Arnold Fanck

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Von links nach rechts: Ernst Sorge, Ernst Udet, Arnold Fanck und Gibson Gowland (1932)

Arnold Fanck (* 6. März 1889 in Frankenthal; † 28. September 1974 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Regisseur und Pionier des Berg-, Sport-, Ski- und Naturfilms.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arnold Fanck wurde 1889 in Frankenthal als Sohn des Zuckerindustriellen und Kommerzienrates Friedrich Fanck (1846–1906) und dessen Ehefrau Ida Paraquin (1858–1957) geboren, die aus einer Hugenottenfamilie stammte.[1] 1920 heiratete Arnold Fanck in Zürich Natalie Zaremba, eine frühere Kommilitonin. 1934 heiratete er die AAFA-Filmsekretärin Elisabeth Kind (* 1908), von der er 1957 geschieden wurde. 1972 heiratete er in Freiburg im Breisgau die Logopädin Ute Dietrich (* 1940).[2] Sein erster Sohn Arnold Ernst wurde 1919 unehelich geboren und demzufolge von ihm adoptiert, Hans-Joachim kam 1935.[3]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er studierte an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin Geologie und schrieb eine Dissertation über Fossilien der St. Galler Meeresmolasse. Die Arbeit entstand vor dem Ersten Weltkrieg. Da das Manuskript 1918 während der Novemberrevolution verloren gegangen war, reichte er die Arbeit in gekürzter Form an der Universität Zürich ein und wurde 1929 damit promoviert.[4]

Bereits vor dem Ersten Weltkrieg arbeitete Fanck als Skilehrer, drehte 1913 einen Dokumentarfilm über eine Besteigung des Monte Rosa und gilt seitdem als Pionier des Berg-, Sport-, Ski- und Naturfilms. Er gründete 1920 in Freiburg im Breisgau zusammen mit Odo Deodatus I. Tauern, Bernhard Villinger und Rolf Bauer die Berg- und Sport-Film G.m.b.H. Fest zu seinem Team gehörten mit Sepp Allgeier und Hans Schneeberger zwei weitere Kamerapioniere des Bergfilms, die später auch zum Team von Leni Riefenstahl zählten. Er arbeitete 1924 mit Luis Trenker in Der Berg des Schicksals und ab Der heilige Berg (1926) mit Leni Riefenstahl. International bekannt wurde Fanck mit dem Bergdrama Die weiße Hölle vom Piz Palü (1928), für das er Georg Wilhelm Pabst als Koregisseur engagierte, und vor allem mit Der weiße Rausch (1931). In einigen seiner Filme wirkte sein Neffe, der spätere Architekt Ernst Petersen, mit. Fanck drehte seine Filme fast ausschließlich an Originalschauplätzen, so 1932 SOS Eisberg, der vor Grönland spielt und auch dort gedreht wurde. Fanck hatte bei den Dreharbeiten seine Darsteller nicht geschont, um dramatische und glaubhafte Einstellungen zu erzielen.[5] In Die weiße Hölle vom Piz Palü ließ er eine Schneewand oberhalb der Darstellerin Leni Riefenstahl absprengen, um den Aufnahmen die erwünschte Dramatik zu verleihen.

Arnold Fanck mit seiner Sekretärin und Geliebten Elisabeth Kind 1933 in Grönland am Set des Kinofilms S.O.S. Eisberg. Beide heirateten 1934 in Berlin.

In der Zeit des Nationalsozialismus lehnte er zunächst die Zusammenarbeit mit dem Propagandaministerium ab. Zudem begann er 1933 mit den Arbeiten an seinem Film Der ewige Traum, der nicht nur von französischen Helden auf französischen Bergen erzählte, sondern über die Cine-Allianz mit Gregor Rabinowitsch auch einen jüdischen Produzenten hatte. Fanck geriet durch diesen Konflikt in ökonomische Schwierigkeiten, die er erst 1936 durch einen Auftrag des japanischen Kultusministeriums überwinden konnte. Mit Die Tochter des Samurai und weiteren „Kulturfilmen“ entschied sich Fanck zur Zusammenarbeit mit der faschistischen Propaganda. Bald darauf entstand mit Ein Robinson (1938/39) ein Propagandafilm für die Bavaria Filmkunst. Fanck trat im April 1940 in die NSDAP ein;[6] trotzdem wurden die Dokumentationen über das neue Berlin, den Atlantikwall, über die Bildhauer Arno Breker und Josef Thorak nicht mehr selbständig von ihm, sondern unter anderem von der Leni-Riefenstahl-Filmproduktion produziert; so hatte er seine letzten Filme unter der Verantwortung seiner ehemaligen Schülerin realisiert.

Seine Werke der NS-Zeit wurden nach dem Zweiten Weltkrieg von den Militärregierungen der Besatzungsmächte verboten, Fanck erhielt keine Aufträge mehr, verarmte und arbeitete als Waldarbeiter.

Mit der Vorführung seines Films Der ewige Traum auf dem Bergfilmfestival in Trient (1957) erlebte er nochmals eine Phase der künstlerischen Anerkennung, konnte aber nur durch den Verkauf der Rechte seiner Filme an einen Freund ökonomisch überleben, bis sich durch Fernsehaufführungen seine finanzielle Situation verbesserte.

Fanck starb 1974 nach langer Krankheit in einem Freiburger Krankenhaus.[7]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1954: Preis der Biennale Cortina für Der weiße Rausch
  • 1957: Große Goldmedaille beim Bergfilmfestival Trient
  • 1963: Golddukat für Pionierleistung im deutschen Film beim Filmfestival Mannheim[8]
  • 1964: Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film[9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arnold Fanck: Die bruchlose Deformation von Fossilien durch tektonischen Druck und ihr Einfluss auf die Bestimmung der Arten. Beobachtet und bearbeitet an den Pelecypoden der St. Galler Meeresmolasse. Zürich 1929 (Zürich, Univ., Diss., 1929).
  • Arnold Fanck: Er führte Regie mit Gletschern, Stürmen und Lawinen. Ein Filmpionier erzählt. Nymphenburger Verlagshandlung, München 1973, ISBN 3-485-01756-6.
  • Revisited: Der Fall Dr. Fanck. Die Entdeckung der Natur im deutschen Bergfilm (= Film und Kritik 1). Stroemfeld, Basel u. a. 1992, ISBN 3-87877-807-4.
  • Janine Hansen: Arnold Fancks „Die Tochter des Samurai“. Nationalsozialistische Propaganda und japanische Filmpolitik (= Iaponia Insula. Bd. 6). Harrassowitz, Wiesbaden 1997, ISBN 3-447-03973-6 (Zugleich: Berlin, Freie Univ., Magisterarbeit, 1996).
  • Hans-Joachim Bieber: „Die Tochter des Samurai“. Deutsch-japanische Filmproduktionen in der NS-Zeit. In: Dagmar Bussiek, Simona Göbel (Hrsg.): Kultur, Politik und Öffentlichkeit. Festschrift für Jens Flemming (= Kasseler Personalschriften. Bd. 7). Kassel University Press, Kassel 2009, ISBN 978-3-89958-688-6, S. 355–377.
  • Matthias Fanck: Arnold Fanck. Weisse Hölle – weisser Rausch. Bergfilme und Bergbilder 1909–1939. AS-Verlag, Zürich 2009, ISBN 978-3-909111-66-4.

Video[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Arnold Fanck.. In: Munzinger Online/Personen – Internationales biographisches Archiv, abgerufen am 4. Januar 2015.
  2. Arnold Fanck, auf: filmportal.de
  3. Renate Liessem-Breinlinger: Fanck, Arnold. In: Baden-Württembergische Biographien, Bd. 2. Kohlhammer, Stuttgart 1999, ISBN 978-3-17-014117-9, S. 121–123.
  4. Literaturnotiz: Arnold Fanck (PDF; 29 kB)
  5. S. König, H.-J. Panitz, M. Wachtler: 100 Jahre Bergfilm: Dramen, Trick und Abenteuer, Herbig Verlag, 2001 – hier G. Haarstark: Dramatische Berge – Die großen Filme von Arnold Fanck Absatz Vom Stummfilm zum Tonfilm S. 39–40.
  6. Vgl. das Schreiben des Bevollmächtigten der Bundesregierung vom 6. Oktober 1982. Dieser Hinweis findet sich in: Gunther Haarstark, Dramatische Berge. Der Filmregisseur Dr. Arnold Fanck, Frankfurt/M., Magisterarbeit, 1990.
  7. Eintrag „Fanck, Arnold“ in Munzinger Online/Personen – Internationales Biographisches Archiv, URL: http://www.munzinger.de/document/00000008715
  8. Hans-Joachim Bieber: SS und Samurai – Deutsch-japanische Kulturbeziehungen 1933–1945. Deutsches Institut für Japanstudien (Hrsg.). iudicium Verlag, München 2014. ISBN 978-3-86205-043-7, S. 1142.
  9. Arnold Fanck, auf: deutscher-filmpreis.de