Wendell Willkie

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Wendell Willkie (1940)
Unterschrift

Wendell Lewis Willkie (* 18. Februar 1892 in Elwood, Madison County, Indiana; † 8. Oktober 1944 in New York City) war ein US-amerikanischer Jurist, der sich neben seiner Tätigkeit als Anwalt auch politisch betätigte. Bei der Präsidentschaftswahl von 1940 war er republikanischer Gegenkandidat von Amtsinhaber Franklin D. Roosevelt.

Willkie, Sohn einer deutschstämmigen Familie, studierte Jura und war nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg als Wirtschaftsanwalt tätig. Dort stieg er ab Ende 1920er Jahre in höhere und einflussreiche Positionen, unter anderem als Präsident der Southern Company (C&S), auf. Neben seiner beruflichen Tätigkeit engagierte er sich auch politisch in der Demokratischen Partei. Obwohl er einen Großteil des New Deal unter Präsident Roosevelt unterstützte, wurde zum Gegner der staatlichen Tennessee Valley Authority (TVA), da diese zum direkten Konkurrenten von C&S geworden war. Willkie verstand sich zwar Befürworter einer staatlich regulierten Wirtschaft, sah aber eine direkte Beteiligung der Regierung am Wirtschaftsleben wie im Falle der TVA kritisch. Als Konsequenz wandte er sich 1938 von seiner Partei ab und trat zu den Republikanern über. Liberale Republikaner sahen in dem als charismatisch wahrgenommenen Willkie bereits als möglichen Präsidentschaftskandidaten. Sowohl seine liberalen und progressiven Überzeugungen als auch seine Forderung nach einer internationalistischen Außenpolitik machten ihn innerhalb der Republikanischen Partei zu einer umstrittenen Figur. Infolge der politischen Entwicklungen in Europa vom Frühjahr 1940 wuchs Willkies Unterstützung erheblich und er wurde schließlich als Kompromisskandidat („dark horse“) aufgestellt. Im Wahlkampf sprach er sich für die Beibehaltung des New Deal aus, jedoch wollte er Roosevelts Reformen effizienter und weniger bürokratisch gestalten, umso die Great Depression endgültig überwinden zu können. Außenpolitisch mahnte er zu einer besseren Vorbereitung auf einen möglichen Eintritt seines Landes in den Zweiten Weltkrieg. Willkie forderte ebenso militärische Hilfe für Großbritannien gegen die Bedrohung durch das Deutsche Reich, dessen aggressive Politik er scharf verurteilte. Obwohl seine Auftritte große Begeisterung auslösten, siegte am Ende Präsident Franklin D. Roosevelt mit knappen 55 % der Stimmen und wurde somit für eine dritte Amtszeit gewählt. Nach seiner Niederlage zeigte sich Willkie dennoch loyal gegenüber dem Präsidenten, der ihn während des Krieges mit einer Reihe diplomatischer Missionen betraute. Auch engagierte sich Willkie für diverse politische und soziale Projekte. 1941 war er Mitbegründer des Freedom House, außerdem trat er energisch gegen Rassendiskriminierung auf. Im Vorfeld der Präsidentschaftswahl 1944 scheiterte sein Versuch, erneut als Kandidat seiner Partei nominiert zu werden. Im Oktober 1944 starb Willkie im Alter von 52 Jahren überraschend an einem Herzinfarkt.

Sowohl für sein politisches Engagement, als auch seinen von vielen als bemerkenswert fair bewerteten Wahlkampf in Zeiten einer außenpolitischen Krise fand Willkie parteiübergreifend hohe Wertschätzung. Seine Haltung, die sich einem Isolationismus und damit einem möglichen Heraushalten der USA auf dem von den Nationalsozialisten bedrohten Europa widersetzte, ermöglichte den Vereinigten Staaten 1941 politisch geschlossen in den Zweiten Weltkrieg einzutreten und so das Kriegsgeschehen zugunsten der Alliierten erheblich zu beeinflussen.

Leben[Bearbeiten]

Kindheit, Jugend und Ausbildung[Bearbeiten]

Wendell Willkie wurde als Sohn deutschstämmiger Eltern am 18. Februar 1892 in Elwood, Indiana geboren. Seine Großeltern emigrierten zusammen mit seinem Vater aus Aschersleben in Deutschland 1858 in die USA. Seine Eltern waren beide als Anwälte tätig und konnten so der Familie ein gutbürgerliches Auskommen sichern.[1][2] Nach dem Schulbesuch begann ein Studium. Da beide seine Eltern eine juristische Laufbahn einschlugen, war auch für Wendell eine berufliche Karriere in diesem Bereich vorgesehen. 1913 erwarb er an der University of Indiana den Bachelor of Arts. Danach gehörte er zeitweise der Studentenverbindung Beta Theta Phi an, wo er für ein Jahr Geschichte lehrte. Direkt im Anschluss absolvierte Willkie einen Studiengang in Jura an der Indiana School of Law, den er 1916 mit einem Bachelor of Laws erfolgreich abschloss. Im Folgejahr trat er freiwillig der US Army bei und wurde zum First Lieutenant berufen. Von seinen Eltern ursprünglich auf den Namen Lewis Wendell Willkie getauft, vertauschte ein Verwaltungsmitarbeiter der Armee jedoch seine beide Vornamen und er wurde unter dem Namen Wendell Lewis Willkie geführt. Willkie übernahm dies jedoch und wurde auch fortan und Freunden mit seinem eigentlichen Mittelnamen Wendell angesprochen. 1918 war seine Entsendung in den Ersten Weltkrieg vorgesehen, doch als Willkie Ende des Jahres in Frankreich ankam, war der Krieg für den Alliierten bereits gewonnen und er hatte keine Möglichkeit mehr, noch an den Kampfhandlungen teilzunehmen. Dennoch blieb er einige Monate in Paris, wo er als Assistent von US-Anklägern diente, die sich mit der Verfolgung von Kriegsverbrechen befassten.

Berufliche Tätigkeit und politische Aktivitäten[Bearbeiten]

Willkies Haus in Rushville, Indiana

Nach seiner Rückkehr in den USA beendete Willkie seinen Dienst bei den Streitkräften und heiratete im Jahr 1919 Edith Wilk; aus der Ehe ging der 1924 geborene Sohn Philip hervor, der ebenfalls eine juristische Laufbahn einschlug und sich politisch engagierte. Beruflich nahm seine Tätigkeit als Anwalt wieder auf und wurde juristischer Berater (corporate lawyer) der Firma Firestone Tire & Rubber Company. Für diese Anstellung siedelte er von Indiana nach Akron in den Nachbarstaat Ohio um. Im Jahr 1929 verließ Willkie Firestone, Tire & Rubber wieder und wurde juristischer Berater der Southern Company (C&S). Vier Jahre später erhielt die Beförderung zum Präsidenten von C&S, ein Unternehmen, das sich auf die Energieversorgung von elf US-Bundesstaaten konzentrierte.

Politisch engagierte sich Willkie in der Demokratischen Partei, wo er dem liberalen Parteiflügel zuzurechnen war. Auf der Democratic National Convention von 1924, dem Nominierungsparteitag für die anstehende Präsidentschaftswahl in diesem Jahr, fungierte er als ein Delegierter. Auch acht Jahre später, im Vorfeld der Präsidentschaftswahl 1932, war er Delegierter auf dem Nominierungsparteitag der Demokraten. Ursprünglich unterstützte Willkie die Bewerbung des chancenlosen Senator Newton D. Baker, später stimmte für den New Yorker Gouverneur Franklin D. Roosevelt, der dann auch aufgestellt wurde. Während des Wahlkampfes im Herbst 1932 unterstützte er Roosevelts Wahlkampf aktiv. Wie auch eine Mehrheit der Amerikaner, war Willkie der Ansicht, Roosevelt sei die Überwindung der Great Depression, unter der das Land seit dem Börsencrash von 1929 litt, eher zuzutrauen als dem republikanischen Amtsinhaber Herbert Hoover. In einer klaren Entscheidung setzte sich Roosevelt schließlich durch.

Willkie im Jahr 1939

Nachdem Roosevelt 1933 schließlich Präsident wurde, verfolgte er eine als New Deal bekannt gewordene Wirtschafts- und Sozialpolitik. Eine Reihe von Programmen und Initiativen aus dieser Reform, die Regulierung der Finanzmärkte und die Einführung einer Sozialversicherung, fanden Willkies Zustimmung. Unter anderem gründete Roosevelt aber auch die Tennessee Valley Authority (TVA), die das völlig rückständige Tennessee-Tal mit billiger Energie versorgen und vor Überflutungen schützen sollte. Die Authority war direkter Konkurrent der C&S. Willkie wurde zum Gegner des der TVA, er sprach sich insbesondere gegen die Teilnahme der Regierung am Wirtschaftsleben aus, obgleich sich als Befürworter eines staatlichen regulierten Marktes verstand. Er vertrat die Überzeugung, eine aktive Teilnahme des Staates würde dem Wettbewerb derart schaden, dass Innovationen nur noch eingeschränkt möglich wären. Darüber hinaus wären staatliche Unternehmen weniger an Wirtschaftlichkeit gebunden, da es ihnen möglich wäre, theoretisch unbegrenzte Verluste auf Kosten der öffentlichen Haushalte zu erwirtschaften. 1933 erreichte Willkie, dass der US-Senat den Bau von Überlandleitungen durch die TVA untersagte. Roosevelt stimmte den Senat noch einmal um; ein neu verabschiedetes Gesetz stattete die TVA mit umfangreichen Befugnissen aus. Sie erhielt von der Staatskasse praktisch unbegrenzten Kredit zu niedrigen Zinsen und konnte 1939 die C&S aufkaufen. Willkie verließ im selben Jahr die Partei und trat den Republikanern bei.

Inzwischen hatte sich Willkie durch seine Kritik an der TVA zu einer bekannten Person des öffentlichen Lebens entwickelt. Willkie selbst suchte vermehrt den Kontakt zur Presse; mit vielen Journalisten pflegte eine gute Beziehung, wozu auch seine als umgänglich empfundene Persönlichkeit beitrug. Am 6. Januar 1938 war er bei einer landesweit ausgestrahlten Talksendung im Radio zu Gast, wo er sich mit dem Demokraten Robert H. Jackson ein politisches Rededuell lieferte. Jackson war zu dieser Zeit ein hochrangiger Beamter des US-Justizministeriums in der Roosevelt-Regierung und wurde als potentieller Präsidentschaftskandidat seiner Partei für die Wahl 1940 angesehen. Nach Ende der Sendung waren die meisten Zuhörer und Reporter der Ansicht, dass Willkie das Rededuell gewonnen habe. Vertreter des liberalen Parteiflügel der Republikaner begannen, in dem als charismatisch wahrgenommenen Anwalt einen potentiellen Präsidentschaftsbewerber zu sehen.

Präsidentschaftswahl 1940[Bearbeiten]

Der Weg zur Kandidatur[Bearbeiten]

Willkie auf dem Titel des Time Magazine vom 31. Juli 1939

Das politische Klima in den Vereinigten Staaten hatte sich mit Beginn des Wahljahres 1940 dahingehend gewandelt, dass der Fokus der Öffentlichkeit sich mehr der Außenpolitik zuwandte. Dies war im Wesentlichen der aggressiven Politik des Deutschen Reiches und der Japanischen Kaiserreichs geschuldet. In den letzten zwei Jahren hatte es keine größeren Reformankündigungen von Seiten der Roosevelt-Administration mehr gegeben. Die Verabschiedung der New-Deal-Programme war im Wesentlichen abgeschlossen. Obwohl die Reformen die Wirtschaft erheblich stabilisierten und die humanitäre Not linderten, hatte bislang kein bedeutender Aufschwung eingesetzt, der das Land endgültig aus der Great Depression holte.

Aufgrund der außenpolitischen Entwicklungen wurde eine Kandidatur von Präsident Roosevelt für dritte Amtszeit immer wahrscheinlicher. Obwohl es zwar innerparteilich, speziell aus den konservativen Südstaaten, Widerstand gegen solche Pläne gab, war der Amtsinhaber noch immer bei Parteibasis und Bevölkerung sehr beliebt. Die Republikanische Partei war unterdessen tief gespalten. Innenpolitisch standen sich ein konservativer und ein liberal-moderater Parteiflügel gegenüber. Die Konservativen forderten eine Rückkehr zur Laissez-faire-Politik wie in den 1920er-Jahren unter den Präsidenten Harding, Coolidge und Hoover sowie eine Revidierung des New Deal. Der liberale Flügel, dem neben Willkie auch der Kandidat von 1936 Alf Landon angehörte, sprach sich für eine Beibehaltung vieler New-Deal-Programme aus, wollte ihn jedoch effizienter gestalten. In außenpolitischen Fragen waren die Republikaner ebenfalls in zwei Lager gespalten. Mehrheitlich gehörten die führenden Köpfe der Partei jedoch den Isolationisten an, die das außenpolitische Engagement der USA auf ein absolutes Minimum beschränken wollten. Sie erteilten Forderungen der Briten unter Premierminister Winston Churchill eine Absage, das Vereinigte Königreich in seinem Krieg gegen das NS-Regime militärisch, etwa in Form von Ausrüstungs- und Waffenlieferungen, zu unterstützten. Eine Reihe von Republikanern forderten sogar die Aufnahme von Verhandlungen mit dem Dritten Reich. Präsident Roosevelt lehnte dies zwar kategorisch ab, doch auch er zögerte vor den Wahlen mit weitgehenden Hilfen für die Briten in dem Bewusstsein, dass es in der amerikanischen Bevölkerung noch immer mehrheitlich eine isolationistische Grundstimmung gab. Aufgrund dieser Stimmungslage wurden Willkie, der sich wie der Präsident als Internationalist, also ein aktiveres Engagement der USA in der Welt, begriff nur wenige Chancen auf die republikanische Spitzenkandidatur eingeräumt. Außerdem stießen seine liberalen Ansichten zu wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen beim konservativen Parteiflügel auf erbitterten Widerstand. Auch störten sich viele konservative Republikaner an Willkies Vergangenheit als Demokrat. Als Favoriten für die republikanische Nominierung wurden der erzkonservative Senator Robert A. Taft, der Senator Arthur H. Vandenberg und der innenpolitisch moderate New Yorker Distriktstaatsanwalt Thomas E. Dewey angesehen, die alle eine isolationistische Außenpolitik verschieden starker Ausprägung forderten.

Die öffentliche Meinung begann allmählich zu kippen, nachdem Adolf Hitler im Frühjahr 1940 damit begann, in eine Reihe europäischer Nachbarstaaten einzumarschieren (Polen war bereits 1939 überfallen worden). Besonders die rasche militärische Niederlage Frankreichs und damit einhergehende Einnahme von Paris durch die Wehrmacht im Juni 1940 lösten einen Schock in der US-Öffentlichkeit aus. Infolge dieser Ereignisse begann Willkies Zustimmung an der Parteibasis rasch zu wachsen. Liberale Republikaner trauten außerdem dem als charismatisch wahrgenommenen Willkie, der auch als guter Redner bekannt war, am ehesten einen Wahlsieg zu. Auch Medienmagnate wie Ogden Reid (New York Herald Tribune) und Roy Howard (E. W. Scripps Company) unterstützten ihn nun.

Der Republikanische Nominierungsparteitag[Bearbeiten]

Willkie spricht nach seiner Nominierung zu Anhängern in seiner Heimatstadt Elwood, Indiana (August 1940)
Wendell Willkie (rechts) im Gespräch mit seinem Vizepräsidentschaftskandidaten, Senator Charles L. McNary

Als der republikanische Nominierungsparteitag im Juni 1940 begann ging man von Taft, Vandenberg oder Dewey als Gewinner der Abstimmung aus. Dewey hatte eine Reihe von Vorwahlen gewonnen, doch 1940 wurde die überwältigende Mehrheit der Delegierten nicht durch Vorwahlen sondern die lokalen Parteiverstände bestimmt. Ohnehin hielten nur eine kleine Anzahl von Staaten solche Vorwahlen ab; daher bestand auch für Willkie die Möglichkeit, nominiert zu werden, obgleich er bei den Primaries nur rund drei Prozent der Stimmen erzielte. Nach dem durch den Sieg der Nationalsozialisten über Frankreich auch viele politische Beobachter eine Gefahr für die USA sahen, fiel Deweys Zustimmung rasch, da er mit 38 Jahren als zu unerfahren angesehen wurde, das Land in solchen Krisenzeiten zu führen. Unterdessen wuchs die öffentliche Zustimmung zu Willkie immer weiter, den Parteitag erreichten tausende Telegramme von Bürgern, die sich für Willkie aussprachen. Auf der Versammlung verschafften sich seine Unterstützer mit Sprechchören Gehör, als sie wiederholt „We want Willkie!“ („Wir wollen Willkie!“) skandierten. Im ersten Wahlgang lag Dewey vorne, doch der junge Staatsanwalt verpasste die notwendige absolute Mehrheit klar. Willkie schnitt als Dritter hinter Dewey und Taft überraschend gut ab. Im dritten Wahlgang überrundete er Taft schließlich bei der Zahl der Delegierten, im vierten Durchlauf ließ er auch Dewey hinter sich, doch noch reichte es nicht zur absoluten Mehrheit. Deweys Anhänger, die ebenfalls dem liberalen Flügel angehörten, liefen nun zu Willkie über, dem es im sechsten Wahlgang schließlich gelang, Taft zu besiegen. Er wurde damit Kandidat einer großen Partei zur Präsidentschaftswahl, ohne je ein politisches Amt bekleidet zu haben. Bis heute ist er der einzige Bewerber einer großen Partei, der zuvor weder ein politisches Mandat noch einen hohen militärischen Rang innehatte. Nach seiner Nominierung suchte Willkie seinen Kandidaten für die Vizepräsidentschaft nicht selbst aus, sondern überließ die Auswahl den Delegierten. Der Parteitag entschied sich für Charles L. McNary, ein Senator aus Oregon. McNary vertrat innenpolitisch moderate Positionen und schien sowohl durch seine politische Erfahrung als geografisch eine sinnvolle Ergänzung zu Willkie.

Obwohl sich Willkies geschlagene Kontrahenten offiziell loyal zeigten, gab es innerparteilich nicht nur Zustimmung. Vor allem der nach wie vor einflussreiche Flügel der Isolationisten stand dem Kandidaten skeptisch gegenüber. Der frühere republikanische Präsident Herbert Hoover (1929–1933), der sich 1940 ebenfalls Chancen ausrechnete als Kompromisskandidat nominiert zu werden, war von Willkie wenig überzeugt. Auch ein persönliches Treffen der beiden im Sommer des Jahres änderte daran nichts. Hoover betrachtete Willkie als zu liberal, dessen Überzeugungen sowohl innen- wie außenpolitisch eher denen Roosevelts glichen als seiner eignen. Willkie unterdessen sah Hoover als Repräsentant einer veralteten Politik. Unter liberalen Republikanern fand Willkie hingegen große Zustimmung; so engagierte sich der Präsidentschaftskandidat von 1936 Alf Landon für ihn.[3]

Willkies Wahlkampf[Bearbeiten]

Poster aus dem Wahlkampf 1940
Willkies Gegner: Der amtierende Präsident Franklin D. Roosevelt

Während Willkie überraschend als Gewinner der republikanischen Kandidatenkür hervorging, nominierten die Demokraten mit großer Mehrheit Amtsinhaber Franklin D. Roosevelt für eine dritte Amtszeit. Der Präsident hatte sich aufgrund der gespannten außenpolitischen Lage dazu entschlossen, mit der Tradition zu brechen und ein drittes Mal für das Weiße Haus zu kandidieren. Gegen Roosevelts Vorhaben gab es innenparteilich zwar vereinzelt Kritik, speziell vom konservativen Parteiflügel aus den Südstaaten (so überwarf sich Vizepräsident John Nance Garner mit Roosevelt), doch war der Präsident bei Parteibasis und Bevölkerung weiterhin äußerst populär. Viele führende Demokraten, wie etwa Innenminister Harold Ickes, waren der Überzeugung, dass ausschließlich Roosevelt den charismatischen Willkie bei der Wahl bezwingen könne.

Willkie konzentrierte seine Wahlkampagne auf drei größere Themenblöcke: Die vermeintliche Ineffizienz des New Deals, eine aus seiner Sicht mangelnde Vorbereitung auf einen drohenden Krieg und Roosevelts Versuch, für eine dritte Amtsperiode gewählt zu werden. Wie auch die Mehrheit der US-Bevölkerung stand Willkie dem New Deal als Ganzes nicht feindlich gegenüber. Zahlreiche Reformen wie beispielsweise die Einführung einer Sozialversicherung, die Schaffung des Trennbankensystems und weitere Regulierungen der Finanzmärkte ebenso wie ein gesetzlicher Mindestlohn befürwortete Willkie. Für ihn stand außer Zweifel, dass die nahezu vollständig deregulierte Wirtschaft der 1920er-Jahre hauptverantwortlich für den Zusammenbruch der Börse und die damit einhergehende Weltwirtschaftskrise verantwortlich war. Auch verstand Willkie, dass die daraus resultierende humanitäre Not, dort wo sie wie in weiten Teilen Europas nicht bekämpft wurde, ein idealer Nährboden für totalitäre und faschistische Regime wie im Deutschen Reich oder Japan bildete. Daher kündigte er an, ihm Falle eines Wahlsieges ein Großteil des New Deals beizubehalten, viele der Programme aber effizienter und weniger bürokratisch zu gestalten. Die vermeintliche Bürokratie des New Deals war für Willkie mitverantwortlich für das Ausbleiben eines größeren und nachhaltigeren Wirtschaftsaufschwungs, obgleich sich die Lage ökonomisch und humanitär seit Roosevelts Amtsübernahme merklich verbesserte (tatsächlich setzte ein größerer Aufschwung erst mit dem Zweiten Weltkrieg ein). Willkie erklärte außerdem, er werde als Präsident enger mit der Wirtschaft zusammenarbeiten, um die wirtschaftliche Depression endgültig zu überwinden.

Außenpolitisch gab relativ wenig Differenzen zwischen den beiden Kandidaten. Beide lehnten jegliche Gespräche mit der NS-Führung ab und erklärten sich gegenüber Briten und Franzosen solidarisch. Willkie warf dem Präsidenten jedoch vor, das Land nicht ausreichend gegen einen drohenden Krieg vorzubereiten. Obwohl Roosevelt tatsächlich schon seit 1938 mit einer langsamen Aufrüstung begann, sah er sich nicht zuletzt durch Willkies Kritik dazu gezwungen, im Oktober 1940, einen Monat vor der Wahl, die Wiedereinführung der Wehrpflicht anzuordnen. Willkie zeigte sich zunächst positiv gegenüber dieser Entscheidung, ruderte dann aber wieder ein Stück zurück, nachdem die Öffentlichkeit mehrheitlich negativ auf diesen Schritt des Weißen Hauses reagierte. Eine direkte Kriegsbeteiligung lehnten beide Kandidaten, wie auch die Mehrheit der Bevölkerung, noch ab.

Scharfe Kritik äußerte Willkie an Roosevelt Bestrebung nach einer dritten Amtszeit. Durch seine liberalen Positionen hoffte er, auch Demokraten und andere liberale Strömungen für sich gewinnen zu können, die eine dritte Amtsperiode für den Präsidenten ablehnten. Obwohl der 22. Verfassungszusatz, der die Wählbarkeit eines jeden Präsidenten auf zwei Wahlperioden beschränkt erst 1951 in Kraft trat, hatte bislang kein Präsident mehr als zwei Amtszeiten regiert. Diese Tradition ging auf den ersten Präsidenten George Washington zurück, der allen Nachfolgern empfahl, nicht länger als zwei Wahlperioden im Amt zu bleiben. In Opposition zu Roosevelt bildeten sich infolge einer Reihe von Kampagnen, die Willkies Kandidatur unterstützen. Sogar einige Demokraten schlossen sich dem unter dem Sloagen „No third term! Democrats for Willkie“ („Keine dritte Amtszeit! Demokraten für Willkie“) an. Willkie äußerte gegenüber seinen Anhängern: „If one man is indispensable, then none of us is free.“ („Wenn ein Mann unabdingbar ist, ist keiner von uns frei“).[4]

Obgleich Willkie gegen einen nach wie vor populären Amtsinhaber antrat, konnte bei seinen Auftritten die Massen für sich begeistern. Willkie, der als charismatisch wahrgenommen wurde, war als ein begabter Redner bekannt. Seine Wahlkampfveranstaltungen waren stets voll besucht. Der Willkie-Biograf Steve Neal schrieb, Willkie vermochte es, bei seinen Auftritten derartige Begeisterungsströme auszulösen, wie es kein republikanischer Kandidat seit Theodore Roosevelt mehr getan habe.[5] Wie auch sein Kontrahent erkannte Willkie die Bedeutung des Rundfunks, wo er sich in Werbespot direkt an die Bevölkerung wandte. Der Vorsitzenden des republikanischen Nationalkomitees Joseph William Martin schrieb später, Willkie habe derart viel Sendezeit im Radio kaufen wollen, dass die Partei sämtliche Wahlkampfgelder ausgab (auch jene, die schon für die Kongresswahlen 1942 vorgesehen waren). Im September 1940 erhielt er überraschend eine offizielle Unterstützungserklärung der renommierten Tageszeitung The New York Times, die als liberales Medium bekannt ist. Dies war insofern bemerkenswert, dass sie ansonsten mehrheitlich demokratische Kandidaten unterstützte. Willkie war der einzige der vier republikanischen Gegner Roosevelts, für den diese Zeitung eine Wahlempfehlung herausgab. Sowohl 1932 und 1936 als auch wieder 1944 unterstützte die Times Franklin D. Roosevelt.[6]

Für amerikanische Verhältnisse war der Wahlkampf dennoch von beiden Seiten bemerkenswert fair geführt worden. Beide Kandidaten zeigten sich respektvoll gegenüber ihrem Kontrahenten und ließen persönliche Angriffe auf den jeweils anderen aus.

Der Wahltag[Bearbeiten]

Ergebnisse der Wahl nach einzelnen Staaten (die Nummern stehen für die Anzahl an Wahlmännern, die der jeweilige Bundesstaat zu vergeben hat)
  • Mehrheit für Roosevelt
  • Mehrheit für Willkie

Roosevelt konnte alle Umfragen während des Wahlkampfes im Herbst 1940 mit unterschiedlichen Abständen anführen. Am Wahltag, dem 5. November 1940, siegte Präsident Roosevelt letztlich mit 54,7 gegen 44,8 % der Stimmen und wurde als einziger US-Präsident für eine dritte Amtszeit gewählt. Von den damals 48 Bundesstaaten gewann das republikanische Duo aus Willkie und McNary in zehn die Mehrheit, vornehmlich im Mittleren Westen sowie Maine und Vermont, Roosevelt sicherte sich in 38 Staaten eine Mehrheit. Damit konnte setzte sich der Amtsinhaber im Wahlmännergremium mit einem Stimmenverhältnis von 449 zu 82 klar durch. Insgesamt erhielt Willkie 22,3 Millionen Stimmen, für seinen Kontrahenten votierten 27,3 Millionen Wähler. Trotz seiner Niederlage konnte Willkie sechs Millionen Stimmen mehr als sein Parteikollege Alf Landon im Jahr 1936 erringen, Roosevelts Voten blieben in Summe fast gleich. Dennoch erhielt Willkie in absoluten Zahlen mehr Stimmen als jeder republikanische Kandidat vor ihm. Erst Dwight D. Eisenhower konnte dies bei der Wahl von 1952 überrunden.[4]

Willkie nahm seine Niederlage mit großer Demut auf und sicherte zu, den Präsidenten vor allem in außenpolitischen Angelegenheiten zu unterstützen. Nach der Wahl zollte Roosevelt seinem Widersacher dennoch Respekt. Wenige Tage nach seinem Sieg äußerte der Präsident privat gegenüber seinem Sohn James: „I'm happy I've won, but I'm sorry Wendell lost“ („Ich freue mich, gewonnen zu haben aber bedaure, dass Wendell verloren hat)“.[7]

Spätere Jahre[Bearbeiten]

Weiteres berufliches und politisches Wirken[Bearbeiten]

Wendell Willkie im April 1941

Nach seiner Niederlage blieb Willkie eine bekannte öffentliche Person. Seine Unterstützung in der Bevölkerung war noch immer groß und er wurde mit 48 Jahren politisch keineswegs abgeschrieben. In den Monaten nach der Wahl erhielt er mehrere tausend Briefe von Bürgern, die ihm ihren Zuspruch bekundeten. Willkie bedauerte er es, aufgrund der hohen Zahl an Unterstützern nicht allen Botschaften persönlich antworten zu können. In der Folgezeit zeigte er sich dem Präsidenten wieder loyal und unterstützte ihn in einer Reihe von Fragestellungen; die Verabschiedung des Leih- und Pachtgesetzes im März 1941 befürwortete der ehemalige Präsidentschaftskandidat eindringlich. Roosevelt sah in seinem einstigen Gegner nun einen wichtigen Verbündeten zur Durchsetzung seiner außenpolitischen Ziele. Im Frühjahr 1941 unternahm er im Auftrag des Präsidenten eine diplomatische Reise nach Großbritannien, wo er sich mit Premierminister Winston Churchill zu Gesprächen traf. Obwohl beide in ihrer Opposition zum Dritten Reich vereint waren, sah Willkie den britischen Regierungschef als zu konservativ für die Mitwirkung einer Nachkriegsordnung an und kritisierte den britischen Kolonialismus. Hier lag Willkie ganz auf der Linie Roosevelts, der den britischen Kolonialismus ebenso ablehnte und das Selbstbestimmungsrecht der Völker propagierte. Dennoch blieben Briten und Amerikaner eng verbündet in ihrer Bestrebung, das NS-Regime zu bezwingen. 1942 unternahm Willkie ebenfalls im Auftrag Roosevelts eine politische Weltreise, die ihn in die UdSSR und nach China führte.

Im Jahr 1941 war Willkie gemeinsam mit Roosevelts Frau Eleanor einer der Mitbegründer des Freedom House, eine internationale Nichtregierungsorganisation (NGO) mit Hauptsitz in Washington, D.C., deren Ziel es ist, liberale Demokratien weltweit zu fördern. Bekannt ist sie heute vor allem durch ihre jährlich veröffentlichten Berichte Freedom in the World und Freedom of the Press. Auch äußerte er sich immer wieder zu gesellschaftspolitischen Themen; so bezog Willkie eine klare Stellung gegen Rassendiskriminierung. Bei diesem Thema warf er beiden Parteien mangelndes Engagement vor. Willkie vertrat die Auffassung, es sei absurd im Zweiten Weltkrieg gegen die Ideologie von Antisemitismus und Rassismus zu bekämpfen und gleichzeitig im eignen Land die Rechte von Afroamerikanern im sozialen und ökonomischen Bereich einzuschränken. Diese Haltung brachte ihm schon 1940 die Fürsprache prominenter Schwarzer wie jene des Boxers Joe Louis ein.[8]

Präsidentschaftswahl 1944[Bearbeiten]

1944 war er als erneuter republikanischer Gegenkandidat Roosevelts bei der Präsidentschaftswahl dieses Jahres gehandelt worden. Nachdem jedoch Thomas E. Dewey im Sommer 1944 nominiert wurde, äußerte sich Willkie nicht zum Präsidentschaftswahlkampf. Da er noch immer eine bedeutende öffentliche Person war, erhofften sich beide Kandidaten seine Fürsprache (am Ende siegte Roosevelt erneut). Ab 1944 trieb er in New York zudem den Aufbau der Liberal Party voran, die sich als liberal-progressive Alternative im US-Parteiensystem etablieren sollte. Selbst Franklin D. Roosevelt zeigte sich offen für diese Idee. Sein überraschender Tod verhinderte jedoch derartige Pläne.

Tod[Bearbeiten]

Wendell Willkie starb überraschend am 8. Oktober 1944 im Alter von 52 Jahren nach mehreren Herzinfarkten. Wenige Tage später wurde in seiner Heimat in Indiana beigesetzt. Eleanor Roosevelt würdigte ihn wenige später für sein Lebenswerk.

Auch sein Running Mate von 1940 Charles McNary starb wenige Monate zuvor. Es war das einzige Mal in der amerikanischen Geschichte, dass sowohl der Präsidentschafts- als auch Vizepräsidentschaftskandidat einer großen Partei während der Amtsperiode starben, für die sie zur Wahl angetreten waren.

Werke[Bearbeiten]

  • This Is Wendell Willkie. 1940 (Reden und Aufsätze)
  • One World. 1943
  • An American Program. 1944

Literatur[Bearbeiten]

  • Ellsworth Barnard: Wendell Willkie, fighter for freedom. 1966
  • Steve Neal: Dark Horse: A Biography of Wendell Willkie. 1989
  • Herbert S. Parmet und Marie B. Hecht: Never Again: A President Runs for a Third Term. 1968
  • Charles Peters: Five Days in Philadelphia: The Amazing „We Want Wilkie!“ Convention of 1940 and How It Freed FDR to Save the Western World. 2005

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wendell Willkie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. GERMANY: Willke, Willcke, Willeke. In: time.com. 24. März 1941, abgerufen am 30. Dezember 2014.
  2. Ellsworth Barnard: Wendell Willkie, Fighter for Freedom. University of Massachusetts Press, 1966, ISBN 9780870230882, S. 8. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  3. Steve Neal: Dark Horse: A Biography of Wendell Willkie. University Press of Kansas, 1989. S. 129-30
  4. a b Franklin D. Roosevelt: Campaigns and elections. Miller Center of Public Affairs, University of Virginia.
  5. Steve Neal: Dark Horse: A Biography of Wendell Willkie. University Press of Kansas, 1989. S. 191
  6. The choice of a candidate, The New York Times, 19. September 1940 (englisch), online als PDF
  7. Steve Neal: Dark Horse: A Biography of Wendell Willkie. University Press of Kansas, 1989. S. 181
  8. Steve Neal: Dark Horse: A Biography of Wendell Willkie. University Press of Kansas, 1989. S. 189