Auslandschinesen

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Tor zur Chinatown von Montreal:
Inschrift: "唐人街, Tángrénjiē" wörtl.: "Straße der Tang-Menschen"

Als Auslandschinesen, gelegentlich auch Überseechinesen, werden Chinesen bezeichnet, die außerhalb der Volksrepublik China und der Republik China auf Taiwan leben. Schätzungen sprechen heute von etwa 40 Millionen Auslandschinesen. Im Sprachgebrauch des Chinesischen wird allgemein unterschieden zwischen:

  • Haiwai Huaqiao (海外華僑 / 海外华侨, hǎiwài huáqiáo) als Menschen mit einem Pass der VR China oder der Republik China, die dauerhaft im Ausland leben; und
  • Haiwai Huaren (海外華人 / 海外华人, hǎiwài huárén) als Menschen mit chinesischer Herkunft, die die Staatsbürgerschaft des Landes in dem sie leben angenommen haben.

Auslandschinesen sind zum größten Teil ethnische Han-Chinesen, deren Vorfahren überwiegend sogenannte Kontraktarbeiter (Kuli) waren, zu einem kleinen Teil auch Angehörige ethnischer Minderheiten Chinas, darunter vor allem Manju, Hui-Chinesen, Uiguren und Tibeter. Der chinesische Begriff Überseechinese oder Auslandschinesen (華僑 / 华侨, huáqiáo) steht für chinesische Staatsangehörige, die als Fremde vorübergehend oder auch dauerhaft (seit Generationen z. B. in Indonesien) im Ausland leben.

Für ethnische Chinesen, die ausländische Staatsbürger sind, werden die Begriffe hǎiwài huárén (海外華人 / 海外华人 ‚Überseechinesen‘) oder huáyì (華裔 / 华裔 ‚chinesischstämmig‘) verwendet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Chinatown in San Francisco (Kalifornien), ein Beispiel für eine auslandschinesische Siedlung

Zwischen 1740 und 1840 war der Handel in Südostasien fest in chinesischer Hand. Das Vordringen des europäischen Kolonialismus änderte die Lage. Die chinesischen Händler wurden in das Kolonialsystem integriert. Die Kolonialmächte schätzten sie als Mittelsmänner und verhinderten so eine Unterwanderung ihrer Geschäftsprozesse durch Einheimische. Opium wurde zum Beispiel mit Hilfe der Überseechinesen umgeschlagen. Das Kuli-System wurde von Überseechinesen mitorganisiert und ermöglichte es den Kolonialmächten, Arbeitskräfte für Infrastrukturprojekte zu rekrutieren. Treiber dieser Auswanderungswellen waren zahlreiche Hungersnöte und das Eindringen des Kolonialismus nach China in Folge des Ersten Opiumkriegs, gleichzeitig war mit dem Verbot der Sklaverei eine neue Nachfrage entstanden.

Die Auswanderung aus China wurde vom chinesischen Kaiserreich bekämpft, da das Reich fürchtete, es könnten sich Widerstandsnester gegen die Herrschaft in der Fremde herausbilden. Diese Einschätzung war überwiegend richtig, da die Nationalbewegung aus den chinesischen Gemeinschaften aus Übersee finanzielle Hilfe für die politische Umgestaltung Chinas erhielt.

Der Umstand, dass die chinesischen Händler ins Kolonialsystem integriert waren, machte sie in Südostasien besonders zu einer Paria-Gruppe in den sich bildenden Nationalstaaten. Diese Stellung ermöglichte es den Vielvölkerstaaten in Südostasien eine nationale Identität mittels der Abgrenzung zu den Chinesen zu entwickeln. Chinesen waren von jeher oft einer Feindschaft der Einheimischen ausgesetzt, die sich unterschiedlich zeigte und auswirkte: von Verleumdung, Diskriminierung, Unterdrückung, ethnischer Verfolgung bis hin zu Pogromen, Vertreibung und/oder Ermordung. Die politischen Entwicklungen in China verstärkten diese Prozesse. In Thailand waren die Chinesen dem König verdächtig, weil 1911 eine republikanische Revolution das Kaiserreich in China stürzte. Nachdem die Republik China durch die Volksrepublik China ersetzt wurde, waren in Indonesien die Chinesen automatisch des Kommunismus verdächtig, was u. a. zu Übergriffen auf die Chinesen Indonesiens führten. Auch das Imperialistische Japan führte als Besatzungsmacht in Südostasien mehrere blutige Kampagnen gegen die Chinesen.

Der Großteil der Auslandschinesen lebt heute vor allem in Südostasien. Außerhalb Chinas stellen die Chinesen auch in Singapur mit etwa 75 % der Bevölkerung die Mehrheit, das Hochchinesische ist eine der vier Amtssprachen des Landes. In Malaysia beträgt der Anteil der Chinesen an der Gesamtbevölkerung knapp 25 %, in einigen malaysischen Städten, wie etwa in Kuala Lumpur oder in Ipoh stellen sie die größte ethnische Gruppe bzw. sogar die Bevölkerungsmehrheit. In Indonesien, den Philippinen, Thailand, Südkorea, Vietnam und Myanmar gibt es ebenfalls bedeutsame chinesische Minderheiten. In einigen dieser Länder kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Diskriminierungen gegenüber Chinesen, insbesondere in Indonesien und Malaysia. Eine solche Politik gilt in diesen Ländern als Positive Diskriminierung, mit der den jeweils anderen Volksgruppen zu Chancen im Wirtschaftsleben verholfen werden soll. Die Vorfahren der heute dort lebenden Chinesen wanderten meist zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert in diese Länder ein und stammten überwiegend aus dem Gebiet des Perlflussdeltas und den Küstenprovinzen Guangdong und Fujian, weitere Gruppen von Auswanderern kamen aus Taiwan und Hainan. Ein weiteres Siedlungsgebiet in Asien ist Russlands Ferner Osten. Die Volksgruppe der Hakka[1] wanderte überwiegend in Gebiete der späteren Staaten Malaysia (Penang),[1] Singapur[1] – beide bildeten damals zusammen die Straits Settlements – und Indonesien (Sumatra)[1] aus.

Seit dem 19. Jahrhundert wanderten zahlreiche Chinesen auch in westliche Länder ein, insbesondere in die Vereinigten Staaten und nach Kanada, wo sich in vielen Großstädten sogenannte Chinatowns, chinesische Enklaven, entwickelten, insbesondere die Region Vancouver ist seit dem Übergang von Hong Kong an die Volksrepublik chinesisch geprägt. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs fand aber auch eine verstärkte Einwanderung nach Europa und Australien statt, relativ die meisten Chinesen Europas leben heute in den Niederlanden, fast 150.000 (knapp 1 % der Bevölkerung). In Großbritannien leben über 400.000 Chinesen.[2], in Frankreich je nach Zählweise zwischen 400.000 und 600.000,[3] in Deutschland mehr als 110.000[4] und in Australien fast 700.000.[5] Auch in Südamerika findet sich eine große Gemeinde, insbesondere in Peru, wo sich von 1848[1] bis 1910 etwa 120.000[1] Einwander aus China ansiedelten, diese Gemeinschaft ist durch Abwanderung stark verkleinert worden. Weitgehend aufgelöst hat sich die zwischen 1850 und 1910 aus rund 150.000[1] Personen bestehende chinesische Gemeinde Kubas. In ganz Lateinamerika wird die Zahl heute auf etwa 1,3 Millionen[4] Personen geschätzt.

In Frankreich, das ab 1860[1] die Einwanderung aus China zwischenstaatlich geregelt hatte, haben sich Chinesen um 1900 erstmals in bedeutender Zahl rund um den Bahnhof Gare de Lyon angesiedelt, wo sie hauptsächlich die enge Passage Brunoy und Passage Raguinot bewohnten. Sie stammten zumeist aus dem Süden der Provinz Zhejiang und verdienten sich einen bescheidenen Lebensunterhalt als Hausierer oder in der Industrie. Während dem Ersten Weltkrieg beschäftigte der französische Staat rund 140.000 chinesische Arbeiter in den Rüstungswerken oder für Terrassierungen, wobei ein Teil von ihnen danach nach Asien zurückkehrte. Unter den Einwanderern jener Zeit befand sich auch der spätere chinesische Staats- und Parteichef Deng Xiaoping. 1949 endete der Zuzug mit dem Sieg der Kommunisten in China. In den 1970er Jahren kamen ethnische Chinesen als Flüchtlinge aus Kambodscha und Vietnam nach Frankreich und zogen überwiegend ins 13. Arrondissement von Paris, so entstand das dortige Chinatown zwischen der Avenue d'Ivry und der Avenue de Choisy. Als frühere Einwohner ehemaliger französischer Kolonien sprachen sie zumeist bereits Französisch. Ab 1978 folgte eine erneute Einwanderung aus der Volksrepublik, wobei damals vor allem Menschen aus Wenzhou eintrafen. Sie siedelten auch zahlreich in Norditalien. Diese letzte Einwanderergruppe dominiert heute zahlenmäßig in Frankreich. Daneben gibt es viele chinesische Studentinnen und Studenten, die nach Ablauf ihrer Aufenthaltsgenehmigung als Sans-Papiers leben.[3]

Auf der sehr kleinen, politisch zu Australien gehörenden Weihnachtsinsel stellen die Chinesen ebenfalls die Bevölkerungsmehrheit der nur etwa 1400 Einwohner.

Unter dem Eintrag "Qiaopi and Yinxin Correspondence and Remittance Documents from Overseas Chinese" wurden Briefe zwischen Auslandschinesen und ihren Familien in China von der UNESCO in die Liste des Weltdokumentenerbes aufgenommen.[6]

In chinesischen Gemeinschaften in Übersee entstehen häufig kulturelle Konflikte mit den nachfolgenden Generationen. Häufig stellen die Eltern überaus hohe Leistungsforderungen an ihre Kinder. Diese Erziehung wird in Nordamerika als Tiger parenting bezeichnet. Bekanntester Ausdruck davon ist der autobiografische Bestseller Die Mutter des Erfolgs von Amy Chua. Chinesen wird zuweilen der Vorwurf gemacht, überangepasst zu sein und ihre Gesellschaften nur wirtschaftlich, nicht aber sozial und kulturell, mitgestalten zu wollen. Demzufolge sähen sie ihre Aufgabe hauptsächlich darin, wirtschaftlich erfolgreich zu sein.[1]

Verteilung auf die Kontinente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerung (1998)
Gebiet % Anzahl
Asien 80 17.070.000
Amerika 11,63 5.020.000
Europa 2,3 945.000
Ozeanien 1,28 564.000
Afrika 0,3 126.000
Total 100 23.725.000

Staaten mit den meisten Auslandschinesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Zahlen beruhen auf Zahlen der Behörde für Überseechinesen der Republik China auf Taiwan aus dem Jahr 2005 und divergieren somit von offiziellen Zahlen aus der Volksrepublik China.[7]

Land Bevölkerung 2005 Rang Weiterführende Artikel
IndonesienIndonesien Indonesien 7.566.200 1
ThailandThailand Thailand 7.053.240 2 Chinesischstämmige Thailänder
MalaysiaMalaysia Malaysia 6.187.400 3 Baba-Nyonya
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 3.376.031 4 Sino-Amerikaner, Geschichte der Chinesen in den Vereinigten Staaten, Geschichte der Chinesen in Hawaii
SingapurSingapur Singapur 2.684.900 5
KanadaKanada Kanada 1.612.173 6
PeruPeru Peru 1.300.000 7
VietnamVietnam Vietnam 1.263.570 8 Hoa
PhilippinenPhilippinen Philippinen 1.146.250 9 Philippinische Chinesen
MyanmarMyanmar Myanmar 1.101.314 10
RusslandRussland Russland 998.000 11
AustralienAustralien Australien 614.694 12
JapanJapan Japan 519.561 13
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 500.000 14
FrankreichFrankreich Frankreich 450.000 15
KambodschaKambodscha Kambodscha 343.855 16
IndienIndien Indien 189.470 17
LaosLaos Laos 185.765 18
BrasilienBrasilien Brasilien 151.649 19
NiederlandeNiederlande Niederlande 144.928 20

Weitere Länder: Chinesen in Deutschland, Geschichte der Chinesen auf Timor

Wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1996 wurde das Barvermögen der Überseechinesen auf zwei Billionen US-Dollar geschätzt, mehr als das Geld der 1,3 Milliarden Menschen in der Volksrepublik China. Der Anteil der Überseechinesen an den Investitionen auf dem chinesischen Festland liegt bei 80 Prozent (zum Vergleich: Deutschland 0,25 Prozent). Die rund 60 Mio. Auslandschinesen (hier Macau, Hongkong und Taiwan mitgezählt, obwohl diese überhaupt keine Auslandschinesen sind) sind in den meisten asiatischen Staaten eine Wirtschaftsgroßmacht. Ihre Wirtschaftskraft wird nur von den USA und von Japan übertroffen und ihre Investitionen liegen höher als die japanischen Auslandsinvestitionen. In der Volksrepublik China selbst stellen sie etwa 80 % der Investoren.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i Gérard Chaliand, Jean-Pierre Rageau, Chatherine Petit; traduction: A. M. Berrett: The Penguin Atlas of Diasporas. Penguin Books, London 1997, ISBN 0-670-85439-5, S. 125–142.
  2. http://www.neighbourhood.statistics.gov.uk/dissemination/LeadTableView.do?a=7&b=276743&c=London&d=13&e=13&g=325264&i=1001x1003x1004&m=0&r=1&s=1281194575359&enc=1&dsFamilyId=1809&nsjs=true&nsck=true&nssvg=false&nswid=1280
  3. a b Marc Zitzmann: Peking–Paris, ohne Rückfahrtticket – Chinesen in Frankreich: viel Unternehmer-, wenig Bürgersinn. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 210. Zürich 10. September 2012, S. 33.
  4. a b Statistical Yearbook of the Overseas Compatriot Affairs Commission (Memento vom 10. Juli 2009 im Internet Archive)
  5. Zensus Australien
  6. Qiaopi and Yinxin Correspondence and Remittance Documents from Overseas Chinese | United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization. Abgerufen am 28. August 2017 (englisch).
  7. The Ranking of Ethnic Chinese Population. Archiviert vom Original am 8. September 2001. Abgerufen am 23. Januar 2019.

(Quelle: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/757973/)