Energiemix

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Energiemix 2011

Als Energiemix wird die Verwendung verschiedener Primärenergieformen zur gesamten Energieversorgung bezeichnet. Umgangssprachlich unscharf wird auch der Strommix als Kennzeichnung der Verwendung verschiedener Primärenergien bei der Versorgung mit elektrischer Energie als Energiemix bezeichnet, hier aber nur im Gesamtvolumen betrachtet.

Der Einsatz einer einzigen Energiequelle, z. B. Erdöl, zur Wärme- und Stromversorgung ist aufgrund der daraus resultierend Abhängigkeit von ihrem Preis und von ihrer (oft auch politisch bestimmten) Verfügbarkeit[1] für größere Menschen- und Gewerbezahlen problematisch, so dass es bei der Energieversorgung einer ganzen Gesellschaft in der Regel zu einem Energiemix kommt.

Die Mengen an verfügbarer Sonnenenergie, Wasser- und Windenergie sind u. a. abhängig von Saison und Wetter (und bei der Sonnenenergie auch von der Tageszeit). Sie sind jedoch prinzipiell nur durch die Solarkonstante begrenzt.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland basiert die Energieversorgung hauptsächlich auf fossilen Energiequellen. Diese haben 2013 einen Anteil von 81,2 % am Primärenergieverbrauch, darin Mineralöl (33,7 %), Erdgas (22,6 %), Steinkohle (13,0 %), Braunkohle (11,9 %).[2] Erneuerbare Energien deckten 11,9 % und Kernenergie 7,7 % sowie Stromhandel und übrige Energieträger zusammen 0,7 % des Primärenergieverbrauchs.[2] Dies sind die Zahlen für die Gesamtenergieversorgung und nicht mit den Anteilen der jeweiligen Energiequellen an der Stromversorgung zu verwechseln.

Im Jahr 2014 hatten die erneuerbaren Energien einen Anteil von 25,8 % am deutschen Bruttostromverbrauch.[3] Zwischen 1990 und 2012 stieg dieser Anteil von 3,4 % auf 24,1 %.[3] Im Zuge steigender Preise für fossile Energieträger, der wachsenden ökologischen Sensibilität in der Gesellschaft und der staatlichen Förderung durch das EEG wird der Anteil der erneuerbaren Energien in Zukunft voraussichtlich weiter ansteigen.[4] Auch gehen permanent neue Windparks (an Land und in küstennahen Meeresgewässern) in Betrieb und es werden im Zuge des sog. „Repowering“ bestehende Windkraftanlagen durch effizientere Anlagen ersetzt.[5] Bis zum Jahr 2020 können regenerative Energien bereits die Kernenergie ersetzen und im Jahr 2050 faktisch den gesamten Elektrizitätsbedarf übernehmen.[6]

Der Energiemix z. B. im Jahr 2020, 2030 oder 2040 steht auch deshalb verstärkt im Fokus des öffentlichen und politischen Interesses, weil in den nächsten Jahren besonders viele alte Kraftwerke ihr wirtschaftliches Lebensende erreichen werden und/oder (z. B. wegen schlechter Wirkungsgrade) nur noch dann betrieben werden, wenn effizientere Kraftwerke ausgelastet sind. Die Kraftwerksbetreiber stehen damit jeweils vor der Frage, ob (und wenn ja mit welchem Kraftwerkstyp. mit welcher Leistung und wo) sie diese Kraftwerke durch Neubauten ersetzen wollen.

Eine Synopse von Prognosen zur zukünftigen Entwicklung des Energiemixes, die der „Studienradar Energie“ bereitstellt, zeigt eine stark steigende Bedeutung der erneuerbaren Energien an.[7]

Deutsche Energieversorger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Energiemix von Staatengruppen (z. B. EU), Staaten oder Bundesländern ist auch der Energiemix von Stromerzeugern (und seine Entwicklung im Laufe der Zeit) von Interesse.

Z. B. gab der Energiekonzern E.ON folgenden Energiemix des 2009 eigenerzeugten Stromes bekannt: 36 % aus Kohle, 24 % aus Kernenergie, 30 % Öl/Gas, 6 % Wasserkraft, 2 % Wind, 1 % Abfall, 1 % sonstige.[8]

Politische Interessen und Lobbyismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahlreiche energieerzeugende Unternehmen fordern von der Politik „Planungssicherheit“, oft unter Hinweis darauf, dass ihr Marktsegment besonders kapitalintensiv sei und/oder einen besonders hohen Fixkostenanteil aufweise.

Beides trifft z. B. zu

  • auf Kernkraftwerke, weil der Brennstoff (Uran) nur einen Bruchteil der Gesamtkosten ausmacht
  • auf Windkraftanlagen, weil die meisten Kosten auch dann anfallen, wenn die Windkraftanlage steht = keinen Strom produziert
  • auf Photovoltaikanlagen, weil Photovoltaikanlagen früher nur mit sehr hohen Subventionen rentabel waren

Oft wird Lobbyismus nicht von Einzelunternehmen betrieben, sondern von Verbänden, in denen sich Unternehmen mit ähnlichen oder gleichen Interessen zusammengeschlossen haben. Siehe z. B.

2007 kam es zu einer Verbändereform in der Energiewirtschaft. Dabei wurden Lobbyarbeit und technische Regelsetzung getrennt. Die Energieaufsichtsbehörden hatten gefordert, dass technische Regelsetzungen neutral und unabhängig von politischen Unternehmensinteressen erfolgen müssten. In diesem Zuge kam es zu zahlreichen Verbands-Umbenennungen und -fusionen.

Neben Branchenverbänden gibt es auch Verbände, die speziellere Interessen bündeln und für sie Lobbyarbeit treiben. Z. B. forderte der Verband der Kohleimporteure (VDK) im Juni 2010 von der Bundesregierung, der Importkohle solle „auch in Zukunft ein Anteil von 20 Prozent am Energiemix zukommen.“[9]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Energiemix – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. siehe z. B. Russisch-ukrainischer Gasstreit
  2. a b AG Energiebilanzen: Jahr 2014 verfügbar seit 17. Dezember 2014, Excel-Datei, 37 KiB, abgerufen am 25. Dezember 2014.
  3. a b AG Energiebilanzen: Bruttostromerzeugung in Deutschland ab 1990 nach Energieträgern, Stand 12. Dezember 2014, PDF-Datei, 76 KiB, abgerufen am 25. Dezember 2014.
  4. Aktuelle Daten und Fakten – Erneuerbare Energien, abgerufen am 9. März 2009
  5. wind-energie.de : Halbierung der Anlagenzahl bei Verdoppelung der Leistung und Verdreifachung des Ertrags kann jetzt die Erfolgsformel der deutschen Windenergie an Land in den nächsten Jahren werden. (Memento vom 12. März 2011 im Internet Archive)
  6. Volker Quaschning: Klimaschutzszenario für Deutschland
  7. Studien im Vergleich
  8. eon.com, abgerufen Juli 2010.
  9. RP vom 24. Juni 2010, Seite E3