Desinvestition

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Dieser Artikel behandelt Desinvestition im Allgemeinen; zum Divestment im Kontext des Klimaschutzes siehe Divestment (fossile Energien).

Der Begriff Desinvestition, auch Devestition (englisch divestment oder disinvestment) bezeichnet das Gegenteil einer Investition.

In der Betriebswirtschaftslehre bezeichnet er die Freisetzung von Kapital in einem Unternehmen durch den Verkauf von Vermögensgegenständen, also die Umwandlung von in Sach- oder Finanzwerten investierten Geldbeträgen in liquide Form. Diese Art der Kapitalbeschaffung stellt eine Form der Innenfinanzierung dar: Es handelt sich um die Wiederbeschaffung von früher investierten Mitteln, die somit erneut für Investitionen zur Verfügung stehen.

Der englische Begriff Divestment wird häufig als Schlagwort für verschiedene Kampagnen zum Entzug von Kapital aus Unternehmen verwendet, die ihren Gewinn mit kritisierten Zwecken erzielen.

Mögliche Gründe einer Desinvestition[Bearbeiten]

  • Verkauf von Unternehmensteilen, die nicht Teil des Kerngeschäftes sind.
  • Verkauf von Unternehmensteilen oder Geldanlagen zur Geldbeschaffung.
  • Verkauf einzelner Unternehmensteile, um einen höheren Erlös zu erzielen als dies zum Beispiel im Rahmen einer Gesamtliquidation oder eines Gesamtverkaufes möglich wäre.
  • Verkauf riskanter Unternehmensteile oder Geldanlagen.
  • Verkauf unrentabler Unternehmensteile oder Geldanlagen.
  • Durch Aufsichtsbehörden erzwungene Veräußerung einzelner Unternehmensteile.
  • Verkauf bzw. Abzug von Unternehmensbeteiligungen oder Vermögensanlagen auf Druck von Anteilseignern oder Anderen, z. B. zivilgesellschaftlichen bzw. Nichtregierungsorganisationen („NGO“).

Desinvestitions-Kampagnen[Bearbeiten]

Die Desinvestition wurde zum ersten mal in den 1980er Jahren als Teil politischer Kampagnen (englisch divestment campaigns) angewendet, insbesondere in den Vereinigten Staaten von Amerika. So wurde damals ein Wirtschaftsboykott gegen das südafrikanische Apartheidsregime organisiert, indem öffentliche Investoren wie Gemeinden, Kirchen oder Hochschulen dazu aufgefordert wurden, sämtliche Gelder aus südafrikanischen Anlagen abzuziehen.

Seitdem gab es diverse weitere Desinvestitions-Kampagnen gegen Staaten und Unternehmen, z.B. betreffend

Viele der Desinvestitionskampagnen erreichen ihr Ziel jedoch nicht, indem sie die ins Auge gefassten Unternehmen wirtschaftlich treffen, sondern wirken eher als Mittel einer gesellschaftlichen Willensbildung.[3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. wedivest.org
  2. labournet.net: Liverpool City Council votes to disinvest in arms trade
  3. Harvard Political Review, Eric Hendey, iop.harvard.edu: Does Divestment Work? (Zuletzt aufgerufen: 22. November 2015)