Fritz Ludwig Neumeyer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Fritz Ludwig Neumeyer (* 10. September 1875[1] in Egloffstein; † 10. September 1935 in Nürnberg) war ein deutscher Unternehmer.

Herkunft, Jugend und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fritz Neymeyer war der Sohn von Elisabeth Heid (1822–1880) und Georg Philipp Neumeyer (1843–1880). Er heiratete Marie Husslien (1849–1926); ihre gemeinsamen Kinder waren Elisabeth (1909–1995) und Hans-Friedrich Neumeyer.[2] Fritz Neumeyer besuchte die städtische Handelsschule Nürnberg. Ab 1890 machte er eine kaufmännische Lehre bei der Armaturen- und Maschinenfabrik AG vorm. J. A. Hilpert. Ab 1895 vertrat er dieses Unternehmen in Zürich, wo er 1897 ein eigenes Unternehmen für sanitäre Einrichtungen gründete.

Unternehmertätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Metallwarenfabrik Fritz Neumeyer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1903 kehrte er nach Nürnberg zurück und erwarb aus einem Konkurs die Spiel- und Metallwarenfabrik Köllisch. Diese stellte er auf die Herstellung von Gegenständen technischen Bedarfs um und nannte sie nun Metallwarenfabrik Fritz Neumeyer.

Fritz Neumeyer AG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ersten Weltkrieg stellte er im Auftrag der Reichsregierung Munition und andere Rüstungsgüter her. 1916 veranlasste ihn die Reichsregierung zu einer wesentlichen Erweiterung seines Unternehmens. Er eröffnete einen Zweigbetrieb in Hersbruck und gründete unter 50-prozentiger Beteiligung der Hirsch Kupfer- und Messingwerke AG (Berlin und Eberswalde) die Fritz Neumeyer AG, deren Leitung er als Generaldirektor (Vorstandsvorsitzender) übernahm. In einem neuen Werk in Ziegelstein-Herrnhütte (seit 1920 Stadtteile von Nürnberg), dem späteren Stammwerk, wurden 1917 Stahlkartuschen und Anzündhütchen hergestellt. Nach Kriegsende wurde die Rüstungsproduktion eingestellt und Halbzeug in der Metallgießerei, den Strang- und Rohrpressen gefertigt.

Zündapp[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1916 gehörte Neumeyer neben der Friedrich Krupp AG (Essen) und der Gebr. Thiel GmbH, einem Uhren- und Werkzeugmaschinenhersteller in Ruhla in Thüringen, zu den Gründern der Zünder-Apparatebau-Gesellschaft mbH (Zündapp) in Nürnberg, die zunächst Anlasser und Lichtmaschinen herstellte, später Motorräder.[3]

Kalt-Fließpressverfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Vetter und Mitarbeiter Fritz Singer[4] entwickelte das Singer-Verfahren, das Warm-Fließpressen von nahtlosen Rohren aus Messing-Vollprofilen.[5] Das Verfahren wurde zur Herstellung von Kühlerröhrchen für Verbrennungsmotoren und Radiatoren für Ballastwasser-Gewinner für Luftschiffe genutzt. 1935 entwickelte Adolf Liebergeld in Neumeyers Unternehmen das Kalt-Fließpressverfahren.

Fritz Neumeyer AG München-Freimann[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1915 war Fritz Neumeyer an der Gründung der Bayerische Geschützwerke Friedrich Krupp KG München-Freimann, einer Tochtergesellschaft der MAN, beteiligt. Ab 1919 ließ er in diesem Werk von Franz Lawaczeck die Lawaczeck-Turbine für Wasserkraftwerke entwickeln. In diesem Zusammenhang erwarb er die Gothaer Turbinenfabrik Briegleb, Hansen & Co. (gegründet 1861; 1910 mit ca. 420 Beschäftigten), die er 1925 an die Deutsche Reichsbahn weiterverkaufte. 1921 erwarb die Gutehoffnungshütte 50,15 % des sich auf 100 Millionen Reichsmark belaufenden Aktienkapitals der MAN. Die MAN hatte mit etwa 15.000 Beschäftigten den umfangreichsten Personalstand eines bayerischen Industrieunternehmens.

Aus den Bayerischen Hüttenwerken ging die Fritz Neumeyer AG unter der Leitung von Otto Meyer hervor, die Wasserturbinen, Kleinlokomotiven und Pflüge herstellte. Ab Januar 1924 wurde hier Gebhard Ludwig Himmler mit der Vorbereitung der Lizenzfertigung eines Personenkraftwagens der Rover Company beschäftigt.[6] 1925 verkaufte das Eisenwerk-Konsortium Fritz Neumeyer AG für 12 Millionen Reichsmark das 363 Hektar große Gelände mit Wohnsiedlungen an die Reichsbahn, die hier das Reichsbahn-Ausbesserungswerk Freimann errichtete.[7][8]

Fabrik München[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1939 erwarb die Verwertungsgesellschaft für Montanindustrie in München ein Grundstück an der Ecke Rosenheimer Straße / Anzinger Straße und baute dort eine Fabrikanlage. Ab 1941 wurden in der Fabrik München in Kooperation mit der Dynamit AG monatlich 100.000 Sprengstoffzünder hergestellt, unter anderem von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern. Ein Lager mit rund 1300 Zwangsarbeitern war im Gebäudekomplex untergebracht. Es waren die Arbeitslager 16 (Anzinger Straße / Glonner Straße) und 17 (Rosenheimer Straße 145). Im Frühjahr 1944 beschäftigte die Fritz Neumeyer AG in München 1540 Mitarbeiter, darunter 959 Fremdarbeiter. Die Fabrikanlage blieb im Krieg unbeschädigt.[9]

Kabel- und Metallwerke Neumeyer AG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1920 wurde die Hackethal Draht- und Kabelwerke AG in Hannover in Kabelwerk Nürnberg AG und 1922 in Kabel- und Metallwerke Neumeyer AG umfirmiert; das Werk wurde einer der umsatzstärksten Nürnberger Industriebetriebe.[10][11]

Im Zweiten Weltkrieg wurden Produktionsanlagen des Unternehmens nach Helmbrechts verlagert. Zur Bereitstellung von Arbeitskräften wurde im Juli 1944 das KZ-Außenlager Helmbrechts eingerichtet.[12]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bernhard Hoffmann †, Hans Christoph Graf von Seherr-Thoß: Neumeyer, Fritz. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 19, Duncker & Humblot, Berlin 1999, ISBN 3-428-00200-8, S. 174 f. (Digitalisat).
  2. Hans Christoph Graf von Seherr-Thoß: Neumeyer, Hans-Friedrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 19, Duncker & Humblot, Berlin 1999, ISBN 3-428-00200-8, S. 175 (Digitalisat).
  3. Fritz Neumeyer (Zündapp)
  4. Fritz Singer (1879–1974), Chemiker, 1903 in München mit einer Dissertation über Merkuriacetat und Essigsäureanhydrid zum Dr. phil. promoviert, bei der Chemischen Fabrik Griesheim-Elektron in Frankfurt am Main beschäftigt, anschließend Berater in der Metallindustrie
  5. Singer-Verfahren
  6. Katrin Himmler: The Himmler Brothers. 2012, S. 100. (eingeschränkte Vorschau auf Google Bücher)
  7. Fritz Neumeyer AG München-Freimann
  8. Anton Joachimsthaler: Bundesbahn-Ausbesserungswerk München-Freimann. Geschichte, Menschen, Fahrzeuge 1925–1985. Bundesbahn-Ausbesserungswerk München-Freimann, München 1985, Seite 21 ff.
  9. 25. November 2011, Industriegeschichte in Ramersdorf
  10. Bernhard Hoffmann †, Hans Christoph Graf von Seherr-Thoß: Neumeyer, Fritz. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 19, Duncker & Humblot, Berlin 1999, ISBN 3-428-00200-8, S. 174 f. (Digitalisat).
  11. Große Bayerische Biographische Enzyklopädie.
  12. Gedenken an Opfer des Todesmarsches in: Blickpunkt vom 17. April 2013, abgerufen am 3. Februar 2020