Fleischwangen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Fleischwangen
Fleischwangen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Fleischwangen hervorgehoben
Koordinaten: 47° 53′ N, 9° 29′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Ravensburg
Gemeindeverwal­tungsverband: Altshausen
Höhe: 628 m ü. NHN
Fläche: 5,8 km2
Einwohner: 674 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 116 Einwohner je km2
Postleitzahl: 88373
Vorwahl: 07505
Kfz-Kennzeichen: RV
Gemeindeschlüssel: 08 4 36 032
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausstraße 19
88373 Fleischwangen
Webpräsenz: www.fleischwangen.de
Bürgermeister: Timo Egger
Lage der Gemeinde Fleischwangen im Landkreis Ravensburg
Bayern Bodenseekreis Landkreis Biberach Landkreis Sigmaringen Achberg Aichstetten Aitrach Altshausen Amtzell Argenbühl Aulendorf Bad Waldsee Bad Wurzach Baienfurt Baindt Berg (Schussental) Bergatreute Bodnegg Boms Boms Ebenweiler Ebersbach-Musbach Eichstegen Eichstegen Fleischwangen Fronreute Grünkraut Guggenhausen Guggenhausen Guggenhausen Guggenhausen Horgenzell Hoßkirch Isny im Allgäu Kißlegg Königseggwald Königseggwald Leutkirch im Allgäu Ravensburg Riedhausen Schlier (Gemeinde) Unterwaldhausen Vogt (Gemeinde) Waldburg (Württemberg) Wangen im Allgäu Weingarten (Württemberg) Wilhelmsdorf (Württemberg) Wolfegg Wolpertswende BodenseeKarte
Über dieses Bild
Pfarrkirche in Fleischwangen
Kirche in Fleischwangen von Süden

Fleischwangen ist eine Gemeinde im Landkreis Ravensburg in Baden-Württemberg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im Nordwesten des Landkreises Ravensburg im Quellengebiet der Ostrach, am Rande des Landschaftsschutzgebiets Pfrunger Ried.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Fleischwangen gibt es Erdgasvorkommen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühe Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fleischwangen wurde erstmals 808 im Zusammenhang mit einer Besitzübernahme des Klosters St. Gallen als Flinxwangun erwähnt. Seit 1092 hatte das Kloster Allerheiligen in Schaffhausen im Ortsgebiet Besitz. 1116 erscheint der Name als Flinswangin in einer Urkunde (von Flins = Kieselgestein und wang = Feld).

Von 1281 bis 1391 ist örtlicher Adel nachgewiesen. Nachfolger dieser Herren von Fleischwangen waren die Herren von Ringgenburg (mit Sitz auf der Ringgenburg bei Esenhausen, heute zu Wilhelmsdorf). 1296 schenkte Johannes von Ringgenburg den Ort und das Patronat über die Pfarrkirche St. Felix und Adauktus sowie den Ort Esenhausen dem Deutschen Orden, der den Besitz später der Deutschordenskommende Altshausen einverleibte. Johannes machte dem Orden das Geschenk aus Dankbarkeit dafür, dass zwei Söhne in den Orden aufgenommen worden waren. Der Sohn Johannes von Ringgenburg d. J. ist 1361 als Komtur in Altshausen belegt. 1363 wurde Esenhausen an das Kloster Weingarten verkauft, Fleischwangen hingegen blieb für die nächsten Jahrhunderte Teil der Deutschordenskommende.

1647 brannte der Ort zum großen Teil ab.

19. und 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Säkularisation wurde das Gebiet der Kommende Altshausen 1806 zunächst Teil des Königreichs Bayern, 1807 dann Teil des Königreichs Württemberg, wo es dem Oberamt Saulgau zugeordnet wurde. Im Jahr 1810 tauschte König Friedrich von Württemberg die Herrschaft Altshausen gegen seine an Bayern abgetretene Herrschaft Weiltingen. Nun gehörte Fleischwangen zum privaten Besitz der königlichen Familie und wurde vom Hofkameralamt Altshausen verwaltet. Die heutige Gemeinde Eichstegen wurde um 1825 gebildet.

1829 wird die Parzelle Zippern erstmals erwähnt (heute Zipperhof).

Bis 1972 gehörte Eichstegen zum Landkreis Saulgau, nach dessen Auflösung wurde die Gemeinde am 1. Januar 1973 Teil des Landkreises Ravensburg.

Die Gemeinde ist seit 1. Januar 1972 Mitglied im Gemeindeverwaltungsverband Altshausen mit Sitz in Altshausen.

Ortsplan von Fleischwangen, um 1770. Die Richtung Süden ist nach oben ausgerichtet

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1825: 203 Einwohner
  • 1900: 316 Einwohner
  • 1961: 341 Einwohner
  • 1970: 415 Einwohner
  • 1975: 430 Einwohner
  • 1991: 449 Einwohner
  • 1995: 521 Einwohner
  • 2005: 629 Einwohner
  • 2010: 658 Einwohner
  • 2015: 674 Einwohner

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fleischwangen ist - wie die gesamte Region - römisch-katholisch geprägt. Die katholischen Einwohner gehören zu der zwei römischen Märtyrern geweihten Pfarrei St. Felix und Adauctus, die zum Dekanat Saulgau der Diözese Rottenburg-Stuttgart gehört. Ihr Einzugsgebiet reicht über die politische Gemeinde Fleischwangen hinaus. Die Kirche wurde 1275 in einem Steuerregister erstmals erwähnt.

Die evangelisch-lutherischen Christen der Gemeinde gehören der Kirchengemeinde Altshausen, im Kirchenbezirk Biberach der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, an.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 wurden durch Mehrheitswahl drei Frauen und fünf Männer in den achtköpfigen Gemeinderat gewählt.

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 12. Oktober 2014 wurde der damals 25-jährige Timo Egger im ersten Wahlgang mit 80,13 % zum Bürgermeister von Fleischwangen gewählt. Damit war er der jüngste Bürgermeister in Baden-Württemberg und sogar in Deutschland. Der vorige Amtsinhaber Roland Fuchs war nicht mehr angetreten.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: In Silber schräggekreuzt aus schwarzem Boden wachsend zwei grüne Ähren, darüber ein schwarzes Deutschordenskreuz.

Für den Ortsadel des 13. und 14. Jahrhunderts ist ein Wappen nachgewiesen, das zwei gekreuzte Hämmer zeigt. Als 1975 der Gemeinderat der bis dahin wappenlosen Gemeinde Fleischwangen auf Betreiben des örtlichen Musikvereins die Schaffung eines Wappens anregte, wurde ein Vorschlag des Hauptstaatsarchivs Stuttgart, das Wappen des Ortsadels zu übernehmen, nicht verwirklicht.

Das letztlich 1976 verliehene Wappen zeigt ein Deutschordenskreuz (das auf die über 500-jährige Zugehörigkeit zur Deutschordenskommende Altshausen verweist) sowie zwei grüne Ähren, die den bäuerlichen Charakter der Siedlung illustrieren sollen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Landjugend, der Freiwilligen Feuerwehr und kirchlichen Gruppierungen wie dem Kirchenchor oder der Blutreitergruppe (der Teilnehmer an der jährlichen Reiterprozession Blutritt in Weingarten) sind vor allem folgende Vereine im gesellschaftlichen Leben Fleischwangens aktiv:

  • Der Narrenverein Bure-Meckeler Fleischwangen e. V. (Anfänge 1975, offizielle Gründung 1996) mit etwa 120 Mitgliedern gestaltet die Schwäbisch-alemannische Fasnet.

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 1923 gegründete Musikverein Fleischwangen tritt bei weltlichen und kirchlichen Anlässen auf.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pfarrkirche St. Felix und Adauctus (gotisch, mit spätgotischem Wandtabernakel, Hochaltar mit Wappen des Deutschen Ordens)
  • Friedhofskapelle St. Anna

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sportverein Fleischwangen e. V. (gegründet 1956) bietet neben Fußball (Kreisliga B, Stand 2006) auch eine Abteilung für Freizeitsport.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wichtigster Wirtschaftszweig ist das Handwerk mit zahlreichen ortsansässigen Betrieben. Das Ortsbild Fleischwangens war lange Zeit weitgehend von der Landwirtschaft, insbesondere von Milchviehhaltung und Getreideanbau, geprägt. Neben Obstbau wird heute vor allem Schweinezucht betrieben. Zwei kleine Landgasthöfe bieten schwäbische Spezialitäten.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1925 ist die Gemeinde per Bus (zunächst „Kraftpost“) erreichbar. Eine Busverbindung verbindet Fleischwangen heute u. a. mit Ravensburg, Wilhelmsdorf, Ebenweiler, Guggenhausen, Unterwaldhausen und Altshausen. Die Gemeinde gehört zum Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund (bodo).

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Grundschule Fleischwangen wurde 1836 begründet und erhielt 1905 ein neues Haus. Heute wird in einem Schulgebäude von 1965 unterrichtet. 1976–1990 wurde die Schule als Teil der Grundschule Riedhausen betrieben. Seit 1990 ist die kleine Schule mit etwa 50 Schülern wieder selbständig. Zum Einzugsbereich gehören auch mehrere Teilorte und Weiler umliegender Gemeinden. Für die jüngsten Einwohner besteht ein Kindergarten.

Weiterführende Schulen gibt es im nahen Altshausen sowie in Wilhelmsdorf.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannt ist Fleischwangen seit je durch besondere Kinderfreundlichkeit: 1900 war Fleischwangen das kinderreichste Dorf im Königreich Württemberg. Noch heute hat Fleischwangen das niedrigste Durchschnittsalter der Gemeinden im Landkreis Ravensburg.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Chronik des Kreises Ravensburg. Landschaft, Geschichte, Brauchtum, Kunst. Chroniken-Verlag Boxberg. Hinterzarten 1975
  • Oskar Sailer (Hrsg.): Der Kreis Ravensburg. Theiss. Stuttgart 1976. ISBN 3-8062-0145-5
  • Josef Mütz: 1200 Jahre Fleischwangen – Geschichte, Geschichten und Gschichtla. Mit einem Beitrag von Eberhard Fritz. Bergatreute/Aulendorf 2009. ISBN 978-3-89089-152-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fleischwangen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alle politisch selbständigen Gemeinden mit ausgewählten Merkmalen am 30.09.2016 (3. Quartal 2016) (XLS-Datei, 4,86 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).