Fräuleinwunder

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zur Pop-Band ähnlichen Namens siehe die Fräulein Wunder.
Deutsches Fraulein und amerikanische Soldaten, 1946

Deutsches Fräuleinwunder ist ein Begriff, der in den 1950er Jahren in den USA geprägt wurde. Er stand für junge, attraktive, moderne, selbstbewusste und begehrenswerte Frauen des Nachkriegsdeutschlands.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auslöser war das Berliner Mannequin Susanne Erichsen (1925–2002). 1950 gewann sie im Alter von 24 Jahren in Baden-Baden die erste Miss-Germany-Wahl der Bundesrepublik. Sie war die Nachfolgerin von Inge Löwenstein. Inge Löwenstein war 1949, noch vor der Gründung der Bundesrepublik, in den Westzonen zur ersten Miss Germany nach dem Zweiten Weltkrieg gekürt worden.

Zwei Jahre nach ihrer Wahl ging Susanne Erichsen als „Botschafterin der deutschen Mode“ in die USA. Sie beeindruckte die US-Amerikaner und wurde in Amerika als das deutsche Fräuleinwunder bezeichnet.

Wie wichtig Susanne Erichsen für ein anderes Deutschlandbild war, zeigt sich daran, dass ihre Erinnerungsstücke der Wahl von 1950 in der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland aufbewahrt werden.

Ruth Niehaus galt als Fräuleinwunder des deutschen Nachkriegsfilms der 1950er Jahre.

Eine satirische Darstellung des Fräuleinwunders ist Liselotte Pulvers Rolle als Sekretärin in Billy Wilders Film Eins, zwei, drei von 1961.[1][2]

Auch die aus Mannheim stammende Hollywoodschauspielerin Christiane Schmidtmer prägte ab Mitte der 1960er Jahre - besonders durch ihr äußeres Erscheinungsbild - ganz massiv das Bild des stereotypen deutschen Fräuleinwunders in Hollywood. So spielte sie beispielsweise in der US-Kinokomödie Boeing-Boeing eine deutsche Lufthansa-Stewardess.

Der Begriff Fräuleinwunder ist Teil der Wunderrepublik-Begriffe der Nachkriegs-Zeit wie Wirtschaftswunder und Wunder von Bern 1954.

Weitere Verwendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Fräuleinwunder wurde von Zeit zu Zeit immer wieder in anderen Zusammenhängen verwendet. So wurde 1999 eine neue Generation von jungen deutschen Autorinnen so betitelt. Der Begriff kam im März 1999 in einem SPIEGEL-Artikel des Literaturkritikers Volker Hage auf.

Zu dem Fräuleinwunder der deutschen Literatur seit 1999 zählen vor allem junge Autorinnen, die gerade ihre ersten Bücher veröffentlicht hatten, zu nennen sind hier: Julia Franck, Judith Hermann, Mariana Leky, Alexa Hennig von Lange, Zoë Jenny, Juli Zeh und Ricarda Junge. Karen Duve wurde in diesem Zusammenhang auch oft erwähnt. Dieses „Wunder“ gilt in der Literaturkritik und im Feuilleton mittlerweile als passé.

Aus feministischer Perspektive scheint die Zusammenfassung einer weiblichen Autorengeneration unter dem Begriff „Fräuleinwunder“ zunächst abwertend. Es sei kein „Wunder“, dass Frauen Romane schreiben, noch dass sie sich kritisch mit ihrer Zeit auseinandersetzen. Beim Begriff "literarisches Fräuleinwunder" handelt es sich vielmehr um ein Etikett, das sich nicht auf literarische Kategorien bezieht. Die mit diesem Etikett belegten Autorinnen bedienten sich allerdings teilweise dieses Etiketts, um für sich und ihre Bücher zu werben[3]. Neben der Stellungnahme, dass „die Autorinnen nicht viel mehr gemeinsam haben als ihre Geschlechtszugehörigkeit und ihr nicht sehr fortgeschrittenes Alter“[4], gab es aber auch die Ansicht, dass nach Judith Hermanns Debüt Sommerhaus, später eine bestimmte Art des Schreibens vor allem von jungen Autorinnen aufgegriffen und kopiert wurde und es sich somit beim literarischen Fräuleinwunder eben doch um eine Art Gattung handele[5].

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Fräuleinwunder: Lilo Pulver als Fräulein Ingeborg in Billy Wilders „Eins, Zwei, Drei“ von 1961.. Der Tagesspiegel, 13. Februar 2011
  2. Manuel Brug: Wie ein Backfisch zur berühmten Weltdame wurde auf welt.de am 11. Oktober 2009
  3. Literaturkritik, Macht und Geschlecht von Mechthilde Vahsen
  4. Hermann Schlösser über: Volker Hage, Propheten im eigenen Land, 20. Oktober 1999
  5. Fräuleinwunder revisited von Maike Schiller, 2007
  • Artikel von Roswitha Grosse am 26. Januar 2009 in der Süddeutschen Zeitung

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]