Gesellschaft für Technische Überwachung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gesellschaft für Technische Überwachung mbH
GTÜ-Logo.svg
Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gründung 8. Mai 1981
Sitz Stuttgart, Deutschland
Leitung Robert Köstler und Michael Bröning, Geschäftsführer
Mitarbeiter 204 (2015)
Umsatz EUR 285 Mio. (2014)[1]
Branche Technische Prüforganisation
Website www.gtue.de

Die Gesellschaft für Technische Überwachung mbH (GTÜ), ist in Deutschland neben dem TÜV Süd, dem TÜV Nord, dem TÜV Rheinland, der DEKRA und der KÜS eine amtlich anerkannte Überwachungsorganisation gemäß Anlage VIIIb der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung. Die GTÜ arbeitet mit rund 2.500 Prüfingenieuren und Sachverständigen im gesamten deutschen Bundesgebiet zusammen und hat ihren Sitz in Stuttgart.

Die Sachverständigen beschäftigen sich im Wesentlichen mit der technischen Überprüfung von Kraft- und Nutzfahrzeugen, Unfallgutachten und vielen anderen Dienstleistungen rund um den Straßenverkehr und die Kraftfahrzeugtechnik. Der Technische Dienst der GTÜ führt darüber hinaus im Rahmen der Fahrzeughomologation die EG-Typgenehmigung an Kraftfahrzeugen durch. Daneben hat die GTÜ ihre Überwachungstätigkeit auf die Bereiche Gebäude- und Anlagensicherheit sowie baubegleitende Qualitätsüberwachung ausgedehnt und betreibt Tochtergesellschaften, wie etwa die Zertifizierungsstelle.

Gesellschafter der GTÜ sind die Arbeitsgemeinschaft der Kraftfahrzeugsachverständigen (AGS), Sachverständigenverbände AGS, der Bundesverband öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger (BVS) und der Bundesverband der freiberuflichen und unabhängigen Sachverständigen für das Kraftfahrzeugwesen (BVSK).

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zentrale sitzt in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart und unterhält weitere Standorte in Berlin und Dortmund.

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Prüfingenieure der GTÜ führen zahlreiche gesetzlich vorgeschriebene Prüfungen an Fahrzeugen durch: 

Amtliche Überwachungsorganisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

- Hauptuntersuchung nach § 29 StVZO

- Änderungsabnahmen nach § 19 (3) StVZO

- Gutachten für die Einstufung eines Fahrzeugs als Oldtimer nach § 23 StVZO

- Gutachten nach § 5 Fahrzeug-Zulassungsverordnung

- Untersuchungen nach § 41, § 42 (2) bzw. 42 (1) BOKraft

- Sicherheitsprüfungen (SP) nach § 29 StVZO

- Ausstellung einer Bestätigung für § 13 FZV

- Tempo 100 Untersuchungen

- Verlängerung von ADR-Bescheinigungen

- Verlängerung von CEMT-Bescheinigungen

- Nachdruck von Untersuchungsberichten und Änderungsabnahmen

- ECE-Exportgutachten

- GWP (wiederkehrende Gasanlagenprüfung) nach VIIIa Punkt 2.1.2 zu §29 StVZO

- Gasanlagenprüfung (GAP) und Gassystemeinbauprüfungen (GSP) gemäß §41a Absatz 5 StVZO

Technischer Dienst der GTÜ[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Technische Dienst der GTÜ ist seit 2009 vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) als Prüflaboratorium nach DIN EN ISO/IEC 17025 und 17020 für Fahrzeuge, Systeme, Bauteile und selbständige technische Einheiten benannt. Mit über 350 Prüfverfahren können auf Basis europäischer Gesetzgebung alle Fahrzeugklassen und die meisten Systeme typgenehmigt werden. Die Einzelgenehmigung von Fahrzeugen wird durch über 130 Experten deutschlandweit flächendeckend angeboten.

GTÜ-Akademie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die GTÜ-Akademie veranstaltet pro Jahr ca. 1200 Seminartage im Bereich der Qualifikation und Weiterbildung von Prüfingenieuren und Sachverständigen. Für die Qualifikation zum KFZ-Prüfingenieur ist die GTÜ-Akademie von der Agentur für Arbeit als Träger nach AZAV zugelassen, hieraus ergeben sich Fördermöglichkeiten.

Die Fortbildung von Prüfingenieuren wird an über 60 Standorten angeboten. Um das Angebot für Prüfingenieure abzurunden können Fortbildungen seit 2008 auch über E-Learning absolviert werden. Seit 2009 ist die GTÜ-Akademie auch in der Qualifizierung von Unterschriftsberechtigten des Technischen Dienstes tätig.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit zahlreichen Veröffentlichungen für Autofahrer und Fachwerkstätten informiert die GTÜ umfangreich dazu, wie die Verkehrssicherheit im Straßenverkehr gesteigert werden kann. Zu den Veröffentlichungen gehören Ratgeber, Checklisten, Fachinformationen oder auch die Ergebnisse zu vielfältigen Produktvergleichstests wie z. B. zu Sommer- und Winterreifen.

Weitere Geschäftsfelder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die GTÜ und ihre Vertragspartner sind neben der amtlichen Fahrzeugüberwachung in weiteren Geschäftsfeldern im Sachverständigenwesen tätig.

  • Kraftfahrzeugwesen
  • Baudienstleistungen
  • GTÜ-Classic (Old-/Youngtimer)
  • Umweltschutz, Energie, Qualität und Arbeitssicherheit/UVV (UEQA)

Qualitätssysteme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die GTÜ hat verschiedene Qualitätssysteme entwickelt, die vor allem in den Kfz-Werkstätten zum Einsatz kommen. Dazu gehören das GTÜ-Umweltsiegel, Werkstattaudits- und –tests sowie der Zustandsbericht nach System GTÜ für Gebrauchtwagen. Im Baubereich dokumentieren die Qualitätssysteme des GTÜ-Bausiegels die Qualität der durchgeführten Bauleistungen.

Tochtergesellschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

GTÜ-Anlagensicherheit GmbH[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die GTÜ-Anlagensicherheit GmbH ist notifiziert als Benannte Stelle (Zertifizierungsstelle und Prüflaboratorium) für Konformitätsbewertungsverfahren zum Inverkehrbringen von Aufzügen. Sie ist eine Zugelassene Überwachungsstelle und VAwS Sachverständigen-Organisation. 

GTÜ-Zertifizierungsstelle GmbH[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die GTÜ-Zertifizierungsstelle GmbH ist von der DAkkS, Deutsche Akkreditierungsstelle GmbH, akkreditiert. Sie zertifiziert Unternehmen nach DIN EN ISO 9001.

GTÜ ATE EL AG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2013 gründeten die GTÜ und der luxemburgische Homologationsspezialist ATE EL S.á.r.l. ein gemeinsames Unternehmen, die GTÜ ATE EL AG. Diese Beteiligung führte bei beiden Partnern zu Synergieeffekten und zur Erweiterung des Dienstleistungsportfolios. Sowohl Audi, BMW, Mercedes, Porsche und VW, als auch Kunden wie Iveco, Hymer, KTM und Touratech profitieren von dem nun erweiterten Homologationsangebot für alle Fahrzeugarten und Bauteile zur Erlangung von Typ- und Einzelgenehmigungen nach Deutschland (E1) und Luxemburg (E13). 

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bundesverband öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger e.V. (BVS) gründet 1977 unter seinem Präsidenten Hans J. Altmeier die GTÜ in München. Ursprünglicher Gesellschaftszweck ist die technische Überwachung und Überprüfung von Anlagen und Fahrzeugen aller Art. 1981 erfolgt die Umgründung der GTÜ in eine Sachverständigenorganisation durch 110 selbständige Kfz-Sachverständige als GTÜ-Vertragspartner in Stuttgart.

Mit der 8. Änderungsverordnung straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften treten 1989 die neue Anlage VIII und damit die Öffnung des § 29 StVZO in Kraft (BGBl. 1989 I, 1001). Jetzt können die Bundesländer weitere Überwachungsorganisationen, die von selbständigen und hauptberuflich tätigen Kfz-Sachverständigen gebildet und getragen werden, anerkennen. Der neu gegründete BVS-KSV (BVS-Kraftfahrtsachverständigen-Verein e.V.) nimmt ab diesem Jahr die Interessen seiner Mitglieder bei der Organisation von Fahrzeuguntersuchungen und die Treuhandaufgaben für den BVS in der Gesellschafterversammlung der GTÜ wahr.

Baden-Württemberg erkennt 1990 als erstes Bundesland die GTÜ als amtlich anerkannte Überwachungsorganisation gemäß Anlage VIII StVZO an. In der Folge erhält die GTÜ auch in allen anderen Bundesländern die amtliche Anerkennung. Die erste Hauptuntersuchung der GTÜ wird am 26.11.1990 von GTÜ-Prüfingenieur Egon Schäfer, Heilbronn/Sinsheim, durchgeführt. Die GTÜ prüft ab September 1993 in allen Bundesländern. Als weitere Geschäftszweige werden aufgenommen: Umweltschutz, Energieberatung, Qualitätssicherung und Arbeitssicherheit (Arge UEQA).

Mit der 16. Änderungsverordnung zur StVZO wird 1994 auch das Monopol der Technischen Prüfstellen für Änderungsabnahmen an Fahrzeugen gemäß § 19 Abs. 3 StVZO beseitigt. Die GTÜ kann als Überwachungsorganisation jetzt auch diese amtlichen Fahrzeug-Prüfungen durchführen.

Die GTÜ gründet 1995 die GTÜ Zertifizierungsstelle GmbH (GTÜZ) mit der Aufgabe, QM-Systeme nach DIN EN ISO 9001-9003 zu zertifizieren. 1996 wird die GTÜZ von der Trägergemeinschaft für Akkreditierung (TGA) als Zertifizierungsstelle gemäß DIN EN 45012 akkreditiert und ist damit befugt, die Zertifizierung von Qualitätsmanagementsystemen nach der Normenreihe DIN EN ISO 9000 ff. durchzuführen.

Die GTÜ weitet 1999 ihre Geschäftstätigkeit aus. Mit der Aufnahme des Geschäftsfeldes BQÜ –Baubegleitende Qualitätsüberwachung – betätigt sie sich außerhalb der Kfz-Branche in einem weiteren Bereich. 2005 kann die GTÜ auf 15 Jahre erfolgreiche Anerkennung als Überwachungsorganisation zurückblicken. Die Statistik weist folgende Daten aus:

  • Anzahl GTÜ-Partner: rund 1950, davon ca. 1500 Kfz-Sachverständige
  • Anzahl der Fahrzeuguntersuchungen: 4,6 Mio.
  • Marktanteil bei Hauptuntersuchungen: ca. 13 %

2006: Die GTÜ wird von der Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik (ZLS) im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (StMUGV) als Zugelassene Überwachungsstelle gemäß Betriebssicherheitsverordnung befugt. Diese Befugnis gilt für:

  • Druckgeräte und einfache Druckbehälter nach § 1 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 BetrSichV
  • Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen und Anlagen für entzündliche, leicht entzündliche und hoch entzündliche Flüssigkeiten nach § 1 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 und 4 BetrSichV
  • Aufzugsanlagen nach § 1 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 BetrSichV

Dieses Tätigkeitsfeld war seit über 140 Jahre ausschließlich ein TÜV-Monopol. 

Die in 2006 beschlossene „Neuordnung des Rechts der Zulassung von Fahrzeugen zum Straßenverkehr“ tritt 2007 in Kraft. Damit können nun auch die Prüfingenieure der GTÜ Fahrzeuge, die länger als 18 Monate abgemeldet waren, im Rahmen einer Hauptuntersuchung gemäß § 29 StVZO prüfen. Damit ist der Weg frei für eine Wiederzulassung länger stillgelegter Fahrzeuge ohne aufwändiges „Vollgutachten“ durch einen amtlich anerkannten Sachverständigen. Die GTÜ-Prüfingenieure dürfen nun auch gemäß § 23 StVZO Gutachten für die Einstufung eines Fahrzeugs als Oldtimer erstellen. Oldtimer-Begeisterte können in der umfangreichen GTÜ-Datenbank www.gtue-oldtimerservice.de nach Informationen zu Oldtimern recherchieren. 

2008 wird die GTÜ Anlagensicherheit vom Umweltministerium Baden-Württemberg als Sachverständigenorganisation gem. § 22 der Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen und über Fachbetriebe (VAwS) anerkannt und von der Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik (ZLS) im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (StMUGV), München, als Benannte Stelle für das Inverkehrbringen von Aufzügen akkreditiert.

Die EG-Fahrzeuggenehmigungsverordnung (EG-FGV) tritt 2009 in Kraft. Die Verordnung setzt die Rahmenrichtlinie 2007/46/EG zur Typ- und Einzelgenehmigung von Neufahrzeugen mit mindestens vier Rädern in nationales Recht um. Die GTÜ hatte sich zuvor national und auf EU-Ebene erfolgreich dafür eingesetzt, dass Einzelgenehmigungsprüfungen auch von hierfür durch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) benannten Technischen Diensten durchgeführt werden dürfen. Die GTÜ schließt einen Kooperationsvertrag mit der FAKT GmbH. 

Der Geschäftsbereich „Anlagensicherheit“ der GTÜ wird 2010 nach einer Phase intensiven Wachstums und einer sichtbaren Positionierung am liberalisierten Prüfmarkt für überwachungsbedürftige Anlagen in die GTÜ Anlagensicherheit GmbH ausgegliedert. Die Befugnisse als Zugelassene Überwachungsstelle, Zertifizierungsstelle für Aufzüge und Prüflaboratorium für Aufzüge sowie die Anerkennung als Sachverständigenorganisation nach VAwS gehen auf die neue Gesellschaft über.

Im Bereich Oldtimerrecherche finden 2012 der Umzug des GTÜ-Oldtimerarchivs nach Stuttgart und die Neuordnung des Fachbereichs Oldtimer statt, mit dem Ziel „Mehr Unterstützung unserer Partner im Bereich Oldtimerwertgutachten durch Marktwertanalysen und Fachwissen“.

Die GTÜ und ATE EL gründeten 2013 ein gemeinsames Unternehmen, die GTÜ ATE EL AG, zur Bündelung der Kompetenzen und Ressourcen im Sinne unserer Kunden. Die GTÜ-Prüfingenieure knacken 2013 die 50-Mio.-Marke bei der Hauptuntersuchung gemäß § 29 StVZO. Der Marktanteil wächst auf 15,2 %. Der GTÜ haben sich bis dato 2225 Kfz-Sachverständige angeschlossen. 

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jahres(einzel)abschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2014 bis zum 31.12.2014; abgerufen am 6. Januar 2017 bei www.unternehmensregister.de