Ensdorf (Saar)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Ensdorf
Ensdorf (Saar)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Ensdorf hervorgehoben
Koordinaten: 49° 18′ N, 6° 47′ O
Basisdaten
Bundesland: Saarland
Landkreis: Saarlouis
Höhe: 200 m ü. NHN
Fläche: 8,39 km2
Einwohner: 6508 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 776 Einwohner je km2
Postleitzahl: 66806
Vorwahl: 06831
Kfz-Kennzeichen: SLS
Gemeindeschlüssel: 10 0 44 123
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Provinzialstr. 101a
66806 Ensdorf
Webpräsenz: www.gemeinde-ensdorf.de
Bürgermeister: Hartwin Faust (CDU)
Lage der Gemeinde Ensdorf im Landkreis Saarlouis
FrankreichFrankreichRegionalverband SaarbrückenLandkreis NeunkirchenLandkreis St. WendelLandkreis Merzig-WadernRehlingen-SiersburgWallerfangenÜberherrnDillingen/SaarSaarlouisWadgassenBous (Saar)Ensdorf (Saar)Schwalbach (Saar)SaarwellingenNalbachSchmelz (Saar)LebachKarte
Über dieses Bild

Ensdorf ist eine Gemeinde im Landkreis Saarlouis, Saarland. Ensdorf liegt am rechten Ufer der Saar.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steinbeilfunde belegen, dass im Gebiet der heutigen Gemeinde Ensdorf schon etwa um 2000–1000 v. Chr. Menschen gelebt oder sich zumindest aufgehalten haben. Der Ortsname Ensdorf leitet sich vermutlich von dem keltischen Wort „Anisa“ für „Sumpf“ ab.[2] Gemeint wäre hier also eine sumpfige Ortslage am Ufer der Saar.

Von den Historikern als nachweisbare Ersterwähnung des Ortes anerkannt und akzeptiert wird der 11. April 1179. Dieses Datum geht aus einem Schutzbrief des Papstes Alexander III mit gleichem Datum hervor. Darin bescheinigt er neben den Besitztümern der Abtei Wadgassen auch ein „Allodium Boemundi“, das in „Enstorff“ gelegen war. Unter Allodium ist ein Erbgut zu verstehen. Man geht davon aus, dass ein Mann mit dem Namen Boemund der Abtei Wadgassen dieses Erbgut vererbt oder geschenkt hat. Erst ab dem 17. Jahrhundert ist der heutige Name Ensdorf einheitlich dokumentiert.

Ensdorf bei Nacht

Reste von Heerstraßen, das ehemalige römische Kastell in Pachten und die fruchtbare Ebene mit der Lisdorfer Au zeugen von einer, zumindest in den ersten Jahrhunderten, starken Fluktuation. Gute Handwerker und fruchtbare Äcker sowie die Saar mit ihrem Fischreichtum und der Möglichkeit zur Lastenschifffahrt waren Gründe für eine Ansiedlung. Ende des 17. Jahrhunderts entwickelte sich das dörfliche Leben in der Gemeinde verstärkt auf die Landwirtschaft und das Handwerk hin. Der Bergbau, ein neuer aufstrebender Berufszweig neben den Hüttenbetrieben, bot der männlichen Bevölkerung Erwerbsquellen und Wohlstand.

Nachdem der Saarraum nach 1815 von Frankreich an Preußen abgetreten worden war, entwickelte sich die Gemeinde innerhalb kurzer Zeit vom reinen Agrardorf zum aufblühenden Handwerks-, Handels- und Industrieort. Ihre Bedeutung wird durch die ehemals leistungsfähigste Grube Europas, die Grube Duhamel, das Kraftwerk der VSE AG und die zahlreichen mittelständischen Betriebe unterstrichen.

Am 1. Januar 1974 wurde Ensdorf aufgrund einer Gebietsreform zunächst Schwalbach/Saar zugeordnet.[3] Die Bürger konnten dies jedoch durch ihre massiven Proteste rückgängig machen. Seit dem 1. Januar 1982 ist Ensdorf wieder eine selbständige Gemeinde im Landkreis Saarlouis.[3]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1816–1849: Philipp Müller †
  • 1850–1851: Mathias Mungen †
  • 1851–1857: Jakob Schwan †
  • 1857–1880: Georg Sarg †
  • 1880: Herr Pohl †
  • 1880–1885: Major Minor †
  • 1885–1892: Herr Karitta †
  • 1892: Christoph Röner †
  • 1893–1896: Michel Pohl †
  • 1897–1919: Wilhelm John †
  • 1919–1934: Max Ruff †
  • 1935–1945: Heinrich Zell †, NSDAP
  • 1945–1946: Michel Schmitt †, SPD, (kommissarisch)
  • 1946–1948: Wilhelm Motsch †
  • 1948–1955: Benedikt Ochs †
  • 1955–1956: Josef Puff †
  • 1956–1960: Josef Becker †, CDU
  • 1960–1974: Franz-Josef Schleimer †, SPD
  • 1974–1982: Edgar Spies †, CDU, (Ortsvorsteher zur Zeit der Großgemeinde Schwalbach)
  • 1982–1996: Alfons Schorr †, CDU
  • 1996–2012: Thomas Hartz, CDU
  • seit 2012: Hartwin Faust, CDU

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunalwahl 2014[4]
Wahlbeteiligung: 49,2 %
 %
50
40
30
20
10
0
45,4 %
28,3 %
10,4 %
9,0 %
6,8 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
+4,0 %p
+3,3 %p
+0,6 %p
-1,2 %p
-6,8 %p

Der Gemeinderat mit 27 Sitzen setzt sich nach der Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 wie folgt zusammen:[4]

  45,44 %  (+4,05)   13 Sitze
  28,30 %  (+3,31)   8 Sitze
  6,85 %  (−6,77)   1 Sitz
  9,05 %  (−1,11)   2 Sitze
  10,37 %  (+0,53)   3 Sitze

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ensdorf unterhält eine offizielle Partnerschaft mit den französischen Gemeinden Wizernes und Hallines sowie eine Freundschaft mit der bayerischen Gemeinde Ensdorf.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen der Gemeinde Ensdorf zeigt über dem silbernen Wellenschildfluß in rotem Feld eine silberne heraldische Lilie, schwebend über goldenem Schlägel und Eisen, woraus nach links und rechts je ein silberner Blitz ausstrahlt. Die silberne Welle will andeuten, dass Ensdorf an der Saar liegt und mit ihr funktionell verbunden ist. Da auf dem Gemeindebann als wichtigstes Industrieunternehmen die Grube Ensdorf steht, die mit ihrer Leistung innerhalb des westeuropäischen Steinkohlenbergbaues an der Spitze liegt, nimmt das bergmännische Zeichen Schlägel und Eisen im Wappenschild eine zentrale Position ein; dass es in Gold erscheint, soll noch einmal in der farblichen Betonung die wirtschaftliche Bedeutung des Bergbaues für Ensdorf unterstreichen. Die Blitze weisen auf das Kraftwerk Ensdorf hin. Die silberne Lilie ist ein Mariensymbol und bezieht sich darauf, dass Ensdorf bis 1581 zur Abtei Wadgassen gehörte, dessen Kirche der Mutter Gottes geweiht war. Die Lilie ist auch ein Symbol der französischen Könige und verdeutlicht die historische Verbundenheit mit Frankreich durch die ehemalige Zugehörigkeit zum Bann Saarlouis. Da der Ort nach 1581 zum Herzogtum Lothringen kam, erscheinen im Wappen Silber, Rot und Gold als Farben der Herzöge von Lothringen. Das Wappen wurde am 22. November 1963 verliehen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hasenberg-Anlage mit Skulpturen, Mosaiken, Brunnenanlagen und Kapelle[5]

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ensdorfer Bergehalde ist ein ~ 100 m (~380 m ü. NN) Aussichtspunkt mit einem Wanderrundweg. Mitte 2005 wurde an ihm das Kunstprojekt „Kunst auf der Halde“ verschiedener saarländischer Künstler ausgestellt. Im Jahr 2016 wurde auf der Bergehalde die Landmarke Saarpolygon errichtet, die an das Ende des saarländischen Bergbaus erinnern soll.

Gleitschirmflug von der Bergehalde

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der bekannteste Verein des Ortes ist der Fußballclub (FC) Ensdorf. In den 1970er und 1980er Jahren erlebte der Fußballclub – zeitweise in der Oberliga Südwest – seine größten Erfolge. In der Saison 1973/74 spielte der FC Ensdorf sogar für eine Spielzeit in der Regionalliga Südwest, der damals zweithöchsten Spielklasse im deutschen Fußball. Der Verein verfügt über einen Rasen- und Hartplatz.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Industrie: Steinkohlenbergbau, Kohlekraftwerk. Das Bergwerk Ensdorf war mit rund 4.000 Mitarbeitern eines der größten Deutschlands. Es förderte aus besonders günstig gelegenen Flözen etwa 3,5 Mio. Tonnen hochwertiger Kraftwerkskohle im Jahr. Seit 2005 verursachte der Kohleabbau jedoch immer wieder leichte bis mittelschwere Erdstöße, die zu wachsenden Protesten der betroffenen Bevölkerung führten. Am 23. Februar 2008 erfolgte ein Bergschlag[6] der Stärke 4,0 auf der Richter-Skala, der zu beträchtlichen Schäden an der Oberfläche um Saarwellingen führte. Der Kohleabbau wurde daraufhin vorübergehend eingestellt; mit einer Wiederaufnahme der Förderung aus den ergiebigen Flözen in der Primsmulde ist nicht zu rechnen. Bis 2012 wurde in kleineren Flözen (Grangeleisen, Wahlschied) noch etwa ein Drittel des früheren Fördervolumens erbracht; das Kohlezeitalter im Saarrevier ging Mitte 2012 endgültig zu Ende.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haltepunkt Ensdorf (Saar), 2008

Der Haltepunkt Ensdorf (Saar) liegt an der Saarstrecke Saarbrücken–Trier. Zudem ist Ensdorf über die Bundesstraße 51 erreichbar.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ensdorf (Saar) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Saarland.de – Amtliche Einwohnerzahlen Stand 31.12.2015 (PDF; 0,03 MB) (Hilfe dazu).
  2. Bernhard Kirsch: Warum heißt die Saar „Saar“ oder wer war vor den Kelten da? in: Unsere Heimat, Mitteilungsblatt des Landkreises Saarlouis für Kultur und Landschaft, 41. Jahrgang, Heft Nr. 2, 2016, S. 45–56, hier S. 48–49.
  3. a b Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 808.
  4. a b Gemeindeergebnis Ensdorf, Endgültiges Ergebnis der Gemeinderatswahlen 2014 In: statistikextern.saarland.de, abgerufen am 19. September 2014
  5. Oranna Dimmig: Kunstlexikon Saar, Kunstort Hasenberg Ensdorf/Saar, hrsg. vom Institut für aktuelle Kunst im Saarland, Saarbrücken 2014, S. 9–12.
  6. Deutschlandradio, 26. Februar 2008