Energiemix

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Unter Energiemix wird in der Wirtschaft und speziell in der Energiewirtschaft der Anteil der verschiedenen Energieträger am Primärenergieverbrauch eines Staates innerhalb eines Jahres verstanden.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Energieträger, die beim Energiemix eine Rolle spielen, kommen fossile Energien (Atomkraft, Erdgas, Erdöl, Kohle) und erneuerbare Energien (Bioenergie, Geothermie, Solarenergie, Wasserkraft und Windenergie) in Betracht. Strom ist dagegen eine Sekundärenergie, die durch oft verlustreiche Wandlung aus Primärenergien gewonnen wird. Der Stromverbrauch geht somit erst in den Endenergiebedarf ein. Der jährliche Primärenergieverbrauch eines Staates ergibt sich nach Abzug von Export und Lagerung (in Kohlenhalden, Erdgaskavernen, Öltanklagern oder Ölkavernen). Das jährliche Primärenergieaufkommen setzt sich aus Förderung, Import und Lagerentnahmen zusammen (siehe Energiebilanz).

Der Energiemix ist insbesondere in Staaten von Bedeutung, die einen hohen Energieverbrauch in der Wirtschaft aufweisen und gleichzeitig bei ihrer Energieversorgung auf den Import von Energieträgern wesentlich angewiesen sind. Der Krieg in der Ukraine 2022 hat diese Problematik für Deutschland und andere EU-Mitgliedstaaten offengelegt.

Berechnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Energiemix ergibt sich aus der Gegenüberstellung eines Energieträgers mit dem gesamten Primärenergieverbrauch :

.

Zur Ermittlung der Kennzahl werden die Anteile aller relevanten Energieträger errechnet und für die Wirtschaftsstatistik ausgewertet.

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Primärenergieverbrauch Deutschland 2020

Die Struktur des Primärenergieverbrauchs in Deutschland nach Energieträgern sieht im Vergleich zwischen 2018 und 2020 wie folgt aus:[1]

Energieträger Anteil am
Primärenergieverbrauch
2018
Anteil am
Primärenergieverbrauch
2020
Mineralöl 34,0 % 33,7 %
Erdgas 23,4 % 26,6 %
erneuerbare Energien 13,8 % 16,6 %
Braunkohle 11,3 % 8,1 %
Steinkohle 10,9 % 7,7 %
Kernenergie 6,3 % 6,0 %
Sonstige 0,4 % 1,9 %

Die Abhängigkeit von fossiler Energie (insbesondere Mineralöl und Erdgas) ist sehr hoch und verstärkt sowohl die Ressourcenverknappung als auch die Umweltbelastung. Auch diese Staatsziele sind beim Energiemix zu beachten.

Die Importabhängigkeit einiger Energieträger wird aus folgender Tabelle deutlich:

Energieträger Importe 2020 Importquote
2020 in %
Erdöl 42 % aus Russland Russland
14 % aus Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich
14 % aus Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
098,0 %
Erdgas 55 % aus Russland Russland
31 % aus Norwegen Norwegen
13 % aus Niederlande Niederlande
094,4 %
Steinkohle 38,9 % aus Russland Russland
17,5 % aus Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
100,0 %
Uran Frankreich Frankreich, Kanada Kanada,
Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich
100,0 %

Uran zur Kernenergienutzung wird zu 100 % importiert, nachdem die Gewinnung in Thüringen und Sachsen im Mai 2021 eingestellt wurde. Da im Dezember 2022 die letzten Kernkraftwerke abgeschaltet werden, sind Uranimporte nur noch für medizinische Zwecke notwendig. Die inländische Produktion von Steinkohle wurde im Januar 2019 beendet, seitdem wird der Energieträger vollständig importiert. Ebenso wird Erdöl und Erdgas fast vollständig aus dem Ausland bezogen.

Wirtschaftliche Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch beim Energiemix kann es Monostrukturen geben.[2] Während die erneuerbare Energie fast ausnahmslos in Deutschland erzeugt wird (99,2 %), besteht bei fossiler Energie teilweise eine hohe und riskante Abhängigkeit von Importen.[3] Um diese Monostrukturen zu verringern oder zu vermeiden, müssen Diversifizierungen den Energiemix so verändern, so dass einseitige Import- und Exportabhängigkeiten mit einzelnen Staaten ganz oder teilweise beseitigt werden. Zudem ist bei fossilen Energieträgern deren Reichweite zu berücksichtigen.

Die stetige Überwachung von Abhängigkeiten und Reichweiten sind die wesentlichen Aufgaben der Energiepolitik. Exportiert beispielsweise ein Land seine Güter oder Dienstleistungen überwiegend in ein einziges anderes Land, liegt eine maximale Monostruktur vor. Sie birgt das Risiko in sich, dass bei wirtschaftlichen Krisen (beispielsweise leidet das andere Land an Devisenmangel und kann sich die Importe nicht mehr leisten) oder politischen Konflikten (Boykott, Embargo) das importierende Land als Schuldner ausfällt. Bei monostrukturellen Importen besteht umgekehrt das gleiche Risiko, es muss vom Importeur-Staat aus minimiert werden. Das Risiko des importierenden Staates kann als Erfüllungsrisiko, das des exportierenden als Zahlungsrisiko eingestuft werden. Aus dieser Perspektive widerspricht das Projekt Nord Stream 2 den Regeln eines diversifizierten Energiemix.[4]

Der Krieg in der Ukraine 2022 hat den sehr ungünstigen deutschen Energiemix in den Fokus gerückt. Wie Wirtschaftsminister Robert Habeck im März 2022 mitteilte, soll durch kurzfristig geschlossene Vertragsgestaltungen die Abhängigkeit von russischem Erdgas (von 55 % auf 30 %), von Rohöl (35 % auf 25 %) und von Kohle (50 % auf 25 %) abgebaut werden.[5] Diese hohe Abhängigkeit birgt die Gefahr in sich, dass ein denkbarer russischer Exportstopp die deutsche Energiesicherheit beeinträchtigt.

Die internationale Energiewende hat wie die Energiewende in Deutschland absehbar enorme Auswirkungen auf den Energiemix. Da derartige Energiewenden durch staatliche Eingriffsverwaltung erfolgen, sind Desinvestitionen beim umfangreichen Sachanlagevermögen der Betreiber (Stilllegung von Bergwerken, Stilllegung von Atomanlagen) und Investitionen in Zukunftsmärkte (erneuerbare Energien) mit langfristigen Anpassungsmaßnahmen der Energiewirtschaft verbunden. Sehr lange Nutzungsdauern konnten dadurch nicht realisiert werden.[6] Grund war auch, dass für viele, vorzeitig stillzulegende technische Anlagen die Pay-back-Periode (Amortisation) noch nicht abgeschlossen war, so dass eine vorzeitige Stilllegung nachträglich eine Fehlinvestition darstellt.

International[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Energiemix nach dem Primärenergieverbrauch in Erdöl-Äquivalenten sieht international wie folgt aus:[7]

Staat Erdöl Erdgas Kohle Kernenergie erneuerbare
Energien
Belgien Belgien 39,9 % 25,3 % 5,3 % 20,1 % 6,9 %
Danemark Dänemark 35,6 % 17,4 % 11,5 % 0,0 % 30,3 %
Deutschland Deutschland 32,7 % 22,7 % 24,9 % 7,1 % 11,5 %
Frankreich Frankreich 28,5 % 15,7 % 3,5 % 43,0 % 10,1 %
Italien Italien 34,1 % 38,5 % 7,3 % 0,0 % 17,2 %
Niederlande Niederlande 37,8 % 40,3 % 13,7 % 1,4 % 5,1 %
Norwegen Norwegen 29,8 % 20,3 % 2,8 % 0,0 % 51,2 %
Osterreich Österreich 35,1 % 21,6 % 8,9 % 0,0 % 30,2 %
Polen Polen 26,0 % 14,7 % 49,5 % 0,0 % 8,8 %
Russland Russland 23,7 % 50,7 % 15,5 % 7,0 % 2,6 %
Schweiz Schweiz 38,6 % 12,5 % 0,5 % 23,2 % 22,3 %
Spanien Spanien 42,3 % 20,9 % 8,8 % 12,7 % 14,5 %
Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich 33,9 % 38,8 % 6,6 % 10,4 % 8,6 %

Frankreich führt im Energiemix bei der Kernenergie, völlig ohne Kernenergie kommen Dänemark, Italien, Norwegen, Österreich und Polen aus. Den höchsten Anteil an erneuerbaren Energien weist Norwegen auf, das den größten Teil seiner Erdgas- und Erdölförderung exportiert. Den höchsten Erdgasanteil weist Russland auf, das diesen Energieträger jedoch selbst fördert und deshalb auch bei den übrigen Energieträgern einen hohen Selbstversorgungsgrad besitzt.

Abgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Strommix wird der Anteil der Energieträger an der Stromerzeugung eines Staates verstanden. Nur ein Teil des Primärenergieverbrauchs, der beim Energiemix analysiert wird, geht in die Stromerzeugung. Nach der deutschen Energiebilanz von 2020 waren es in diesem Jahr in Deutschland etwa 25 % des Primärenergiebedarfs.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statista, Struktur des Primärenergieverbrauchs in Deutschland nach Energieträgern im Jahr 2020, Januar 2022
  2. Fränkische Geographische Gesellschaft (Hrsg.), Mitteilungen der Fränkischen Geographischen Gesellschaft, Band 49, 2002, S. 107
  3. Chemie Technik vom 22. Februar 2022, Ukrainekrise: So abhängig ist Deutschland von russischem Öl und Gas
  4. Götz Grothus, Fünf nach Zwölf: Eine Momentaufnahme, 2021, S. 72
  5. tagesschau.de vom 25. März 2022, Russische Ölimporte bis Sommer halbieren
  6. Lars Holstenkamp/Jörg Radtke (Hrsg.), Handbuch Energiewende und Partizipation, 2018, S. 745
  7. IEA (Hrsg.), World Energy Balances database, 2019
  8. AG Energiebilanzen - Daten und Fakten. Abgerufen am 13. April 2022.