Eckertalsperre

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Eckertalsperre
Staumauer der Eckertalsperre, Juli 2006
Staumauer der Eckertalsperre, Juli 2006
Lage: 3 km südlich von Bad Harzburg, Niedersachsen/Sachsen-
Anhalt
Größere Städte in der Nähe: Bad Harzburg
Eckertalsperre (Niedersachsen)
Eckertalsperre
Koordinaten 51° 50′ 8″ N, 10° 35′ 15″ O51.83555555555610.5875Koordinaten: 51° 50′ 8″ N, 10° 35′ 15″ O
Daten zum Bauwerk
Bauzeit: 1939–1942
Höhe über Talsohle: 57 m
Höhe über Gründungssohle: 65 m
Höhe der Bauwerkskrone: 559,00 m ü.NN
Bauwerksvolumen: 168.000 m³
Kronenlänge: 235 m
Kronenbreite: 2,2 m
Böschungsneigung luftseitig: 1:0,68 m
Böschungsneigung wasserseitig: 1:0,02 m
Kraftwerksleistung: 250 kW
Betreiber: Harzwasserwerke
Daten zum Stausee
Höhenlage (bei Stauziel) 557,95 m
Wasseroberfläche 68 hadep1
Speicherraum 13,27 Mio. m³
Einzugsgebiet 19,0 km²

Die Eckertalsperre (selten auch Eckerstausee genannt) ist eine Talsperre bei Bad Harzburg im Harz, die 1942 in Betrieb genommen wurde und die Ecker und ihre Zuflüsse aufstaut. Die von den Harzwasserwerken betriebene Anlage dient vorrangig der Trinkwasserversorgung, dem Hochwasserschutz und auch der Stromerzeugung.

Technik[Bearbeiten]

Die Talsperre hat eine Gewichtsstaumauer aus Beton als Absperrbauwerk. Dabei wurde zum ersten Mal in Deutschland Rüttelgrobbeton mit Zuschlag bis 300 Millimeter Korngröße verwendet. Der Stauraum nutzt einen Talabschnitt, der unterhalb einer deutlichen Talstufe von einem eiszeitlichen Gletscher beckenartig ausgeschürft wurde. Die Eckertalsperre hat einen mittleren Jahresabfluss von 16 Millionen Kubikmeter.

Geschichte und Grenzlage[Bearbeiten]

Nach der Sösetal- und der Odertalsperre war die Eckerstaumauer das dritte moderne Talsperrenbauwerk im Harz. Im oberen Einzugsgebiet der Ecker am Brocken­feld werden im langjährigen Mittel Niederschlagsmengen von 1372 mm pro Jahr registriert und Spitzenwerte von 1700 mm erreicht. Der Stausee erhält damit die höchsten Niederschlagsmengen aller Harztalsperren.[1]

Eine Niedrigwasseraufhöhung erfolgt durch die Talsperre kaum, da ihr Einzugsgebiet nur die Hälfte der im Harz entspringenden Zuflüsse umfasst.[1]

Der Stausee wurde auch für den steigenden Trinkwasserbedarf in der Region geplant. Dieser stieg in den 1930er Jahren durch den geplanten Aufbau des Volkswagenwerkes zusammen mit der „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“ (seit 1945: Wolfsburg) und die wachsende Einwohnerzahl von Braunschweig. Der Bau der Talsperre erfolgte mitten im Zweiten Weltkrieg. Für die Arbeiten wurden seinerzeit auch mehrere hundert ausländische Arbeitskräfte und Kriegsgefangene eingesetzt.[2]

Zur Zeit der Teilung Deutschlands verlief die innerdeutsche Grenze mitten durch Stauraum und Staumauer; diese war auf der Westseite nur zu etwa zwei Dritteln öffentlich zugänglich. Von den Grenztruppen der DDR war mit einer aufgesetzten Mauer und Stacheldraht der östliche Teil der Dammkrone abgetrennt worden. Die Zutrittsrechte zur Talsperre sind erst Ende der 1970er Jahre in bilateralen Verträgen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik geregelt worden. Die alte DDR-Grenzsäule auf dem Absperrbauwerk ist erhalten.

Trinkwasserversorgung[Bearbeiten]

Der Stausee dient der Trinkwasserversorgung der Städte Braunschweig, Wolfenbüttel und Wolfsburg. Das Wasser wird zum Hochbehälter Lewerberg bei Liebenburg geleitet, wo auch das Trinkwasser aus der Granetalsperre eintrifft. Von dort führt eine Leitung zum Thieder Lindenberg und weiter in die Großstädte Braunschweig und Wolfsburg.

Das Wasser der Ecker ist bedingt durch die huminsäurehältigen Moorbäche mit einem pH-Wert von 4,6 relativ sauer. Außerdem ist es nährstoffarm und dadurch gut geeignet für die Trinkwasseraufbereitung.[1] Fischereiwirtschaftlich wird die Talsperre nicht genutzt, da der niedrige pH-Wert von den meisten Fischen nicht vertragen wird.[3] Unterhalb der Talsperre ist das Wasser annähernd neutral.

Wasserkraft[Bearbeiten]

Die Leistung des Wasserkraftwerks unterhalb der Staumauer liegt zwischen 120 und 250 Kilowatt, die so jährlich gewonnene elektrische Arbeit erreicht bis zu 900.000 kWh. Zusätzlich wird am Lewerberg die Wasserkraft genutzt und eine elektrische Jahresarbeit bis zu 500.000 kWh erzeugt.

Tourismus[Bearbeiten]

Das Absperrbauwerk des Stausees ist als Nr. 1[4] (Eckertalsperre-Staumauer) in das System der Stempelstellen der Harzer Wandernadel einbezogen. See und Sperrwerk sind nicht mit dem Auto erreichbar.

Bildergalerie[Bearbeiten]

Panoramabild Eckertalsperre mit Blick auf den Brocken, Juli 2007

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Schmidt: Talsperren im Harz. Ost- und Westharz. 9. Auflage, Aktualisiert von Rainer Tonn. Papierflieger Verlag GmbH, Clausthal-Zellerfeld 2012, ISBN 978-3-86948-251-4
  •  Peter Franke, Wolfgang Frey: Talsperren in der Bundesrepublik Deutschland. Systemdruck, Berlin 1987, ISBN 3-926520-00-0.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eckertalsperre – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c NLWKN: Gewässergütebericht Oker 2002, Braunschweig 2002, Internetpräsenz Land Niedersachsen Stand Juni 2013
  2. Friedhart Knolle: Zum Einsatz ausländischer Arbeitskräfte und Kriegsgefangener beim Bau der Eckertalsperre in: Unser Harz, Nr. 3/2013, Verlag Fischer & Thielbar, Clausthal-Zellerfeld, 2013
  3. www.anglermap.de: Gewässersteckbrief Eckertalsperre (Eintrag von 2013, abgerufen 11. November 2014)
  4. Harzer Wandernadel: Stempelstelle 1 – Eckertalsperre-Staumauer auf harzer-wandernadel.de