Fritz R. Glunk

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Fritz R. Glunk (* 1936) ist ein deutscher Übersetzer, Literaturwissenschaftler und Publizist. Nach dem Studium der Geschichte und der Germanistik war er von 1966 bis 1981 in der Auslandskulturpolitik tätig. Glunk ist Gründungsherausgeber des politischen Magazins Die Gazette. Glunk publiziert außerdem seit 1998 über die Problematik internationaler Investitionen, den Einfluss internationaler Konzerne auf Nationalstaaten und die Entmachtung der parlamentarischen Demokratie durch transnationale Netzwerke.

Schattenmächte (2017)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Glunk stellt in dieser Monografie mit dem Untertitel „Wie transnationale Netzwerke die Regeln unserer Welt bestimmen“ den heutigen Zustand des Nationalstaates und der Demokratie dar. Die Souveränität des Volkes, das in Schumpeters "Wettbewerbsdemokratie" in den Parlamenten repräsentiert wird, sei durch Deregulierung und Privatisierung von Entscheidungsprozessen schon jetzt weitgehend eingeschränkt. Auch supranationale Verbünde wie die Europäische Union hätten das Machtvakuum nicht verkleinert, dieses werde vielmehr von „Netzwerken privater Akteure“ gefüllt. Die ursprüngliche Staatsgewalt sei auf etwa 2000 teilweise unbekannte "im Schatten" verborgen arbeitende internationale Körperschaften, Konferenzen, Foren und Councils übergegangen. Sie agierten als Lobbyisten außerhalb der Öffentlichkeit und unterlägen keiner demokratische Kontrolle (Entparlamentarisierung). „Niemand kennt alle diese seltsamen Regulierungsorgane, auch nicht die EU, wie sie auf Anfrage offen zugibt. Auf die einfachere Nachfrage, mit welchen Gruppen die EU denn zusammenarbeitet, verweigert Brüssel eine Antwort.“[1] Die „Politik der Märkte“ tatsächlicher Monopolkonzerne, die sich weltweit Ressourcen sichern möchten, gelte als alternativlose Tatsache, der eine fast religiöse Autorität verliehen sei. Dieser Ideologie liege ein auf das rein Wirtschaftliche verengtes Menschenbild zugrunde und ein monetaristisches Wirtschaftsverständnis, dessen Basis das frei geschaffene Schuldgeld sei. Ziel sei, eine globale neoliberale Wirtschaftsverfassung jenseits der Staatlichkeit durchzusetzen. Die demokratisch nur noch in den Wahlen scheinbar legitimierten Regierungen verwandelten sich so in oligarchisch-postdemokratische Regime.

Im ersten Kapitel skizziert Glunk auf Dieter Grimms Demokratiekritik aufbauend die zwei Grundbedingungen für eine funktionierende und stärker partizipatorische Demokratie, die erfüllt werden müssen: Die Wählenden müssen die Bevölkerung abbilden, auch das Prekariat, und die Politik muss über Parteien, Verbände und Medien vermittelt werden, „die den Kontakt zwischen Regierenden und Regierten auch zwischen den Wahlen aufrechterhalten“. Dazu entwickelt Glunk im Weiteren die Vorstellung eines „Volkstribunats“.[2]

Cornelius Pollmer, Rezensent der Süddeutschen Zeitung, findet den Zustandsbericht Glunks sachlich und weit entfernt von einem an den Titel anknüpfenden verdacht einer Verschwörungstheorie. Der Forderung nach einem Mehr an „faktischer Kraft des Normativen“ gegen die normative Kraft des Faktischen schließt sich Pollmer an.[3]

Stephan Lessenich schreibt im Vorwort, kaum je sei dieser Prozess der wirtschafts- und wachstums-, output- und profitabilitätsgetriebenen Entmachtung der parlamentarischen Demokratie durch ihre 'eigene' Exekutive so punktgenau und scharfsinnig dargelegt worden wie in diesem Buch.

Im Deutschlandfunk attestiert Marc Engelhard, Glunks stets sachliches Buch öffne die Augen „für eine mächtige Maschinerie, die sich im Schatten verbirgt.“ Engelhart bezieht sich dabei hauptsächlich auf Glunks Analysen der G 20, des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht mit dem Basel III-Abkommen und den Rat zur Harmonisierung technischer Vorgaben für zu menschlichem Gebrauch bestimmten Pharmaka. Die Rezension resümiert, Glunk entwerfe das erschreckende Bild von Staaten, die die Kontrolle abgegeben haben. „Die globalisierte Wirtschaft reguliert sich in den Schattennetzwerken selbst. Dem Staat und letztlich dem Bürger bleibt die Aufgabe die Folgen zu tragen, wenn beispielsweise die Regulierung wie im Fall der Bankenkrise fehlschlägt.“[4]

Bibliografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Artikel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fritz R. Glunk: Demokratie? Schon, aber welche? - Die Gazette. Abdruck des 1. Kapitels aus "Schattenmächte". Abgerufen am 2. Dezember 2018.
  2. Karl-Martin Hentschel: Demokratie für morgen: Roadmap zur Rettung der Welt. BoD – Books on Demand, 2018, ISBN 978-3-86764-894-3 (com.ph [abgerufen am 2. Dezember 2018]).
  3. Cornelius Pollmer: Ohne Auftrag nach ganz oben. In: sueddeutsche.de. 2018, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 29. November 2018]).
  4. Demokratie - Die Entmachtung der Parlamente. In: Deutschlandfunk. (deutschlandfunk.de [abgerufen am 30. November 2018]).