Fest der neun Kaisergötter

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Fest der neun Kaisergötter
九皇爺誕
Vegetarian Festival.jpg
Prozession zum Thesakan Kin Che – Eine Teilnehmerin – (ม้าทรง mah song) durchsticht ihre Wangen, Phuket 2006
Vegetarian Festival in Phuket - Thailand - 13 Oct. 2010.jpg
Prozessionszug, Phuket 2010

Das Fest der neun Kaisergötter (chinesisch 九皇爺誕 / 九皇爷诞, Pinyin Jiǔ huángyé dàn, Jyutping Gau2 wong4je4 daan3 – „Fest zum Geburt der neun Kaisergötter“) ist ein Fest daoistischen Ursprungs, das von Auslandschinesen in Südostasien, insbesondere in Malaysia, Singapur und Thailand gefeiert wird. Es findet an den ersten neun Tagen des neunten Monats nach dem chinesischen Mondkalender statt, nach dem gregori­anischen Kalender entspricht dies Ende September oder Oktober. Das Fest wird besonders dort gefeiert, wo es eine große chinesischstämmige Bevölkerungsgruppe gibt, so in Singapur, in Penang, in Phuket und im Chinesenviertel von Bangkok. Die „neun Kaisergötter“ entsprechen dem im Westen als großer Bär bekannten Sternbild.[1]

Um ihren Körper und Geist zu reinigen, verzichten die Teilnehmer des Fests während dieses Zeitraums auf bestimmte Lebensmittel (Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Eier und Milchprodukte) aber auch intensive Gewürze wie beispielsweise Knoblauch, Schnittknoblauch und Zwiebeln sowie auf Stimulanzien wie Tabak und Alkohol.[2] Aufgrund dieses Aspekts ist die Feier in Thailand als Thesakan Kin Chethailändisch เทศกาลกินเจ – bekannt, was ungenau als „vegetarisches Fest“englisch Vegetarian Festival – wiedergegeben wird. Läden und Garküchen, die dieser Speisevorschrift entsprechen, sind in der Zeit mit gelben Fähnchen mit dem roten Schriftzeichen zhai ( – „fasten, fleischlose Speise, innere Reinigung“) a)[3][4][5] – gekennzeichnet. Paradoxerweise hat sich in Thailand aufgrund der hohen Besucherzahl zu einer Touristenattraktion entwickelt. Der Brauch des Verzichts und der Aspekt der inneren Reinigung – geistig und körperlich – tritt in dem heutigen Fest fast völlig in den Hintergrund. Einzig der Verzicht auf Fleisch bleibt durch das Konsumieren der teilweise aufwändige vegetarische Tofu-Gerichte, die Fleischprodukte imitieren, erhalten.[6]

Während der Feiertage finden farbenfrohe Prozessionen durch die Straßen der Stadt statt, die auch eine große Zahl von nichtreligiösen Besuchern anziehen. Einige Teilnehmer des Festes versetzen sich in Trance und werden zu Medien der Geister – ม้าทรง mah song. Ihre vermeintliche Unverwundbarkeit beweisen sie durch außerordentliche Akte der Selbstkasteiung: Sie laufen über Feuer, durchstechen ihre Wangen mit spitzen Gegenständen oder erklimmen eine Leiter aus Schwertern. Dieser Aspekt ist in China selbst unbekannt und könnte aus dem tamilisch-hinduistischen Thaipusam-Fest entliehen sein.[7]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ursprünge des Festes sind nicht vollständig geklärt. In China selbst gibt es dieses Fest nicht. Lediglich der neunte Tag des neunten Monats九月初九 b) – der Höhe- und Endpunkt des Fests der neun Kaisergötter – wurde zum Teil als „Doppel-Neun-Tag“ (siehe Doppelneunfest bzw. Chongyang-Fest) gefeiert, weil die Neun als besonders machtvolle, den Himmel und das Yang-Prinzip verkörpernde Zahl gilt.[8] Gemäß örtlicher Überlieferung wird das Fest in Phuket seit Mitte des 19. Jahrhunderts gefeiert. Zuerst soll es im Jahr 1825 in Ban Kathu begangen worden sein, wo zu der Zeit viele aus der südchinesischen Provinz Fujian eingewanderte Zinn-Minenarbeiter lebten. Eine derart frühe Datierung wird jedoch von einigen Autoren bezweifelt.[9] Nach der meistverbreiteten Geschichte über die Entstehung des Fests soll während des Besuchs einer chinesischen Theatertruppe, die die Zinnarbeiter und ihre Familien mit chinesischen Opern unterhalten sollte, eine Seuche grassiert haben. Auch die Mitglieder der Theatertruppe erkrankten und konnten nicht spielen. Ihnen fiel ein, dass der Beginn des neunten Monats war und sie nicht zu Ehren der neun Kaisergötter gefastet hatten. Ein Mann wurde daraufhin nach China gesandt, um mit einer Zeremonie die neun Kaisergötter auch nach Phuket „einzuladen“. Im Jahr darauf kam die Theatertruppe erneut nach Phuket und feierte gemeinsam mit den ansässigen Chinesen zum ersten Mal das „vegetarische Fest“. Die Epidemie fand bald darauf ein Ende.[10] In Penang ist das Fest in seiner heutigen Form erst seit den 1880er-Jahren bekannt, als es möglicherweise von einem Händler aus Phuket eingeführt wurde.[11]

Das hinduistische Navratri – „Fest der neun Nächte“ – findet im gleichen Zeitraum statt.[12]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • a) Das Schriftzeichen zhai (chinesisch  / , Pinyin zhāi, Jyutping zaai1, Pe̍h-ōe-jī tsai – „fasten, fleischlose Speise, innere Reinigung, Klause, abgeschiedene Stube“)[3][4][5] In Thai wird der chinesische Begriff zhai meist als jeh (thai เจ) transkribiert wiedergeben. Das stilisierte Zeichen dient als vereinfachtes Symbol (เจ) für gesegnete vegetarische Speisen der Tempelanlagen während des Fests.
  • b) Der neunte Tag des neunten Monats (九月初九, jiǔ yuè chū jiǔ, Jyutping gau2 jyut6 co1 gau2, Pe̍h-ōe-jī káu-gue̍h-tshoo-káu) wird in China allgemein den Chongyang-Fest oder umgangssprachlich auch den Doppelneunfest gefeiert.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Fest der neun Kaisergötter – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jean DeBernardi: Religious Commodifications in Asia. Marketing Gods. In: Pattana Kitiarsa (Hrsg.): Routledge studies in Asian religion and philosophy. Routledge, New York 2007, ISBN 978-0-203-93787-7, S. 59, Part II – Modes And Techniques of the Symbolic Economies, 3 Commodifying Blessings: Astral Symbolism and Concepts of Fate (englisch, Volltext in der Google-Buchsuche).
  2. Erik Cohen: The Chinese vegetarian festival in Phuket. Religion, ethnicity, and tourism on a southern Thai island. White Lotus Press, Bangkok, Thailand 2001, ISBN 978-974-7534-89-4, S. 29, Theology Mythology and Distinctive Practices (englisch, Volltext in der Google-Buchsuche).
  3. a b Begriff zhai / . In: zdic.net. Abgerufen am 30. März 2020 (chinesisch, deutsch, englisch, französisch, Das Schriftzeichen oder der Begriff zhāi / hat verschiedene Bedeutung je nach Kontext, so beispielsweise fasten, fleischlose Speise, innere Reinigung, Klause, abgeschiedene Stube. Der Begriff wird allgemein meist im Daoismus und Buddhismus angewendet.).
  4. a b Begriff zhai / . In: leo.org. Abgerufen am 30. März 2020 (chinesisch, deutsch, Das Schriftzeichen oder der Begriff zhāi / hat verschiedene Bedeutung je nach Kontext, so beispielsweise fasten, fleischlose Speise, innere Reinigung, Klause, abgeschiedene Stube. Der Begriff wird allgemein meist im Daoismus und Buddhismus angewendet.).
  5. a b Begriff zhai / . In: twblg.dict.edu.tw. Bildungsministerium Taiwan, abgerufen am 11. August 2022 (chinesisch, Auf Minnan hat das Schriftzeichen sowohl eine formale (tsai) als auch eine umgangssprachliche Aussprache (tse). Das Schriftzeichen oder der Begriff zhāi / hat verschiedene Bedeutung je nach Kontext, so beispielsweise fasten, fleischlose Speise, innere Reinigung, Klause, abgeschiedene Stube. Der Begriff wird allgemein meist im Daoismus und Buddhismus angewendet.).
  6. Erik Cohen: The Chinese Vegetarian Festival in Phuket. 2001, S. 33–34. (englisch)
  7. Jean DeBernardi: Rites of Belonging. Memory, Modernity, and Identity in a Malaysian Chinese Community. Stanford University Press, Stanford 2004, ISBN 978-0-8047-4486-7, S. 189, Part Two – Religion and the Politics of Ethnic Revival in Contemporary Penang, 8. Performing Magical Power: The Nine Emperor Gods Festival (englisch, Volltext in der Google-Buchsuche).
  8. Jean DeBernardi: Religious Commodifications in Asia. Marketing Gods., S. 57 – Part II – Modes And Techniques of the Symbolic Economies, 3 Commodifying Blessings: The Nine Emperor Gods festival and the veneration of the pole star and Bushel Asterism. (englisch)
  9. Erik Cohen: The Chinese Vegetarian Festival in Phuket. 2001, S. 50. (englisch)
  10. Erik Cohen: The Chinese Vegetarian Festival in Phuket. 2001, S. 51. (englisch)
  11. Jean DeBernardi: Rites of Belonging. 2004, S. 187. (englisch)
  12. Kathleen Michael, Noel Foo: Chinese and Hindus pray and celebrate festivals for nine days. In: The Star Online, 5. Oktober 2013. (englisch)