Erdbeben in Nepal 2015

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Erdbeben in Nepal 2015
Erdbeben in Nepal 2015 (Nepal)
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Datum 25. April 2015
Uhrzeit 06:11:27 (UTC)[1]
Magnitude 7,8[1] MW
Tiefe 18 km
Epizentrum 28° 8′ 49″ N, 84° 42′ 29″ OKoordinaten: 28° 8′ 49″ N, 84° 42′ 29″ O
Land Nepal
Tote 8.786
Verletzte 22.303
Sachschaden 800'000 eingestürzte Häuser[2]
Erdbeben und Nachbeben (M>4) vom 25. April bis zum 15. Juni 2015. Blau: Häufigkeit. Rot: Max. Magnitude.
Am 25. April und 12. Mai 2015 wurde Nepal von schweren Erdbeben getroffen. Der Gebirgsstaat liegt an einer konvergenten Plattengrenze und ist dadurch erdbebengefährdet. Die Karte zeigt den Verlauf der Plattengrenzen sowie die Epizentren der Beben.
Zerstörte Häuser in Nepal nach dem Erdbeben, Aufnahme vom 9. Mai 2015
Zerstörte Häuser an der Ringstraße von Kathmandu
Schäden in einem Dorf nördlich von Kathmandu
Beschädigter Pagodentempel (Indranitempel) in einem westlichen Stadtteil von Kathmandu

Die Erdbeben in Nepal 2015 (in den Medien auch als Erdbeben im Himalaya bezeichnet) ereigneten sich im April und Mai 2015. Das erste große und stärkste Beben wirkte mit einer Magnitude von 7,8 MW[1] am 25. April 2015 um 11:56 Uhr Ortszeit. Neben Nepal meldeten auch Nord- und Nordostindien, Tibet, Volksrepublik China, Pakistan und Bangladesch Erschütterungen.[3] Das Epizentrum lag rund 80 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Kathmandu.[4] Das Hypozentrum lag in 18 km Tiefe.[1][A 1] Einen Tag später gab es ein Nachbeben der Stärke 6,7.[5] Bis Mitte Juni 2015 folgten zahlreiche Nachbeben. Bis zum 10. Mai waren bereits mehr als 7.900 Tote geborgen worden.[6]

Das zweitstärkste Erdbeben in Nepal im Jahr 2015 erschütterte am 12. Mai um 12:35:27 Uhr Ortszeit mit der Stärke 7,2 für 25 Sekunden die Region nahe Namche Bazar, 83 Kilometer östlich von Kathmandu, nahe der Grenze zu China. Das Hypozentrum lag in 15 Kilometer Tiefe.[7] Es folgten sechs Nachbeben der Stärke 5,0 und höher. Eine halbe Stunde später ereignete sich ein Nachbeben der Stärke 6,3. Das Zentrum lag im Distrikt Ramechhap, ebenfalls östlich von Kathmandu.[8] Mindestens 148 Menschen starben durch das Beben des 12. Mai.[9] 34 Tage nach dem ersten und 17 Tage nach dem zweiten großen Beben folgte am 29. Mai das seit Mitte Mai stärkste Nachbeben mit Stärke 4,9, ein gleichstarkes Beben wurde zwei Wochen später registriert.[10] Am 22. Juli 2015 erfolgte um 22:14 Uhr Ortszeit ein Nachbeben der Stärke 4,6 mit dem Epizentrum Kathmandu.[11]

Die Erdbeben gelten als die tödlichste Katastrophe in der Geschichte Nepals. Laut der nepalesischen Regierung starben in Nepal knapp 8.800 Menschen an den Folgen der Beben, rund 22.300 wurden dort verletzt.[12]

Ursache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ursache der immer wieder auftretenden schweren Erdbeben in Nepal ist die Lage des Landes. Nepal befindet sich in einer geologischen Hochrisikozone, der Grenze zweier tektonischer Platten. Seit Millionen von Jahren bewegt sich die Indisch-Australische Platte mit einer Geschwindigkeit von rund 4,5 Zentimetern pro Jahr langsam nach Norden auf die viel größere Eurasische Platte zu und schiebt sich zum Himalaya-Faltengebirge auf. Diese Plattenbewegung erfolgt unter so hohem Druck, dass sich die aufgebaute Spannung in ruckartigen Erdbeben entlädt.

Opfer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kathmandutal und umliegende Regionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am schlimmsten betroffen ist das Kathmandutal und naheliegende Täler, wo viele Menschen unter den Trümmern von einstürzenden Häusern oder unter Gerölllawinen begraben wurden. Bis zum 28. April wurden bereits mehr als 4.387 Tote geborgen. Die nepalesische Regierung ging davon aus, dass über 10.000 Menschen gestorben sein könnten. In der Hauptstadt Kathmandu gab es eine Zeitlang keine Strom- und Trinkwasserversorgung.[13]

Andere Regionen und Nachbarländer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der kleine Ort Langtang im Langtang-Nationalpark mit 55 kleinen Hotels und Unterkünften für Touristen wurde durch eine Mure dem Erdboden gleichgemacht; nur ein Haus ist stehen geblieben.[14] Auch in anderen Regionen in Nepal und in den Nachbarländern wird von vielen Opfern berichtet: in Indien mindestens 62, in China mindestens 20 Menschen.[15] Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass über acht Millionen Menschen von dem Erdbeben betroffen sind. Mehr als 1,4 Millionen seien auf Lebensmittelhilfen angewiesen.[13] Bei dem Beben am 12. Mai 2015 starben mindestens 17 Menschen in Indien und einer in China.[16]

Himalaya-Expeditionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Mount Everest kamen 18 Bergsteiger ums Leben, als eine durch das Erdbeben ausgelöste Lawine auf das Basislager niederging.[17] Lokale Medien berichteten von mindestens 22 toten Bergsteigern am Everest.[18] Zum Zeitpunkt des Unglücks am Samstag hielten sich nach offiziellen Angaben etwa 1000 Bergsteiger und Träger am Mount Everest auf. Nach Angaben von Expeditionsleitern und Angehörigen sind unter den Toten auch Ausländer, darunter ein Australier, ein US-Amerikaner und ein Chinese. Der Göttinger Geomorphologe Matthias Kuhle verunglückte tödlich während einer Exkursion mit Studierenden.[19][13] Es wird von weiteren Lawinenabgängen berichtet. Die Anzahl der Opfer ist noch ungewiss.[20]

Region Khumbu mit Mount Everest

Auswirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei dem Erdbeben wurden auch bedeutende Kulturgüter in Mitleidenschaft gezogen: An den von der UNESCO als Weltkulturerbe eingestuften Durbar-Plätzen von Kathmandu, Bhaktapur und Lalitpur wurden viele der mehr als 50 Pagoden, Tempel und Paläste beschädigt oder zerstört.[21] Der ebenfalls zum UNESCO-Erbe zählende Bodnath-Stupa wurde beschädigt, der Dharahara-Turm stürzte ein.[22]

Durch die Beben wurde Kathmandu um 1,5 Meter nach Süden verschoben und um einen Meter angehoben.[31] Der Mount Everest verschob sich um drei Zentimeter nach Südosten.[32] Die geologische Primärwelle des Erdbebens erreichte das südbadische Staufen mit einer Geschwindigkeit von 29.000 km/h sowie einer Bodenbewegung von 0,01 mm nach 10 Minuten. Die Ausschläge der anwachsenden Sekundärwellen sowie der Oberflächenwellen dauerten nahezu zwei Stunden.[33]

Hilfsmaßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Hilfs- und Rettungsmaßnahmen in Kathmandu, 27. April 2015
Auch noch Mitte Mai 2015 erfolgt die medizinische Versorgung aus Angst vor Nachbeben im Freien vor den Krankenhäusern (hier vor dem Sahid Memorial Hospital im Stadtteil Kalanki)

Unmittelbar nach dem Erdbeben sandte die indische Regierung mehrere Flugzeuge mit Nahrungsmitteln, Wasser und Rettungsausrüstung. Zudem wurden Gurkhas, nepalesische Soldaten, die in den indischen Streitkräften dienen, in das Nachbarland für Rettungsarbeiten geschickt.[34] Auch die deutsche Bundesregierung sagte der nepalesischen Regierung Hilfe zu, unter anderem durch Entsendung des Technischen Hilfswerks. Neben Deutschland kündigten auch die Vereinigten Staaten und Russland Hilfsmaßnahmen an.[35] Das Vereinigte Königreich, das wie Indien ebenso Gurkha-Einheiten in ihren Streitkräften unterhält, schickte diese sofort in die Krisenregion, um humanitäre Hilfe zu leisten.[36] Nichtstaatliche Hilfsorganisationen aus Deutschland wie u. a. action medeor,[37] humedica[38] und I.S.A.R. Germany[39] entsendeten Soforthilfe in die Katastrophenregion. Auch das Internationale Rote Kreuz war bereits mit sechs ERU-Modulen in Nepal eingetroffen und begann mit seiner Arbeit.

Christos Stylianides, EU-Kommissar für humanitäre Hilfe und Krisenschutz, stellte Nepal sechs Millionen Euro Soforthilfe zur Verfügung und für das Jahr 2015 Hilfen in Höhe von 16,6 Millionen Euro. Er reiste bereits wenige Tage nach dem Erdbeben als einer der ersten internationalen Politiker in das Land, um sich dort ein Bild von der Lage zu machen.[40]

Die USA haben mit der Operation Sahayogi Haat bis zum 11. Mai 2015 insgesamt 480 Tonnen Hilfsgüter geliefert. Mit rund 1300 Soldaten und mit mehreren Hubschraubern vom Typ UH-1Y und VTOL-Transportern MV-22B sowie Transportflugzeugen vom Typ KC-130J und C-17 unterstützen die US-Streitkräfte durch die Joint Task Force 505 die Such- und Rettungsmaßnahmen und die Logistik.[41] Am 12. Mai ging der Kontakt zu einem UH-1Y verloren, der mit sechs US-Marines und zwei nepalesischen Soldaten unterwegs war.[42] Am 17. Mai wurde das Wrack etwa 72 Kilometer östlich von Kathmandu gefunden. Alle Insassen starben bei dem Absturz.[43]

Google Inc. ermöglichte hier ein weiteres Mal mit der Google Vermisstensuche die Suche nach vermissten Personen.[44]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Erdbeben in Nepal 2015 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die United States Geological Survey gibt eine Hypozentrumstiefe von 15 km an.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Angabe des Deutschen Geoforschungszentrums. Abgerufen am 25. April 2015.
  2. Angabe von Rotes Kreuz via https://www.tagesschau.de/ausland/nepal-503.html
  3. Erdbeben in Nepal: Regierung geht von mehr als 1450 Toten aus. In: Spiegel Online. 25. April 2015, abgerufen am 25. April 2015.
  4. Hunderte Tote nach Erdbeben im Himalaya. In: Die Zeit. Abgerufen am 25. April 2015.
  5. Schweres Nachbeben erschüttert Nepal. In: welt.de, 26. April 2015.
  6. WHO Nepal Earthquake – Situation Report #14, 11 May 2015. In: reliefweb.int. Abgerufen am 10. Juni 2015.
  7. Tote bei neuem Erdbeben in Nepal. In: tagesschau.de. 12. Mai 2015, archiviert vom Original am 14. Mai 2015, abgerufen am 12. Mai 2015.
  8. Nepal earthquake, magnitude 7.3, strikes near Everest. In: BBC News. 12. Mai 2015, abgerufen am 12. Mai 2015 (englisch).
  9. Nepal: Earthquake 2015 Situation Report No.16 (as of 18 May 2015). Abgerufen am 10. Juni 2015.
  10. GEOFON Program GFZ Potsdam :: GFZ Potsdam – Earthquake Bulletin. In: geofon.gfz-potsdam.de. Abgerufen am 10. Juni 2015.
  11. National Seismological Centre (Nepal), Abruf 22. Juli 2015.
  12. Incident Report of Earthquake 2015. In: Regierung Nepals datum=. Abgerufen am 10. Juni 2015.
  13. a b c Vereinte Nationen: Acht Millionen Menschen von Erdbeben in Nepal betroffen. In: Spiegel Online. 28. April 2015, abgerufen am 29. April 2015.
  14. “Worst-affected” village of Langtang. In: BBC News. 4. Mai 2015, abgerufen am 5. Mai 2015.
  15. Erdbeben im Himalaya: Nepal meldet mehr als 3200 Tote. In: Spiegel Online. 27. April 2015, abgerufen am 29. April 2015.
  16. Death toll from latest Nepal earthquake rises above 125 - CNN.com. In: CNN. Abgerufen am 7. Februar 2016.
  17. Lawine am Mount Everest tötet viele Bergsteiger. In: t-online.de, abgerufen am 26. April 2015.
  18. 22 Mt Everest climbers die in Nepal earthquake. Hindustan Times, 26. April 2015
  19. Erdbeben in Nepal: Göttinger Professor Matthias Kuhle stirbt im Epizentrum. In: Göttinger Tageblatt, 27. April 2015, abgerufen 28. April 2015.
  20. Erdbeben im Himalaya: Neue Lawine verschüttet womöglich 250 Menschen. In: Spiegel Online. 28. April 2015, abgerufen am 29. April 2015.
  21. Tourist video captures moment earthquake struck Nepal: Kathmandu’s Durbar Square. Video, das den Augenblick des Erdbebens festhält in Youtube.
  22. Stefan Schultz: Erdbeben in Nepal: Verlorenes Weltkulturerbe, verlorene Pilgerorte. In: Spiegel Online. 25. April 2015, abgerufen am 25. April 2015.
  23. Nepal’s UNESCO World Heritage Sites Destroyed by Earthquake. In: CRIEnglish.com. 28. April 2015, abgerufen am 28. April 2015 (englisch).
  24. a b c Drone shows earthquake damage as agencies rush to rescue victims in Nepal. In: MySansar.com. 28. April 2015, abgerufen am 28. April 2015.
  25. Nepal’s UNESCO World Heritage Sites Destroyed by Earthquake. In: CRIEnglish.com. 28. April 2015, abgerufen am 28. April 2015 (englisch).
  26. a b c d Irreparable loss. In: eKantipur.com. 28. April 2015, abgerufen am 28. April 2015 (englisch).
  27. Nepal’s UNESCO World Heritage Sites Destroyed by Earthquake. In: CRIEnglish.com. 28. April 2015, abgerufen am 28. April 2015 (englisch).
  28. Nepal’s UNESCO World Heritage Sites Destroyed by Earthquake. In: CRIEnglish.com. 28. April 2015, abgerufen am 28. April 2015 (englisch).
  29. Nepal’s Kathmandu valley treasures: Before and after. BBC, 28. April 2015, abgerufen am 28. April 2015 (englisch).
  30. Earthquake aftermath in Bungamati Village, Lalitpur. In: demotix.com. 28. April 2015, abgerufen am 28. April 2015 (englisch).
  31. Neue Koordinaten für den Everest (Memento vom 16. Juni 2015 im Internet Archive) auf: Tagesschau.de, 16. Juni 2015, abgerufen am 16. Juni 2015
  32. Highest peak is shifted by quake in: China Daily, 16. Juni 2015, abgerufen am 16. Juni 2015
  33. Erdbeben in Nepal erreicht Seismographen in Staufen. In: badische-zeitung.de, 30. April 2015.
  34. India sends Gorkha soldiers for Nepal quake relief. In: thehindu.com. Abgerufen am 1. Mai 2015 (englisch).
  35. Erste Helfer unterwegs nach Nepal (Memento vom 26. April 2015 im Internet Archive). In: tagesschau.de. Abgerufen am 25. April 2015.
  36. Gurkha soldiers arrive in Kathmandu. In: forces.tv. Abgerufen am 1. Mai 2015 (englisch).
  37. Nepal: Hilfe für die Erdbebenopfer. In: medeor.de, 25. April 2015. Abgerufen am 12. Mai 2015.
  38. humedica e. V.. In: humedica.org. Abgerufen am 28. April 2015
  39. I.S.A.R. Germany e. V.; abgerufen am 28. April 2015.
  40. Kai Küstner: Nach Erdbeben: EU stockt Nepal-Hilfe auf. In: tagesschau.de, 4. Mai 2015. Abgerufen am 12. Mai 2015.
  41. www.defense.gov
  42. Search Continues for Missing U.S. Helicopter in Nepal. Defense.gov, abgerufen am 18. Mai 2015.
  43. 8 bodies recovered from U.S. helicopter crash site; pilot identified, cnn.com vom 17. Mai 2015. Abgerufen am 3. August 2015.
  44. Freunde im Erdbebengebiet: So helfen Facebook und Google bei der Suche nach Vermissten 2014-04-270 Der Spiegel, Abgerufen am 22. Juni 2015