Europäische Zwergstaaten

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Andorra Monaco Liechtenstein San Marino Vatikanstadt Malta
Europäische Zwergstaaten

Unter der Bezeichnung europäische Zwergstaaten (auch Mikrostaaten) fasst man die Staaten zusammen, die aus der europäischen Geschichte mit ganz besonders kleiner Landfläche hervorgegangen sind, deren Eigenständigkeit jedoch uneingeschränkt anerkannt wird: Andorra, Liechtenstein, Malta, Monaco, San Marino und dem Staat Vatikanstadt.

Europäische Zwergstaaten mit besonderem EU-Rechtsstatus

Die sechs europäischen Zwergstaaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftansicht von Monaco
Land Fläche (km²) Einwohner Stand
VatikanstadtVatikanstadt Vatikanstadt 0,44 750 ohne Zeitangabe[1]
MonacoMonaco Monaco 2,02 32.965 Dezember 2014[2]
San MarinoSan Marino San Marino 61,00 33.031 Mai 2016[3]
LiechtensteinLiechtenstein Liechtenstein 160,00 37 .468 Dezember 2015[4]
MaltaMalta Malta 316,00 413.965 Juli 2015[5]
AndorraAndorra Andorra 468,00 71.732 Dezember 2015[6]

Es ist der geringen Größe der Zwergstaaten geschuldet, die deren natürlichen Ressourcen und ihre Bevölkerungszahl begrenzt, dass die meisten von ihnen besondere, auf ihre geringe Größe zugeschnittene wirtschaftliche Maßnahmen ergriffen haben – meist durch Senkung der Steuern und das Anwerben von Investitionen. Viele der Zwergstaaten haben Zollunionen mit ihren großen Nachbarn geschlossen, um ihre wirtschaftliche Lage zu verbessern (Vatikanstadt und San Marino mit Italien, Liechtenstein mit der Schweiz und Monaco mit Frankreich). Dank dieser Unionen kommen Monaco, Andorra, der Vatikan und San Marino teilweise in den Genuss von Vorzügen der Europäischen Union, ohne ihr beigetreten zu sein. Diese Zwergstaaten verwenden z.B. den Euro als Währung und prägen eigene Euromünzen (Liechtenstein verwendet den Schweizer Franken). Da zu den Nachbarstaaten keine Grenzkontrollen bestehen, sind sie indirekt auch Teil des Schengenraums; eine Ausnahme bildet Andorra. Liechtenstein hat formalere Bindungen an die Europäische Union. Das Land nimmt über das EWR-Abkommen am europäischen Wirtschaftsraum teil und ist auch Schengenmitglied. Malta dagegen ist ein EU-Vollmitglied.

Eingeschränkt souveräne Kleinstaaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weiterhin gibt es einige Gebiete in Europa, die zwar z.B. Außenpolitik und Verteidigung nicht selbst übernehmen, aber innenpolitisch weitestgehend autonom sind:

  • Kanalinseln Guernsey and Jersey (direkt mit der Krone verbunden, kein Teil des Vereinigten Königreiches, sondern Reste des früheren Herzogtums der Normandie)
  • Isle of Man (wie die Kanalinseln seit alters her kein Teil des Vereinigten Königreiches, sondern unmittelbar der Krone unterstellt)
  • Gibraltar ist ein Überseeterritorium des Vereinigten Königreichs. Es hat eine eigene Regierung, welche die Aufgaben der Selbstverwaltung erfüllt.
  • Autonome monastische Republik Heiliger Berg (Athos) ist eine orthodoxe Mönchsrepublik mit autonomem Status unter griechischer Souveränität im Norden Griechenlands.
  • Färöer (autonome Inselgruppe im Nordatlantik unter dänischer Oberhoheit)
  • Åland (zu Finnland gehörende Inselgruppe, die weitreichende Autonomie hat)

Spiele für die Kleinstaaten Europas[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt eine regelmäßige Sportveranstaltung unter europäischen Klein- und Zwergstaaten, die Spiele der kleinen Staaten von Europa (GSSE). Die üblichen Teilnehmer sind Andorra, Zypern, Island, Liechtenstein, Luxemburg, Malta, Monaco und San Marino.

Zwergstaaten in der Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In vielen Ländern Europas gab es in der Geschichte Gebilde, die man heutzutage als Zwergstaaten ansähe. Das Deutschland vor Napoleon bestand aus einer Vielzahl kleiner geografischer Einheiten, die untereinander Enklaven und Exklaven hatten.

Weitere europäische Zwergstaaten, die im 20. Jahrhundert für einige Zeit existiert haben:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eccardt, Thomas: Secrets of the Seven Smallest States of Europe: Andorra, Liechtenstein, Luxembourg, Malta, Monaco, San Marino and Vatican City. New York 2005, ISBN 0-7818-1032-9.
  • Friese, Katrin: Die europäischen Mikrostaaten und ihre Integration in die Europäische Union. Andorra, Liechtenstein, Monaco, San Marino und Vatikanstadt auf dem Weg in die EU?. Berlin 2011, ISBN 978-3-428-13519-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung. Webseite der Vatikanstadt vaticanstate.va, abgerufen am 8. Juli 2016
  2. The official population figures. Auf: monacostatistics.mc, abgerufen am 8. Juli 2016
  3. Bilancio Demografico (PDF; 200 KB). Auf der Webseite des Ufficio Informatica, Tecnologia, Dati e Statistica der Republik San Marino, abgerufen am 8, Juli 2016
  4. Bevölkerungsstatistik 31. Dezember 2015. Auf der Webseite Amt für Statistik, Landesverwaltung des Fürstentums Liechtenstein, abgerufen am 8. Juli 2016
  5. Malta. In: CIA World Factbook, abgerufen am 8. Juli 2016
  6. Últimes dades. Auf der Statistikwebseite des Govern d'Andorra, abgerufen am 8. Juli 2016