Eins, Zwei, Drei

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Eins, zwei, drei)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher TitelEins, Zwei, Drei
OriginaltitelOne, Two, Three
ProduktionslandUSA
OriginalspracheEnglisch
Deutsch
Erscheinungsjahr1961
Länge108 Minuten
AltersfreigabeFSK 6[1]
Stab
RegieBilly Wilder
DrehbuchBilly Wilder
I.A.L. Diamond
ProduktionBilly Wilder / Mirisch Corporation / United Artists
MusikAndré Previn
KameraDaniel L. Fapp
SchnittDaniel Mandell
Besetzung
Synchronisation

Eins, Zwei, Drei ist eine US-amerikanische Screwball-Komödie von Billy Wilder vor dem Hintergrund des Ost-West-Konflikts. Wilder verfasste zusammen mit I. A. L. Diamond auch das Drehbuch, für das sie das Bühnenstück Eins, zwei, drei (Originaltitel: Egy, kettő, három) von Ferenc Molnár aus dem Jahr 1929 adaptierten und die Handlung in das geteilte Berlin verlegten. Die Dreharbeiten fanden von Juni bis September 1961 in Berlin und in München statt; dabei wurde das Team vom Bau der Berliner Mauer überrascht.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

C. R. MacNamara ist Direktor der Coca-Cola-Filiale in West-Berlin. Da er Europachef in London werden möchte, plant er, das Brausegetränk auch hinter dem Eisernen Vorhang zu vertreiben. Doch da W. P. Hazeltine, der Vorstandsvorsitzende in Atlanta, mit den Kommunisten keine Geschäfte machen will, lehnt er dies ab. Er bittet MacNamara stattdessen, seine Tochter Scarlett während deren Berlin-Visite zu betreuen. Widerwillig stimmt MacNamara zu. Eigentlich wollte seine Frau mit den Kindern verreisen und er hätte dann Gelegenheit gehabt, mehr Zeit mit seiner hübschen Sekretärin Ingeborg zu verbringen.

Scarletts Besuch verläuft zunächst reibungslos, bis sie eines Tages plötzlich verschwunden ist. Ausgerechnet jetzt kündigen ihre ahnungslosen Eltern für den nächsten Tag ihren Besuch in West-Berlin an. Als Scarlett wieder auftaucht, stellt sich heraus, dass sie inzwischen geheiratet hat, und zwar den gutaussehenden und linientreuen Jungkommunisten Otto Piffl aus Ost-Berlin. MacNamara sieht seine Karriereträume bedroht und fädelt deshalb mit Hilfe seines unterwürfigen Assistenten Schlemmer eine Intrige ein, um Piffl wieder loszuwerden. Der Kommunist Piffl wird als vermeintlicher Westspion am Brandenburger Tor von den ostdeutschen Grenzwächtern verhaftet und der Volkspolizei übergeben. Um die Eheschließung rückgängig zu machen, arrangiert McNamara außerdem im Ostberliner Standesamt die Aufhebung der Ehe. Aber der Schuss geht nach hinten los: Als Scarlett erfährt, was mit Otto geschehen ist, bricht sie zusammen. Und zu allem Unglück stellt sich noch heraus, dass sie von Piffl schwanger ist. Ein uneheliches Enkelkind wäre für den erzkonservativen Mr. Hazeltine noch schlimmer als ein kommunistischer Schwiegersohn und damit das Ende von MacNamaras Laufbahn. Deshalb muss die Annullierung der Ehe wieder rückgängig gemacht, Piffl aus den Fängen der Volkspolizei befreit und innerhalb von wenigen Stunden in einen standesgemäßen Schwiegersohn verwandelt werden.

Mr. und Mrs. Hazeltine sollen bereits am Mittag desselben Tages eintreffen, um Scarlett abzuholen. In der knapp bemessenen Zeit bis dahin stattet MacNamara Otto Piffl mit einer umfassenden Herrenkollektion aus und lässt ihn durch einen verarmten Adeligen adoptieren, um ihm einen vorzeigbaren Namen zu geben. Piffls eiserne Gesinnung gerät aber nicht so leicht ins Wanken. Doch aus Liebe zu Scarlett gibt er seine ideologischen Dogmen nach und nach auf und fügt sich schließlich MacNamaras Plänen.

Piffls Verwandlung ist am Ende so perfekt, dass Mr. Hazeltine seinen neuen Schwiegersohn zum Direktor des europäischen Marktes ernennt. Aber auch MacNamara wird befördert und in die Konzernzentrale nach Atlanta versetzt. Damit ist auch seine Ehe gerettet, denn seine Frau wollte mit den Kindern schon lange in die USA zurück.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schauplatz des Kinofilms ist die geteilte Stadt Berlin vor dem Mauerbau. Die damals noch weitgehend durchlässige Sektorengrenze war als Handlungsort von großer Bedeutung. Noch während der Dreharbeiten, die von Juni bis September 1961 dauerten, wurde am 13. August mit dem Bau der Mauer begonnen. Daher war es nicht mehr möglich, am Brandenburger Tor zu drehen. Das Tor wurde mit großem Aufwand schließlich als Kulisse auf dem Bavaria-Film-Gelände in Geiselgasteig nachgebaut. Allerdings waren die in dem Film gezeigten Verhältnisse nun auf einen Schlag nicht mehr aktuell.[2] Bei einigen Szenen, die in Ost-Berlin spielen, ist erkennbar, dass sie (aus naheliegenden Gründen) in West-Berlin gedreht wurden: Beispielsweise ist während der Verhaftung Piffls durch die DDR-Volkspolizei im Hintergrund die Matthäuskirche in Berlin-Tiergarten zu sehen und beim nächtlichen Besuch MacNamaras in Ost-Berlin die Ruinen des Anhalter Bahnhofs in Kreuzberg.

Die ehemalige, seit 1992 verlassene Coca-Cola-Niederlassung in der Hildburghauser Straße 224 in Berlin-Lichterfelde ist noch heute zu besichtigen; sie diente (ebenfalls als Coca-Cola-Zentrale) 2003 dem Film Good Bye, Lenin als Kulisse. Das mit den Jahren verfallene, denkmalgeschützte Gebäude wird derzeit vom Eigentümer mit Fördergeldern des Landesdenkmalamts Berlin Stück für Stück instandgesetzt. Es wurde von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Bezirks Steglitz-Zehlendorf zum Denkmal des Monats Juni 2012 ernannt.[3] Heute befindet sich in dem Gebäude eine Kfz-Werkstatt.

Ehemalige Coca-Cola-Niederlassung in Berlin-Lichterfelde, Oktober 2013

Horst Buchholz und James Cagney kamen sich bei den Dreharbeiten mehrmals in die Quere, vor allem da Buchholz sich laut Cagney mit übertriebenem Schauspiel als „Szenenstehler“ versucht habe. In einem Interview bezeichnete Cagney den Deutschen als den einzigen Schauspielkollegen, den er in seiner langen Karriere offen nicht gemocht hätte. Nach dem Film stand Cagney 20 Jahre lang nicht vor der Kamera; erst im hohen Alter hatte er ein Comeback mit dem Film Ragtime, weshalb er seinen Rückzug ins Privatleben zumindest einmal – vielleicht scherzhaft – dem Streit mit Buchholz zuschrieb.[2][4]

Während der Dreharbeiten wurde Wilder von Joan Crawford, die gerade in den Aufsichtsrat von Pepsi berufen worden war, erbost angerufen. Sie hatte den Posten von ihrem verstorbenen Ehemann Alfred Steele übernommen und protestierte gegen die Produktplatzierung für Coca-Cola. Wilder platzierte in seinem Film daraufhin einige Referenzen an Pepsi, so in der Schlussszene, in der Cagney für seine Familie versehentlich Pepsi-Cola kauft.[5]

Als Otto Ludwig Piffl von der Volkspolizei vernommen wird, sprechen die Beamten in der deutschen Synchronfassung mit sächsischem Dialekt. In der US-Originalfassung sprechen sie Hochdeutsch. Der Darsteller des Ersten Vernehmungsbeamten ist der aufgrund seiner umfangreichen Synchrontätigkeit bekannte Schauspieler Gerd Martienzen. Seine Stimme ist in der US-Originalfassung zu hören, nicht jedoch in der deutschen Synchronfassung. Der DDR-Grenzsoldat, der die Limousine mit MacNamara, Fritz, Schlemmer und Fräulein Ingeborg am Brandenburger Tor bei der Ein- und Ausfahrt kontrolliert, wurde von Lilo Pulvers 1992 verstorbenem Ehemann Helmut Schmid gespielt. Er lässt sich mit einer Sechserpackung Coca-Cola bestechen und gibt als anständiger Deutscher bei der Rückfahrt das Leergut zurück.

Schlemmer erkennt in einem deutschen Journalisten seinen früheren SS-Obersturmführer wieder; in der Originalfassung hat dieser den für US-amerikanische Kinobesucher bekannteren (Wehrmachts-)Rang Oberleutnant.

Filmmusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filmmusik ist der Säbeltanz aus dem Ballett Gayaneh von Aram Chatschaturjan (1946). Piffl wird von der ostdeutschen Polizei durch pausenloses Anhören des Schlagers Itsy Bitsy Teenie Weenie Yellow Polka Dot Bikini zu dem „Geständnis“ gezwungen, dass er ein US-amerikanischer Spion sei, während Friedrich Hollaender in einem Gastauftritt im „Grand Hotel Potemkin“ (angeblich in Ost-Berlin, aber in Wirklichkeit die nur noch als Ruine existierende Fassade des ehemaligen Hotels Esplanade) den Schlager Ausgerechnet Bananen dirigiert.

Henning Schlüter, der als Hausarzt der MacNamaras die Schwangerschaft der Hazeltine-Tochter feststellt, wird aus einer Aufführung von Richard Wagners Walküre herausgerissen und stimmt fortwährend die Melodie des Walkürenritts an. Im englischsprachigen Original prägt er sich so die Übersetzung „schwanger is pregnant“ ein, auf Deutsch singt er „schwanger ist trächtig“.

Eine Kuckucksuhr, die statt eines Kuckucks einen Uncle Sam enthält, begleitet die Geschehnisse im Büro mit der Melodie von Yankee Doodle; Otto nimmt sie ohne sein Wissen nach Ost-Berlin mit. Bei einer Kontrolle spielt sie die Melodie und trägt somit zu seiner Verhaftung bei.

Zitate und Anspielungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eins, Zwei, Drei enthält mehrere Filmzitate und Anspielungen auf andere Filme und Ereignisse:

  • Die drei zu Beginn linientreuen sowjetischen Kommissare, die mit Coca-Cola ins Geschäft kommen wollen und sich schließlich in den Westen absetzen, sind eine Reminiszenz an den Ernst-Lubitsch-Film Ninotschka von 1939, an dessen Drehbuch Billy Wilder maßgeblich beteiligt war.[2]
  • Ottos erster Auftritt im Film als kämpferischer Kommunist in McNamaras Büro zitiert mit Ärger im Paradies (1932) einen weiteren Lubitsch-Film. Darin stürmt ein wütender junger Kommunist (Leonid Kinskey) in das Haus einer reichen Dame und beschwert sich, dass deren gestohlene Handtasche so viel koste.[6]
  • Die Szene, in der MacNamara Otto damit droht, ihm eine halbe Pampelmuse ins Gesicht zu drücken, zitiert Cagneys Film Der öffentliche Feind von 1931.[2]
  • In einem Cameo-Auftritt als US-amerikanischer MP gibt Red Buttons eine Imitation von Cagney in seinen unzähligen Gangsterfilmen zum Besten.[2]
  • Scarlett, die Tochter des Coca-Cola-Bosses, heißt so in Anspielung auf Scarlett O’Hara aus Vom Winde verweht. Beide sind in Atlanta (Georgia) beheimatet. Als McNamara seine Frau fragt, wo die verschwundene Scarlett stecken könnte, antwortet sie dann auch sarkastisch: „Vom Winde verweht?“ („Gone with the wind?“)
  • Dr. Bauer verabschiedet sich von den MacNamaras: „Ich habe den 1. Akt der Walküre versäumt.“ Er schmettert das Motiv des Walkürenritts. Im Film Das Testament des Dr. Mabuse pfeift und singt Kriminalkommissar Lohmann ein musikalisches Motiv: „Kennen Sie das, Müller? Das ist aus der Walküre. (…) Heute wird’s das erste Mal sein, dass ich rechtzeitig zum 1. Akt in Theater komme.“ (was aber nicht eintritt)
  • Als er erfährt, dass Scarlett schwanger ist, stöhnt James Cagney “Mother of mercy, is this the end of (little) Rico?” Es handelt sich um ein berühmtes Zitat aus der Sterbeszene von Edward G. Robinson in Der kleine Cäsar (1931).[2]
  • Die Kuckucksuhr spielt ständig das bekannte US-amerikanische Lied Yankee Doodle. In dem Film Yankee Doodle Dandy von 1942 spielte Cagney in der Hauptrolle George M. Cohan, den Komponisten des gleichnamigen Musicals, wofür er einen Oscar erhielt.
  • Im Film spricht Cagney den Satz „Gute Nacht, Charlie!“, der an prominenter Stelle auch in Wilders Manche mögen’s heiß (1959) platziert wurde.
  • Auf dem Weg zu Verhandlungen in Ost-Berlin fragt McNamara seinen Fahrer (Karl Lieffen): „Do you know the Grand Hotel Potemkin?“ und bekommt die Antwort: „Yes, it used to be the Grand Hotel Göring and before it was the Grand Hotel Bismarck.“
  • Beim ersten Besuch in der Coca-Cola-Filiale weigert sich Piffl, vor MacNamara die Mütze abzunehmen mit der Begründung, er würde dies nur „an Lenins Grab“ tun oder „wenn Van Cliburn Tschaikowski spielt“. Tatsächlich hatte wenige Jahre zuvor, 1958, der US-amerikanische Pianist Van Cliburn in Moskau den allerersten, sehr anspruchsvollen internationalen Tschaikowski-Wettbewerb gewonnen, was damals – insbesondere angesichts des Kalten Krieges – eine weltweite Sensation war.

Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während die meisten deutschsprachigen Schauspieler wie Horst Buchholz, Liselotte Pulver und Ralf Wolter sich in der deutschen Synchronfassung selbst gesprochen haben, mussten die englischsprachigen Schauspieler von anderen Sprechern synchronisiert werden. Die Synchronfassung entstand 1961 unter der Leitung von Conrad von Molo im Aventin-Filmstudio in München.[7] Der sprachliche Kontrast der Originalfassung – es wird vorwiegend Englisch, aber auch immer wieder Deutsch gesprochen – ging mit der deutschen Synchronisation verloren.

Der in einer Nebenrolle auftretende Hubert von Meyerinck spricht – leicht erkennbar – auf der Leinwand englisch, wurde für die Originalfassung aber von Sig Ruman synchronisiert, da sein Englisch zu brüchig war. In der deutschen Fassung spricht er sich selbst.

Rolle Schauspieler Dt. Synchronstimme
C. W. McNamara James Cagney Werner Lieven
Scarlett Hazeltine Pamela Tiffin Ingeborg Wellmann
Phyllis McNamara Arlene Francis Mady Rahl
Wendell P. Hazeltine Howard St. John Erik Jelde
Kommissar Peripetchikoff Leon Askin Leonard Steckel
Corporal der US-Militärpolizei Red Buttons Erich Ebert

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film war 1962 für einen Oscar (Beste Schwarzweiß-Kameraführung), zwei Golden Globe Awards (Bester Film, Pamela Tiffin als beste Nebendarstellerin) und den Laurel Award als Spitzenkomödie (Top Comedy) nominiert, konnte aber keine dieser Auszeichnungen gewinnen.

Bei Publikum und Teilen der Kritik war der Film zunächst weder in den USA noch in Deutschland erfolgreich. So bezeichnete ihn zum Beispiel die B.Z. damals als den „scheußlichsten Film über Berlin“.[8] Als der Film 1985 in Frankreich und Deutschland im Kino wiederaufgeführt wurde, entwickelte er sich insbesondere in West-Berlin zum Publikumshit. Heute wird er von der Kritik überwiegend positiv beurteilt und gilt manchen gar als einer der besten Filme über den Kalten Krieg.[8]

Die Aggregatorseite Rotten Tomatoes wertete 18 Kritiken aus, von denen sie 17 als eher positiv (fresh) und eine als eher negativ (rotten) einordnete. Dies entspricht einem Anteil von 94 % für die positiven Kritiken. Die durchschnittliche Bewertung lag bei 7,7 von 10 Punkten.[9] Die ausgewerteten Kritiken stammen allerdings alle aus dem 21. Jahrhundert, damit wurden Kritiken aus dem 20. Jahrhundert, insbesondere auch die meist negativen Kritiken aus den 1960er Jahren, nicht berücksichtigt.

Einzelkritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Billy Wilders ‚Eins, zwei, drei‘ ist eine temporeiche, schrille, bissige und zugleich leichtherzige Farce, vollgestopft mit aktuellen Gags und gewürzt mit satirischen Obertönen. Sie ist so furios schlagfertig, dass ein Teil ihres Witzes sich gegenseitig überlagert und untergeht.“

Variety, 1961[10]

„Billy Wilder drehte 1961 in Berlin die Filmkomödie ‚Eins, zwei, drei‘, die derzeit als sogenannte Wiederentdeckung in die Off-Kinos gebracht wird. (…) Der Dümmlichkeit der Geschichte entspricht auch die Art der Komik: Sie spekuliert mit der Dummheit in den Köpfen. (…) Das sogenannte Szenen-Publikum, das die Off-Kinos besucht, genießt an diesen alten Schinken unverhohlen gerade das, was es bei neuen Werken aufs schärfste übelnehmen würde. (…) Aber lassen wir es, weiter aus dem Film zu zitieren; es gibt angenehmere Brechmittel. Dieser Film mit seiner reaktionären Komik paßt allerdings in das momentane geistige Klima in unserer Republik.“

Die Zeit, Mai 1985[11]

„Vor allem ‚Eins, zwei, drei‘ (1961), dieser Irrwitz von einer Komödie, in der Liselotte Pulver den Kalten Krieg im Pünktchenkleid Schachmatt tanzt. Bis heute hat kein anderer Film den Ost-West-Konflikt so gemein als Kampf zwischen Managern und Funktionären, Coca-Cola und Beluga-Kaviar auf den Punkt gebracht.“

die tageszeitung, März 2000[12]

„Noch heute kann man sich mit ‚Eins, Zwei, Drei‘ (1961) intelligent amüsieren (…) Kein Kultur-Klischee über Deutsche und Amerikaner, Kommunisten und Kapitalisten wird ausgespart, aber eben so ironisch gespiegelt, wie es nur Wilder, der Berliner aus Hollywood, konnte. Allein wegen Lilo Pulver lohnt es sich, diesen Film 44 Jahre später immer wieder anzuschauen. Sekretärin und Geliebte von McNamara, spielt die ansonsten als Quietschente berühmt gewordene Pulver den Part so sexy wie selbstironisch – subtiler als Mae West, witziger als Marilyn Monroe in Manche mögen’s heiß.“

Die Zeit, August 2005[13]

„Sofort ausgelassen und ironisch, anspruchsvoll und vulgär, unter den Klängen des Säbeltanzes von Chatschaturjan marschierend mit einem Trommelfeuer von Gags zelebriert ‚Eins, zwei, drei‘ während es den amerikanischen Kulturimperialismus karikiert. James Cagney vollendet seine Karriere, indem er eine komische Variante des Ugly American spielt. Der große Gangster der frühen 30er Jahre ist hier ein größenwahnsinniger Chef der Berliner Coca-Cola-Filiale, der davon träumt neue Märkte hinter dem eisernen Vorhang zu erschließen.“

Village Voice, Januar 2006[14]

„… mit einer hinreißenden in atemberaubenden Tempo durchgehaltenen Ost-West-Farce ‚Eins, zwei, drei‘. Der Film (…) war eine Screwball Comedy im besten 30er-Jahre Stil: frech, dialogsicher, eine süffisante Aufbereitung aller nur denkbaren Vorurteile und Klischees. Kapitalisten und Kommunisten, Amerikaner, Russen, Deutsche, Männer und Frauen - jede vermeintlich nationale, ideologische oder geschlechterspezifische Eigenart und Verhaltensweise wurde karikiert und persifliert. Zudem gab ein ununterbrochen unter Dampf stehender hochgradig impulsiver James Cagney als Coca-Cola Chef in Europa zum (vorläufigen) Abschluss seiner Laufbahn die umwerfendste komische Performance seiner gesamten Karriere. Zwei Jahrzehnte später (Anfang der 80er Jahre) wurde das kleine (in Schwarzweiß gedrehte) Meisterwerk ein Überraschungshit in den deutschen Programmkinos und als Wiederentdeckung gefeiert.“

Kay Weniger, 2011[15]

„Der ‚Wildertouch‘
Bei allen scheinbaren Entlarvungsgenüssen und Vorführkünsten, seien sie noch so großmeisterlich, filmisch, schauspielerisch und sprachlich genial, schimmert doch stets fühlbar eine großväterlich anmutende Warmherzigkeit, wenn nicht gar Gnade, durch. Der Blick auf das Menschliche, Allzumenschliche ist Billy Wilder sicher nicht abhanden gekommen, und das vor persönlichem, in seinem Falle jüdischen Hintergrund. Was mag es gerade für ihn bedeutet haben, deutschen Boden zu betreten, noch dazu Berlin, das gleichzeitig heißeste wie kälteste Pflaster des Kalten Krieges? Berlin mit seinem Brandenburger Tor und der Quadriga, noch immer den Geist der Aufklärung, Preußens, Bismarcks, Rosa Luxemburgs, des Führerbunkers, John F. Kennedys und Willy Brandts atmend. Nie hat er seine Figuren, die sich in atemberaubendem Tempo abstrampeln, respektlos karikiert, sondern vielmehr als sympathische Mitmenschen, mit denen man gerne ißt, lacht, trinkt und tanzt. Wilder ist meiner Meinung nach eben nicht der mitleidlose Realist in seinem Werk, kein Zyniker, den man auf der Stelle begraben kann. Er ist ein lebendiger, mitfühlender Mensch, ein Satiriker und ein Clown, wohlwissend, daß Lachen und Weinen äußerst dicht beieinander liegen.
Vom Menschsein – ‚ich möchte lieber ganz sein als gut.‘
Jedem das Seine, leben und leben lassen, keiner muß, jeder darf nach seiner Façon glücklich werden. Wir streben nach den Sternen und haben uns nicht einmal selbst im Griff. Wie brandgefährlich sind wir denn? Schärfer als jede Pepperoni, Granate, Bombe oder Rakete ist doch die psychologische Kriegsführung, die Arroganz, die gerade darin gipfelt, selbst der Intoleranz gegenüber nicht auch tolerant zu sein. Achtung, Achtung. Jeder einzelne ist frei zu denken, zu spritzen und zu trinken, was er möchte. Alles andere ist Attacke auf Selbstbestimmung!
Auf die Freiheit, Brüder und Schwestern, sie bringt uns Freude und Freunde und Berliner, also Krapfen und Fasnetskiachla‘, Schauba‘ ond Brezla‘.“

Katja Schmidt, 1994[16]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ferenc Molnár: Eins, zwei, drei. (Originaltitel: Egy, kettö, három). Deutsch von Vera Thies. In: Liliom. Drei Stücke. Reclam, Leipzig 1981, OCLC 313702458.
  • Gene Phillips: Some Like It Wilder. The Life and Controversial Films of Billy Wilder. University Press of Kentucky, 2010, ISBN 978-0-8131-2570-1. (Kapitel 14: Love on the Run - One, Two, Three and Irma la Douce) (Auszug (Google))
  • Jürgen Müller: Movies of the 60s. Taschen, Köln 2004, ISBN 3-8228-2799-1, S. 20–24. (Auszug (Google))
  • Brian Cogan, Tony Kelso: Encyclopedia Of Politics, The Media, And Popular Culture. Greenwood Press, Santa Barbara, CA 2009, ISBN 978-0-313-34379-7, S. 296. (Auszug (Google))
  • Kay Weniger: Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben... Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. (= Abacus Biografie.) Abacus, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8, S. 540. (Auszug (Google))
  • Josef Joffe: Welcher Adolf? In: Die Zeit vom 18. August 2005
  • Hartmut Schulze: Komische Cola. 24 Jahre nach ihrer erfolglosen Uraufführung wird Billy Wilders Ost-West-Klamotte „Eins, zwei, drei“ zum Kino-Hit der linken Szene. In: Der Spiegel. Nr. 27, 1985, S. 142–143 (online1. Juli 1985).
  • Borislav Knezevic: American Capitalism Abroad. Culture and Cash in Billy Wilder's "One, Two, Three". In: Studia Romanica et Anglica Zagrabiensia, Band LIV (54), 2009, S. 183–202. (Volltext online, PDF, kostenfrei, 371 Seiten, 3,6 MB)
  • Jörg Füllgrabe: Echter’ Trümmerfilm oder lediglich furios-absurde PropagandaKomödie? Billy Wilders Eins, zwei, drei und die Fronten des Kalten. Gfl-journal, No. 3/2014
  • Pauline Kael: Review: One, Two, Three by Billy Wilder. Film Quarterly, Band 15, Nr. 3, Special Issue on Hollywood (Spring, 1962), S. 62–65 (JSTOR)
  • David Bathrick: Billy Wilder's Cold War Berlin. New German Critique, Nr. 110, COLD WAR CULTURE (Sommer 2010), S. 31–47, insbesondere S. 41–47 (JSTOR)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikiquote: Eins, Zwei, Drei – Zitate (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Eins, Zwei, Drei. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Januar 2012 (PDF; Prüf­nummer: 26 792 V).
  2. a b c d e f Gene Phillips: Some Like It Wilder. The Life and Controversial Films of Billy Wilder. University Press of Kentucky, 2010, ISBN 9780813125701. Kapitel 14: „Love on the Run – One, Two, Three and Irma la Douce“ (Auszug (Google))
  3. Untere Denkmalschutzbehörde des Bezirks Steglitz-Zehlendorf von Berlin (Hrsg.): Denkmal des Monats Juni 2012. (PDF; 2,4 MB)
  4. http://www.tcm.com/tcmdb/title/17693/One-Two-Three/articles.html
  5. Bob Thomas: Joan Crawford, A Biography. Simon and Schuster, 1978, S. 212
  6. IMDb References
  7. "Eins, zwei, drei" bei der Deutschen Synchronkartei
  8. a b Martin Wolf: Cola gegen Kommunisten auf Spiegel Online vom 10. August 2008
  9. http://www.rottentomatoes.com/m/1015567-one_two_three/ (abgerufen 12. März 2015)
  10. One, Two, Three. Variety, 1961
  11. Gerhard Staguhn: Linker Hit von rechts. In: Die Zeit vom 31. Mai 1985
  12. Katja Nicodemus: Nobody is perfect. Auf taz.de am 3. März 2000
  13. Josef Joffe: Welcher Adolf? In: Die Zeit vom 18. August 2005
  14. Joe Hoberman: Coke Classic. Wilder at heart: Cola versus communism in Cagney’s good-natured Cold War comedy. In: Village Voice vom 3. Januar 2006
  15. Kay Weniger: Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben… Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. ABACUS-Verlag, 2011, ISBN 9783862820498, S. 540. (Auszug (Google))
  16. Katja Schmidt: Filme von Billy Wilder als Beitrag zur politischen und zeitgeschichtlichen Medienangeboten Öffentlicher Bibliotheken. Stuttgart 1994.