „wie ihre Sehnsüchte und Beziehung erodieren“.[10]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Die Wolken von Sils Maria. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Oktober 2014 (PDF; Prüf­nummer: 147 432 K).
  2. Streng geheime Dreharbeiten zu «Sils Maria». Südostschweiz, abgerufen am 29. Juli 2015.
  3. a b Kritik im Tagesspiegel vom 16. Dezember 2014, online abgerufen am 2. Januar 2015
  4. Clouds of Sils Maria (2015). Rotten Tomatoes, abgerufen am 23. Januar 2015.
  5. Clouds of Sils Maria. Metacritic, abgerufen am 23. Januar 2015.
  6. Clouds of Sils Maria, review: 'bewitching'. Abgerufen am 16. Juni 2014: „This is a complex, bewitching and melancholy drama […] Binoche plays the role with elegance and melancholic wit – her character slips between fiction and fact in a way that recalls her role in Abbas Kiarostami’s Certified Copy. But it’s Stewart who really shines here. Valentine is probably her best role to date: she’s sharp and subtle, knowable and then suddenly distant […]“
  7. Cannes Film Review: ‘Clouds of Sils Maria’ (englisch) Abgerufen am 16. Juni 2014: „Clouds of Sils Maria marks his (Assayas's) daring rejoinder, a multi-layered, femme-driven meta-fiction that pushes all involved — including next-gen starlets Kristen Stewart and Chloë Grace Moretz — to new heights.“
  8. Esther Buss: Die Wolken von Sils Maria. film-dienst, 26/2014, abgerufen am 23. Januar 2015.
  9. Die Wolken von Sils Maria. Cinema, abgerufen am 23. Januar 2015.
  10. Die Wolken von Sils Maria. epd Film, abgerufen am 27. April 2015.