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Europäische Zwergstaaten

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AndorraMonacoLiechtensteinSan MarinoVatikanstadtMalta
Europäische Zwergstaaten

Unter der Bezeichnung europäische Zwergstaaten oder Mikrostaaten fasst man die Staaten Europas zusammen, die eine relativ kleine Bevölkerungszahl und eine besonders kleine Landfläche aufweisen. Laut Arno Waschkuhn sind dies Andorra, Liechtenstein, Luxemburg, Malta, Monaco, San Marino, Vatikanstadt und Zypern.[1] Die fünf kleinsten verfügen über keine eigene Armee, sondern über Polizeieinheiten, teilweise unterhalten sie von alters her eine Post- und Währungsunion mit dem größeren Nachbarstaat. Das öffentliche Telefonnetz wird in einigen von ihnen von den Nachbarstaaten betrieben, ebenso die staatliche Strom- und Wasserversorgung sowie weitere Teile der Infrastruktur.

Die acht europäischen Zwergstaaten

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Europäische Zwergstaaten mit Flaggen
Luftansicht von Monaco
Staat Fläche (km²) Einwohner Einw. je km² Bemerkungen / Stand
Vatikanstadt Vatikanstadt ~0.000,44 000.618 01.405 Davon nur 246 mit direktem Wohnsitz innerhalb der Vatikanstadt.
Stand: Juli 2018 / Februar 2019[2]
Monaco Monaco ~0.002,03 038.423 19.211 2025[3]
San Marino San Marino ~.61, 033.812 00.554 2023[3]
Liechtenstein Liechtenstein ~.160,5 040.015 00.249 2024[3]
Malta Malta ~.316,0 574.250 01.817 2025[3]
Andorra Andorra ~.468,0 085.101 00.182 2024[3]
Luxemburg Luxemburg 2.586 681.973 264 2025[3]
Zypern Republik Zypern 9.251 1,35 Mio. 146 2024[3], inkl. Nordzypern
  • Die Republik San Marino ist die letzte Überlebende einer großen Zahl selbstregierter italienischer Gemeinden des Mittelalters. Sie überlebte die Konsolidierung Italiens in mittelgroße Staaten im 15. Jahrhundert und die Vereinigung Italiens im 19. Jahrhundert – auch dank ihrer seinerzeit schwer zugänglichen Lage auf einem hohen Grat des Apennin. Zumindest formell überstand sie auch die napoleonische Zeit und die Zeit des Faschismus in Italien, obwohl letztere sich auch in San Marino innenpolitisch auswirkte.
  • Die Republik Malta ist ein südeuropäischer Inselstaat im Mittelmeer. Malta wurde am 21. September 1964 vom Vereinigten Königreich unabhängig, dessen Kolonie es seit 1814 war. Am 1. Mai 2004 wurde Malta Mitglied der Europäischen Union; seitdem ist es hinsichtlich seiner Fläche und seiner Einwohnerzahl deren kleinster Staat. Mit rund 500.000 Einwohnern übertrifft Malta allerdings die anderen Zwergstaaten um ein Vielfaches und hat sogar eine größere Bevölkerung als Island, das mit mehr als 100.000 km² nicht zu den europäischen Zwergstaaten gezählt wird. Im Mittelalter teilte Malta zunächst die Geschichte Siziliens, doch durch die Ausbildung einer maltesischen Ethnie mit eigener semitischer Mundart seit dem 10. Jahrhundert bestand schon früh eine wesentliche Grundlage für die Nationenbildung.
  • Das Fürstentum Andorra ist ein Überrest des Feudalismus in den Pyrenäen. Das Lehnsgut, das zunächst umstritten war, wurde während des größten Teils seiner Geschichte vom Bischof von Urgell und dem Grafen von Foix und in dessen Nachfolge vom französischen König bzw. Staatspräsidenten gemeinsam verwaltet. Das Fürstentum Andorra betrachtet sich als seit dem Jahr 1278 unabhängig. Seit 1993 ist die Regierung durch die beiden Ko-Fürsten nur noch symbolisch; nach der Verabschiedung einer neuzeitlichen Verfassung erfolgte die vollständige völkerrechtliche Anerkennung als souveräner Staat mit Beitritt zu den Vereinten Nationen und anderen internationalen Organisationen. Die autochthone Bevölkerung ist katalanisch wie jene nördlich und südlich der Grenzen Andorras.

Wegen ihrer geringen Größe, die die natürlichen Ressourcen und die Bevölkerungszahl begrenzt, haben die meisten Zwergstaaten besondere, auf ihre geringe Größe zugeschnittene wirtschaftliche Maßnahmen ergriffen – meist die Senkung der Steuern und das Anwerben von Investitionen. Viele der Zwergstaaten haben Zollunionen mit ihren großen Nachbarn geschlossen, um ihre wirtschaftliche Lage zu verbessern (Vatikanstadt und San Marino mit Italien, Liechtenstein mit der Schweiz und Monaco mit Frankreich). Dank dieser Unionen kommen Monaco, Andorra, der Vatikan und San Marino teilweise in den Genuss von Vorzügen der Europäischen Union (EU), ohne ihr beigetreten zu sein. Die Zwergstaaten verwenden z. B. den Euro als Währung und prägen eigene Euromünzen; lediglich in Liechtenstein gilt mit dem Schweizer Franken eine andere Währung. Da mit Ausnahme von Andorra keine Grenzkontrollen zu den Nachbarstaaten durchgeführt werden, sind sie – meist indirekt – auch Teil des Schengenraums. Liechtenstein hat formalere Bindungen an die Europäische Union, ist Teil des Europäischen Wirtschaftsraums und dem Schengener Abkommen unmittelbar beigetreten. Malta ist hingegen EU-Vollmitglied.

Eingeschränkt souveräne Kleinstaaten

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Weiterhin gibt es einige Gebiete in Europa, die zwar z. B. Außenpolitik und Verteidigung nicht selbst übernehmen, aber innenpolitisch weitestgehend autonom sind:

Sportwettbewerbe der kleinen und kleinsten Staaten Europas

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Es gibt eine regelmäßige Sportveranstaltung europäischer Klein- und Zwergstaaten, die Spiele der kleinen Staaten von Europa (GSSE). Die üblichen Teilnehmer sind Andorra, Island, Liechtenstein, Luxemburg, Malta, Monaco, Montenegro, San Marino und Zypern.

Zwergstaaten in der Geschichte

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In vielen Ländern Europas gab es in der Geschichte Gebilde, die man heute als Zwergstaaten ansähe. Das Deutschland vor Napoleon bestand aus einer Vielzahl kleiner geografischer Einheiten, die untereinander Enklaven und Exklaven hatten.

Weitere europäische Zwergstaaten, die im 19. und 20. Jahrhundert für einige Zeit existiert haben:

Aufgrund ihrer territorialen Größe ist die Zuordnung einiger dieser Staaten zu den europäischen Zwergstaaten strittig. Infolge ihres teilautonomen Status, der ein weiteres Merkmal für die Zuordnung sehr kleiner Staaten zur Gruppe der Zwergstaaten sein kann, bezeichneten sich mehrere von ihnen als Freistaat.

  • Thomas Eccardt: Secrets of the Seven Smallest States of Europe: Andorra, Liechtenstein, Luxembourg, Malta, Monaco, San Marino and Vatican City. New York, NY 2005, ISBN 0-7818-1032-9.
  • Katrin Friese: Die europäischen Mikrostaaten und ihre Integration in die Europäische Union. Andorra, Liechtenstein, Monaco, San Marino und Vatikanstadt auf dem Weg in die EU? (= Chemnitzer Europastudien, Band 13). Duncker & Humblot, Berlin 2011, ISBN 978-3-428-13519-6 (Dissertation Technische Universität Chemnitz 2010, 598 Seiten, online).

Einzelnachweise

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  1. Arno Waschkuhn: Die politischen Systeme Andorras, Liechtensteins, Monacos, San Marinos und des Vatikans. In: Wolfgang Ismayr (Hrsg.): Die politischen Systeme Westeuropas. Springer, 2013, ISBN 978-3-322-95712-2, S. 677 (google.de [abgerufen am 18. Januar 2026]).
  2. Popolazione (Bevölkerung), Webseite der Vatikanstadt vaticanstate.va in Italienisch; abgerufen am 10. Januar 2022.
  3. a b c d e f g Eurostat: Population on 1 January. Abgerufen am 18. Januar 2026.