Georg von Morlok

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Grab der Familie Morlok auf dem Pragfriedhof Stuttgart mit falschem Sterbedatum[1]

Georg Morlok, ab 1869 von Morlok, (* 20. Januar 1815 in Dätzingen; † 17. April 1896 in Stuttgart[1]) war ein deutscher Architekt und Eisenbahn-Bauingenieur, der als württembergischer Baubeamter wirkte. Er leitete in den 1850er bis 1870er Jahren den Bau zahlreicher Bahnstrecken.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Georg Morlok wurde 1815 in Dätzingen geboren. Er besuchte in Stuttgart die Real- und die Gewerbeschule und begann anschließend ein Studium der Architektur bei Gottlieb Christian Eberhard von Etzel und Adam Friedrich Groß. Parallel erwarb er im Selbststudium Kenntnisse im Ingenieurwesen und unternahm Studienreisen nach England, Frankreich und Italien. 1845 kam Morlok als Bauinspektor in den württembergischen Staatsdienst. Der Ernennung zum Baurat 1858 folgte 1868 die Beförderung zum Oberbaurat. 1886 ging von Morlok als Baudirektor in Pension, in der er ein Buch über den Eisenbahnbau in Württemberg verfasste. Georg von Morlok starb 1896 in Stuttgart.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische Pfarrkirche St. Bonifatius in Bad Wildbad
Katholische Pfarrkirche St. Petrus und Paulus in Lauchheim

Neben dem Eisenbahnbau widmete Morlok sich auch dem Bau von Kirchen und Wohnhäusern, wo er den Historismus als bevorzugte Stilrichtung ausleben konnte. Trotz seiner gehobenen Position als Oberbaurat übernahm er selbst den Entwurf vieler Empfangsgebäude entlang der von ihm erbauten Bahnstrecken.

1854 leitete Morlok die Erweiterung der Königlich Württembergischen Hüttenwerke in Wasseralfingen, bevor er ab 1858 die Leitung beim Bau der Remsbahn Cannstatt–Nördlingen übernahm. Beim Eisenbahnbau folgten die Brenzbahn (Aalen–Ulm, 1860–76), die Obere Jagst- und Tauberbahn (Goldshöfe–Crailsheim–Mergentheim, 1865–69), die Untere Jagstbahn (Jagstfeld–Osterburken, 1866–69), der Umbau des Ulmer Bahnhofs (1867), die architektonische Leitung des Umbaus des Bahnhofs Stuttgart (1863–67) und die Gäubahn Stuttgart–Freudenstadt (1874–79). 1876 leitete er außerdem den Bau der Zahnradbahn der Hüttenwerke in Wasseralfingen, der ersten deutschen Zahnradbahn überhaupt. Morloks Handschrift tragen beispielsweise die Empfangsgebäude der Bahnhöfe von Gmünd, Wasseralfingen, Herrenberg, Heidenheim und Mergentheim.

Weitere Projekte außerhalb des Eisenbahnbaus realisierte Georg Morlok 1869 bis 1877: Er plante die Alte Markthalle in Stuttgart und die katholischen Kirchen in Aalen, Dalkingen, St. Bonifatius in Wildbad, Lauchheim und Tuttlingen.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1872 trat Georg von Morlok nach einer Ersatzwahl für den ausgeschiedenen Karl Gottlieb Schüle für den Wahlbezirk Herrenberg in den württembergischen Landtag ein. Er übte das Mandat bis 1882 aus.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Wasseralfinger Zahnradbahn. Eine Pionierleistung in Deutschland. Stuttgart 1878. (gedruckte Fassung eines Vortrags, gehalten am 25. November 1876 vor dem Württembergischen Verein für Baukunde in Stuttgart) (als Nachdruck: H-und-L-Publikationen-Souvenirs-Verlag Bleiweis, Heidenheim 1995, ISBN 3-928786-41-5).
  • Die Königlich Württembergischen Staatseisenbahnen. Rückschau auf deren Erbauung während der Jahre 1835–1889 unter Berücksichtigung ihrer geschichtlichen, technischen und finanziellen Momente und Ergebnisse. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1890. (als Nachdruck: Siedentop, Heidenheim 1986, ISBN 3-924305-01-3.)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Georg Morlok – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Schwäbische Kronik, Nr. 90 vom 18. April 1896 (Todesanzeige).
    Diese und weitere gedruckte Quellen widerlegen das auf dem Grabmal der Familie Morlok auf dem Stuttgarter Pragfriedhof – möglicherweise bei einer späteren Erneuerung von verwitterten Inschriften – falsch angegebene Sterbedatum Georg von Morloks.
  2. Hof- und Staatshandbuch des Königreichs Württemberg 1877, S. 28.