Diskussion:Eugen Rosenstock-Huessy

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ERH im Tumult-Heft 1931/ 1932[Quelltext bearbeiten]

Nutzer "Unterbau" hat jeglichen Hinweis auf die schwierigen Äußerungen von ERH über das "Dritte Reich" gelöscht; zur Zeit stehen sie noch in der Versionsgeschichte. Ich möchte jeden Fan von ERH darauf hinweisen, dass bei der hohen Auflagenzahl des Buches von Alois Prinz über Hannah Arendt tagtäglich ungezählte Menschen seine beleidigende Aussage über ERH (Ausgabe 2002, S.81) zur Kenntnis nehmen. Sein Buch hat Übersetzungen ins Spanische, Italienische und Koreanische; und im Deutschen inzwischen eine 3. Auflage als günstige Sonderausgabe. Das Verschweigen der Problematik durch Weghauen der Passage, die überwiegend aus Original-Zitaten bestand und von mir eingestellt worden war, hilft gar nichts und schadet nur dem Ruf des Online-Lexikons, als wäre das eine Versammlung von Scheuklappen tragenden Anbetern. Auch wenn die Überlieferung des Safranski-Zitats bei Prinz eine heftige Vergröberung ist, die evtl. auf Georg Picht zurückgeht, gibt das kein Recht, die Zitate aus Tumult, die ich ja gerade dort bezogen habe, um dem Hörensagen auszuweichen, wegzuputzen. Wenn der betr. User meint, meine sehr vorsichtige Interpretation des Tumult sei falsch, kann er ja eine bessere liefern, oder am besten gleich einen speziellen Artikel darüber verfassen, Wiki hat noch viel Platz. Aber das Weghauen wird nur dazu dienen, dass die gedruckte Prinzsche Behauptung weiterhin große Kreise zieht. Dagegen kommt die ERH-Gesellschaft garantiert nicht an. --Eisbaer44 18:50, 29. Apr. 2007 (CEST)

Eugen Rosenstock, "Tumult", Nationalsozialismus[Quelltext bearbeiten]

Lieber Eisbär

Das wäre nun doch schade, wenn Rosenstock zu einem Rosenkrieg Anlaß böte ... Aber zugegeben: das "Wegputzen" ohne gleichzeitigem Hinputzen war etwas energisch von mir. Und doch in der Sache nicht unberechtigt. - Aber bevor ich weiterschreibe, geb ich den besagten Abschnitt auf dieser Diskussionsseite wieder. So kann jeder auch das Nachfolgende besser einschätzen und mitvollziehen. Also:

Seit dem Hinweis ER-H zum Beispiel erklärt in einem Vortrag, die nationalsozialistische Revolution sei der Versuch der Deutschen, Hölderlins Traum zu verwirklichen. in der weitverbreiteten Arendt-Biographie von Alois Prinz wurde das Interesse auf R-H.s Stellung zum NS gelenkt. Einerseits floh er so früh wie möglich; andererseits diese Angabe? Tatsächlich findet sich im Hochland von 1931 unter Pseudonym der Aufsatz Das 3. Reich und die Sturmvögel des Nationalsozialismus mit dem Schlußsatz Wir glauben, daß Hölderlin und Goethe auf ihre Deutschen warten und daß ein Drittes Reich nicht der Deutschen, aber der Völkerwelt den Deutschen die Aufgabe zuweist, das Volk der seelischen Ausrüstung in der Völkerwelt, die der Weltkrieg gesetzt hat, zu bleiben und zu werden. Im Zusammenhang des Aufsatzes ergibt sich, dass ERH den 1. Weltkrieg begrüßt, weil der die Ideen von 1789 zerschlagen habe, und dass der NS die Aufgabe hat, den Schutt wegzuräumen, die Nazis sind Teilstoß eines Nachkriegsaufbruchs unseres Volkes, wir glauben an den Sinn, den solch ein eiserner Besen erfüllt. Das aber sei nicht der Deutschen eigentliche Aufgabe; vielmehr müsse es ein Europa geben, das Wort fällt nicht (sondern Völkerwelt, ein christliches Drittes Reich), in dem die Deutschen die geistigen Führer bilden (mit ihren genannten Denkern).

Soweit dieser Absatz, wie er im Artikel stand. Eugen Rosenstock-Huessy, seit 1919 ein Mahner vor "Wilhelm dem III", den zu wählen es sich "meine Deutschen nicht nehmen lassen werden" (ich zitiere aus dem Gedächtnis), wurde durch diese og. Ausführungen selber in die Nähe des Nationalsozialismus gerückt. Das kann durch Einzelzitate aus der Sekundärliteratur geschehen, die ihrerseits aus einer Veröffentlichung stammen, die den historischen Rahmen jener Jahre nicht aufschlüsselt; ich rede von der TUMULT-Ausgabe. Zum Beispiel meint Rosenstock, wenn er damals - 1931! - vom Dritten Reich sprach, nicht das bald anhebende der Nazis, sondern er sprach, soweit ich sehe, metaphorisch von einer dritten Form von Kirche (nach der römischen und der protestantischen).

Dr. Eckart Wilkens, der jetzige Vorsitzende dieser Gesellschaft, hat es sich nicht nehmen lassen, in einer längeren Replik auf dieses Thema einzugehen. Ich werde sie so bald wie möglich hier anfügen.

Unterbau, 14. Mai 2007

1. Die Behauptung des Alois Prinz, die ja auf andere Leute aus den 70er Jahren zurückgeht, zieht weiter Kreise. Der Adressat einer Richtungstellung sollte v.a. dieser Autor sein.
2. Es hängt alles daran, wie man den Begriff "Teilstoß" versteht. Zusammen mit "Sturmvögel" aus der Überschrift verstehe ich das so und hab es so geschrieben, dass ERH die Nazis als Schuttabräumer, Vorboten, wie die Sturmvögel vorm eigentlichen Sturm, verstand. Also negativ, aber notwendig, einer muss den Dreck ja wegmachen. Meine Ausführungen bezogen sich ausschl. auf den Tumult-Aufsatz, warum auch nicht? Jeder Autor muss sich auf Veröffentlichtes festnageln lassen, er kann es ja später widerrufen. Das wird ihm jeder Verständige zubilligen (sonst gäbe es ja keinen Fortschritt im Denken). Aber es bleibt weiter das Problem, dass Übelwollende solch ein Funktion (die Nazis als "Aufräumer") als Beispiel für irregeleitete Intellektuelle Anfang der 30er anführen (ich gehöre nicht zu den Übelwollenden). Von heute her versteht ja kaum einer, dass die Nazis am Anfang solche Begeisterung zu wecken vermochten; der heutige Mensch sieht sie mit Recht von Auschwitz her. Damit kommen wir aber nicht weiter. Künftige Figuren dieser Art werden sich ebenfalls zunächst als "Aufräumer" andienen, ohne gleich einen Krieg anzukündigen; das kommt dann später. Bitte beachten, dass Nachwuchskader Andreas Molau bereits schwer mit "Dritter Reich"-Symbolik (sein Rosenberg-Buch!) an einem gewalthaltigen Bündnis zwischen Neonazis und Islamisten arbeitet.
3. Dass ERH den "Deutschen" eine besondere Rolle der geistigen Führung in der künftigen Weltgemeinschaft zuspricht, halte ich persönlich einfach für komisch, aber nicht weiter für schlimm. Es gibt einen Haufen Denker, die mir selbst wichtiger sind als Goethe und Hölderlin. Was zum Beispiel politisches Denken angeht, halte ich die amerikanischen Gründerväter für entschieden interessanter, um sich Gedanken über das Machtstreben von Individuen (nicht nur Hitler u.ä.), über das Böse in der Politik und seine Eindämmung zu machen. Aber das ist eine reine Geschmacksfrage; wer will, kann bei ERH fündig werden, oder bei sonst wem. Darüber zu befinden, das ist nicht die Aufgabe eines Lexikons.--Eisbaer44 22:22, 14. Mai 2007 (CEST)
Das Missverständnis rührt auch daher, wie ERH den Begriff „Drittes Reich“ auffasste (und damit den Nazis wegnehmen wollte), nämlich im Sinn Joachims von Fiore im frühen Mittelalter, worin ERH gut beschlagen war. -- €pa 13:25, 19. Sep. 2007 (CEST)

Eugen Rosenstock-Huessy und der Nationalsozialismus, dargestellt entlang des Heftes "Tumult 20"[Quelltext bearbeiten]

Eugen Rosenstock-Huessy Gesellschaft e.V.[Quelltext bearbeiten]

Vorstand/board/bestuur: Eckart Wilkens (Vorsitzender); Wilmy Verhage; Andreas Schreck; Jürgen Müller, Lothar Mack

Antwortadresse Dr. Eckart Wilkens: Everhardstraße 77, 50823 Köln, Deutschland Tel: 0(049) 221 511265, e-mail: eckart.wilkens@koeln.de

Lieber Eisbär44,

es ist zwar so, daß der Deckname Eisbär44 zum Spielen aufruft, man vergißt dann leicht, daß die Eisbären gefährliche Raubtiere sind und daß das Jahr 1944 den 20. Juli 1944 beherbergt, außer einer erstaunlichen Reihe von Geburtstagen, nämlich 364. Ich will sagen: der gegebene, verheißungsvolle Name, den Sie tragen, würde anderes hervorrufen, als was nun hervorkommt.

Anlaß ist: Sie haben in Wikipedia in den Artikel Eugen Rosenstock-Huessy einen Absatz eingefügt, der aus den beiden, unter dem Decknamen Ludwig Stahl im Hochland 1931 und 1932 erschienenen Stücken Eugen Rosenstock-Huessys geschöpft ist: Das Dritte Reich und die Sturmvögel des Nationalsozialismus und Judas Ischarioth und die preußischen Konservativen.

Ich vermute, daß Sie von diesen beiden Stücken durch den Tumult Nr. 20, erschienen 1995 bei Turia+Kant in Wien, herausgegeben von Frank Böckelmann, Dietmar Kamper und Walter Seitter unter der Redaktion von Helmut Kohlenberger, Wilfried Gärtner und Michael Gormann-Thelen, Kenntnis hatten. Sechs Namen stehen dafür ein, daß Rosenstock-Huessy als Zeitgenosse vorgestellt wird, wie das Vorwort ankündigt.

Der von Ihnen eingerückte Absatz – daß Sie ihn eingerückt haben, ergab die Internet-Recherche – kam bei der diesjährigen Tagung der Rosenstock-Huessy Gesellschaft in Würzburg zur Sprache, weil er das Gehör in eine Richtung lenkt, die mit dem, was Eugen Rosenstock-Huessy mit Leben, Lehre und Wirken bewährt hat, nicht übereinstimmt. Nämlich als ob er, wie viele andere Intellektuelle und zur Geisteswaltung im Deutschen Reich Bestellte, dem Nationalsozialismus seine Gefährlichkeit nicht angesehen und in einer an die Begeisterung zu Beginn des Ersten Weltkriegs gemahnenden Zustimmung zunächst keine Einwände gehabt hätte.

Diese Gehörslage hat etwas Unheimliches, so wie die beiden Stücke, denen sie sich nähert, auch. Nur liegt das Unheimliche jeweils umgekehrt.

I

Ich möchte versuchen, dieses Unheimliche von beiden Seiten aus zu beleuchten.

Von diesseits

So sicher müssen sich die Herausgeber der Tumult-Nr. gefühlt haben, daß man doch weiß, wie Eugen Rosenstock-Huessy gegen die Nazis war, daß sie es keiner Mühe wert fanden, wenigstens einen Hinweis auf das 1931 erschienene Buch Die Europäischen Revolutionen zu geben. Dieser Hinweis hätte nämlich erschlossen, mit welchem Blick auf die Geschichte des Zweiten Jahrtausends Rosenstock-Huessy sah, auf wie genauem Studium der Quellen und Stimmen in der Geschichte seine Sachen beruhen – und wie die beiden im Hochland erschienenen Aufsätze sozusagen mit letzter, beschwörender Kraft zur Besinnung riefen.

Das Tumult-Heft Nr. 20 ist vielleicht von rückwärts gelesen erhellender:

1 die tabellarische, aber doch recht ausführliche Biographie von Lise van der Molen mit vier Bildern Rosenstock-Huessys aus den 40er und 50er Jahren, für 1931 und 1932 steht da der Eintrag: 1931 Die Europäischen Revolutionen – Volkscharaktere und Staatenbildung – und schon rückt für einen Leser von diesseits des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit die Gänsehaut bei dem Namen Volkscharaktere auf, als hätte das mit den rassischen Vorstellungen etwas gemein. … Und der Charakter der Nationen hieß es deswegen ja auch bei der Neuauflage 1951. Aber sprechender noch ist ja der amerikanische Titel: Der Revolutionen entsprungen – Autobiographie des abendländischen Menschen.

2 Catherina Zakravsky, 1965 geboren, macht etwas mit dem bei Rosenstock-Huessy Gelesenen, sie ist wirklich eine Hörerin, die sich mit dem Weitersagen abgibt, indem sie eigene geistige Erfahrungen in Amerika hinzutut.

3 Reinhold Knoll gelingt dies schon weniger deutlich, seine drei Seiten enthalten etliche Fehler (z. B. daß die Autobiographie 1981 erschienen sein soll – was meint er da?) und bleibt eigentlich dunkel bis auf zwei Momente: Abschied und Handschlag zwischen Rosenstock-Huessy und Helmuth James von Moltke, fußend auf Erzählung von Freya von Moltke, und den Satz: Es liegt auf der Hand, daß gerade mit der „Wende“ die mangelhafte deutsche Vorbereitung auf Deutschland und zugleich auf Mittel- und Osteuropa deutlich wurde. Dieser Satz gibt vielleicht eine Vorstellung davon, was die Herausgeber des ganzen Heftes trieb.

4 Gerhart Bartning versucht das Weitersagen Rosenstock-Huessys, indem er den Verkehrsgedanken zum Ausgangspunkt macht. Ach interessant, denkt man, da ist einmal von D-Zug, ICE und TGV die Rede, das ist nah am Puls. Die Unklarheit, die leicht anzutreffen ist, wenn die Lehre Rosenstock-Huessys nicht lange genug den Teig durchsäuert hat (wenn ich mir diese Kritik erlauben darf), kommt in der Klammer zum Ausdruck: wobei ich die „metasprachliche“ Ebene der Einfachheit halber übergehe – was doch den Eindruck macht, man hätte es mit dem Jonglieren von alchimistischen Ebenen zu tun, wie Faust am Anfang der Tragödie.

5 Gilbert Weiss beschwört - und entkommt aber dem Raunen nicht: Gemeinsam mit Eugen Rosenstock-Huessy gilt es, der (Re-)Konstruktionslogik, die die soziale Wirklichkeit ausschließlich in territoriale Größen (Subjekte und Objekte) einpaßt, mit aller Vehemenz entgegenzutreten. Dem „piktogrammatischen“ Raumdenken der akademischen Soziologie ist eine „Wissenschaft vom Zeitlichen Menschen“ entgegenzusetzen; der territorialen Einfügung des Anderen als Alter Ego in den Machtbereich eines sprechenden Subjekts ist die nicht-räumliche Exteriorität eines zeitlich differenten Anderen entgegenzusetzen. Diese Art von Forderung hat keinerlei imperativen, also aufrufenden Charakter mehr. Man kann es – so denkt man als Nicht-Eingeweihter (Tumult gibt auch keine Auskunft über die Verfasser der Beiträge) – auch gleich lassen. Ist das Adorno-Erbe?

6 Wolfgang Ullmann breitet ein Feld von Feldern aus, in denen das Gelesen- und Verstanden-Haben wichtiger Werke Rosenstock-Huessys blüht. Die Übersetzung des Titels: Ama quia durissimum mit: Liebe, weil es am härtesten ist! als Deutung des Gebotes der Feindesliebe gibt vielleicht nicht wieder, worauf es doch ankommt: Liebe gerade das, was Dir den härtesten Widerstand entgegensetzt. Und solche Liebe fordert Rosenstock-Huessy dem Leser des öfteren ab. Das Alter der Kirche und Des Christen Zukunft, die beiden am deutlichsten als christliche Werke erkennbaren Bücher Rosenstock-Huessys, werden bei dem Leser des Beitrags eher als bekannt vorausgesetzt als eröffnet. Immerhin verbindet er die beiden Bücher mit den Daten 1927 und 1945 (auf deutsch 1955) so miteinander, als wäre die Barriere 1933-1945 nicht da.

Nach dieser Vorbereitung – aber eben, wenn man rückwärts liest – die drei Stücke von Eugen Rosenstock-Huessy aus der Zeit kurz vor Hitlers Usurpation der Staatsgewalt.


7 Eugen Rosenstock-Huessy, Kriegsherr und Rechtsgemeinschaft Breslauer Universitätsrede, gehalten zur Verfassungsfeier der Friedrich-Wilhelms-Universität und der Technischen Hochschule am 23. Juli 1932.

Die in den Anmerkungen Genannten geben Aufschluß über das Feld, in dem er sich bewegt: Otto Gierke, Ulrich Stutz, Paul Laband, Johannes Althisius, Carl Joachim Friedrich, der Brockhaus 1821, Generaloberst von Seeckt, C. L. von Haller, Walter Schönfeld, Emil Lederer, Ferdinand Tönnies, Henricus Bocer, Carl Schmitt, W. Erben, Grimmsches Wörterbuch, Lüders, Brunner, Migne, A. Brackmann, E. Rádl, A. Cartellierei, Iustus Möser, August Naegle, Peter Rassow, Otto Hintze, J. S. Stryk, Landsberg, Martin Buber, J. P. v. Ludewig, Friedrich Meinecke, K. Schwartz, Hans Rothfels, General Lyautey, Franz Grillparzer, E. Günter Gründel, Bernatzik, J. Seipel, Hugo Wintgens, Guttmann, Max Hildeberth Boehm, Erich Keyser, Reichsarbeitsminister Schaeffer, Dr. Heinrich Brüning, Werner Picht.

Welch tiefer Ernst kommt in den Sätzen zum Ausdruck: Ein langes Leben vieler Jahrzehnte wird dazugehören, die Verwirrung und die leichtfertige Bürgerkriegsstimmung, die Sie heut um sich und in sich vorfinden, siegreich zu bekämpfen. Erst damit tritt leuchtend die tiefste Lehre hervor, die das Kriegsheer der Gemeinschaft des Friedens mitzuteilen hat. Haß wird heut als abstraktes, als geistiges und papierenes Gewächs gezüchtet und empfohlen. Wohlan, man wirft der Hochschule oft vor, daß ihr Geist ein abstrakter und papierener sei. Aber eines hat sie mit dem Kriegsheer gemein: Der Haß hat in ihr keine Stätte, es sei denn gegen die Lüge, gegen die Prahlerei und gegen die Verleumdung: Der Krieger und der Kommilitone hassen nicht. Und daran wird kenntlich, daß der Geist, den Hochschule und Heer zu verkörpern suchen, nicht papieren und nicht abstrakt ist, nicht Literatur oder Ideologie. Es ist der Geist, der aus der Wirklichkeit zu lernen weiß, der gehorsam ist den Tatsachen, sogar den Tatsachen, die sich am schwersten lernen lassen, wie dem ruhmvollen Verluste eines Krieges gegen die ganze Welt. Dieser Geist muß ausgehen von den Ereignissen, damit ein Volk weiterlebt und nicht stirbt am Ungehorsam gegen die Wirklichkeit.

Wie Rosenstock-Huessy die Aussichten beurteilt, daß dieser Geist auch wirksam wird, kommt in dem Wort am Schluß heraus: Möchten Sie Ihre Kräfte zusammenhalten, damit Sie dereinst als Männer von sich sagen können: Wir haben einen Wall phrasenloser Selbstüberwindung gegen den Bürgerkrieg errichtet. Wir haben durch diese Selbstzucht den gesamten Raum, den Deutschlands Heere im Weltkrieg vor der Verwüstung gerettet haben, für den Wirtschaftskrieg wehrfähig gemacht. Wir haben den Frieden erhalten, weil wir in uns zum Frieden gekommen sind.

Und ja, wo sind die Männer vom 23. Juli 1932, die dann das von sich sagen konnten, außer denen im Widerstand gegen Hitler? Ist nicht vielmehr das Bild, das sich die Leser von ihren Erfahrungen machen müssen, durch die Sätze geprägt:

Die Männer sind der phrasenhaften Selbstüberschätzung erlegen gewesen.

Die Unzucht der Nazis hat den gesamten, im Ersten Weltkrieg durch die Heere geretteten Raum verwüstet.

Der Erste Weltkrieg hat in den Herzen so weitergewütet, daß der Zweite noch lange nicht zum Frieden führt.

Es folgt dann der erste der unter dem Namen Ludwig Stahl veröffentlichten Aufsätze im Hochland:

8 Eugen Rosenstock-Huessy, Judas Ischarioth und die preußischen Konservativen, Zum Auftreten der politischen Diabolik, erschienen im Hochland 29, April 1932 unter dem Pseudonym Ludwig Stahl

Die zahlreichen Aufsätze, die von Eugen Rosenstock-Huessy in Zeitschriften erschienen sind, begeben sich immer in ein währendes Gespräch hinein. Sie werden von einem Vorverständnis der Leser mitgeprägt. Dieses Vorverständnis ist aber vergänglich.

Deshalb bedarf es bei dem Aufsatz Judas Ischarioth und die preußischen Konservativen der Erläuterung, auf welches Ereignis hin er denn geschrieben wurde. Was den Namen des Verrats im Gleichnis mit Judas Ischarioth denn verdiente – und die Leser der Aprilnummer 1932 des Hochland, das konnte vorausgesetzt werden, wußten davon.

Der Verrat bestand darin, daß die preußischen Konservativen und mit ihnen die ganze Rechte des Reichstags Duesterberg vom Stahlhelm und Hitler von der NSDAP als Gegenkandidaten zu Paul von Hindenburg aufgestellt hatten. Die Erklärung Hindenburgs zu seiner Wiederwahl war vom 1. März 1932, die erste Wahl war am 13. März 1932 – und Hindenburg erhielt nicht die erforderliche Mehrheit der Stimmen. Am 10. April 1932 war die zweite Wahl, wo Hindenburg, weil Duesterberg auf die Kandidatur verzichtete, die knappe Mehrheit allerdings bekam.

Der Aufsatz Eugen Rosenstock-Huessys alias Ludwig Stahl ist – so scheint mir - zwischen beiden Wahlen geschrieben. Er nimmt auf das Februarheft des Hochland Bezug. Die Wahl im April steht noch an. Der Aufsatz ist wohl im März geschrieben.

Die Verknüpfung von Tagesereignissen mit großen Zusammenhängen ist der Sinn des Aufsatzes.

Ich möchte in wenigen Sätzen zusammenfassen, was der Konservative den preußischen Konservativen hier sagt:

1 Die geschichtliche Stunde, die durch die bolschewistische Revolution angesagt ist und die als Symbolfigur den Verräter Judas Ischarioth emporgehoben hat, zwingt nun auch die entferntest geglaubte Gruppe zum Verrat. Die preußischen Konservativen verraten ihre Treue zu der Gestalt, die von ihrer Seite das demütige Annehmen der Geschichtsstunde des 9. November 1918 verkörpert hat, den Generalsfeldmarschall des Ersten Weltkriegs Paul von Hindenburg.

2 Ob sie es wollen oder nicht akzeptieren, sie damit die geschichtliche Stunde des 9. November 1918, wo Gott von dem Treueverhältnis zu dem Kaiser entbunden hat: Der konservative Preuße, von einem König in einen Reichskrieg geführt, sah sich – wie Hindenburg – zum Leben begnadigt und zum Weiterleben verpflichtet, trotz des Sturzes der Monarchie. Er gehorchte und ging an die Arbeit.

Man geht nicht fehl, in diesem Satz ausgesagt zu finden, was Eugen Rosenstock-Huessy selber getan hat.

3 Das Verfehlen der Gotteszeit ist möglich, kostet aber furchtbare Opfer. Man sagt Hindenburg und meint den eigenen, im Innern geheim vollzogenen „Verrat“ von 1918. Daß nämlich 1918 niemand mehr einen Blutstropfen vergießen wollte: Wie hätten jene Matrosen denn etwas ausrichten können, wenn wir uns hätten totschlagen lassen. Und zu der Strafe sagt er: Wer sich nicht zu der Vergänglichkeit des Irdischen, zu den Gerichten Gottes, zu dem eigenen Weiterleben, Neuwerden, Geläutertwerden bekennt, der wird nicht etwa vom Schicksal verschont, sondern umso scheußlicher und widersinniger gestaltet sich sein Schicksalsweg. Er muß, was er als Erleiden verabscheut, zur Strafe als eigene Tat, nur unter anderem Namen, doch tun!

4 1932 wirkt noch der Glaube daran, daß die Weltkriegsrevolution dazu bestimmt ist, auch die Hölle in das Leben einzubauen: Daß die Hölle in das Leben eingebaut ist als Sporn des Lebens, daß die Teufel auch Gott dienen müssen, daß nichts unerlöst bleiben soll im Weltalter Christi, auch die Sünde selber nicht, ist ebenso sehr Inhalt wie Rätsel des christlichen Glaubens. Mehr denn je bestand die Gefahr, daß dieser Glaube blutlos, Verstandessache, Gedankenbild werden könnte in einer angeblich restlos „aufgeklärten“ mechanisierten Welt. Daß heut die „Masse“ zum Träger aller Teufeleien des menschlichen Herzens gestempelt wird, gewinnt da für die Wiedereinpflanzung des Glaubens in die wirkliche Welt eine ungeahnte Bedeutung. Wie, wenn aus dem zügellosen Treiben des Bösen hier eine Art öffentliches Amt des Bösen sich entwickelte, eine Einschaltung des Bösen in das Leben, um ihm den Sporn zu erhalten?

5 Eugen Rosenstock-Huessy selber ist von Haß frei (was ihm nachträglich nicht geglaubt werden mag, angesichts all des Hassenswerten). Das ist ein Zug, den Universitätslehre und Kriegsheer miteinander teilen (s.o. die Breslauer Rede).

6 Wie reichhaltig (und unwiederbringlich in dieser Fülle als ansprechbarer Kosmos dahin) das Ins-Gewissen-reden Rosenstock-Huessys instrumentiert ist, möge auch hier die Namensliste der auf den 16 Seiten Genannten belegen: Karl Thieme, Beaumarchais, Aretino, Brecht, Dschingiskhan, Hindenburg, Friedrich Julius Stahl, Hengstenberg, Shelley, Byron, Mohammed, Huß, Luther, Paulus, Ziska, Fontane, Jesus, Marx, Moritz Heß, Richard Wagner, Ferdinand Lassalle, Bismarck, Napoleon, Faust, Mussolini, Gerd von Bassewitz, Kallinikow, Judas, Sigmund Freud, Romano Guardini, Nikolaus von Kues, Kaiphas, Gamaliel, Pontius Pilatus, das Judaslied vom Gründonnerstag, die Bolschewiki, der Trommler Hitler, Hugenberg, Johanna von Orleans, Gerlach, von Wedel-Piesdorf, Meyer-Arnswalde, York, Königin Luise, der Alte Fritz, die Jakobiner, Otto Braun, Duesterberg, Brüning, der Januschauer Oldenburg, Herr Klagges, die Hohenzollern, Wilhelm II., Scheidemann, der Stahlhelm, General von Schoch, Friedrich Ebert, der Prinz Max, Gröner, Cäsar.

7 Die Forderung, die Rosenstock-Huessy – unter dem Namen Ludwig Stahl – erhebt, ist der ausdrückliche Abschied von der Position Friedrich Julius Stahls: Der Christ muß einsehen, daß der Staat des Charakters der Heiligkeit und Göttlichkeit entkleidet werden muß, sollen die Hunderte von Völkern auf der Erdoberfläche eine Form geordneter Existenz finden. Nur als nüchternes, irdisches Instrument der Gerechtigkeit und der Notdurft kann der Staat so beweglich werden, wie er heut werden muß. Deshalb müssen ihn sogar die Staatsgötzendiener sich heut als „System“ entheiligen.

Vor diesem Aufsatz steht im Tumult Nr. 20 dann der andere unter dem Pseudonym Ludwig Stahl im Hochland 28 (Juni 1931) veröffentlichte Aufsatz:

9 Eugen Rosenstock-Huessy alias Ludwig Stahl, Das Dritte Reich oder: Die Sturmvögel des Nationalsozialismus

Es ist noch ein Jahr früher, der Spielraum im Umgang mit der drohenden Gefahr der Nationalsozialisten ist noch etwas größer. Das ist aber für die Nachkommenden, die die Ungeheuerlichkeiten der Hitler-Zeit als Barriere nach rückwärts vor sich haben, kaum nachvollziehbar. Es fordert ja, vordenklich zu sein in dem, was uns unvordenklich geworden ist. So sehr sind uns – um es mit einem anderen Titel Rosenstock-Huessys zu sagen – Hören und Sehen vergangen. Deshalb geht es bei diesem Aufsatz noch weniger an, ihn ohne Erklärung wieder abzudrucken. Die Gehörslage ist fast nicht wiederherzustellen.

Ich folge dabei der Gliederung des Aufsatzes.

Titel: Das Dritte Reich und die Sturmvögel des Nationalsozialismus

Es ist fast unmöglich, einem Leser nach 1945 klar werden zu lassen, daß 1931 eine Überschrift „Das Dritte Reich“ nicht das schon nannte, was dann von 1933 bis 1945 daraus wurde. Liest man den Titel also jetzt, dann wird gar kein Unterschied zwischen dem ersten und zweiten Teil des Titels gemacht. Und auf den kommt es gerade an. Das wird ja auch im 8. Abschnitt erläutert: Man hat ein Wort der Theologie in die weltlich-staatliche Vorstellungswelt übernommen. Das Dritte Reich folgt in der Kirche als johanneisches Reich auf die Formen der Petruskirche und der Paulusmission. …Das „Dritte Reich“ gehört also zu den vielen säkularisierten Begriffen der Theologie, deren Entlarvung sich besonders der Staatsrechtsleher Carl Schmitt angelegen sein läßt. Wie schrumpft gegen das Urbild die weltliche Übersetzung zusammen. Das Dritte Reich verkürzt und verengt auf ein halbes Dutzend einzelne Reiche die Lehre vom Reich Gottes. Es verquickt die Erinnerung an das Heilige Römische Reich und die Gottesreichshoffnung der Protestanten mit der bodenständig italischen Hoffnung auf ein neues weltliches Italien nach dem jahrtausendlangen Dienst als Kirchenland.

Und nun erst: wie erbärmlich die zwölf Jahre: … der deutsche Fascio – soweit er Faschismus ist, also Imitation – gehört zu den vielen Demütigungen, die wir seit 1918 hinnehmen müssen.

Anfang: Der Nationalsozialismus hat seinen Geburtsschein von 1919. Mit diesem Geburtsschein legitimiert er sich.

Das klingt schon als Tatsache, als ob der Schreiber die Geburt gutheißt. Aber tatsächlich ist die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiter-Partei im Januar 1919 von A. Drexler in München gegründet worden.

Es folgt dann eine Betrachtung, welche Rolle die Frauen bei der Wahl haben: sie wählen nicht einfach in dem Gegensatz von Vätern und Söhnen, also Weltkriegsteilnehmern und Jugendbewegung.

1. Deklassiertes Bürgertum

Aber der Nationalsozialismus vereinfacht sich die Lage, er teilt das Volk ein in ältere Parteien und junge Partei, die sie selber sind. Aber der deklassierte Mittelstand hat keine materiellen Grundlagen mehr für sein bisheriges liberal nationales Weltbild. Die Deklassierung entspringt dem Fabriksystem. Ein geistiges Proletariat gibt es in Deutschland als selbständige Großmacht erst seit der Demobilmachung 1918.

2. Die Juden

Das geistige Proletariat ist antisemitisch und leicht zum Haß zu verleiten. Im Hassen verraten die Hakenkreuzler, daß sie proletarisiert sind. Sie schämen sich ihres Hasses eben nicht mehr – wie die Einzelnen. Aber dieser deklassierte Mittelstand und die deklassierte Intelligenz braucht Bündnisse, um auf die Nation als Ganzes Anspräche erheben zu können.

3. Das Heer

Erste Bündnismöglichkeit. Die Sturmabteilungen ermöglichen das Soldatenspielen. …Gewisse Deutsche gebärden sich um so kriegerischer, je größer ihr Verband wird. Aber die Gruppe der Hauptleute und Subalternoffiziere wurde von Hitler und Goebbels neuerdings sogar ausgebootet. Man sieht hier: die über den Zweiten Weltkrieg hin erhaltene Meinung, Wehrmacht und Partei hätten nicht gemeinsame Sache gemacht, rührt daher.

4. Die Alldeutschen

Zweite Bündnismöglichkeit. Die Großmachtträume des 19. Jahrhunderts, wie sie Fichte, Lagarde, Treitschke, Gobineau, Chamberlain, Richard Wagner usw. geträumt haben. Man träumt: Der Weltkrieg hat nicht stattgefunden. Das Deutschland Bismarcks und das Österreich-Ungarn Andrassys sind eigentlich noch da. Eigentlich stehen dem Nationalsozialismus noch ihre Machtmittel zur Verfügung. Und das nennt Rosenstock-Huessy dann die flachste, die Hitlersche Färbung des Nationalsozialismus. Sie restauriert kulturell das 19. Jahrhundert, Bayreuth, Lagarde, Fichte. Das ist aber die Variante geworden, die obsiegt hat.

5. Volkstum

Dritte Bündnismöglichkeit. Als Namen leuchten hier Grünewald, Paracelsus, Hölderlin. Das Bündnis 3 realisiert die Kriegserlebnisse in dem besonderen Sinne, daß die Erschöpfung aller neuzeitlichen Ideen zugestanden wird. … Von hier schreibt sich die Sehnsucht nach den tieferen Quellen. Denn damit ist jeder politische Aktivismus gerichtet. Aber dieses Bündnis ist für die Bewegung der Nationalsozialisten die politische Klippe: Denn dieser Rückgriff vor die Reformation kann nur gelingen, wenn die Bewegung ein volles Menschenalter ohne politische Macht bleibt. Das ist das Wissen, das Rosenstock-Huessy selber bestimmt hat. Denn Grünewald, Paracelsus und Hölderlin haben ihn zu seinen wichtigen Entdeckungen gerufen: Grünewald als Zeuge der Verschiebung von Malerei zu Musik im deutschen Staat nach der Reformation und damit zu der Erkenntnis all solcher Verschiebungen während des Jahrtausends, das er von den Revolutionen bestimmt sieht; Paracelsus mit den Sphären des Gesunden, die er später in Heilkraft und Wahrheit dargestellt hat; Hölderlin mit der Erfahrung der Zeitlichkeit und der Unsichtbarkeit alles Ursprünglichen. Rosenstock-Huessy ist ohne politische Macht geblieben.

6. Proletariat

Vierte Bündnismöglichkeit. Aber die Nationalsozialisten drücken sich um die wahre Tragweite der wirtschaftlichen Fragen, so wie sie sich um die wahre Tragweite des Weltkriegs drücken. Sie handeln als Volksmänner, nicht als Staatsmänner. Aber Rosenstock-Huessy begegnet hier einem neuen Umstand: der Vergeßlichkeit der Massen, die jede Lächerlichkeit sofort wieder vergessen macht. Niemand von uns weiß, ob Gott nicht sein Gesicht von uns wenden will und ob nicht die Augen der Massen in Europa „gehalten“ sind, wie die Bibel sagt, weil sie ihr wahres Schicksal nicht zu ertragen vermögen. Rosenstock-Huessy sagt dann: Wir glauben nicht an diesen Untergang. Aber ich gestehe, daß er durch die Belieferung unseres Landes mit Faschismus nahegelegt wird. Und das ist – 1931 – die Stelle, an der sich die Wahrnehmung von hinterher, von nach dem Zweiten Weltkrieg, zurechtfindet. Dieser Untergang ist gekommen.

7. Fascio

Fünfte Bündnismöglichkeit. Bei uns hat dieses Gedankengut sein Werk getan im 19. Jahrhundert. Es hat Deutschland befähigt, den Ideen von 1789 gegenüber sich zu behaupten. Hier ist der Fingerzeig wieder, warum das Bündnis mit Mussolini sich mit der Hitlerschen Färbung des Nationalsozialismus vertrug: Rückverweis zu den Großmachtsträumen des 19. Jahrhunderts. … Trommeln muß man auf der Straße. Regieren aber muß man von sehr weit her und auf sehr weit hin. Und dann das Urteil: Diesen Mut hat der Nationalsozialismus nicht. Er steht immer dicht vor dem Endsieg. Es ist unheimlich, daß das Wort vom Endsieg die Gefühls- und Empfindungslage des Zweiten Weltkriegs wirklich bestimmt hat.

8. Das Dritte Reich

Darauf bin ich schon vorher eingegangen. Der Abschnitt zeigt, daß auch der Name Das Dritte Reich für das Nazi-Reich Namensmißbrauch war, ein Verstoß gegen das dritte Gebot. Carl Schmitt hat daran kräftig mitgewirkt.

9. Der Gewerkschaftsstaat

Sechste Bündnismöglichkeit. Der Nationalsozialismus ist antigewerkschaftlich. Er ist es, weil, dank den Gewerkschaften, der Staat glanzlos und nüchtern als Staatsapparat dasteht. Aber dann kommt eine wichtige Beobachtung: Der Nationalsozialismus zersetzt den Respekt vor dem Staat überhaupt. Er baut durch den Lärm seiner volkstümlichen Beredsamkeit den Glauben an den Staat in den Herzen seiner Anhänger ab, weil seine Anhänger diesen Abbau am nötigsten haben. Das ist eine echt sozialistische Funktion des Nationalsozialismus. Der Staat wird desillusioniert. Mit dieser Haltung habe ich noch weit in die siebziger Jahre hinein an der Volkshochschule zu tun gehabt.

10. Front gegen Osten

Der Irrtum des Nationalsozialismus ist, daß er vor dem Marxismus zurückschreckt. Wir müssen hindurch durch das Bewußtsein, auch durch das Klassenbewußtsein. Und dann: Will Deutschland „funktionieren“ in einer Weltwirtschaft der Sowjetunion? Wie will es das? In dieser Frage entscheidet sich die Zukunft. Wer diese Linie auszöge, käme damit auf die Unmöglichkeit, militärisch in Rußland zu siegen. Das Ende des Zweiten Weltkriegs ist hier schon angesagt. Wirklich ist Rußland und der Kommunismus, wirklich ist Amerika und der Imperialismus. Wirklich droht unsere Ausbeutung als Plantage des Weltkapitals oder unsere Ausschaltung durch ein industrialisiertes Rußland. Beides sind die in der Bundesrepublik und in der DDR ausprobierten Folgen.

Schluß: Auf dem Wege zu der Entdeckung dessen, was uns wirklich passiert ist, sind die Nationalsozialisten deshalb eine unerläßliche Tatsache, weil der Weltkrieg jetzt erst nacherlebt wird.

Für den souveränen Nationalstaat bleibt es 5 Minuten nach zwölf. Diese Erkenntnis hat im Zweiten Weltkrieg unendlich viele Opfer gekostet. Ein ökumenischer Krieg wie der Weltkrieg verlangt eine neue Arbeitsteilung der Nationen.

Und der Ernst, mit dem Eugen Rosenstock-Huessy spricht, kommt in den Sätzen zum Ausdruck: Für den, der all das Grauen der staatlichen Vernichtung, die Zerstörung des Kleinods der Souveränität 1918 erlebt hat, bedarf es dieses erneuten experimentum crucis nicht. Für ihn hat Deutschland diese Probe bereits hinter sich. Und dann eine Prophezeiung: 60 Jahre braucht es gewiß in Deutschland, um die Eingliederung der Nation in eine auf Gedeih und Verderb aneinandergekettete Völkerwelt seelisch durchzukämpfen. Es ist nicht zuviel gesagt, daß Hitler diese 60 Jahre auf die Zeitspanne von 1955 bis 2015 verschoben hat (denn erst 1955, zwei Jahre nach Stalins Tod, hob das Besinnen an).

Bei dem rückwärtigen Durchschreiten des Tumults Nr. 20 gelangen wir nun an das Ende der Beiträge:

10 Eugen Rosenstock-Huessy, Brief an ***, Magdeburg, 18.2.1920

Die Stücke, die vorher betrachtet wurden, waren von 1931 und 1932 – jetzt ein Sprung zurück auf das Jahr 1920. Rosenstock-Huessy ist im 32. Lebensjahr. Ob sich eine Spur der Zeitgenossenschaft zum 9. November 1918, der in allen drei anderen Beiträgen das entscheidende Datum war, auch wiederfindet?

Und wie denn anders, in noch größerer Frische des Bruches, den das Jahr 1918 darstellt. Denn während der Lektüre des Buches, das Karl Barth 1918 geschrieben hat, sein Römerbrief, geht ihm im Widerspruch auf (und das ist für uns natürlich erst erkennbar, nachdem die gewonnene Einsicht beherzigt ist), wie er seine Bücher schreiben wird.

1 Eugen Rosenstock-Huessy schreibt nur, Gilbert K. Chesterton folgend, um den Adam auszuschwitzen, nämlich wenn ihm der Glaube fehlt. So hat er vierzig Jahre lang die Soziologie II Die Vollzahl der Zeiten eben nicht geschrieben! Sie erschien erst im Jahre 1958, vierzig Jahre nach 1918.

2 August Bebel (1840-1913), mit Wilhelm Liebknecht (1826-1900) der Begründer der Sozialdemokratischen Partei 1869, betrachtete er als Frucht der Heilsgeschichte: daß heut jedem Christen das Leben Jesu geschenkt wird, dieser Schatz der guten Werke. Deshalb ist Bebel und das Jahr 1918 nicht zu dogmatisieren, sondern zu erkennen unter dem Satz: daß die Zeit erfüllt sein muß und daß er sterben muß. Also von dem Ort in dem ganzen Spannungsbogen der Heilsgeschichte von Jahrtausend zu Jahrtausend. Das Dritte Jahrtausend nach Christus ist eben – für Eugen Rosenstock-Huessy – am 9. November 1918 angebrochen.

3 Das Gesagte muß in seinen Worten aufblühen, um Glauben zu finden, nicht nur behauptet werden.

4 Voraussetzung ist, daß der Autor seine Zeitlichkeit büße, beichte, bekenne. Er muß es – den Lesern – vormachen, nicht nur verlangen.

5 Jede Glaubenstat braucht nicht nur äußere Gestalt, sondern auch selbst Glauben. Deshalb ist es zuerst wichtig, Leute zu finden, die einem Glauben schenken. Dem Glauben wie Christus geht eine lange Zeit des Glauben an Christus voraus.

6 Niemals „Gott“ als Abstraktum! Dann verfällt man dem Irrtum, Gott erschiene immer in derselben Gestalt, der Teufel aber vielgestaltig, während es doch umgekehrt ist: das Verkanntwerden gehört mithin notwendig zum Berufenwerden: Jesus gehört zum Christus!

7 Äußere Rücksichten entschuldigen manches: wenn das Buch Karl Barths hindurchtragen und hinüberreißen soll noch bis zu einem äußeren Lebensentschluß – Berufswechsel, Professur –, dann soll es nicht gescholten sein. (Karl Barth, geb. 1886, 1911 Pfarrer in Safenwil, dem Geburtsort Margrit Rosenstock-Huessys, wurde 1921 Professor in Göttingen, 1925 in Münster, 1930 in Bonn, 1935 – nach dem Ausschluß durch die Nationalsozialisten – in Basel.)

Charakteristisch für Rosenstock-Huessy als Leser ist auch, daß er am Donnerstag drauf schreiben kann: Natürlich ists doch ein Prachtbuch.

Und er setzt sein Programm fort, wie es ihm im Widerspruch aufgeht:

8 Das Denken soll ihm nur geschehen in der Zeit, selbst angewachsen an den Jahresring 1918.

9 Er hofft, daß er Frau und Freund findet, die ihm – indem sie das Weibliche wirken lassen wie zum Beispiel Barth als Philologe in seiner Liebe zum Textus receptus – glauben, nicht weil er viel weiß, sondern obwohl er vieles weiß.

Den Wechsel von der einen Haltung, die er für männlich, brutal und geschlossen hält, die Haltung des Stolzes, zu der Haltung des unreinen Denkens, wie er es später genannt hat, erscheint ihm als Graben zwischen den Jahrtausenden, dem zweiten und dem dritten Jahrtausend nach Christus: Der Graben der Jahrtausende verläuft zwischen Barths Römerbrief, Spengler, Troeltsch einerseits, mir andererseits.

Wer es weiß, fühlt in dem Brief vom 18. Februar 1920 die Intensität der Begegnung mit Franz Rosenzweig, dessen Stern der Erlösung – in persönlichster Berührung mit Margrit Rosenstock-Huessy – eben erschütternd ans Licht gekommen war.

Des zum Zeugnis rücke ich hier ein, was Eugen Rosenstock-Huessy am Silvester jenes Jahres 1920 seiner Frau in das Buch

Caroline Briefe aus der Frühromantik Georg Waitz/Erich Schmidt Erster Band 1913 Insel

schrieb:

An der Zeiten fester Wende, Jahres Ende, Jahrs Beginn reichen wir uns neu die Hände: Dieses Siegel: nimm es hin!

II

Der geduldige Tumult-Leser, der sich auf diese rückwärts vorschreitende Leserichtung eingelassen hat, ist vielleicht jetzt bereit, die unter dem Pseudonym Ludwig Stahl veröffentlichten Stücke von 1931 und 1932 im Lichte der neun Maximen zu lesen, die in dem Brief an einen Freund hervorgebrochen sind.

Und deshalb wage ich noch die Betrachtung der Tumult-Stücke Rosenstock-Huessys

Von jenseits

Der Deckname ist möglicherweise gar nicht des Autors wegen gewählt worden, sondern um die Zeitschrift Hochland zu schützen, die im Jahre 1918 Rosenstock-Huessy das Anerbieten gemacht hatte, als Redakteur mitzuarbeiten. Carl Muth konnte sie bis 1941 fortführen, ehe die Nazis auch ihn mit Verbot zum Schweigen brachten.

Der Deckname Ludwig Stahl spannt einen weiten Bogen.

Der Vorname Ludwig bringt Ludwig dem Frommen in Erinnerung, den dritten Sohn Karls des Großen, der das Reich unter seine Söhne Lothar, Pippin und Ludwig aufteilte, durch eine nochmalige Teilung 829 zugunsten seines Sohnes Karl aus zweiter Ehe eine Empörung der Söhne aus erster Ehe veranlaßte und 833 infolge des Abfalls seines Heeres 833 auf dem „Lügenfeld“ bei Colmar unterlag, nach Soissons ins Kloster verbracht, von seinen beiden jüngeren Söhnen aber bald wieder in die Herrschaft eingesetzt wurde. 837 verständigte sich Ludwig der Fromme mit seinem ältesten Sohn Lothar zu einer neuen Teilung. Die Söhne Lothar, Ludwig und Karl wiederum teilten das väterliche Reich im Vertrag von Verdun 843, als Kaiser folgte Lothar I.

Es gibt dann eine ganze Reihe von Ludwigs mit Beinamen, die die Beliebtheit belegen: Ludwig der Deutsche, der Jüngere, das Kind, der Strenge, der Reiche, der Dicke, der Junge, der Löwe, bis endlich zu Ludwig dem Heiligen, dem Sohn Ludwig des Löwen, der 1248-54 den sechsten Kreuzzug unternahm, 1249 die ägyptische Nilfestung Damiette eroberte, sie ein Jahr später wieder aufgeben mußte und bei einem neuen Kreuzzug in Tunis starb.

Der Name umspannt also die hohe Zeit der deutschen Kaiser, der Herzöge in Bayern, der Könige in Frankreich, von den Königen in Ungarn ganz zu schweigen.

Rosenstock-Huessy kannte sie alle mit Namen.

Der Nachname ruft aber Friedrich Julius Stahl in Erinnerung, den Rechtsphilosophen aus Würzburg gebürtig, der mit 17 Jahren – wie Eugen Rosenstock-Huessy – 1819 vom Judentum zum Protestantismus übertrat, der unter Schellings Einfluß und gegen Hegel sein Hauptwerk Die Philosophie des Rechts schrieb (zwei Bände, 1830-1837), worin er Staat und Recht auf göttlichen Ursprung zurückführte. Seine Staatslehre wurde auf lange Zeit für die preußischen Konservativen maßgebend. Seit 1849 war er Mitglied der preußischen Ersten Kammer, des späteren Herrenhauses, wo er ein Führer der Hochkonservativen wurde. Friedrich Julius Stahl ist mit 59 Jahren am 10.8.1861 in Bad Brückenau gestorben.

Dieser Name spricht das Gewissen der frommen Reichsdeutschen und der preußischen Konservativen an.

Als Deckname war er für die damaligen Leser des Hochland eher leicht als schwer zu erkennen. Die letzte Publikation Rosenstock-Huessys im Hochland war 1923 ein Aufsatz über Das Wesen des Faschismus gewesen.

Mit dem Wissen aus dem rückwärtigen Lesen gehe ich nun die Tumult-Nr. 20 nochmals von vorn bis hinten durch und versuche das Vorwort Helmut Kohlenbergers zu ergänzen, das ich hier nicht weiter referieren möchte.

1 Brief an *** Magdeburg, 18.2.1920

Im Widerspruch erlebt der Leser die Geburt einer anderen Art Bücher zu schreiben. Die Verführung, den Grabstein – so nennt der Karl Barths Buch zum Römerbrief – lieber zu mögen, bleibt nicht erspart.

2 Das Dritte Reich und die Sturmvögel des Nationalsozialismus 1931

Der Leser tritt in das verwirrende Feld ein, in dem man, weil sie da sind und Zeitgenossen, mit den Nazis reden muß. Das Reden ist noch erlaubt. Aber die Ankündigung des Nicht-mehr-reden-Könnens wirkt schon stark ein: der Aufsatz hat die Atemlosigkeit eines letzten Aufrufs, der geschichtlichen Stunde zu gehorchen, statt sie – indem man scheinbar der richtigen Geburtsstunde 1919 folgt – durch Großmachtsträume aus der abgelaufenen Epoche nach der Französischen Revolution zu ersticken. Die Merkmale, an denen zu erkennen sein wird, was einen im Deutschen Reich erwartet, werden deutlich vor Augen gestellt: der Entschluß zum Auswandern könnte einem Leser vorbereitet sein.

3 Judas Ischarioth und die preußischen Konservativen 1932

Statt mit dem Teufel und mit Luzifer, der genialischen Verklärung, die von Shelley, Byron und Puschkin her bekannt ist, konfrontiert Rosenstock-Huessy den Leser mit dem Ernst, daß eine noch übriggebliebene biblische Gestalt, Judas Ischarioth, zum Maßstab der Epoche nach den Weltkriegen wird. Und daß die Wucht der geschichtlichen Stunde, wie sie in dieser Gestalt symbolisiert ist, auch Deutschland und die preußischen Konservativen erreicht, deren Maßstab Friedrich Julius Stahls Wort von der Göttlichkeit von Staat und Kirche gewesen ist. Davon ist Abschied zu nehmen. Der Verrat, der Ereignis geworden ist darin, daß die Konservativen die zweite Kandidatur Hindenburgs zum Reichspräsidenten nicht stützten, ist als Element in das politische Leben des Deutschen Reichs bis ins Herz vorgedrungen. Niemand weiß es doch, ob nicht dieser Verrat die Voraussetzung dafür war, daß Adolf Hitler dann alles zerstören konnte, was das Erbe des zweiten Jahrtausends an politischem Leben verkörperte. So jedenfalls schildert es dieser Aufsatz – noch ehe es passierte.

4 Kriegsheer und Rechtsgemeinschaft 1932

Bei der letzten Verfassungsfeier der Breslauer Universität spricht der Rechtshistoriker, der einen neuen Grundsatz gelten läßt: daß Kriegsheer und Rechtsgemeinschaft in Zusammenhang stehen, daß der Friede geschöpft werden muß aus den Erfahrungen des Kriegsheeres. Daß das nun auch in allem Ernst nach dem Weltkrieg zu geschehen habe – mit der Bedeutung, daß der Staat zu einem nüchternen Sachwalter der Gerechtigkeit und der Notdurft zu werden hat. Die Mahnung, Selbstüberwindung, Selbstzucht und das Zum-Frieden-Kommen in uns selber zur Grundlage des Handelns zu machen, sind verhallt. Wir können nicht mit leichterem Herzen die Strophe singen: „Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt, wenn es stets zu Schutz und Trutze brüderlich zusammenhält.“ Im Gegenteil ist der Wirtschaftskrieg zwischen Ost und West im Deutschland nach 1990 fortgesetzt. Wie bitter ist es also, nachzulesen, wie wache Vernunft und ernstliche Mahnung das hätten verhindern können.

5 Ama quia durissumum von Wolfgang Ullmann

Mit einem Sprung fordert Wolfgang Ullmann, die Konzepte der Europäischen Union und des Kreisauer Kreises zusammenzutun und darin die Feindesliebe zu bewähren.

6 Die Atemnot der Wissenschaft von Gilbert Weiss

Mühsam versucht einer, den Mafia-Gesetzen des Wissenschaftsbetriebes zu entkommen, indem er von Rosenstock-Huessy spricht. Klage und Referat mischen sich. Es riecht nach Staub.

7 Verkehrsmittel Sprache Annäherung an ein Thema von Eugen Rosenstock-Huessy von Gerhard Bartning

In einer tückischen Verwechslungsgefahr – Sprache als Verkehrsmittel bestätigt ja gerade die übliche Auffassung von dem instrumentalen Charakter der Sprache – wird uns die Möglichkeit vorgeführt, mit der Denkform des Kreuzes der Wirklichkeit zu arbeiten. Aber das Vorführen der Gedanken ist noch keine Verwirklichung dieses Denkens. Der Hinweis auf Sextourismus läßt einen erschauern.

8 Rosenstocks Deutschland von Reinhold Knoll

Das es natürlich nie gegeben hat – als wäre das Denken-über die schaffende Tat. Das Deutschland der Reformation 1517 wird leider nicht dargestellt, wie es Zukunft sogar über 1990 hinaus haben kann.

9 An Atlantic State of Mind (Eine atlantische Geistesverfassung) Überlegungen zu Eugen Rosenstock-Huessys Werk und Leben von Catherina Zakravsky

Zweifel einer 1965 geborenen Amerikanerin, ob das Amerika, das Rosenstock-Huessy in Out of Revolution 1938 dargestellt hat, noch da ist. Sie rettet sich hinein in den Piratendienst, den er 1965 im Dienst auf dem Planeten geschildert hat – der aber in den Freiwilligen Arbeitslagern für Arbeiter, Bauern und Studenten 1927 und im Camp William James 1939 angehoben hat. Ob sie sich selber auf die Hohe See begibt, ist fraglich.

III

Vielleicht kommt das Tumultuöse des Tumults Nr. 20 am leisesten und daher am deutlichsten in einer kleinen Unklarheit zum Ausdruck: auf dem schwarzen Umschlag hinten steht angekündigt: Brief an Unbekannt vom 18.2.1920 – aber nur uns ist ja der Empfänger des Briefes unbekannt, dem Schreiber steht er deutlich vor der Seele, mit Sehnsucht und Verlangen. Ob es Rosenstock-Huessy mit den Herausgebern so ergangen ist?

Jedenfalls sind Sie mir, Eisbär44, unbekannt – die Vorstellung vom Kölner Zoo, die ich dabei habe, die Vorstellung vom Jahrgang 1944, wie sie mir aus Begegnungen mit Angehörigen dieses Jahrgangs zuteil geworden ist, reichen nicht aus, um aus Unbekannt den Freund zu machen, wie er in dem Brief angeschrieben wird.

Und dennoch hoffe ich, daß Sie meine Wege zum Tumult Nr. 20, der von meinen Vorgängern im Amt des Vorsitzenden der Eugen Rosenstock-Huessy Gesellschaft, Dietmar Kamper und Michael Gormann-Thelen, 1995 veranstaltet wurde, rechtzeitig-voreilig vielleicht nach dem 3. Oktober 1990, nachgehen und daraus schöpfen können, wie ich Ihre in dem bei Wikipedia eingefügte Frage, warum selbst Eugen Rosenstock-Huessy an den Nazis etwas Wichtiges gefunden haben soll, beantworte: indem ich den Zusammenhang weit und tragfähig genug gestalte, damit nicht: männlich, brutal, geschlossen das Urteil sei, sondern: erschlossenes Siegel. Reichen wir uns neu die Hände!

Ihr Eckart Wilkens

Stil[Quelltext bearbeiten]

Dieser Artikel bedarf DRINGEND einer Überarbeitung. Ich greife mir mal nur ein Beispiel von ca. 20 heraus: "bei den Historikern, die an seinen von genialer Schau getragenen Werken vorbeisehen, weil sie nicht „wissenschaftlich“ genug seien, bei den Theologen, die es einem Laien verdenken, dass er ihnen so wichtige Ergebnisse vorsetzt, die doch nur einer vom Fach gefunden haben kann, bei den Soziologen, die seine Methode als „unwissenschaftlich“ brandmarken, ihn aber doch irgendwie interessant finden, bei den Juden, die in ihm – auf der Spur Heinrich Heines und Felix Mendelssohn-Bartholdys – den abgefallenen Glaubensgenossen meiden, bei den Christen, weil er zu wenig kirchlich war, bei den Heiden (Atheisten), weil er zu christlich ist" Sorry, aber so etwas ist POV in Reinstform und hat in einer Enzyklopädie nichts zu suchen. 217.87.105.57 14:22, 18. Jun. 2007 (CEST)

Tja, da hat die IP leider recht. Aber bevor jemand den Artikel von Grund auf neu schreibt, sollte man diese Stellen, die zudem sprachlich als "Geschwurbel" gelten können, nicht löschen, da sonst wenig vom Artikel übrig bleibt. --Emkaer 15:33, 2. Jul. 2007 (CEST)
ACK. Habe mal den Baustein gesetzt, wäre dankbar wenn hier jemand bald Hand anlegt, der weiß, wie WP-Artikel auszusehen haben. Jesusfreund 09:39, 4. Jul. 2007 (CEST)
zu blumig, laberig und schwurbelig. WP soll sachlich informieren, sonst nichts. Jesusfreund 09:37, 4. Jul. 2007 (CEST) (Kommentar von Jesusfreund aus dem Artikel hierher verschoben --Emkaer 17:10, 4. Jul. 2007 (CEST))
Heij Jesusfreund: Viele Adjektive werten, aber wir Wikianer/innen sollten einander bei der jedenfalls bald kommenden sehr nötigen Bearbeitung nicht mit allzu absprechenden Adjektiven kränken, auch unbeabsichtigt nicht. Selbst dann, wenn man den (hier unangebrachten) Essaystil nicht mag - überlegt sind die wertenden Formulierungen ja durchaus. Schönste Grüße -- €pa 11:26, 16. Sep. 2007 (CEST)

Kopie der Qualitätssicherungsdiskussion[Quelltext bearbeiten]

Baustein am 5.Sept. 07 gesetzt, am 16. Sept. wieder entfernt.

Essay, muss wikifiziert werden, mangelnde Neutralität. --Anima 20:03, 5. Sep. 2007 (CEST)

Wieso meldet sich niemand zu diesem Fall? Nach meiner Einschätzung kann dieser Artikel eigentlich nicht länger so stehen bleiben. Er sollte auf die Diskussionsseite verschoben werden, die vorherige Fassung wiederhergestellt werden. Danach können nach und nach die Fakten eingefügt werden. Wikipedia ist keine Essaysammlung. --Anima 00:55, 15. Sep. 2007 (CEST)

Grundsätzlich auch meine Meinung - doch an welche „vorherige Fassung“ denkst Du?
Dieser weitausgreifende Autor ist ein Unikum, ungemein anregend in so viel Feldern - der wird jedenfalls Mühe kosten! Wert wäre er sie. Gut kennen ihn oft nur Begeisterte, das macht es nicht einfacher.
-- €pa 01:25, 15. Sep. 2007 (CEST)

Hallo €pa, ich würde die Version vom 24. Mai 2007 von Anathema (vor der Neufassung durch Unterbau) wiederherstellen, die jetzige Fassung auf die Diskussionsseite stellen und dann versuchen, die Fakten aus dem Essay zu ergänzen. Ich gehe mal davon aus, dass du mit dem Autor vertraut bist und - selbst wenn du begeistert sein solltest - den nötigen Abstand wahren kannst. Es wäre klasse, wenn wir zusammenarbeiten würden. Herzlichen Gruß --Anima 20:12, 15. Sep. 2007 (CEST)

Heij Anima, das leuchtet mir ein. Ich tät auch gern mit Dir zusammen arbeiten; andere Interessierte würden sicher eine Bereicherung werden. Könntest Du es bitte so deichseln?
Zweierlei wäre dann wohl auch noch zu tun: (a) die vorläufige Lemma-Fassung vom 24.5. mit einer von Direkteingriffen abratenden und auf die Diskussionsseite verweisenden Kopfzeile zu versehen (am Besten als Baustelle für zwei Wochen zu sperren - kann man das?), und (b) Unterbau zu benachrichtigen.
Ich verspreche eigene Mühe und Neutralität - meine Grenzen sind die, dass ich außerhalb des Soziologischen und Historischen von ER-H nicht so viel verstehe, weil ich als Heidenkind seine christlichen und jüdischen Aktivitäten kaum zur Kenntnis genommen habe, noch weniger sie fachlich beurteilen kann.
Grüß Dich herzlich zurück -- €pa 20:43, 15. Sep. 2007 (CEST)

Ok. Ich werde Unterbau benachrichtigen und den "Überarbeiten-Baustein" setzen. Hilfe von vielen Seiten ist natürlich sehr willkommen. Die Ankündigung schreibe ich dann mal auf die Diskussionsseite. --Anima 22:04, 15. Sep. 2007 (CEST)

Kommentar zur Entfernun des QS-Bausteins hierher kopiert: :Kopie der Beiträge hier auf die Diskussionsseite verschoben. Leider hat der Qualitätssicherungsbaustein keinerlei Resonanz über die bereits involvierten Personen hinaus erzeugt. Ich habe mir mal die anderen Bausteine angeschaut. Es scheint sich nicht um einen Einzelfall zu handeln. Schade. Ich ersetze jetzt den QS-Baustein wieder durch den Uüberarbeiten-Baustein. --Anima 22:16, 16. Sep. 2007 (CEST)

--Anima 22:49, 16. Sep. 2007 (CEST)


Essay zu Eugen Rosenstock-Huessy[Quelltext bearbeiten]

Version des Artikels vom 28. Juli 2007

Einleitung[Quelltext bearbeiten]

Eugen Rosenstock-Huessy (* 6. Juli 1888 in Berlin; † 24. Februar 1973 in Four Wells, Norwich, Vermont, USA) war ein deutscher Kulturphilosoph, Jurist, Historiker und Soziologe.

Eugen Rosenstock-Huessy hätte wohl von sich sagen können, dass er neun Leben hatte: als Kind emanzipierter Eltern jüdischer Herkunft mit sechs Schwestern, als Student der Rechte, als der jüngste Privatdozent 1914, als Kriegsteilnehmer (Offizier vor Verdun), als erster Herausgeber der Daimler Werkzeitung, als erster Leiter der Akademie der Arbeit, als Professor für Recht in Breslau, als Anreger und Inspirator der Freiwilligen Arbeitslager für Arbeiter, Bauern und Studenten in Schlesien, als Historiker, Theologe, Soziologe vor der Hitler-Zeit, als Emigrant 1933, als Immigrant in den Vereinigten Staaten, als Hochschullehrer in Harvard und am Dartmouth College, Hanover, New Hampshire, als Initiator des Camp William James, als Stifter der Neuen Richtung der Erwachsenenbildung nach dem Ersten Weltkrieg und in demselben Sinne auch nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland, als Autor einer Soziologie, die systematisch Gegenwart und Universalgeschichte umfasst.

Sein ganzes Leben aber stand unter der Fragestellung, was die Sprache mit uns Menschen macht. So verwirrt er alle, die bei einem Menschen nur nach einem Ausschau halten, begeistert viele, die sich neue Horizonte der Geschichtserfahrung erschließen lassen, stärkt die, die den Frieden nach den Weltkriegen ersehnen und an der einen Welt auf dem einen Planeten Erde arbeiten. Sein Hervorrufen einer dritten Form der Hochschule zu bewähren, nach Scholastik und Akademik eine Argonautik, wie er sie vorläufig nannte, sind viele Generationen nötig.

Leben[Quelltext bearbeiten]

Herkunft[Quelltext bearbeiten]

Am 6. Juli 1888 wurde Eugen Moritz Friedrich Rosenstock als Sohn von Theodor und Paula Rosenstock in der Plantagenstraße 3 in Berlin geboren. Er hatte drei ältere und drei jüngere Schwestern. Er besuchte das Friedrich-Wilhelm-, dann das Joachimsthaler Gymnasium und machte 1906 Abitur. Danach Studium der Rechtswissenschaften in Zürich. Als einer, der – wie er es sagte – „als Christ aufgewachsener Gläubiger“ war, ließ er sich in – demselben Jahr auch taufen.

Hochschule[Quelltext bearbeiten]

Das Examen rigorosum war am 22. April 1909. Er erlangte an der Ruprecht-Karls-Universität zu Heidelberg die Doktorwürde mit der Arbeit „Landfriedensgerichte und Provinzialversammlungen vom 9. bis 12. Jahrhundert“. Dem Vaterland diente er als Einjährig-Freiwilliger bei der Artillerie in Kassel. 1912 habilitierte er sich mit der Arbeit „Ostfalens Rechtsliteratur unter Friedrich II. und war – mit 24 Jahren! – der jüngste Privatdozent an der juristischen Fakultät in Leipzig für Deutsches Privatrecht, deutsche Rechtsgeschichte, ab 1914 auch für Staatsrecht. Während eines Studienaufenthaltes in Florenz 1913-1914 lernte er seine Frau, die Schweizerin Margrit Huessy, kennen; die Trauung war am 29. Juni 1914 in Leipzig. Im selben Jahr erschien auch, was er sein Professorenbuch nannte: „Königshaus und Stämme in Deutschland zwischen 911 und 1250“. Er war – mit 26 Jahren – wie man so sagt, ein gemachter Mann.

Erster Weltkrieg[Quelltext bearbeiten]

Während des ganzen Ersten Weltkriegs stand er als Offizier im Felde, unter anderem vor Verdun. In diesen Jahren konzipierte er – als Schauempfang, wie der Ruf Gottes an die Propheten in der Bibel heißt – sein Werk, das erst mit dem Erscheinen des zweiten Teils der Soziologie, „Die Vollzahl der Zeiten“, 1958, also vierzig Jahre später, zum Vorschein gekommen ist. Franz Rosenzweig, mit dem er – per Feldpost – einen intensiven und entscheidenden Briefwechsel hatte (1935 mit den Briefen Franz Rosenzweigs in Deutschland veröffentlicht) rief ihn aus der Konzeption hinaus in die geschichtliche Stunde, zum Tun. Das entscheidende Datum für sein Leben und Wirken wurde der 9. November 1918, der Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreichs. Das 1920 in dem mit Hans Ehrenberg und Leo Weismantel gegründeten Patmos-Verlag erschienene Werk „Die Hochzeit des Kriegs und der Revolution“ drückt das Geschehen in seiner Sprache aus: Während bei den Epochenbrüchen des Zweiten nachchristlichen Jahrtausends Revolution und dazugehöriger Krieg weit auseinandergelegen haben (1789 Sturm auf die Bastille, dann die Napoleonischen Kriege), trafen sie in den Jahren des Weltkriegs 1917 und 1918 zu einer Hochzeit zusammen. Die Russische Revolution wäre ohne den Ersten Weltkrieg nicht zustandegekommen.

In der Weimarer Republik[Quelltext bearbeiten]

Alles weitere Leben müsse aus dieser entscheidenden Erfahrung hervorgehen, so war seine Entscheidung. Und deshalb lehnte er drei wichtige Angebote ab, die ihn an Institutionen berufen wollten, die es vor dem Weltkrieg schon gab: an der Verfassung der Weimarer Republik als Unterstaatssekretär mitzuarbeiten, zweitens als Redakteur der katholischen Zeitschrift „Hochland“ und drittens als Professor an der Universität Leipzig. Staat, Kirche und Universität galten ihm als veraltete Gefäße. Vielmehr ging er den neuen Weg zunächst als Gründer der ersten deutschen Werkzeitung bei Daimler in Stuttgart, dann wurde er 1921 bis 1922 Gründer und erster Leiter der Akademie der Arbeit in Frankfurt am Main. 1921 wurde sein Sohn Hans geboren. Er legte sein Amt als Leiter der Akademie der Arbeit nieder, weil die Dozenten seiner andragogisch begründeten Forderung, dass sie auch voneinander lernen sollten, könnten und dürften, nicht nachkommen wollten. Er promovierte (nach einer Zeit als Arbeitsloser) erneut in Darmstadt und habilitierte sich als Privatdozent für Soziologie. Die Universität Breslau rief ihn 1923 als Rechtsgelehrten – und er nahm diesmal an, weil die Not des Tages ihn zwang, in das alte Gefäß der Universität zurückzukehren. 1924 war er Mitbegründer des „Hohenrodter Bundes“ – ein Zeichen des Wunsches, über die Grenzen der Universität hinaus zu wirken. Das tat er mehr noch und sichtbar geworden in den Freiwilligen Arbeitslagern für Arbeiter, Bauern und Studenten, die er nach Anregung Helmuth James von Moltkes in Kreisau (heute Kryzowa) gründete und bis 1933 begleitete. Während der Jahre in Breslau gab und nahm er die Freundschaft mit Joseph Wittig, den er bei seinem Kampf mit der katholischen Kirche und nach der Exkommunikation und Heirat mit Bianca Geißler unterstützte. Dokument dieser Freundschaft ist das dreibändige Werk „Das Alter der Kirche“ von 1927, dessen dritter Band die Geschichte der Exkommunikation Wittigs belegt. 1928 starb der Vater. Die neue wissenschaftliche Position, in der er die Rechtsfragen angeht, die durch die Industrialisierung in allen Lebensbereichen neu gestellt sind, verkündet er in vielen Aufsätzen und Büchern, am deutlichsten vielleicht in der Festgabe für Xaver Gretener „Vom Industrierecht. Rechtssystematische Fragen“, 1926. Die erste umfassende Darstellung seines „Schauempfangs“ von 1917 war aber dann das Buch „Die Europäischen Revolutionen. Volkscharaktere und Staatenbildung“ von 1931. Es war unter äußerstem innerem Druck entstanden: Es war für ihn die letzte mögliche Stunde, mit der erschauten geschichtlichen Wirklichkeit des Zweiten Jahrtausends nach Christus in Deutschland Gehör zu finden. Denn allzu vertraut war er mit den politischen und gesellschaftlichen Strömungen der Weimarer Republik, besonders mit der Radikalität, mit der die Jugend Änderung und Erneuerung ohne Rücksicht auf die Alten forderte, in welche Richtung auch immer.

Emigration und Immigration[Quelltext bearbeiten]

Schon 1919 hatte er – in prophetischer Sprache – für das Deutsche Reich einen „Lügenkaiser“ vorhergesagt, und so überraschte ihn die Usurpation des Rechts – um es einmal so zu nennen – durch Hitler und die Nationalsozialisten nicht. Geistesgegenwärtig sagte er am 1. Februar 1933 seine weitere Teilnahme an der öffentlichen Lehre an der Universität in Breslau ab, erwirkte die förmliche Beurlaubung in Berlin und gewann Zeit zur genauen Vorbereitung der Emigration. Am 9. November 1933 verließ er in dem Fährschiff mit Namen „Deutschland“ das Deutsche Reich. Kurz zuvor entging er nur knapp der Verhaftung, als er bei Viktor Bausch in Berlin zu Besuch war und Parteischergen den „Juden Rosenstock“ verlangten. Frau und Kind folgten ihm bald in die Vereinigten Staaten von Amerika. 1934 bis 1936 hatte er den Kuno-Fischer-Lehrstuhl für German Art and Culture an der Harvard University inne. 1935 war er, um an der Briefausgabe Franz Rosenzweigs mitzuwirken, noch einmal in Deutschland. Mit Schaudern sah er, was im Deutschen Reich zerstört wurde. Die Rückkehr nach Amerika wurde für ihn zur Immigration, zur Einwanderung.[1]

Lehren und Wirken in den USA[Quelltext bearbeiten]

In den Lowell Lectures in Boston fasste er seine Einsichten in die Gesetzmäßigkeiten des Lebens in der Industrie zusammen. Sie erschienen später, nämlich 1955, auf deutsch als „Der unbezahlbare Mensch“. Von 1936 bis 1957 lehrte er am Dartmouth College in Hanover, New Hampshire. 1937 bezog er das eigene Haus in Norwich, Vermont, das noch heute wichtige Teile seines Nachlasses beherbergt. Mit liebevoller Hilfe „von drüben“ übersetzte er das Revolutionenbuch ins Amerikanische. Es erschien 1938 als „Out of Revolution – Autobiography of Western Man“„Der Revolution entsprungen – Autobiographie des abendländischen Menschen“. Im Titel kommt die Methode zum Ausdruck: auf das zu hören, was die Völker selber sagen, und nicht ihnen ein wie auch immer erfundenes System überzustülpen. Das Werk bleibt so für vielfältige Beobachtungen offen, durch die der einzelne Leser es ergänzen kann und soll. Am 16. November 1938 nahm sich die Mutter Paula Rosenstock in Berlin kurz vor der bevorstehenden Verbringung ins Konzentrationslager und in den sicheren Tod das Leben. Ganz wie in Deutschland wirkte Rosenstock-Huessy in Amerika als Hochschullehrer und als Stifter einer neuen Form sozialen Wirkens und Lernens: die Arbeit in den Freiwilligen Arbeitslagern in Schlesien setzte er im Camp William James 1939-1940 fort. 1944 verfasste er im Auftrag der amerikanischen Regierung die Denkschrift „Mad Economics or Polyglot Peace“. Sie erörtert die Frage, was nach dem Krieg in Deutschland passieren soll. Auch hier spricht der Titel für das Ganze: kein einheitliches Wirtschaftssystem, weder aus West noch aus Ost, weder aus England noch aus Frankreich stammend, kann den Frieden stiften, sondern nur das Zulassen der verschiedenen Wirtschaftsformen – und das ist die polyglotte, die mehrsprachige Erscheinung der Menschheit auf dem Planeten Erde. Wie verheerend der Wahnsinn Hitlers wirkte und wie er denn wohl – trotz all des Entsetzlichen – nicht den Verstand rauben muss, das Geschehen zu durchdringen, schildert die im April 1945 publizierte Schrift „Hitler and Israel, or: On Prayer“.

Während des Waffenstillstands nach 1945[Quelltext bearbeiten]

Aus dem Tiefpunkt der Erschöpfung nach dem Zweiten Weltkrieg entstand das Kernstück seiner Lehre „The Christian Future or The Modern Mind Outrun“, zehn Jahre später in Deutschland erschienen als „Des Christen Zukunft oder: Wie überholen wir die Moderne“. Nicht leicht war die Schwelle zu nehmen, Deutschland wieder zu betreten, wie es die Einladenden, die „dageblieben“ waren, vielleicht dachten. Mit dem Namen, mit den er 1925 zum Schutz vor dem Judenhass angenommen hatte und den er nach 1933 auch in seinen Publikationen gebrauchte (sein Sohn hieß nach der Ankunft in Amerika Hans R. Huessy), nahm er diese Schwelle mit der Rede „Das Geheimnis der Universität“ am Vortage seines Geburtstages 1950 in Göttingen. Eine Reise nach Ägypten 1950-1951 führte ihm die Belege für das vor Augen, was er im Studium des Ägyptischen Reiches erarbeitet hatte. Bei den Darmstädter Gesprächen „Mensch und Technik“ 1952 fand der die Formulierung des Gesetzes der Technik:

„Der technische Fortschritt erweitert den Raum, verkürzt die Zeit und zerschlägt menschliche Gruppen.“

1956 und 1958 endlich erschienen die beiden Bände, die ihm die Sorge nahmen, sein „Schauempfang“ von 1917 könne ungefasst bleiben, nämlich die Soziologie in zwei Bänden: I „Die Übermacht der Räume“, II „Die Vollzahl der Zeiten“. Mündliches Ereignis wurde dieses Erscheinen in den Münsteraner Vorlesungen des Sommersemesters 1958: „Die Gesetze der christlichen Zeitrechnung“. Am 30. Januar 1959, 26 Jahre nach der Usurpation des Rechts durch Hitler, hielt Rosenstock-Huessy in der Paulskirche in Frankfurt am Main die Rede „Friedensbedingungen einer Weltwirtschaft“. Sie hat zur Gründung der „Aktion Sühnezeichen“ beigetragen. 1959 starb die Frau Margrit Rosenstock-Huessy. Zur weiteren Bekräftigung der Lehre von den antiken Reichen reiste er nach Guatemala, Honduras und Mexiko. 1960 zog Freya von Moltke, die Witwe des Märtyrers Helmuth James von Moltke, mit ihrem Sohn Konrad zu Rosenstock-Huessy nach Four Wells, „Vierquell“, wie er sein Haus genannte hatte. Schönste Frucht dieses Zusammenkommens war die Verwirklichung eines ihm seit 1902 vorschwebenden Vorhabens, das zweibändige Werk „Die Sprache des Menschengeschlechts. Eine leibhaftige Grammatik“, erschienen in Heidelberg 1963 und 1964. Zu seinem 75. Geburtstag am 6. Juli 1963 wurde in Bethel die seither bestehende Eugen Rosenstock-Huessy Gesellschaft gegründet. Noch einmal, 1965, ließ er sich zum Schreiben rufen, um dem am intensivsten geliebten Wirken zum Entstehen eines planetarischen freiwilligen Dienstes Stimme zu verleihen „Dienst auf dem Planeten, Kurzweil und Langeweile im Dritten Jahrtausend“. Vorlesungen führten ihn in den Jahren 1965 bis 1968 nach Santa Cruz an die University of California. Und der Briefwechsel mit Franz Rosenzweig, ein Herzstück ihrer beider Biographie, erschien 1969 in englischer Übersetzung und mit einer aktuellen Einleitung.

Epitaph[Quelltext bearbeiten]

Als Epitaph auf sein Leben, Lehren und Wirken schrieb er:

I tried to speak law, prayer, tale and song;
discovered logic´s leak, its bend on wrong.
I tried to act and suffer and accept
and to succeed, to rule, and most, to teach;
but since my heart sincerely laughed and wept,
all that gives power, stayed outside my reach.
I tried to love, not always knowing how;
I never bluffed, and I discovered “thou”.
Versucht hab ich zu sprechen Recht, Gebet, Erzählung, Lied;
entdeckte das Leck der Logik, ihre Fehlerneigung.
Versucht habe ich zu handeln, zu leiden, anzunehmen
und Gelingen, zu herrschen und, noch am meisten, zu lehren;
da aber mein Herz in Lauterkeit lachte und weinte,
blieb, was Macht verleiht, außerhalb meiner Reichweite.
Versucht hab ich zu lieben, wußte nicht immer wie;
hab niemals jemandem was vorgemacht, und: entdeckte das „Du“.

Aber auf dem Grabstein steht bei dem Namen dann nur: Johannes 1, Vers 14 mit den Daten 6. Juli 1888 und 24. Februar 1973.[2]

Lehre[Quelltext bearbeiten]

Das „Kreuz der Wirklichkeit“[Quelltext bearbeiten]

Eugen Rosenstock-Huessy lehrt das Kreuz der Wirklichkeit: Alles Erlebte muss sich in vier Aggregatzuständen bewährt haben, ehe es als Teil der Wirklichkeit angesprochen werden kann: als Verheißung, als Wunsch, als Erfahrung, als Faktum.

Die Verheißung weist auf etwas hin, was noch nicht da ist, aber – zum Beispiel in der Form des Imperativs: Tu das! – doch schon. Etwas existiert nur zwischen zweien, Sprecher und Hörer. Das ist der Aggregatzustand DU.

Der Wunsch entsteht in dem Angesprochenen, er oder sie möchte in mächtig quellender Weise dem Imperativ entsprechen, sehnt sich danach, möglichst viele Miterlebende dafür zu finden: Freude, schöner Götterfunken. In diesem Aggregatzustand ICH blüht das Leben.

Die Erzählung ist nur möglich, wenn Sprecher wie Hörer etwas gemeinsam erlebt haben, das nun in der Erzählung eines Einzelnen Wort wird. Die Verbindung der vielen ruft das Wort in dem einen hervor. Dennoch ist es der Ausdruck des Aggregatzustandes WIR. Wer es hört, wer es liest, findet für das Erlebte darin eine gedächtnisstiftende Gestalt. Andere können in das Erleben der Gruppe wohl eintreten, bedürfen dazu aber der Einfühlsamkeit und der Bereitschaft, gelebtes Leben als Vorbild weiterzutragen.

Fakt ist das, was unabhängig von dem Erleben als Totes existiert, was durch die Wiederholung des Geschehens keine Veränderung leidet. Das ist der Aggregatzustand ES, in dem sich alles Untersuchte befindet, von dem anzunehmen ist, dass es durch die Untersuchung selber keine Veränderung erfährt. So ist es – heißt es davon, es ist beweisbar.

Diese vier Erfahrungsweisen scharen uns in verschiedener Weise zusammen. Eugen Rosenstock-Huessy hat gesehen, dass wir sie als zwei Zeiten und zwei Räume erkennen können. 
Die zwei Zeiten sind: das Noch-nicht-aber-schon-da echter Zukunft und das Gestaltgewordene, das sich Traditionen und Institutionen geschaffen hat, also alle gebahnten Wege umfasst, die es einem ins Leben tretenden Menschenkind ermöglicht, nicht alles von vorne anzufangen.

Die zwei Räume sind: der Innenraum geistig Zusammengehöriger, die durch ein Vorhaben, eine Idee, eine Beschäftigung unabhängig von der Verschiedenheit nach Datum und Ort miteinander verbunden sind, und der Außenraum, der mit Geräten, die die Arbeit der Sinne fortsetzen ins Unendliche hinein, zu messen ist und Ergebnisse liefert, die von dem Zeitpunkt der Messung unabhängig bleiben.

Der allgemein gängigen Vorstellung, es gäbe Zeit und Raum, den Raum sogar in drei, vier oder fünf Dimensionen, wird so ein Modell entgegengestellt, das es zwar sprachlich schon immer gegeben hat, zum Beispiel in den Verbformen des Imperativs, des Optativs, des Narrativs und des Indikativs, das aber doch ein radikales Umdenken erfordert.

Arthur Schopenhauer sprach von Wille und Vorstellung als Repräsentanten des Innenraums und des Außenraums. Friedrich Nietzsche sprach von Übermensch und zerrüttetem Europa, damit die zeitlichen Pole immerhin andeutend. Eugen Rosenstock-Huessy fügte diese Konzepte zu einem Leben in der Vierzahl.

Dabei entdeckte er, dass eine Vierzahl den Menschen nach dem 19. Jahrhundert begegnet, wobei aber jede unverbunden ganze Gefolgschaft verlangt:

Sigmund Freud durchbrach alle Scham, um falsche Zukunft zu Grabe zu tragen,

Friedrich Nietzsche widerrief alle Verheißung, um die echten Wünsche der Kreatur Mensch wieder hörbar zu machen,

Charles Darwin setzte seine Idee von einer katastrophenlosen, allmählichen Evolution dem geschichtswunden kirchlichen Gewissen entgegen,

Karl Marx entzauberte die Arbeitskraft als Motor allen Geschehens.

Diese Vier lebten auf den Weltkrieg zu, in dem ihre Prophezeiung von dem Ende – jede auf ihre Weise – vollzogen wurde. Schamlosigkeit, Verheißungslosigkeit, Vertrauensverlust in die jahrtausendealte Tradition, Trotz gegen jede Form der Gegenseitigkeit im Klassenkampf – das ist das Ergebnis für alle die, die in dem Weltkrieg, dessen rückwärtsgerichteter Teil die Russische Revolution als Teilgeschehen ist, nichts als die Zerstörung sehen können.

So ist die Stunde für die Entdeckung des Kreuzes der Wirklichkeit in zwei Zeiten und zwei Räumen der Erste Weltkrieg gewesen, bei täglich drohender Vernichtung im Felde, im Jahre 1916/1917.

Einer der ersten Freunde, der sie mitgeteilt wurde, ist Franz Rosenzweig gewesen.

Die vier Stationen der Lehre[Quelltext bearbeiten]

Die Bibliographie der Werke Eugen Rosenstock-Huessys ist umfangreich. In zahllosen Büchern, Aufsätzen, Reden hat er seine Lehre niedergelegt. Und doch sind es vier Werke, in denen die Stationen des Wirklichwerdens seiner Lehre zu sehen sind.

1. Station: das Verkünden[Quelltext bearbeiten]

Die erste Station ist die des Verkündens, wie es ganz neu gesagt wird. Dafür steht das Buch „Die Hochzeit des Kriegs und der Revolution“, Patmos-Verlag, Würzburg 1920. Es zeigt den tränenschweren Auszug aus der gewohnten Welt des 19. Jahrhunderts. Die letzten Kapitel haben prophetischen Charakter, besonders auch das Kapitel Die Tochter, in welchem angesagt wird, dass künftig die Begeisterung nicht nur und – vielleicht – nicht mehr von dem Sohn erlebt wird, sondern von der Tochter, der Tochter Gottes, die sich, wie vorher der Sohn, in eigener Inspiration von Gottes Geist her verstehen lernt, unabhängig von dem irdischen Vater (und Gatten).

2. Station: Die Europäischen Revolutionen[Quelltext bearbeiten]

Die zweite Station ist das Buch zu den Europäischen Revolutionen, das in zweierlei, ja dreierlei Gestalt vorliegt, nämlich in der Ausgabe auf deutsch von 1931, in der Ausgabe auf englisch von 1938 und in der erneuerten deutschen Ausgabe von 1951, den Zweiten Weltkrieg sozusagen durchziehend und überwindend. Entgegen der Romantik und der Utopie (in welchen er das Heraufdämmern des Konzepts von Innenraum und echter Zukunft erblickte) fordert er auf, beherzt die nahe Geschichte zu vergegenwärtigen, nämlich das Zweite Jahrtausend nach Christus (statt der Antiken und naturwissenschaftlich – wie man zum Beispiel in jeder Zahnarztpraxis lesen kann – in immer weiterer Verflüchtigung bis in die Milliarden Jahre der Sternexistenzen), und das Element der echten Zukunft, eben die Geschichtsbrüche, die einen neuen Menschentypus hervorgebracht haben, als unerlässliches Erbe anzuerkennen.

Das deutsche Buch von 1931 ist auf hergebrachte Weise konzipiert: zuerst die Theorie, dann die chronologische Erzählung. Das amerikanische Buch von 1938 dreht diese Reihenfolge um, erzählt erst die Geschichte der Russischen Revolution, dann weiter rückwärts die der Französischen, der englischen, der deutschen Revolution (die man als solche anzusprechen nicht gewohnt ist), schließlich – dann doch chronologisch – die Geschichte der Umbrüche während des Mittelalters, in denen sich auf der Ebene der geistlichen Herrschaft schon abgespielt hat, was die neueren Revolutionen in säkularer Weise hervorgebracht haben. Eingeschoben sind die Geschichte Österreich-Ungarns und der Vereinigten Staaten als Verheißungen auf eine multikulturelle Gesellschaft nach den Weltkriegen.

Die zweite deutsche Ausgabe bleibt bei dem einmal gefassten Aufbau, enthält aber viele Ergänzungen teils aus dem amerikanischen Buch, teils auch wieder ganz neu.

In Form der Familienmitglieder sieht Rosenstock-Huessy die Menschentypen in den einzelnen Nationen betont und hervorgebildet: das Mütterliche in der Kirche (Italien), das Väterliche in der Lutherischen Verfassung aus Landesfürst und Räten, das Männliche in der Verfassung der englischen Seefahrer, die eine unabhängige Zuflucht auf dem Lande daheim brauchen, das Frauliche in der französischen Lebensart, die sich den Salon als Vermittlungsstelle alles politischen und kulturellen Geschehens schuf. Der Verlorene Sohn wird in der Russischen Revolution erkennbar; im Weltkrieg aber, wie schon gesagt, die Tochter.

Das Buch appelliert an den Leser, in der „Autobiographie des abendländischen Menschen“ sein eigenes Leben, die eigene Erfahrung zu erkennen und von daher zu ergänzen und zum Leben zu bringen.

Diese Darstellungsform ist die der Andragogik, das heißt die Rede von Erwachsenen miteinander, nachdem sie Fachleute geworden sind, um des Nächsten willen aber, des Laien in sich selber und dem Hörer, diese Fachlichkeit überwinden. Die Fachlichkeit äußert sich in System, Register, Fakten, Fußnoten usw. Das Überwinden aber in dem Ton und dem quasi-mündlichen Duktus des Erzählens. Die Spanne zwischen System und Monographie zeigt sich bei jedem einzelnen Kapitel.

Wer also die Rede des Fachmanns erwartet, wird verwirrt, wer an dem Überwinden teilnimmt, fühlt sich angesprochen und zur Ergänzung aufgerufen.

3. Station: Die Soziologie in zwei Bänden[Quelltext bearbeiten]

Die dritte Station des Wirklich-Werdens der Lehre Eugen Rosenstock-Huessys ist die Soziologie in zwei Bänden, erschienen in Stuttgart 1956 und 1958. Nach vierzig Jahren die Frucht des Lebens und der Lehre.

Der erste Band, mit dem ins 19. Jahrhundert und auf das Europa der Naturwissenschaften weisenden Titel „Die Übermacht der Räume“ erschien schon 1924 unter dem Titel „Die Kräfte der Gemeinschaft“. Da findet man – aber auch in dem andragogischen Stil –, was man von der Gesellschaft der Menschheit, wie sie jetzt gerade zusammenlebt, alles Wünschenswerte: eine systematische Darstellung der wirkenden Kräfte im Kreuz der Wirklichkeit. Besonders wichtig ist die Einsicht in das, was Rosenstock-Huessy das Reflexivum nennt, die Tatsache, das sich alle Kräfte in Ernst und Spiel (eben Reflexivum) auswirken möchten und dass wir ohne die Möglichkeit des Spielens (z.B. in Liturgie, Kunst, Reisen, Sport) nicht genügend Geistesgegenwart hätten, mit den ernsten Notlagen fertigzuwerden.

Der zweite Band ist eine Universalgeschichte, aber eben nicht in dem Ton des „Es war einmal“, sondern „Es geht Dich an“. Unendliche Forschungsarbeit ist in dieses Werk eingeflossen, das uns die vier vorchristlichen Antiken in Stamm, Reich, Israel und Griechenland vorstellt und die drei nachchristlichen Jahrtausende mit den drei Singularen Ein Gott, Eine Welt, Ein Menschengeschlecht präsentiert und verheißt. Der Inhalt ist nicht kühl dargeboten, sondern so, dass der Leser beständig das Gefühl hat: es brennt – eine ansteckende Begeisterung, die aber auch abverlangt, eigene Lebenszeit für die Integration so vieler neuer Sichtweisen und Gegenstände herzugeben.

4. Station: Die Sprache des Menschengeschlechts[Quelltext bearbeiten]

Die vierte Station endlich stellt das Buch auch in zwei Bänden dar: „Die Sprache des Menschengeschlechts. Eine leibhaftige Grammatik in vier Teilen“, erschienen in Heidelberg 1963 und 1964. Der Leser dieser Darstellung erkennt schon, dass das Kreuz der Wirklichkeit die Gestalt dieses Werkes ganz bestimmt hat. Es geht nicht um die Sprachwissenschaften, die einzelne Sprachen und Sprachstrukturen untersuchen, katalogisieren, systematisieren – es geht um die Frage: Was tun wir Menschen eigentlich, wenn wir sprechen? Und tun wir es alle gemeinsam und von demselben Grunde aus? Gehört das Hören dazu? Wir wird gesprochen, wie wird gehört? Und das nicht nur gegenwärtig, sondern mit genauem Verfolgen dessen, was in der „Soziologie in zwei Bänden“ schon durchgeführt ist: wann sich die Sprache gewandelt hat.

Krönung dieses letzten großen Werkes ist das Kapitel Die Frucht der Lippen, in welchem dargestellt wird, wie die vier Evangelien des Matthäus, Markus, Lukas und Johannes die Vierfalt der Kreuzeswirklichkeit offenbaren, weil jeder zu einem anderen Zeitpunkt und zu anderen Adressaten sprach.

Jesus – die Mitte der Zeiten[Quelltext bearbeiten]

Damit ist ein weiterer Stein des Anstoßes angesprochen: dass Eugen Rosenstock-Huessy die christliche Zeitrechnung zum Sine-qua-Non erhebt. Selbst die Atheisten – sagt er – müssen anerkennen, dass Jesus die Mitte der Zeiten ist, weil erst nach ihm die bisher getrennt gebliebenen schöpferischen Ströme der Menschwerdung in der Geschichte einander geöffnet wurden und zu den drei Singularen: Ein Gott, Eine Welt, Ein Menschengeschlecht zusammenkommen können. Das mag eine harte Nuss sein, aber dem steht entgegen, dass es im Dritten Jahrtausend nach Christus um nichts weniger geht als um die gegenseitige Durchdringung aller vier: der Zeiten und Räume.

Und dass der Singular durchdringt durch den Wirrwarr des Plurals allenthalben, ist nur dort möglich, wo der Tod überwunden wird. Der Tod des Kaiserreichs war es bei der „Hochzeit des Kriegs und der Revolution“, der Tod Europas bei dem „Revolutionenbuch“, der Tod der abendländischen Geschichte bei der „Soziologie“, der Tod der Sprache in den KZs Hitlers im „Sprachbuch“.

Für diese Todesüberwindung hat er ins Licht vier Todesüberwinder aus der Zeit vor Jesus gehoben: Abraham für Israel, Buddha für die Stämme, Laotse für die antiken Reiche, Jesus für die griechische Leibbesessenheit. In Jesus münden alle diese Kräfte zusammen – denn alle vier, Abraham, Buddha, Laotse und Jesus, bilden, wie es auch alle Mystiker unermüdlich sagen, den Innenraum der Heilsgeschichte.

Wirken[Quelltext bearbeiten]

Der Name[Quelltext bearbeiten]

Der Name Eugen Rosenstock-Huessy erfreut sich nur in wenigen Kreisen einer Bekanntheit. Und doch hat er ein Wirken gehabt, das Gedächtnis gestiftet hat.

Einige kennen und nennen ihn als Rosenstock, Insider in Amerika sprechen von ihm als Eugen. Es gibt seit 44 Jahren die Eugen Rosenstock-Huessy Gesellschaft, gegründet in Bethel. In Haarlem gibt es das Eugen Rosenstock-Huessy Huis. Ein sich zu seiner Lehre scharender Verein in den Niederlanden nennt sich Respondeo (nach seinem Motto für die dritte Form der abendländischen Hochschule: Respondeo utsi mutabor – Ich antworte um den Preis der Verwandlung). Als Verkörperer seiner Lehre sind Bas Leenman, Ko Vos und Konrad von Moltke schon nicht mehr unter uns Lebenden.

Als Freund und Korrespondent Franz Rosenzweigs taucht er auf.

Einige seiner Werke sind auch nach seinem Tode wieder gedruckt oder ins Englische, Niederländische oder Russische übersetzt worden. Gerade wird Des Christen Zukunft ins Rumänische übersetzt.

Wirkungsfelder in Vergangenheit und Zukunft[Quelltext bearbeiten]

Und trotzdem: Jeder, der von ihm spricht, sieht sich genötigt, ihn wieder vorzustellen, und zwar auch und gerade in den Wirkungsfeldern, die er selber mit erschaffen hat:

  • in der Industrie, wo er mit der Idee einer Werkzeitung bei Daimler das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf ausgesprochene Gegenseitigkeit zu bringen gehofft,
  • bei der Akademie der Arbeit und gewerkschaftlichen Veranstaltungen,
  • in der ökumenischen Arbeit, die in dem mit Joseph Wittig zusammen gestalteten Werk Das Alter der Kirche 1927/1928 (neu 1998) zum Ausdruck kommt,
  • bei den internationalen Friedensdiensten, denen er – in den schlesischen Freiwilligen Arbeitslagern für Arbeiter, Bauern und Studenten 1927-1933 und im Camp William James in Vermont 1939-1940 Pate gestanden hat,
  • bei denen, die dem Wirken des deutschen Widerstands gegen Hitler nachgehen: Walter Hammer hat ihn den Erzvater des Kreisauer Kreises genannt,
  • in der Europäischen Union, deren Heraufkunft ohne seine Verheißung in dem Buch über die Europäischen Revolutionen (1931, 1938 und 1951) gar nicht denkbar geworden wäre,
  • bei der amerikanischen Besatzungsmacht, wo er durch Freunde die Möglichkeit hatte, die Weltkriegserfahrung aus dem Ersten Weltkrieg in die Urteilsbildung über das Deutsche Reich einzubringen,
  • in der Erwachsenenbildung in West und Ost, die auf den Formen fußt, die er und seine Freunde vor der Hitler-Zeit geschaffen hatten,
  • in den Evangelischen Akademien, die durch seine feurigen Beiträge Kredit gewonnen hatten,
  • bei den Verlagen u.a. Kohlhammer, Käthe Vogt, Lambert Schneider (Lothar Stiehm), die wohl meinten, ihm einen Dienst zu tun, aber in Wirklichkeit war es umgekehrt,
  • bei den Rechtsgelehrten, die noch immer auf seinen Forschungen zur Rechtsgeschichte aufbauen oder für die seine Arbeiten zum Industrierecht Zukunftwink sind,
  • bei den Historikern, die an seinen von genialer Schau getragenen Werken vorbeisehen, weil sie nicht „wissenschaftlich“ genug seien,
  • bei den Theologen, die es einem Laien verdenken, dass er ihnen so wichtige Ergebnisse vorsetzt, die doch nur einer vom Fach gefunden haben kann,
  • bei den Soziologen, die seine Methode als „unwissenschaftlich“ brandmarken, ihn aber doch irgendwie interessant finden,
  • bei den Juden, die in ihm – auf der Spur Heinrich Heines und Felix Mendelssohn-Bartholdys – den abgefallenen Glaubensgenossen meiden,
  • bei den Christen, weil er zu wenig kirchlich war,
  • bei den Heiden (Atheisten), weil er zu christlich ist

Zwar wurde ihm 1929 das Amt des Vorsitzenden der World Association of Adult Education zuteil, aber auch da erging es ihm, wie er in dem Epitaph schreibt:

but since my heart sincerely laughed and wept, all that gives power, stayed outside my reach.

Überall, wo er auf Anerkennung hoffen konnte, gab es etwas, was hinderlich im Wege stand – und steht.

Die Sprachbarriere[Quelltext bearbeiten]

Was ist aber das größte Hindernis? Wenn man das wüsste, würden die anderen vielleicht beiseite rücken?

Ich will versuchen, dem mit den Titeln zuleibe zu rücken, die im dritten Teil seiner Sprache des Menschengeschlechts unter der Überschrift

Wenn eine Ewigkeit verstummt - Erinnerungen eines Ent-ewigten

versammelt sind (S. 15-197). Wer will schon davon etwas hören, von Verstummen und Entewigt-Werden? Ein Existenz-bedrohender Schmerz ist da angesagt.

1 „Kriegsteilnehmer aller Länder vereinigt euch“ 1915 – das ist doch der glatte Verrat der Loyalität gegen Gott, Kaiser und Vaterland. Klingt außerdem arg nah zu: Proletarier aller Länder vereinigt euch. Die Gemeinsamkeit der Kriegsteilnehmer hat aber den Frieden zwischen den kriegführenden Parteien im Zweiten Weltkrieg 1989 möglich gemacht.

2 „The Letters of Franz Rosenzweig and Eugen Rosenstock-Huessy, by Dorothy M. Emmet“ – in der neuen Ausgabe der Briefe Franz Rosenzweigs sind Eugen Rosenstocks Briefe chronologisch einsortiert in die übrigen Briefe, dadurch wird die Gestalt des Briefwechsels als einem Ereignis, an dem zwei Anteil haben, verdunkelt. Aber diese Gemeinsamkeit ist es, auf der alles Gespräch zwischen Christen und Juden nach der Schoah aufruht.

3 „Der Selbstmord Europas“ – so übersetzte Eugen Rosenstock 1919 Oswald Spenglers Titel „Der Untergang des Abendlands“ in die Sprache des Mitverantwortlichen. Von Suizid wird nicht gerne geredet, schon gar nicht in Form der Selbstanklage. Aber nur wer den Zusammenhang mit der falschen Richtung nach dem Ersten Weltkrieg und Hitlers und Eva Brauns Selbstmord 1945 begreift, kommt zu Atem.

4 „Ehrlos – Heimatlos“ 1919 – gegen diese beiden Worte ist ja gerade das Geschimpf und Geheul der Nazis losgebrochen, die die verletzten Gefühle der deutschen Soldaten, die aus dem Ersten Weltkrieg heimgekehrt waren, für ihre Zwecke ausnutzten. Und auch die anderen Völker fragen erstaunt: Damit also wollt ihr euch abfinden müssen: ehrlos und heimatlos zu sein – das tun wir nicht. Das Ertragen der beiden Wörter, das Auf-sich-sitzen-Lassen, das Eugen Rosenstock-Huessy als Voraussetzung für einen Frieden nach dem Weltkrieg verkündete wie der Prophet Jeremia einst in Jerusalem, ist nichts für Konservative, Sozialisten, Grüne und Liberale. Und doch ist es die Grundlage für alle Verständigung zwischen den Parteien.

5 „Lehrer oder Führer?“ 1926 – dieser Aufsatz aus der von Martin Buber, Joseph Wittig und Viktor von Weizsäcker herausgegebenen Zeitschrift „Die Kreatur“ berührt die wundeste Stelle des deutschen Gewissens.

Die Jungen sprechen sich in ihre Erfahrungen hinein; die Alten sprechen aus ihren Erfahrungen heraus!

Dieses Minimum an Polyphonie ist in den Institutionen der Bundesrepublik Deutschland zumindest eine äußerste Seltenheit. Jede Diskussion über die Ursachen und Folgen des Nationalsozialismus wird an diesen Aufsatz anknüpfen müssen, um – und das wäre das wenigste - dieselben Fehler nicht noch einmal zu machen.

6 Die rückwärts gelebte Zeit 1929 – das kann sich keiner so recht vorstellen, es gibt zwar in der Musik den Krebsgang, aber in der geschichtlichen Zeit? Und doch hat es das vielleicht in der Bundesrepublik Deutschland und in der DDR von 1949 bis 1989 auch gegeben: Jeder konnte sich nur aufmachen zurück zu seiner persönlichen Aufbruchstelle von 1914 (also entsprechend von 1939 oder 1933) und den dort abgerissenen Faden so radikal und entschlossen wie möglich abspulen, nunmehr auf das – schon erlebte – Ende zu. Man holte nach, man sühnte, man ergänzte Versäumtes. Das Verstehen der Vorgänge nach 1945 und nach 1990 erfährt eine überraschende Vereinfachung, wenn die schon einmal gemachte Erfahrung zu Rate gezogen wird.

Eugen Rosenstock-Huessys Wirken fällt mithin mitten in die Leere im Gespräch der Generationen nach dem Zweiten Weltkrieg, nach der Hitler-Zeit, nach der Schoah.

Insofern gehört er – und wusste das auch! – nicht in das 20. Jahrhundert, sondern in den Epochenrhythmus von einem Jahrtausend in das nächste.

Freunde[Quelltext bearbeiten]

Sein Wirken an den Freunden, die er in den autobiographischen Fragmenten von 1968 nennt: Werner Picht, Franz Rosenzweig, Leo Weismantel, Eugen May, Joseph Wittig, Hans Ehrenberg, Rudolf Ehrenberg, dann in den Bekanntenkreisen der Zeitschrift „Die Kreatur“, des Hohenrodter Bundes und der World Association of Adult Education, an den Universitäten Leipzig, Breslau, an der Akademie der Arbeit in Frankfurt am Main, am Dartmouth College in Hanover, New Hampshire, an den Evangelischen Akademien ist bei allen, die ihm begegneten, unvergesslich geblieben. Ja, manche Einsicht hat er so plausibel dargestellt, dass man meinte, sie ohne Nennung der Quelle weiterverbreiten zu dürfen. Es ist das mehr oder weniger deutliche Plagiat eine Begleiterscheinung seines Wirkens gewesen.

Epilog[Quelltext bearbeiten]

So harrt sein Werk, um sein Wirken zu erhellen, der Wiederentdeckung im Dritten Jahrtausend, global, das heißt: Universales und Lokales auf neue Weise verbindend.

Werke[Quelltext bearbeiten]

Neben diesen vier in „Jesus – die Mitte der Zeiten“ erwähnten Säulen gibt es für jede eine ganze Schar von begleitenden Satelliten in Buch- und Aufsatzform. Was davon antiquarisch oder in Bibliotheken verhältnismäßig leicht erreichbar ist, zeigt folgende Liste: (Informations-Stand 18. Jan. 2005, Prof. Dr. Jürgen Frese, ergänzt von Drs Wilmy Verhage 2007)

  • Herzogsgewalt und Friedensschutz, 1910, M & H Marcus, Breslau; Neuauflage 1969, Scientia-Verlag, Aalen
  • Ostfalens Rechtsliteratur unter Friedrich II., 1912, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar
  • Königshaus und Stämme, 1914, Felix-Meiner-Verlag, Leipzig; Neuauflage 1965 Scientia-Verlag, Aalen
  • Angewandte Seelenkunde [1916] 1924, Röther-Verlag GmbH, Darmstadt
    Practical Knowledge of the Soul, 1988
    Toegepaste Zielkunde, 1982
  • Briefwechsel mit Franz Rosenzweig [1916] 1935, Schocken-Verlag, Berlin
    Judaism despite Christianity, 1969, Univ. of Alabama Press; 1971, Schocken Books, New York
  • Daimler-Werkszeitung, 1919-1920, Stuttgart-Untertürkheim: Daimler-Motoren-Gesellschaft
  • Die Hochzeit des Kriegs und der Revolution, 1920, Patmos-Verlag, Würzburg
  • Die Tochter, 1920, Mössingen-Talheim, Talheimer-Verlag; Neuauflage 1988 ebd.
  • Werkstattaussiedlung, 1922, Julius-Springer-Verlag, Berlin; Neuauflage 1997, Brendow-Verlag, Moers
  • Die Kreatur. Eine Zeitschrift, 1926-30, Verlag Lambert-Schneider, Berlin; Neuauflage 1969, Nendeln Lichtenstein, Kraus-Reprint
  • Das Alter der Kirche, 3 Bde, 1927-1928, Verlag Lambert Schneider, Berlin; Neuauflage 1998, Agenda-Verlag, Münster
  • Die Europäischen Revolutionen 1931, Eugen-Diederichs-Verlag, Jena; Neuauflagen 1951 und 1960 ebd.
  • The Multiformity of Man, 1936 , Beachhead, Norwich VT (USA)

    Der Unbezahlbare Mensch, 1955, Käthe-Vogt-Verlag, Berlin; Neuauflage 1964 Herder-Verlag, Freiburg/Basel/Wien
  • Out of Revolution. Autobiography of Western Man, 1938, William Morrow & Co., New York; Neuauflagen 1966 und 1969, Argo Books, Norwich VT; 1993, Berg Publishers, Providence 

    De grote revoluties, 2003, Uitgeverij Skandalon, Vught NL
  • The Origin of Speech [1941-1945] 1981, Argo Books, Norwich VT
    Het Wonder van de Taal, 2003, Uitgeverij Skandalon, Vught
  • The Christian Future, 1946, Charles Scribner’s Sons, New York; Neuauflage 1966, Harper & Row, New York
    Des Christen Zukunft, oder Wir überholen die Moderne, 1956, Chr.-Kaiser-Verlag, München; Neuauflage 1985, Brendow-Verlag, Moers
    Toekomst – Het Christelijk Levensgeheim, 1993, Dabar/Luijten, Aalsmeer

  • Der Atem des Geistes, 1951, Verlag der Frankfurter Hefte, Frankfurt/Main; Neuauflage 1991, Brendow-Verlag, Moers, und Amandus-Verlag, Wien
  • Heilkraft und Wahrheit, 1952, Evangelisches Verlagwerk GmbH, Stuttgart; Neuauflage 1991, Brendow-Verlag, Moers, und Amandus-Verlag, Wien
  • Soziologie, 2 Bd., 1956-1958, W.-Kohlhammer-Verlag, Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz
  • Frankreich – Deutschland. Mythos oder Anrede?, 1957, Käthe-Vogt-Verlag, Berlin
  • Zurück in das Wagnis der Sprache, 1957, Käthe-Vogt-Verlag, Berlin; Neuauflage 1997, Verlag Die blaue Eule, Essen
  • Das Geheimnis der Universität, 1958, W.-Kohlhammer-Verlag, Stuttgart
  • Die Gesetze der Christlichen Zeitrechnung, 1958, Münster, Agenda-Verlag GmbH; Neuauflage 2002 ebd.
  • Friedensbedingungen der planetarischen Gesellschaft, 1959; Neuauflage 2001, Agenda-Verlag, Münster
  • Die Sprache des Menschengeschlechts, 2 Bde., 1963 und 1964, Verlag Lambert Schneider, Heidelberg
  • Die Frucht der Lippen, 1964
    Fruit of Lips, 1978, The Pickwick Press, Pittsburgh (USA)

    De vrucht der lippen, 1981
  • Dienst auf dem Planeten, 1965, W.-Kohlhammer-Verlag, Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz

    Planetary Service, 1978 

    Dienen op de planeet, 1988
  • Magna Carta Latina [1937], 1967 und 1975, The Pickwick Press, Pittsburgh
  • Ja und Nein. Autobiographische Fragmente, 1968, Verlag Lambert-Schneider, Heidelberg
  • I am an Impure Thinker, 1970, Argo Books, Norwich VT
    Ik ben een onzuivere denker, 1996, Dabar-Luyten, Aalsmeer NL
  • Speech and Reality, 1969, Argo Books, Norwich VT

    Spraak en Werkelijkheid, 1978, Vereniging Rosenstock-Huessy Huis, Haarlem
  • Unterwegs zur planetarischen Solidarität, 2006; Sammeledition von Der unbezahlbare Mensch, *Dienst auf dem Planeten, Ja und Nein, Agenda-Verlag, Münster
  • The collected Works of Eugen Rosenstock Huessy on DVD, Argo Books

Literatur[Quelltext bearbeiten]

  • Bernd Faulenbach: Eugen Rosenstock-Huessy. In: Hans-Ulrich Wehler (Hrsg.): Deutsche Historiker. Bd IX. Göttingen 1983, S. 102-126.
  • Michael Zank: The Rosenzweig-Rosenstock Triangle, or What Can We Learn from Letters to Gritli? A Review. In: Modern Judaism. Band 23, Nr. 1, Februar 2003, S. 74-98 (Oxford University Press) engl.
  • Dietmar Kamper, Seitter Walter und Frank Böckelmann: Eugen Rosenstock-Huessy. In: TUMULT-Zeitschrift für Verkehrswissenschaften. Bd. 20, Wien 1995 (Turia & Kant) [3]
  • Dominik Klenk: Metanomik. Quellenlehren jenseits der Denkgesetze. Eugen Rosenstock-Huessys Wegbereitung vom ich-einsamen Denken der neuzeitlichen Philosophie zur gelebten Sprachvernunft. Münster 2003
  • Andreas Leutzsch: Zwischen Welt und Bielefeld. Eugen Rosenstock-Huessy, Georg Müller und ihr Archiv in Bielefeld-Bethel. In: Jahresbericht des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg. Band 91, Bielefeld 2006, S. 225-250

Fußnoten[Quelltext bearbeiten]

  1. Die Stellung Eugen Rosenstock-Huessys zum Nationalsozialismus wird bis auf weiteres auf der Diskussionsseite zu diesem Artikel genauer besprochen.
  2. Eckart Wilkens, Köln, 27. April 2007 (unter Verwendung des tabellarischen Lebenslaufs, den Lise van der Molen am 27. April 1994 in Winsum geschrieben hat)
  3. Hier Originaltexte von ERH aus dem Hochland von 1931/32 über sein Verständnis von „Drittem Reich“, was durch eine lange Überlieferungskette zu der weitverbreiteten Falschaussage im Buch von Alois Prinz über Hannah Arendt führt, ERH habe den Nazismus begüßt.

Weblinks[Quelltext bearbeiten]

{{DEFAULTSORT:Rosenstock-Huessy, Eugen}} [[Kategorie:Philosoph (20. Jahrhundert)]] [[Kategorie:Historiker]] [[Kategorie:Soziologe]] [[Kategorie:Deutschsprachige Emigration]] [[Kategorie:Deutscher]] [[Kategorie:Geboren 1888]] [[Kategorie:Gestorben 1973]] [[Kategorie:Mann]] {{Personendaten |NAME=Rosenstock-Huessy, Eugen |ALTERNATIVNAMEN=Rosenstock, Eugen; Rosenstock, Eugen Moritz Friedrich ; Stahl, Ludwig |KURZBESCHREIBUNG=deutscher Kulturphilosoph, Jurist, Historiker und Soziologe |GEBURTSDATUM=6. Juli 1888 |GEBURTSORT=[[Berlin]], [[Deutschland]] |STERBEDATUM=24. Februar 1973 |STERBEORT=Four Wells, [[Norwich (Vermont)]], USA }} [[en:Eugen Rosenstock-Huessy]] [[nl:Eugen Rosenstock-Huessy]] [[pt:Eugen Rosenstock-Huessy]]''

Dissertation[Quelltext bearbeiten]

Hallo, wir haben keinen Nachweis für die Dissertation. Die muss doch irgendwo veröffentlicht sein. Schöne Grüße --Anima 22:12, 18. Sep. 2007 (CEST)

Hi! Seine juristische Diss. von 1909/10 ist: Eugen Rosenstock: Herzogsgewalt und Friedensschutz. Deutsche Provinzialversammlungen des 9.-12. Jahrhunderts, Marcus, Breslau 1910 (Untersuchungen zur deutschen Staats- und Rechtsgeschichte 104; Teilw. zugl. Diss., Univ. Heidelberg 1910 u.d.T.: Rosenstock, Eugen: Landfriedensgerichte und Provinzialversammlungen vom neunten bis zwölften Jahrhundert) Vgl. NDB 22, S. 75. Gruß --Emkaer 18:48, 4. Okt. 2007 (CEST)

Super, könntest du das wohl im Text und in den Anmerkungen korrigieren? --Anima 23:10, 4. Okt. 2007 (CEST)

Übersetzungen[Quelltext bearbeiten]

Vorschlag: Nur deutsche und engl. sprach. Ausgaben in die Werkliste aufnehmen, Übersetzungen lediglich im Text erwähnen. Die Liste wird sonst m.E. zu lang und unübersichtlich. Herzlichen Gruß --Anima 00:31, 21. Sep. 2007 (CEST)

Im Prinzip Ja. Die portug. Übersetzung habe ich eigentlich nur des Annotators wegen aufgeführt - weil: Wiki wird wachsen [durch den Stabreim geichert]. Und [sinnt] ich würde auch z.B. beim Französischen schon wieder wackeln. Aber, da ERH nunmal Deutscher, dann US-Amerikaner war, nimm den Brasilianer beim nächsten Striegeln getrost wieder raus. Morgengruß von €pa 00:52, 21. Sep. 2007 (CEST)!

US-Staatsbürgerschaft[Quelltext bearbeiten]

Vielleicht weiß es Benutzer:Unterbau, wann ERH naturalisiert wurde. Dass es geschah, ist auch implizit dem Roosevelt-Auftrag zu entnehmen, sowie seiner Lehrtätigkeit in den Staaten. Sonst wäre er als "feindlicher Ausländer" nach der deutschen Kriegserklärung interniert worden. -- €pa 15:50, 2. Okt. 2007 (CEST)

Hi! Das Biographische Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933 gibt als staatsbürgerschaft (Cit.) an: "Ger." (also german, deutsch). Bei den anderen Emigranten, die dort aufgeführt sind, ist regelmäßig die Annahme der US-Staatsbürgerschaft mit Jahr angegeben. Ich gehe davon aus, dass die dt. Staatsbürgerschaft Rosenstock nicht von den Nazis (als "Ausbürgerung) aberkannt wurde (zumal sie bis zum Kriegseintritt der USA sein Gehalt weiter gezahlt haben). Und ich gehe davon aus, dass er zwar dt. Staatsbürger geblieben ist, aber deshalb nicht interniert wurde, weil er, wie er (in seinen autobiographischen Fragmenten?) berichtet, dass er in seinem Wohnort als Nazi-Spion verdächtigt wurde, weshalb es auch eine Untersuchung gab und eine Aktion, wo viele Leute Ehrenerklärungen für ihn abgegeben haben. Vielleicht war damit die Internierungsfrage vom Tisch? Schöne Grüße --Emkaer 18:46, 4. Okt. 2007 (CEST)

Im Eugen Rosenstock-Huessy Archiv in Four Wells (Hopson Road) Norwich, Vt. USA, (Bestand XXXI, Nr. 2)befindet sich die Urkunde über die Naturalisation (Certificate of Naturalization), datiert auf den 13. Mai 1941, ausgestellt von der Grafschaft Windsor im Staat Vermont. Reicht das?

Vielen Dank! Ich baue es ein. --Emkaer 19:37, 15. Okt. 2007 (CEST)


Defekter Weblink[Quelltext bearbeiten]

GiftBot (Diskussion) 06:28, 21. Dez. 2015 (CET)