Dim Sum

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Dim Sum
HK SYP 德韾苑 Tak Hing Yuen Seafood Restaurant steamed chinese foods Mar-2013 Steamers.JPG
Dim Sum nach kantonesischer Art –
廣式點心, Hongkong 2013
Chinesische Bezeichnung
Langzeichen
Kurzzeichen
Pinyin diǎnxīn
Jyutping dim2sam1
Alternative Bezeichnung
Langzeichen
Kurzzeichen
Pinyin guǎngshì diǎnxīn
Jyutping gwong2sik1 dim2sam1

Dim Sum, auch Dimsum (chinesisch 點心 / 点心, Pinyin Audio-Datei / Hörbeispiel diǎnxīn?/i, Jyutping dim2sam1, Yale dímsāmAudio-Datei / Hörbeispiel anhören (kantonesisch)?/i – „das Herz berühren“) sind traditionelle Spezialitäten der chinesischen Küche und eine in China sehr verbreitete Speise. Dimsum sind kleine Gerichte, die meist gedämpft oder frittiert zum Frühstück bzw. Mittagessen serviert werden. In bestimmten Lokale gibt es diese kleine Gerichte auch zum Nachmittagstee oder selten auch als Mitternachtsimbiss.

Bezeichnung und Aussprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die allgemeine chinesische Bezeichnung Dim Sum wird für alle möglichen Arten von traditionellen Zwischenmahlzeiten und Snacks verwendet und kann auch mit Imbiss übersetzt werden.[1][2] Hingegen meint man im Westen mit dem Begriff „Dimsum“ gewöhnlich meist das „Dimsum nach kantonesischer Art“ (廣式點心 / 广式点心, guǎngshì diǎnxin, Jyutping gwong2sik1 dim2sam1), das eine Variante der verschiedenen regionalen chinesischen „Dimsum-Spezialtäten“ der unterschiedlichen Regionalküchen Chinas darstellt. Wörtlich übersetzt heißt „Dim Sum“ etwa „das Herz berühren“ – im Sinne von „Kleine Leckerbissen, die das Herz berühren“. Die in Europa allgemein übliche Schreibweise dim sum gibt die kantonesische Aussprache unter Verwendung englischer Schreibkonventionen wieder.

Einteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemein können Dimsum-Gerichte nach deren Zutaten beispielsweise in Fleisch-, Meeresfrüchte-, Gemüse- und Reis-Gerichte, o. Ä. unterschieden. Alternativ unterteilt man sie auch nach deren Verarbeitungsart in beispielsweise:

Die „Dimsum-Gerichte nach kantonesischer Art“ bestehen zum Großteil aus verschiedenen Teigtaschen. Zu beachten ist, dass das Gemüse meist als kleine Beilage in kantonesischen Restaurants nach deren Zubereitungsart als Yóucài2 (油菜, yóucài, Jyutping jau4coi3 – „allgemein: Raps, hier: in Öl und Wasser gegartes Gemüse saisonaler Art“) in Wasser gegartes Gemüse mit heißem Öl übergossen – genannt werden und nicht nach dessen Gemüsesorte, da die dabei verwendete Gemüsesorte saisonal variieren. Gewöhnlich sind es meist Gemüse wie der Gartensalat, Wasserspinat, Kai-lan, Pak Choi oder Choisum, sofern diese außerhalb China auch in den lokalen Märkten zu bekommen sind.

1 Der Begriff „Juǎn (kantonesisch Gyun) –  / “ bedeutet im Chinesischen allgemein Rolle oder Spule, hier in dem Kontext ist es eine Bezeichnung durch „Einrollen“ entstandenen Speisen, wie beispielsweise die Frühlingsrolle.[3]
2 Der Begriff „Yóucài (kantonesisch Jaucoi) – 油菜“ bedeutet im Chinesischen allgemein Raps, umgangssprachlich in der kantonesische Sprache ist es eine Bezeichnung für eine saisonale Gemüsebeilage, die in Öl und heißes Wasser gegart wurde ohne sich auf eine spezifische Gemüsesorte festzulegen.[4]

Herkunft und Zubereitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele der in Europa und USA angebotenen Dimsum-Gerichte stammen ursprünglich aus der kantonesischen Küche Chinas, die durch Chinesen in Übersee als kulinarische Kultur ins Ausland exportierten. Zum Teil stammen die Häppchen aus traditionellen chinesischen Teehäusern. Man findet sie in unzähligen Variationen und allen Preisklassen vor allem im Süden und Osten Chinas. Diese Alltagskultur des Teegenusses mit Verzehr von Dim-Sum-Gerichten meist in Familien- und Freundeskreisen in den typischen chinesischen Restaurants – früher traditionelle Teehäuser – ist insbesondere in der chinesischen Diaspora in westlichen Ländern durch kantonesische Auslandschinesen bekannt. Im kantonesischen Sprachraum – inzwischen insbesondere auch im angelsächsischen Sprachraum – ist sie auch als Yum-Cha-Kultur – 飲茶文化 / 饮茶文化, yǐnchá wénhuà, Jyutping jam2caa4 man4faa3 – „Tee-Trinken-Kultur“ – bekannt.

Im Alltag werden Dim Sum zu klassischem chinesischen Tee meistens in kleinen Dämpfkörbchen – 蒸籠 / 蒸笼, zhēnglóng – meist aus Bambus – manchmal auch aus Metall – gereicht. Dabei ist oft der chinesische Satz Yī zhōng liǎng jiàn一盅兩件 / 一盅两件, Jyutping Jat1 zung1 loeng5 gin6 – in diesem Zusammenhang zu hören, was soviel wie „Ein Becher (Tee) und zwei Dampfkörbchen (Dimsum)“ bedeutet.[5] Man beschreibt mit diesem Satz die Yum-Cha-Kultur bzw. Essgewohnheit vieler traditionellen Teehaus3-Besucher Südchinas. Dabei genießen viele traditionellen Teehausgästen – heute sind es meist gewöhnliche chinesische Großrestaurants – zum Tee für eine Person zusätzlich meist zwei Körbchen Dimsum.[6][7][8]

Die Bambuskörbe zum Dämpfen竹蒸籠 / 竹蒸笼, zhúzhēnglóng – haben unterschiedliche Größe, deren Durchmesser von etwa 15 cm bis knapp über 1 m reichen. Sie können zum Dämpfen aufeinander gestapelt werden, der oberste wird danach abgedeckt. In jedem befindet sich normalerweise ein auch aus Bambus bestehendes Gitter, auf das die Speisen gelegt werden. Es ist üblich – jedoch nicht zwingend – die Mahlzeit je nach Geschmack noch mit Sojasauce, Essigsauce oder anderen – zum Teil scharfen – Soßen zu verfeinern.

Den Großteil der Gerichte machen gefüllte Teigtaschen aus. Die Füllungen können aus allen denkbaren Sorten von Fleisch, Meeresfrüchten, Gemüse, aber auch aus Ei oder Süßem bestehen.

3 Historisch gab es in China eine strikte Trennung zwischen dem Teehausbegriff „chálóu茶樓 / 茶楼 – „Teehaus,Teestube““, wo man meist eine ruhigere Atmosphäre zum Teetrinken und nur kleine Häppchen als Speise angeboten werden – vergleiche Kaffeehäuser in Europa – und dem Gasthausbegriff „jiǔlóu酒樓 / 酒楼 – „Restaurant, Wirtshaus, Schänke““, wo für gewöhnlich gespeist und Banketts ausgerichtet werden. Im Laufe der Verstädterung und ökonomische Zwänge sind heute beide Begriffe oft austauschbar, da in beiden Stätten sowohl gespeist und Festmahle ausgerichtet werden als auch Tee und Dimsum mit Klein-Häppchen als Imbiss gegessen werden können.

Imbiss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Imbiss oder Zwischenmahlzeit findet man Dim Sum heute auch als Street Food beim Straßenverkauf auf Märkten im Freien oder im Inneren eines sogenannten Food-Court oder Hawker Centre in verschieden asiatischen Ländern, wie beispielsweise China, Singapur, Malaysia, Indonesien, Philippinen, Vietnam, Thailand oder Taiwan. Tiefgefrorene Dimsum-Speisen als Fast Food wird beispielsweise auch in verschiedenen Convenience Stores Südostasiens angeboten. In bereitgestellten Mikrowellenöfen können diese Speisen erwärmt und vor Ort verzehrt werden. Die Dimsum-Speisen genießen auch in südostasiatischen Ländern mit muslimischer Bevölkerung große Popularität wie beispielsweise Indonesien, Malaysia oder Brunei, da diese auch als Halal-Speisen angeboten werden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Dim Sum – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Begriff „Dimsum (点心 / 點心)“. In: dict.revised.moe.edu.tw. Abgerufen am 20. März 2016 (chinesisch (Taiwan), 教育部重編國語辭典修訂本 – 點心 – „Wörterbuch für Hochchinesisch, Ministerium für Bildung – Dimsum“).
  2. Begriff „Dimsum – 点心 / 點心“. In: www.zdic.net. Abgerufen am 20. März 2016 (chinesisch (Taiwan), 汉典 – 点心 / 點心 – „Handian Wörterbuch für Chinesisch – Dimsum“).
  3. Begriff „Juan – 卷 / 捲“. In: leo.org. Abgerufen am 4. Mai 2020 (chinesisch, deutsch, Juan (Gyn) – 卷 / 捲 – als Bezeichnung für eingwickelte, gerollte und aufgerollte Dinge).
  4. Begriff „Youcai (油菜)“. In: leo.org. Abgerufen am 20. April 2020 (chinesisch, deutsch, Youcai (Jaucoi) – 油菜 – existiert sowohl als Bezeichnung für Raps aber auch als allgemeine kantonesische Gemüsegerichtbezeichnung für in Öl und heißes Wasser gegartes Gemüse).
  5. Begriff „zhong – 盅“. In: leo.org. Abgerufen am 11. September 2020 (chinesisch, deutsch, zhong (zung) – 盅 – als Bezeichnung für traditioneller chinesischer Teebecher).
  6. “慢”早茶:一盅两件,放松身心 – Gemächliches Morgentee: Yī zhōng liǎng jiàn – „Ein Becher und zwei Körbchen“ – entspannt Körper und Geist. In: culture.china.com. 30. April 2020, abgerufen am 11. September 2020 (chinesisch, Artikel zur südchinesische Yum-Cha-Kultur bzw. den Satz Yī zhōng liǎng jiàn一盅兩件 als kantonesische bzw. südchinesische Kultur).
  7. 一盅两件:岭南人的早茶文化 – Yī zhōng liǎng jiàn – „Ein Becher und zwei Körbchen“: Morgentee-Kultur der Menschen der Lingnan-Region. In: www.sohu.com. 22. Februar 2020, abgerufen am 11. September 2020 (chinesisch, Artikel zur südchinesische Yum-Cha-Kultur der Lingnan-Region bzw. den Satz Yī zhōng liǎng jiàn一盅兩件 als kantonesische bzw. südchinesische Kultur).
  8. 什么是一盅两件? – Was bedeutet Yī zhōng liǎng jiàn – „Ein Becher und zwei Körbchen“? In: zhidao.baidu.com. 1. September 2019, abgerufen am 11. September 2020 (chinesisch, Frage zum Satz Yī zhōng liǎng jiàn一盅两件 und dessen Bedeutung?).