Reichweite (Rohstoff)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die Reichweite von Rohstoffen wird berechnet als Verhältnis der Reserven geteilt durch die Jahresförderung. Dabei gibt die statische Reichweite an, wie viele Jahresverbräuche eines nichterneuerbaren Rohstoffs bei konstanter Förderung und fixen Reserven zukünftig gedeckt werden könnten.[1] Die dynamische Reichweite basiert hingegen auf einem Modell zur zukünftigen Verbrauchsentwicklung, im einfachsten Fall auf der Annahme einer jährlich konstanten Verbrauchszunahme.

Die Berechnung der Reichweite beruht auf dem augenblicklichen Kenntnisstand und ist lediglich eine Momentaufnahme eines sich dynamisch entwickelnden Systems mit vielfältigen Einflussgrößen:

  • Der künftige weltweite Verbrauch sowie die Erschließung neuer Lagerstätten
  • Technische Entwicklungen, die die Erschließung bislang nicht lohnender Vorkommen ermöglichen
  • Politische und wirtschaftliche Einflüsse auf die Verfügbarkeit von Rohstoffen
  • Effizienzsteigerungen bei der Nutzung eines Rohstoffes
  • Substitution von Rohstoffen, so z. B. die Ablösung von Kupfer durch Glasfaser in der Telekommunikation und Datenübertragung
  • Nicht vorhergesehene Schwankungen in der Produktionsrate

Entgegen der naheliegenden Interpretation des Wortes Reichweite, lässt die statische Reichweite für sich allein genommen kaum Aussagen über die zukünftige Verfügbarkeit von Rohstoffen zu. In einer historischen Rückschau zeigt sich beispielsweise, dass die statische Reichweite von Erdöl seit 1945 bis heute in einem Korridor zwischen 20 und 50 Jahren geschwankt hat, da durch Exploration der Ölindustrie fortlaufend neue Lagerstätten entdeckt wurden.[1] Es ist sogar möglich, dass die Reichweite zusammen mit der Jahresförderung ansteigt, wenn die Reserven prozentual stärker wachsen als die Förderung.

Reichweite einiger Rohstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Statische Reichweite von Rohöl
Statische Reichweite von Erdgas

Die folgende Tabelle zeigt einige exemplarische Daten des Jahres 2018, die Werte wurden hier gerundet.

Reichweiten ausgewählter Rohstoffe (2018)
Rohstoff Einheit(a) Reserven Jahres-
förderung
statische
Reichweite
Hartkohle(b) [2] Gt 749 7,0 107
Erdöl(c) [2] Gt 244 4,5 54
Erdgas[2] Tm3 202 4,0 51
Pottasche(d) [3] Mt >3600 43,3 >83
Kupfer[4] Mt 870 20,4 43
Chrom[5] Mt 570 43,1 13
Uran(e) [2] kt 1300 53,5 26
(a) Gt: Gigatonnen, Mt: Megatonnen, kt: Kilotonnen, Tm3: Billionen m3
(b) Hartbraunkohle, Steinkohle und Anthrazit
(c) konventionelles und unkonventionelles Erdöl
(d) Grundstoff unter anderem für Kalidünger, Angaben in K2O-Äquivalenten
(e) Mit Förderkosten von bis zu 80 USD/kg Uran

Die statische Reichweite bezieht sich in der Regel auf die Reserven. Bezogen auf die Ressourcen eines Rohstoffs können sich erheblich höhere Werte ergeben. So liegt beispielsweise die statische Reichweite der Uranressourcen mit 224 Jahren fast neun mal so hoch wie die Reichweite der Reserven.

Zur Unterscheidung von Reserven und Ressourcen siehe auch: Lagerstätte#Vorratskategorien.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe:Commodity Top News 51, S. 4 f., Erläuterung fachlicher Hintergründe
  2. a b c d Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe:BGR Energiestudie 2019
  3. USGS:Potash Statistics and Information, Mineral Commodity Summary 2020
  4. USGS:Copper Statistics and Information Mineral Commodity Summary 2020
  5. USGS:Chromium Statistics and Information, Mineral Commodity Summary 2020