Gebhard Ludwig Himmler

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Joseph Gebhard und Anna Himmler (stehend) mit ihren drei Kindern Heinrich (links), Ernst (Mitte) und Gebhard (rechts) (1906)

Gebhard Ludwig Himmler (* 29. Juli 1898 in München; † 22. Juni 1982 ebenda) war ein deutscher NS-Funktionär, Maschinenbauingenieur und älterer Bruder des Reichsführers SS Heinrich Himmler.[1]

Frühe Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebhard Ludwig Himmler war der erste Sohn des Oberstudiendirektors Joseph Gebhard Himmler (* 17. Mai 1865 in Lindau (Bodensee); † 29. Oktober 1936 in München) und von Anna Maria Heyder (* 16. Januar 1866 in Bregenz; † 10. September 1941 in München).[2] Seine Geschwister waren Heinrich Himmler (* 7. Oktober 1900 in München; † 23. Mai 1945 in Lüneburg) und Ernst Hermann Himmler (* 23. Dezember 1905 in München; † 2. Mai 1945).

Er besuchte von 1904 bis 1906 die Domschule am Frauenplatz in München.[3] Von 1906 bis 1908 besuchte er die Amalienschule und von 1909 bis 1916 das Wilhelmsgymnasium München. 1916 wurde er, da er das Abitur machte, von der Einberufung zur Bayerischen Armee zurückgestellt. Im März 1917 legte er ein vorgezogenes mündliches Abitur ab.

Erster Weltkrieg, Hitlerputsch, Studium, Beruf und Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1917 absolvierte er einen Offizierslehrgang und wurde im Mai 1917 Fahnenjunker des 16. bayerischen Infanterieregimentes in Passau. Im Sommer desselben Jahres absolvierte er ein Manöver in Grafenwöhr, einen Fahnenjunkerkurs und anschließend einen Maschinengewehrkurs im Lagerlechfeld. Am 9. April 1918 kam er an die Westfront nach Lothringen und war anschließend beim Gefecht von Château-Thierry 65 km vor Paris als Meldegänger zwischen der Bataillons- und der Regimentsleitung eingesetzt.

Gebhard Himmler nahm als Mitglied der Einwohnerwehr an der Niederschlagung der Münchner Räterepublik teil. Im November 1919 trat er ebenso wie sein Bruder Heinrich als Zeitfreiwilliger in die Schützenbrigade 21 der Reichswehr unter Franz Ritter von Epp ein. Anfang 1923 schloss sich Gebhard Himmler dem Bund Reichskriegsflagge unter Ernst Röhm an, der sich am Hitlerputsch im November 1923 beteiligte.

Von 15. Januar 1919 bis Juli 1923 absolvierte er ein Studium des Maschinenbauingenieurwesens an der Technischen Hochschule München. Von Juli 1923 bis zur Einführung der Rentenmark wurde er bei der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank für Papiergeld beschäftigt. 1924 arbeitete er im Konstruktionsbüro der Maschinenfabrik Fritz Neumeyer AG in München-Freimann. Ab Januar 1925 war er Hilfslehrer an der städtischen Berufs- und Gewerbeschule für Feinmechaniker Deroystraße; ab April 1925 wurde er dort als Studienrat angestellt und unterrichtete technisches Zeichnen, Physik und Instrumentenkunde.

Er war Mitglied im AGV München, wo er seinen späteren Schwager Richard Wendler kennenlernte. Am 18. September 1926 heiratete er Mathilde Hilde Wendler, die er auf einem Ball der Studentenverbindung Apollo München (heute: Burschenschaft Franco-Bavaria München) getroffen hatte. Ihre Kinder sind Irmgard (* 21. Oktober 1927), Anneliese (* 16. Oktober 1930) und Heide (* 13. März 1940 in Gmund am Tegernsee).

Zeit des Nationalsozialismus – NS-Funktionär[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem 30. Januar 1933 wurde Gebhard Himmler zum Direktor der Berufsschule in der Deroystraße ernannt. Am 1. November 1935 wurde er Direktor des Oskar-von-Miller-Polytechnikums, einer Höheren Lehranstalt der Technik.

Im Mai 1933 trat Gebhard Himmler in die NSDAP (Mitgliedsnummer 1.117.822)[4] und in den Verein für das Deutschtum im Ausland ein. Um den Anschein des Opportunisten abzuwehren, wurde ihm auf seinen Antrag die niedrige NSDAP-Mitgliedsnummer seiner Frau Hilde übertragen. Gebhard war vor dem 30. Januar 1933 Führer des bayerischen Berufsschulverbandes. Dieser wurde noch 1933 in den NS-Lehrerbund (NSLB) überführt. Gebhard Himmler wurde zum Stellvertreter und anschließend zum Gaufachschaftsleiter des Gau Oberbayern ernannt.

Ab seiner Ernennung zum Direktor der Berufsschule in der Deroystraße in München widmete sich Gebhard Ludwig Himmler intensiv zahlreichen Ehrenämtern des NS-Regimes und war weitgehend vom Schuldienst freigestellt. Er wurde zum Offizier ausgebildet und arbeitete weiter im NSLB mit. Ab Anfang 1936 arbeitete er im Hauptamt für Technik in der NSDAP und beim NS-Bund Deutscher Technik, die von Fritz Todt geleitet wurden und dem bis 1938 nahezu alle technisch-wissenschaftlichen Vereine, wie z. B. der Verein Deutscher Ingenieure (VDI), angeschlossen wurden.[5]

Der VDI definierte die Richtlinien zur Vergabe des Titels Ingenieur. Gebhard Himmler wirkte prägend für diese ständische Interessenvertretung und übte die ständepolitische Macht in einer diskriminierenden und parteipolitisch befangenen Weise aus.[6]

Zum 1. August 1939 wurde Gebhard Himmler zum 19. Bayerischen Infanteriebataillon einberufen und wurde mit seiner Kompanie in Tschechien an der polnischen Grenze stationiert.

Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges nahm er ab dem 1. September 1939 am Überfall auf Polen teil. Gebhard Himmlers Infanterie-Regiment 19 gehörte zur 14. Armee. Zum Ende der Kampfhandlungen am 16. bzw. 17. September 1939 befand sich sein Regiment westlich von Lemberg und wurde Anfang Oktober 1939 an den Niederrhein verlegt.

Am 18. Oktober 1937 unterzeichneten Fritz Todt und Abdul Majid Zabuli ein deutsch-afghanisches Abkommen über Bauwesen und Landverkehr. Gebhard Himmler genoss die Protektion von Fritz Todt, die dazu beitrug, dass er im Dezember 1939 in die Abteilung E IV des Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin versetzt wurde. Am 12. Juli 1940 wurde er vom Oberstudiendirektor zum Ministerialrat befördert. In Berlin-Friedenau wohnte die Familie Gebhard und Hilde Himmler ab Juni 1940 in der Hähnelstraße. 1944 wurde Ministerialdirigent Wilhelm Heering (* 1877)[7] im Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in den Ruhestand versetzt und Gebhard Himmler wurde sein Nachfolger. Ab August 1943 wohnte Gebhard Himmler bei seinem Bruder Ernst in Ruhleben in Berlin.

Seine Familie wohnte bis 1946 im Haus Lindenfycht in Gmund am Tegernsee bei Margarete Himmler; diese beaufsichtigte bei Renovierungsarbeiten der Privatvilla Häftlinge des Außenlagers des KZ Dachau.[8] Gebhard Himmler wurde am 30. Januar 1944 zum SS-Standartenführer (SS-Nr. 214.049)[4] und am 30. März 1944 zum SS-Standartenführer der Reserve der Waffen-SS befördert und als Inspekteur der Waffen-SS-Schulen eingesetzt.

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebhard Himmler geriet bei Kappeln an der Schlei in britische Kriegsgefangenschaft. Anfang März 1946 war er in der Lederfabrik Emil Köster in Gadeland interniert, anschließend wurde er nach Fallingbostel in der Lüneburger Heide überstellt. 1948 erfolgte die Verlegung in ein Internierungslager an der Ungererstraße in München.

Nach seiner Entlassung 1948 wurde er mit der Herstellung von Kondensatoren in der Hoffmannstraße in München beschäftigt. Karl Hudezeck (1934–1945 Direktor des Wittelsbacher-Gymnasium München) stellte ihm einen Persilschein für die NS-Zeit aus. In einem Spruchkammerverfahren wurde er in Kategorie II als belastet eingestuft.

Im Europäisch-Afghanischen Kulturamt in München wurde der Ministerialdirigent a. D. und Ingenieur Gebhard Himmler als Studienberater beschäftigt und vermittelte Praktikumsstellen für afghanische Studenten. Er war vom Staatsdienst ausgeschlossen, und ihm waren die Pensionsansprüche aberkannt worden, wogegen er klagte und 1959 damit auch Erfolg hatte.[9]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Katrin Himmler, Michael Wildt, The Private Heinrich Himmler: Letters of a Mass Murderer, S. 302.
  2. Gebhard Himmler, Der Vater eines Massenmörders
  3. Klaus Mües-Baron: Aufstieg des Reichsführers SS; (1900 - 1933) V & R Unipress, Göttingen 2011 (Google books) S. 29 (Dissertation Universität Oldenburg 2010, 561 Seiten)
  4. a b Dienstaltersliste der Schutzstaffel der NSDAP (SS-Oberst-Gruppenführer – SS-Standartenführer), Berlin 1944.
  5. Josef Greiner, Sudetenfahrt der deutschen Technik Eigene Zugzeitung; Nr. 1–8; Nov.-Dez.
  6. Michael Alisch: Heinrich Himmler. Wege zu Hitler; das Beispiel Heinrich Himmler. Lang, Frankfurt am Main 2010 (Google books) S. 53, ISBN 978-3-631-61219-4 (Magisterarbeit Universität Hamburg 2008, 171 Seiten).
  7. Heering, Wilhelm (* 1877): Professor am Berufspädagogischen Institut in Berlin, tätig im preußischen Ministerium für Arbeit, 1933–1934 im Amt für Technik und Schule, dann Reichsreferent des NSLB für den berufsbildenden Bereich, 1934–1945 Abteilungsleiter des REM für den berufsbildenden Bereich.
  8. Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 2: Frühe Lager, Dachau, Emslandlager. C.H. Beck, München 2005, ISBN 3-406-52962-3, S. 12.
  9. Katrin Himmler, The Himmler Brothers, S. 288.