Ziegelstein (Nürnberg)

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49.4911.103611111111Koordinaten: 49° 29′ 24″ N, 11° 6′ 13″ O

Stadt Nürnberg
Höhe: 310–320 m ü. NHN
Fläche: 1,94 km²
Einwohner: 5644 (31. Dez. 2006)
Bevölkerungsdichte: 2.909 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. August 1920
Postleitzahl: 90411
Vorwahl: 0911
Karte

Lage des statistischen Bezirks 84

Das ehemalige Dorf Ziegelstein wurde am 1. August 1920 in die mittelfränkische Stadt Nürnberg eingemeindet. Der vorstädtische Stadtteil liegt im Nordosten Nürnbergs und bildet den statistischen Bezirk 84.

Geographie[Bearbeiten]

Der Nürnberger Stadtteil Ziegelstein liegt nordöstlich der Nürnberger Innenstadt und unmittelbar südöstlich des Nürnberger Flughafens. Benachbarte Stadtteile sind Buchenbühl im Norden, Schafhof im Südosten, Loher Moos und Herrnhütte im Süden und Südwesten, Marienberg und Mooshof im Westen. Der Hirschsprunggraben durchfließt das Gebiet von Ost nach West.

Statistische Nachbarbezirke
Flughafen Buchenbühl
Mooshof Nachbargemeinden Schafhof
Marienberg

Statistische Distrikte[Bearbeiten]

Statistische Distrikte des Bezirks 84 Ziegelstein
Karte Nürnberg Ziegelstein Statistische Distrikte des Bezirks 84.png
Ziegelstein Nord-West Ziegelstein Nord-Ost
Nachbargemeinden
Ziegelstein Süd-West Ziegelstein Süd-Ost

Der Bezirk 841 Ziegelstein besteht aus folgenden Distrikten[1]:

840 – Ziegelstein Süd-West
841 – Ziegelstein Süd-Ost
842 – Ziegelstein Nord-Ost
843 – Ziegelstein Nord-West

Geschichte und Gegenwart[Bearbeiten]

Ziegelstein[Bearbeiten]

Imhoffschloss heute

Die Siedlung entstand neben einer städtischen Ziegelhütte, die im Zweiten Markgrafenkrieg zerstört wurde. Der Ort war früher Besitz der Nürnberger Patrizierfamilie Haller, die dort ein Schloss besaßen, das 1642 zerstört und nicht wieder aufgebaut wurde. Im 15. Jahrhundert ging der Name des Schlosses Ziegelstein auf die ganze Siedlung über, die sowohl in den beiden Markgrafenkriegen als auch im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde. 1647 kam der Ort an die Schlüsselfelder und von 1666 bis 1848 an die Imhoff. Das Imhoffschloss steht heute noch; der Turm wurde jedoch im Zweiten Weltkrieg von amerikanischen Soldaten zerstört und das Gebäude in den Folgejahren durch Modernisierungsversuche stark verunstaltet.

1796 kam Ziegelstein an Preußen und 1810 an das Königreich Bayern. Ab 1813 bildete Ziegelstein zusammen mit dem benachbarten Ort Herrnhütte einen Steuerdistrikt, der 1818 den Status einer Gemeinde erhielt.

Die Viehzucht beschränkte sich weitgehend auf Imker und die Dorfallmende, die heute noch als der Anger in Ziegelstein bekannt ist und für Zirkusauftritte und Brauchtumsfeste wie die Ziegelsteiner Kirchweih verwendet wird. Eine der Hauptstraßen, der Bierweg, liegt auf einer noch aus dem Mittelalter stammenden Route, über die einst Bier transportiert wurde.

Ziegelstein wurde am 1. August 1920 in die Stadt Nürnberg eingemeindet.[2]

In den Kriegsjahren wurden auf dem Gelände des im Osten Ziegelsteins gelegenen heutigen Technologieparks Nordostpark Waffen hergestellt. Gegen Ende des Krieges wurden die Fabriken bombardiert, wobei einige Bomben auch im nahegelegenen Reichswald östlich von Ziegelstein einschlugen. Die Einschlaglöcher sind auch heute noch zu sehen.

Verkehr[Bearbeiten]

Ziegelstein verfügt mit der in der Nähe liegenden U-Bahn-Station Herrnhütte und der eigenen U-Bahn-Station Ziegelstein über einen direkten Anschluss an die U-Bahn, die die zuletzt dort verkehrende Straßenbahnlinie 3 ablöste und den direkten Anschluss zur Innenstadt und zum Flughafen ermöglicht.

Durch Ziegelstein führt die Gräfenbergbahn, die kurze Zeit einen Haltepunkt am Bahnübergang an der Neuwieder Straße in Ziegelstein hatte. Nach dessen Wegfall gewährleistet der unmittelbar bei Herrnhütte gelegene Nürnberger Nordostbahnhof für Ziegelstein den nächstgelegenen Anschluss an das Bundesbahnnetz.

Kirchen und andere Bauwerke und Einrichtungen[Bearbeiten]

St.-Georgs-Kirche von Südost

Ziegelstein besitzt eine katholische Kirchengemeinde mit der St.-Georgs-Kirche sowie eine evangelisch-lutherische Kirchengemeinde mit der 1938-40 von German Bestelmeyer errichteten Melanchthon-Kirche. Zur evangelisch-lutherischen Gemeinde gehört zusätzlich eine im Zweiten Weltkrieg aus Dänemark für die Heimatvertriebenen gestiftete Gnadenkirche, die in gleicher Bauweise nach ganz Deutschland verschickt wurde. Ziegelstein verfügt ebenfalls über eine Grund- und Teilhauptschule am Heroldsberger Weg.

Einige Bauernhäuser des 18. und 19. Jahrhunderts sind erhalten. Markant bemerkbar machen sich jedoch die Wohnanlagen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die heute mit großer Sorgfalt renoviert worden sind.

Brauchtum und Vereine[Bearbeiten]

Der Ziegelsteiner Brauchtumsverein veranstaltet jedes Jahr Brauchtumsfeste wie Kirchweih, Sonnwendfeier, Kartoffelfeuer, Erntedankfest und Adventssingen und bäckt jeden ersten Samstag von März bis November im selbst gebauten Backofen auf dem Ziegelsteiner Anger Holzofenbrot.

Es gibt einen Pfadfinderstamm der DPSG und einen des VCP. Außerdem existieren viele weitere lokale Vereine. So sind in Ziegelstein der ehemalige Fußball-Gauligist ASN Pfeil Nürnberg sowie der ehemalige Handballbundesligist TuSpo Nürnberg ansässig. Die Hockey Gesellschaft Nürnberg war 1968 deutscher Meister im Hallenhockey und spielt aktuell in der 1. Bundesliga. Mit dem Club am Marienberg besteht ein zweiter Hockey- und Tennisverein neben der HG. Die DJK Berufsfeuerwehr Franken Concordia ist eine weitere Fußballvereinigung aus Ziegelstein.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dehio: Bayern I: Franken, 2. Aufl., München 1999, S.804.
  • Günther P. Fehring und Anton Ress (†): Die Stadt Nürnberg. Kurzinventar, 2. Aufl. bearb. von Wilhelm Schwemmer, München: Dt. Kunstverl. 1977 [unver. Nachdruck 1982] (= Bayerische Kunstdenkmale; 10), S.490.
  • Julius Kelber: Die ehemalige Dorfgemeinde Ziegelstein (bis zur Eingemeindung in die Stadt Nürnberg), Zeder Druck Nürnberg 1939
  • Knud Willenberg; Rudolf Groh: Ziegelstein und Herrnhütte früher. Hrsg.: Verein zur Förderung der Begegnungsstätte in Ziegelstein e.V. Nürnberg: Korn und Berg
  •  Hermann Rusam: Ziegelstein. In: Michael Diefenbacher, Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. 2., verbesserte Auflage. W. Tümmels Verlag, Nürnberg 2000, ISBN 3-921590-69-8, S. 1212 (Gesamtausgabe online).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ziegelstein (Nürnberg) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stadtplandienst Nürnberg Bezirk 84 Ziegelstein
  2.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7. Seite 602