Sils im Engadin/Segl

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Sils im Engadin/Segl
Wappen von Sils im Engadin/Segl
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Graubünden Graubünden (GR)
Region: Maloja
BFS-Nr.: 3789i1f3f4
Postleitzahl: 7514 Fex
7514 Sils/Segl Maria
7515 Sils/Segl Baselgia
Koordinaten: 778906 / 145097Koordinaten: 46° 26′ 0″ N, 9° 46′ 0″ O; CH1903: 778906 / 145097
Höhe: 1803 m ü. M.
Höhenbereich: 1791–3448 m ü. M.[1]
Fläche: 63,58 km²[2]
Einwohner: 715 (31. Dezember 2020)[3]
Einwohnerdichte: 11 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
32,3 % (31. Dezember 2020)[4]
Website: www.sils-segl.ch
Sils Maria (links) und Sils Baselgia (rechts).

Sils Maria (links) und Sils Baselgia (rechts).

Lage der Gemeinde
AlbignaseeLej da ChampfèrLago BiancoLago di LeiLago di GeraLago di LivignoLago di S. Giacomo-di FraéleLago di PoschiavoLago di Monte SplugaLai da MarmoreraSilserseeSilvaplanerseeSt. MoritzerseeStazerseeSufnerseeItalienRegion AlbulaRegion BerninaRegion ViamalaRegion Engiadina Bassa/Val MüstairRegion PlessurRegion Prättigau/DavosBever GRBever GRBregagliaCelerina/SchlarignaMadulainMadulainPontresinaLa Punt Chamues-chSamedanSamedanS-chanfSils im Engadin/SeglSilvaplanaSt. MoritzZuozZuozKarte von Sils im Engadin/Segl
Über dieses Bild
w

Sils im Engadin (deutsch und bis 1943 offizieller Name, rätoromanisch Segl?/i) ist eine politische Gemeinde in der Region Maloja des Kantons Graubünden in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historisches Luftbild aus 1900 m von Walter Mittelholzer von 1927

Sils im Engadin liegt auf einem Landstück zwischen dem Silser- und dem Silvaplanersee. Die Gemeinde ist gemischtsprachig deutsch/rätoromanisch, was sich im Doppelnamen zeigt.

Sils Maria, neben Sils Baselgia einer der beiden Ortsteile von Sils, ist ein Wintersportort und bietet vielfältige Sport- und Erholungsmöglichkeiten sowie kulturelle Angebote.

Sils besteht aus folgenden Fraktionen, deren Namen rätoromanischen Ursprungs sind:

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Normalperiode 1991–2020 beträgt die Jahresmitteltemperatur 2,5 °C, wobei im Januar mit −6,8 °C die kältesten und im Juli mit 11,8 °C die wärmsten Monatsmitteltemperaturen gemessen werden. Im Mittel sind hier rund 215 Frosttage, und 65 Eistage zu erwarten. Sommertage gibt es im Jahresmittel 0,5, statistisch gesehen also jedes zweite Jahr. Hitzetage wurden in der Normperiode 1991–2010 keine verzeichnet. Die MeteoSchweiz-Wetterstation liegt auf einer Höhe von 1804 m ü. M.

Segl-Maria
Klimadiagramm
JFMAMJJASOND
 
 
48
 
-1
-13
 
 
34
 
0
-13
 
 
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3
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6
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1
 
 
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15
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18
6
 
 
127
 
17
6
 
 
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3
 
 
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9
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104
 
3
-5
 
 
56
 
0
-10
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: MeteoSchweiz, Normalperiode 1991–2020[5]
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Segl-Maria
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) −1,3 −0,2 2,7 5,7 11,0 15,3 17,6 17,0 12,7 8,8 3,4 −0,3 Ø 7,7
Min. Temperatur (°C) −12,6 −12,8 −8,5 −4,0 0,7 3,9 5,8 6,0 2,8 −0,9 −5,3 −9,6 Ø −2,8
Temperatur (°C) −6,8 −6,3 −2,6 1,2 6,0 9,9 11,8 11,7 7,8 3,8 −1,2 −4,9 Ø 2,6
Niederschlag (mm) 48 34 47 62 90 113 109 127 97 106 104 56 Σ 993
Regentage (d) 7,0 5,6 6,1 8,2 10,7 11,4 11,3 11,4 8,2 8,9 8,9 8,0 Σ 105,7
Luftfeuchtigkeit (%) 75 71 71 73 74 74 74 76 77 77 77 76 Ø 74,6
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
−1,3
−12,6
−0,2
−12,8
2,7
−8,5
5,7
−4,0
11,0
0,7
15,3
3,9
17,6
5,8
17,0
6,0
12,7
2,8
8,8
−0,9
3,4
−5,3
−0,3
−9,6
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
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s
c
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g
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34
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97
106
104
56
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: MeteoSchweiz, Normalperiode 1991–2020[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Namensaktie der AG Hotel Edelweiss in Sils-Maria vom 15. Februar 1899

Sils wurde erstmal um 800 als Silles und 1131 als Sillis erwähnt. In Sils-Baselgia entdeckte Votivaltärchen aus Lavezstein weisen auf ein römisches Heiligtum an der Römerstrasse über den Maloja- und Julierpass hin. Auf der Halbinsel Chastè im Silsersee befindet sich eine Burgstelle. Im Mittelalter befand sich an der Maloja/Julier-Passroute eine Sust. Aus dem Jahr 1545 existiert eine Alpordnung und 1591 verfügte Sils über eigene rätoromanische Dorfstatuten.

Ab dem Spätmittelalter bildeten die Fischerei und der Export von eingesalzenen und geräucherten Forellen nach Italien eine wichtige Einnahmequelle. Auf Plaz oberhalb des Lej Giazöl gewann man Ende des 17. Jahrhunderts Bleiglanz und Zinkblende. Während rund dreihundert Jahren wurden im hinteren Fextal Glimmerschieferplatten für den Ofenbau und zum Eindecken von Hausdächern abgebaut, die sogenannten Fexerplatten. Nach 1964 verfielen die Anlagen.

Vom 17. bis ins ausgehende 20. Jahrhundert wurden die Güter von Grevasalvas von Bergeller Bauern als Maiensässe bewirtschaftet. Die Auswanderung im 19. Jahrhundert brachte Wohlstand und Sils begann am aufstrebenden Tourismus Anteil zu nehmen.

Das Vier-Sterne-Hotel Edelweiss wurde 1876 neben den heutigen Nietzsche-Haus erbaut. Sein Jugendstilsaal ist denkmalgeschützt.

Das Hotel Schweizerhof wurde 1907 von Ferdinand Barbla in Sils Maria eröffnet, der bereits die «Alpenrose» am südlichen Dorfeingang besass. 1982 verkaufte er das nicht wintertaugliche Hotel an den Ferienverein, der es neu erstellte und 1984 als Club-Hotel eröffnete.

Das Hotel Waldhaus wurde 1908 eröffnet. Es ist eines der wenigen Fünf-Sterne-Hotels der Schweiz, die seit der Eröffnung im gleichen Familienbesitz sind. Es ist aussen und innen noch weitgehend im Originalzustand erhalten. Hier stiegen eine Reihe bekannter Persönlichkeiten ab (siehe dort).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: Geteilt von Blau darin eine goldene Strahlensonne und von Gold mit einer blauen Forelle.

Vereinfachung des historischen Gemeindesiegels, mit Hinweis auf die sonnige Höhenlage der Gemeinde und den fischreichen Silser See.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1850 1900 1930 1950 1980 1990 2000[6] 2005 2010 2012 2014 2020
Einwohner 219 178 359 262 434 498 751 744 752 773 768 715

Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis ins 19. Jahrhundert sprachen alle Bewohner Puter, eine rätoromanische Sprache. Doch gab es bereits 1880 eine beträchtliche deutschsprachige Minderheit. Dennoch behauptete sich bis zum Zweiten Weltkrieg eine romanischsprachige Mehrheit (1880 68,2 %, 1910 55,82 %, 1941 61,5 %). Nach 1960 kippte die Gemeinde zum Deutschen, welches 1970 erstmals eine relative Mehrheit stellte. Behördensprachen sind Deutsch und Romanisch, wobei sich noch 33,0 % der Einwohnerschaft auf Romanisch unterhalten kann. Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte zeigt folgende Tabelle:

Sprachen in Sils im Engadin/Segl
Sprachen Volkszählung 1980 Volkszählung 1990 Volkszählung 2000
Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil
Deutsch 210 48,39 % 291 58,43 % 446 59,39 %
Rätoromanisch 137 31,57 % 122 24,50 % 90 11,98 %
Italienisch 67 15,44 % 71 14,26 % 116 15,45 %
Einwohner 434 100 % 498 100 % 751 100 %

Religionen und Konfessionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1552 traten die Bewohner zum Protestantismus über.

Herkunft und Nationalität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den Ende 2005 744 Bewohnern waren 551 (= 74 %) Schweizer Staatsangehörige. Die ausländische Bevölkerung (ohne Schweizer Bürgerrecht) besteht mehrheitlich aus Portugiesen.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tourismus ist ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor der Gemeinde. Der Hausberg von Sils ist die Furtschellas; sie ist Wandergebiet im Sommer und alpines Skigebiet im Winter. Das autofreie Fextal wird mit einem konzessionierten Pferde-Omnibus bedient. Das Fextal und die Seenebene werden sommers für leichte Wanderungen und winters für Langlauf genutzt. Über die gefrorenen Seen führt der Engadin Skimarathon.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sils liegt einen Kilometer südlich der Nord-Süd-Verkehrsachse Julierpass–Silvaplana–Malojapass. Mittels Busverbindungen Richtung St. Moritz bzw. Chiavenna ist Sils gut an den öffentlichen Verkehr angeschlossen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnungen Silserli, Silserbrot, Silserbretzel gehen möglicherweise auf den Namen des Ortes zurück.[10] Dies hält der Mundartexperte Markus Gasser jedoch für irrig und sieht eher, dass «Sils» von «Salse», also der Natronlauge abgeleitet ist, in die das Gebäck getaucht wird (lat. sal = Salz).[11]

Der Kinofilm Die Wolken von Sils Maria von Olivier Assayas aus dem Jahr 2014 spielt grösstenteils in und um Sils Maria.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lage und das Klima zogen schon viele prominente Persönlichkeiten an. Hermann Hesse war gerne hier, und vor allem Friedrich Nietzsche: Er verbrachte zwischen 1881 und 1888 (mit Ausnahme des Jahres 1882) sieben Sommer in Sils Maria und schuf dort einige seiner bedeutendsten Werke; er verbreitete den Ruf des Ortes und des Sees in aller Welt. Ihm bewahrt das Nietzsche-Haus in Sils Maria, in dem er während seiner Aufenthalte in einfachsten Verhältnissen logierte, als Museum und Forschungsstätte ein ehrendes Andenken. Nietzsche nannte ein Gedicht dem Ort zu Ehren Sils Maria:[12]

„Hier saß ich, wartend, wartend, – doch auf Nichts,
Jenseits von Gut und Böse, bald des Lichts
Genießend, bald des Schattens, ganz nur Spiel,
Ganz See, ganz Mittag, ganz Zeit ohne Ziel.
Da, plötzlich, Freundin! wurde Eins zu Zwei –
– Und Zarathustra ging an mir vorbei …“

Friedrich Nietzsche: Die fröhliche Wissenschaft (1882)

Zahlreiche bekannte Persönlichkeiten waren als Gäste des Hotels Waldhaus in Sils (siehe dort sowie weiter unten). Weniger bekannt ist, dass Anne Frank 1935 und 1936 die Sommerferien mit ihrer wohlhabenden Pariser Tante Olga Spitzer in deren Anwesen unweit des Hotels verbrachte. Spät wurde auf private Initiative hin zur Erinnerung an sie vor der «Villa Spitzer» («Villa Laret») ein Denkmal errichtet.[13]

Der Maler Andrea Robbi stammte aus Sils und verbrachte einen grossen Teil seines Lebens in seinem Haus am Platz neben der Post. Der amerikanische Staatssekretär Fred Iklé wurde 1924 im Fextal geboren. Die Schriftstellerin, Journalistin und Fotografin Annemarie Schwarzenbach mietete ab 1934 das Haus Jäger in Sils Baselgia und starb dort 1942 nach einem Fahrradunfall. Der Agronom Andrea Sciuchetti wurde in Sils geboren, er war Direktor der Landwirtschaftliche Schule Plantahof in Chur und Präsident des Schweizerischen Braunviehzuchtverbands.[14]

Der Dirigent und Generalmusikdirektor Claudio Abbado wurde 2014 auf dem Friedhof in Fex-Crasta beigesetzt. Attilio Bivetti (* 1947 in Vicosoprano), war seit 1974 als Tierarzt im Oberengadin und Bergell tätig. Von 1994 bis 2008 war er Bürgermeister von Sils; er wirkte auch als Schriftsteller.[15]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Sils im Engadin/Segl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BFS Generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Höhen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021
  2. Generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Flächen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021
  3. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. November 2021
  4. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Ausländeranteil aufgrund Stand 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. November 2021
  5. Klimanormwerte Segl-Maria. Normperiode 1991–2020. (PDF) In: meteoschweiz.admin.ch. Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz, abgerufen am 10. April 2022.
  6. Ottavio Clavuot: Sils im Engadin/Segl. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 2011.
  7. Chesa Curtin (Foto) auf baukultur.gr.ch
  8. Nietzsche-Haus (Foto) auf baukultur.gr.ch
  9. Hotel Waldhaus (Foto) auf baukultur.gr.ch
  10. Nach einer Darstellung in der Geschichte der Bäckerei Hanselmann habe in den 1920er Jahren der Bäcker Gottlieb Müller in Sils Salz- oder Laugenbrezeln hergestellt, die auch Silserli genannt wurden. Müller war später für die Konditorei Hanselmanns Erben in St. Moritz tätig, siehe: 100 Jahre Hanselmann (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.hanselmann.ch, Geschichte der Bäckerei Hanselmann, St. Moritz, abgerufen am 23. September 2014.
  11. Markus Gasser: Von «Silserli» bis «Verhabni». Schnabelweid-Briefkasten, Schweizer Radio und Fernsehen, 1. November 2012, online
  12. Das Gedicht Sils Maria.
  13. Norman Ohler: Die Abgründe von Sils-Maria. In: Die Zeit. Nr. 52, 17. Dezember 2014, S. 19 (online 1. Januar 2015).
  14. Juri Auderset: Andrea Sciuchetti. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 28. November 2012, abgerufen am 6. Mai 2020.
  15. Attilio Bivetti (italienisch) auf viceversaletteratura.ch/author